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Seid Ihr bereit, monatelang auf Zahlungen von Euren Kunden zu warten?
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Apr 23, 2008

Tonfall einer Kundin (Übersetzungsbüro), als ich nach einmonatigem Zahlungsverzug zum dritten Mal nach meiner Bezahlung fragte: Hören Sie endlich auf uns zu schikanieren, Sie bekommen Ihr Geld schon noch. Wir haben bisher noch immer gezahlt. Ausgemacht waren 2 Wochen nach Eingang der Rechnung gewesen.
Seither habe ich ihre Jobanfragen konsequent abgewiesen.
Was hätte sie wohl gesagt, wenn ich ihre Übersetzung so spät geliefert und ihre Nachfragen derart "nett" beantwortet hätte?

Zum Glück ist das bei meinen Kunden der absolute Ausnahmefall.
Aber....welche Zahlungsfristen sind für freiberufliche Übersetzer eigentlich wirklich zumutbar? Gibt es wirklich Übersetzer, die bereit sind, geduldig wochen- oder gar monatelang auf die Bezahlung ihrer Rechnungen zu warten?

Meine Ansicht hierzu ist, dass eine fristgerechte Lieferung auch fristgerecht bezahlt werden sollte.

Wie seht und handhabt Ihr das? Welche Fristüberschreitungen seid Ihr bereit zu akzeptieren?
Ich freue mich auf Eure Meinungen und hoffe, hiermit Anlass zu einer angeregten Diskussion gegeben zu haben.

Gruß,
Kerstin Mouhannaya


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Jan Lohfert
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Freche Menschen gibt's überall... Apr 23, 2008

Na ja, solche schwarzen Schafe gibt es natürlich.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung vieler Übersetzer betrifft das aber nicht nur Übersetzungsbüros, sondern auch Direktkunden!

Als Übersetzer und Geschäftsführer eines Übersetzungsbüros kann ich das ganz gut beurteilen, denke ich.

Wir bezahlen unsere Übersetzer immer nach dreißig Tagen, unsere Kunden in Asien lassen sich aber gerne mal zwei oder drei Monate mit der Bezahlung Zeit.

Bei Neukunden (z. B. Privatleuten, Kunden im Ausland) besteht immer das Risiko, dass man sein Geld gar nicht erhält und auf den Kosten sitzen bleibt.

Ein probates Mittel ist natürlich Vorkasse, auch wenn man dadurch einige Kunden dann gar nicht mehr akquirieren kann.

Generell würde ich sagen: Man sollte abwägen, ob sich der Ärger mit solchen Kunden lohnt. Frechheiten muss sich niemand gefallen lassen. Tendenziell würde ich mir eher andere Kunden suchen. Ärger kostet Zeit und Zeit ist kostbar...

Nebenbei: Es besteht eine gesetzliche Pflicht, spätestens dreißig Tage nach Rechnungseingang zu bezahlen. Wenn zwei Wochen in der AUFTRAGSBESTÄTIGUNG festgelegt wurden, gilt das als akzeptiert, es sei denn, der Kunde hat widersprochen.


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Jan Lohfert
Germany
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Noch etwas... Apr 23, 2008

Hast du dir nicht das Blueboard des Kunden angesehen?

Die meisten Büros stehen da doch mittlerweile drin, warum also nicht nachsehen, wie andere Übersetzer das Büro bewerten.

Oder explizit nach "Referenzen" anderer Übersetzer fragen, die schon einmal für das Büro gearbeitet haben.

Wenn die seriös sind, haben die auch Verständnis dafür...

Man sollte es vielleicht nicht übertreiben und bei jedem 20-Euro-Job auf Vorkasse oder Referenzen bestehen, ist aber sonst absolut ok, denke ich.

Wir haben damit jedenfalls keine Probleme!

Viele Grüße und Kopf hoch

[Bearbeitet am 2008-04-23 09:52]


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OK, das hatte ich vergessen: Apr 23, 2008

Ich arbeite nach einigen Anfangspannen seit einigen Jahren ausschließlich für Kunden, die einen entsprechend guten Ruf haben. Ich sehe IMMER ins BlueBoard, bevor ich einen Neukunden überhaupt akzeptiere, und ich sehe in zwei Zahlungspraxis-Listen nach, in denen ich Mitglied bin. Für diese Kundin hatte ich vorher einige Aufträge erledigt, die fristgerecht bezahlt worden waren. ....

Aber darum geht es hier eigentlich gar nicht. Der o.g. Fall ist längst ad acta gelegt und sollte vielmehr als "Aufhänger" für eine Diskussion zum Thema Zahlungsverzug und Schmerzensgrenze dienen

Insofern freue ich mich auf Eure Meinungen.


