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Neue Agentur - Was hättet Ihr gemacht???
Thread poster: Sandra SAYN
Sandra SAYN
Germany
Local time: 10:00
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+ ...
May 14, 2008

Liebe Kollegen,

ich hatte kürzlich eine stressige, unangenehme Diskussion mit einer neuen Agentur.
Ich würde euch das gerne mal schildern, und Eure Meinung dazu wissen.

Die Situation war folgende:
Vor einiger Zeit bekam ich eine Preisanfrage (Wortpreise für verschiedene Tätigkeiten - Übersetzen, Korrekturlesen, Editieren etc.) einer US Agentur. Ich gabe Ihnen meinen Mindestpreis pro Wort, mit dem Hinweis, dass dieser aber nur für einfachere, generelle Texte gelte, und dass weiteres verhandelt werden müsse (halt je nach Schwierigkeit, Fachtexte, Deadline etc).
So weit so gut.
Eine ganze Weile habe ich nichts gehört.
Vor ca 14 Tagen bekam ich eine Test-/Probeübersetzung (Auszug aus einem Geschäftsbericht).
Danach die Nachricht: "Super, Sie haben bestanden, wir würden gerne ins Team aufnehmen."
Kurz darauf erhielt ich Vertrag und AGBs.
Im Vertrag sah ich dann als Honorar meinen zuvor gegebenen Minimalpreis (offensichtlich hier dann für alle Arten von Übersetzungen).
Ich meldete mich bei der Agentur mit dem Hinweis zurück, dass ich preislich eine Staffelung brauche und dies, wie bereits vor Wochen erwähnt, nur in Basispreis sei.

Daraufhin wurden die Herrschaften etwas "unnett".
(Sie hätten nur einen Preis für alle Arbeiten, was anderes gibt es nicht, das wär halt so, friss oder stirb, wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie auf einfache Texte warten, und bis die mal kommen, das dauert ...etc.etc.)
Naja, normalerweise hätte ich da den Mailverkehr schon beenden sollen...

Ich schrieb aber nochmal zurück und bot, nach neuer Kalkulation, einen anderen, erhöhten Preis an mit dem ich auch für unterschiedliche Texte ganz gut klargekommen wäre.
....
"Nee, also das ginge ja gar nicht, entweder ich berechne den ursprünglichen Fixpreis, oder nix, das wär nunmal nicht zu ändern, einmal gegebener Preis gilt." (für immer und ewig?????!)....blablabla.
...
häää?
....
Ich habe dann meine "Teilnahme" dort "abgesagt".

Und doch ist mir das ganze nicht aus dem Kopf gegangen.
Ich habe so etwas noch nicht erlebt.
Ist das normal/oft so?.
Ich muss echt mal fragen, da ich ja noch nicht soooo lange "auf eigene Faust" arbeite.

Viele Grüße
Sandra


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Andy Lemminger  Identity Verified
Canada
Local time: 02:00
Member (2002)
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Ja May 14, 2008

Hi Sandra,

logisch, mit manchen Agenturen läuft das so.

Generell ist es nach meiner Erfahrung nicht empfehlenswert, Mindestpreise an Agenturen zu melden, weil dies dann zum Standardpreis wird. Das ist nicht einmal böse gemeint, denn Agenturen sind halt Unternehmen, die ihren Gewinn erzielen möchten und oftmals in ihrer EDV keine verschiedenen Preise vorsehen.
Mach es nicht zu kompliziert und teile deinen normalen Preis mit. Dann kannst du immer noch ablehnen, wenn ein zu komplexer Job angeboten wird.

Viele Grüße

Andy

www.interlations.com


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Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 10:00
Member (2007)
English to German
+ ...
Standardpreis statt Preisspanne May 15, 2008

Ich habe dann meine "Teilnahme" dort "abgesagt".


Ich hätte ebenfalls auf eine Zusammenarbeit verzichtet.

Leider gibt es auch in unserer Branche Unternehmen, die ihr wichtigstes Kapital, die Mitarbeiter, wie den letzten Dreck behandeln.

Man erkennt sie an folgenden Kriterien:
- Kostenlose Probeübersetzungen.
- Niedrige Wort-/Zeilenpreise.
- Knebelverträge.
- Lange Zahlungsfristen (2-3 Monate).
- Mangelnde Kooperation bei Rückfragen. ("Übersetzen Sie einfach das, was da steht.")

Andererseits ist es tatsächlich üblich, sinnvoll und notwendig, einen Standardpreis zu vereinbaren. Das spart eine Menge Verhandlungszeit.

Außerdem gibt es im Grunde weder leichte noch schwierige Texte. Wenn ein Text für dich "schwierig" ist, solltest du den Auftrag ablehnen, denn dann bist du der falsche Übersetzer für diesen Text. Finanztexte sind für Finanzübersetzer nicht schwierig, sondern Routine.

Fazit:
- Übersetzungsbüros benötigen deinen Standardpreis pro Wort/Zeile und deinen Eilzuschlag.
- Direktkunden bevorzugen vorab vereinbarte Festpreise (Komplettpreis für das gesamte Projekt).