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Herbert Fipke  Identity Verified
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Ja, gibt es... Apr 23, 2008

Kerstin Mouhannaya wrote:
Gibt es wirklich Übersetzer, die bereit sind, geduldig wochen- oder gar monatelang auf die Bezahlung ihrer Rechnungen zu warten?


Hallo Kerstin. Ja es gibt solche Übersetzer. Ich bin zum Beispiel so einer.
Ich habe überhaupt nur einen Kunden, der nur wenige Tage nach Lieferung immer sofort bezahlt. Die meisten zahlen nach irgendwie nach 20-40 Tagen, einige Großkunden (z.B. Logos) zahlen generell erst nach 45 Tagen. 45 Tage bedeuten de facto 2 Monate, bis die Kohle da ist. Da im Falle von Logos allerdings IMMER völlig zuverlässig OHNE Nachhaken bezahlt wird, ist mir das wurscht.

Bei einem kontinuierlichen Workflow spielt es meiner Ansicht nach keine Rolle, wann gezahlt wird. Wichtiger ist, dass überhaupt gezahlt wird.
Ich sortiere vor allem Kunden aus, die gar nicht oder gekürzt oder nur teilweise oder erst nach Aufforderung zahlen. Bei guten Einzelkämpfer-KollegInnen akzeptiere ich schon mal, wenn eine Zahlung verschlampt wird und gemahnt werden muss, bei Agenturen grundsätzlich nicht.


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Margreet Logmans  Identity Verified
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Dreißig Tagen Apr 23, 2008

Es besteht eine gesetzliche Pflicht, spätestens dreißig Tage nach Rechnungseingang zu bezahlen.
Genau, jedenfalls in der EU.
Nach 45 Tagen schreibe ich einen E-Mail. Und dann jede Woche, bis man bezahlt hat.

Jobangebote die einen Zahlungstermin von mehr als 30 Tage voraussetzen akzeptiere ich überhaupt nicht.


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
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Schlicht unverschämt! Apr 23, 2008

Hallo Kerstin,

ich schließe mich Jan an und füge hinzu, dass das Verhalten des Übersetzungsbüros nicht nur unverschämt, sondern darüber hinaus auch noch unprofessionell ist. Macht keinen guten Eindruck!

Wenn 2 Wochen als Zahlungsziel vereinbart ist, befindet sich die Firma (ich bin kein Anwalt, aber...) bereits in Verzug! Nicht hinhalten lassen!

Good luck!
Aniello


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Wenjer Leuschel  Identity Verified
Taiwan
Local time: 13:01
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Einmal genügt. Apr 23, 2008

Kerstin Mouhannaya wrote:

Wie seht und handhabt Ihr das? Welche Fristüberschreitungen seid Ihr bereit zu akzeptieren?


Abgemachte Termine sind einzuhalten. Wenn es eine Zahlungsverzug sein muß, dann sollte der Übersetzer höfflich gefragt werden. Genauso wie bei einer Lieferverzug, soll man vorher bei dem Kunden um eine Fristverlängerung bitten.

Mit solchen frechen Kunden soll man nichts mehr weiter zu tun haben. Einmal genügt.


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nettranslatorde
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Zu Herbert: Apr 23, 2008

[quote]Herbert Fipke wrote:

Hallo Kerstin. Ja es gibt solche Übersetzer. Ich bin zum Beispiel so einer.
Ich habe überhaupt nur einen Kunden, der nur wenige Tage nach Lieferung immer sofort bezahlt. Die meisten zahlen nach irgendwie nach 20-40 Tagen, einige Großkunden (z.B. Logos) zahlen generell erst nach 45 Tagen. 45 Tage bedeuten de facto 2 Monate, bis die Kohle da ist.


Herbert, das meinte ich eigentlich nicht.

Klar haben verschiedene Kunden auch verschiedene Zahlungsperioden. Das ist natürlich Vereinbarungs- bzw. Verhandungssache. Wenn die Zahlung dann pünktlich wie vereinbart kommt, wie beispielsweise bei Logos, ist das für mich auch kein Problem.

Allerdings finde ich es unerträglich, wenn eine bestimmte Frist vereinbart und vom Kunden deutlich akzeptiert wurde und dann nicht eingehalten wird. Wir haben schließlich auch fristgerecht geliefert.

Für mich ist eine gute Geschäftspartnerschaft nur dann gegeben, wenn beide (Übersetzer und Kunde) sich an die Abmachungen halten. Ist dies nicht gegeben und muss ich ständig wochenlang mahnen, eventuell noch unverschämte Äußerungen hinnehmen, sehe ich in der Regel wenig Gründe, eine solche unerfreuliche Geschäftsverbindung weiter aufrecht zu erhalten.

Deinen letzten Ausführungen entnehme ich, dass Du das ähnlich siehst

Gruß,
Kerstin


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Williamson  Identity Verified
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Richtlinie 2000/35/EG Apr 23, 2008

zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr:

-http://ec.europa.eu/enterprise/regulation/late_payments/index.htm

und die Transposition ins BGB:

Gesetz zur Modernisierung des Schuldrechts vom 26.11.2001 Bundesgesetzblatt
2001 Part I, p.3138

und auch mal zurück "schickanieren" tut nicht weh. Kann dabei behilflich sein:

http://www.europeanpayment.com/483_ENG_R.asp



[Edited at 2008-04-23 14:29]


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Miguel Jimenez  Identity Verified
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Richtig Apr 23, 2008

Hallo Kerstin
Du hast schon richtig gehandelt. Der Kunde muss die vorher vereinbarten Fristen einhalten, genauso wie wir mit unsere Übersetzungsabgabe.
Ich lasse normalerweise noch einpaar Tage durch, aber dann frage ich schon nach was mit der Bezahlung los ist .
Aber wenn ein Kunde noch frech wird, dann überlege ich es, ob ich nochmal für Ihm arbeite.
Meine Fristen sind normal 30 Tage. Bis 45 Tage lasse ich auch noch durchgehen.
Aber es gibt viele Kunde aus fernen Länder die schon 60 oder 120 Tage bezahlen wollen. Da muss man lieber die Finger von weglassen.

Grüße

[Edited at 2008-04-23 17:55]


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Eva H  Identity Verified
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Frankreich Apr 23, 2008

Hallo,

Ich habe unlängst von einer französischen Agentur die folgende Information erhalten: "French business law stipulates payment from 30 to 60 days and 90 days for some sectors."

Und Frankreich ist nicht einmal ein so fernes Land...

Grüsse,

Eva


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Harry Bornemann  Identity Verified
Mexico
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Schikane Apr 24, 2008

Kerstin Mouhannaya wrote:
Hören Sie endlich auf uns zu schikanieren, Sie bekommen Ihr Geld schon noch.

Wenn ein säumiger Schuldner nicht mehr mit mir reden möchte, muss er bald mit meinem Anwalt reden. Dann erfährt er auch, was "Schikane" wirklich bedeutet.


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Gillian Searl  Identity Verified
United Kingdom
Local time: 06:01
Member (2004)
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Sag es ganz offen Apr 24, 2008

"Ich akzeptiere keine Aufträge mehr bis ich die Bezahlung bekomme. Ich mache meine Arbeit gut and erwarte das meine Kunden auch gut mir mit umgehen"

Die Kunden soll wissen was erwartet wird und was die Konsequenzen sind. Hol dir ein bisschen Verhandlungsmacht zurück!

Anderes Beispiel:
Neulich kam ein Neukunde mit 3000 Wörter akademisches Forschungsbericht, ganz dringend, gute Bezahlung. Ok, mache ich, Blue Board ist in Ordnung. Liefere die Übersetzung, Kommentar "Bitte korrigieren, war nicht vom Muttersprachler übersetzt". Nichts macht mich ärgerlicher als solche Kommentaren. Dann schrieb ich zurück "Wenn meine Übersetzung nicht von einem Muttersprachler gemacht war, hilft es nicht wenn ich es korrigiere". Dann war auf einmal alles ok und "Können Sie bitte noch einiges machen?". "Nein".

Wir sind nicht machtlos in diesem Geschäft!
Grüße
Gillian


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Annette Bredewold
Denmark
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Member (2004)
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Reaktion auf Zahlungsverzug/ unverschämte Antwort der Kundin Apr 24, 2008

Ich hatte vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall.
Zahlungsverzug kann meiner Meinung nach passieren (insbesondere kleinere Agenturen sind ja oft davon abhängig, wann der Endkunde zahlt), aber der Übersetzer ist bei evt. Zahlungsschwierigkeiten umgehend und höflich darüber zu informieren.
Bei einer solch unverschämten Mail würde ich einen entsprechenden Blueboard-Eintrag vornehmen, um auch andere Übersetzer vor solchen Praktiken zu warnen. In meinem Fall mit einer estnischen Agentur hat dies schier Wunder bewirkt - ich erhielt nicht nur mein Geld, sondern auch eine sehr nette Entschuldigung und arbeite noch immer für diese Agentur - mit stets pünktlicher Bezahlung.
Ich denke, in den meisten Ländern ist eine Bezahlung innerhalb von 30 Tagen normal. Ich persönlich warte danach noch ca. 1 Woche ab, danach berechne ich Mahngebühren und Verzugszinsen laut Vertrag.


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