Eine detaillierte Preisstaffelung auf der eigenen Website anzugeben, ist daher nicht sinnvoll. Bei drei Sprachrichtungen, drei Schwierigkeitsgraden und zwei verschiedenen Eilzuschlägen führt das schon zu 18 möglichen Wort-/Zeilenpreisen. Übersetzungsbüros interessiert das nicht und Direktkunden schreckt so etwas eher ab.


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Anita Cassidy  Identity Verified
United Kingdom
Member (2005)
English to German
Wortpreis / Stundensatz May 15, 2008

Stimme meinem Vorredner zu. Du solltest Agenturen einen Standardpreis pro Wort/Zeile/Zeichen (wichtig: angeben, ob sich der Preis auf Ausgangs- oder Zieltext bezieht!) sowie einen Stundensatz nennen und sowieso nur Texte annehmen, die Du bearbeiten kannst, ohne ins Schwitzen zu kommen (so dass auch kein Preis für besonders "schwierige" Texte gelten kann).

Bei Aufträgen, die aus bestimmten Gründen aufwändiger sind als die Texte, die Du normalerweise bearbeitest (handschriftlich, extrem viel zu formatieren, schlechte Qualität des Ausgangstexts, usw. usf.) solltest Du mit der Agentur vor Auftragsannahme vereinbaren, pro Stunde abzurechnen, so dass Du hinterher nicht als der Verlierer dastehst.

Es gibt natürlich viele Agenturen, die sich auch auf solche Verhandlungen nicht einlassen wollen und sich lieber auf ihre eigenen Gewinnmargen konzentrieren. Aber von denen sollte man sowieso lieber die Finger lassen.

Alles Gute
Anita


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Sandra SAYN
Germany
Local time: 10:00
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+ ...
TOPIC STARTER
Man lernt halt niemals aus... May 15, 2008

Liebe Kollegen,
okay, habe ich echt was gelernt!

In Zukunft werde ich sofort einen entsprechenden Preis kalkulieren.
Manchmal steckt man halt irgendwie nicht drin.
Bisher hat es sich meistens so ergeben, dass ich mit einem Komplettpreis gearbeitet habe.

Ich habe hier eine andere Agentur, die mit ein Formular geschickt hat, in dem es genau so eine Unterteilungen nach
Allgemeinsprachliche Texte
Business
Marketing
etc. gibt.

Aber, wie man hier im Rheinland so schön sagt - "Jeder Jeck is anders".

Mit meinem neuen, 2. Preisvorschlag wäre ich ja gut hingekommen.... die Agentur aber wohl nicht....

Abgesehen davon, das mit den "schwierigen Texten" bezog sich eher auf Fachtexte vs. eher allgemeinsprachliche Texte.
Ich würde auf gar keinen Fall etwas annehmen, dass
a) nicht meinen Kenntnissen entspricht und
b) bei dem ich mich,in welcher Weise auch immer, berfordert fühlen würde.

Wie handhabt Ihr denn Preise für Arbeiten wie Korrekturlesen, Editieren etc., wenn speziell danach gefragt wird?
Das Korrekturlesen kann ja manchmal aufwendiger als das Übersetzen an sich sein.

Viele Grüße
Sandra


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xxxhazmatgerman
Local time: 10:00
English to German
Verhandlungssache/Textschwere May 15, 2008

@Grossmann: Es ist doch normal, daß zwei Geschäftspartner sich nicht auf die Konditionen einigen können und dann nicht zusammenarbeiten, und der Weg zu diesem Stand führt notwendigerweise über Austausch von Angeboten/Gegenangeboten usw. Für vorhersehbares Massengeschäft ist ein Durchschnittspreis sicher für beide Seiten besser; für Spezialfälle eben nicht.
@Schneider: Der Aussage "Außerdem gibt es im Grunde weder leichte noch schwierige Texte." kann ich nicht zustimmen; in jedem Fachgebiet gibt es einfache und schwierige Texte. Manche Terme hat man schon, manche muß man erst recherchieren. Das 500te SDB nach altem Recht ist für mich Routine; das 1. nach den neuen REACH-Anforderungen eben nicht, obgleich identischer Sachverhalt. Darum ist Arbeitsaufwand auch unterschiedlich und damit Stück- oder Gesamtpreis.
Schönen Gruß an Sie beide.


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xxxSaifa
Local time: 10:00
German to French
+ ...
Was du nicht sagst... May 20, 2008

Hallo Sandra,

ich stimme Richard völlig zu.
Sei froh, dass du noch nicht angefangen hattest, für diese neue Agentur zu arbeiten!


Wie handhabt Ihr denn Preise für Arbeiten wie Korrekturlesen, Editieren etc., wenn speziell danach gefragt wird?
Das Korrekturlesen kann ja manchmal aufwendiger als das Übersetzen an sich sein.


Da hast du allerdings Recht!
Mittlerweile akzeptiere ich nur noch Korrekturarbeiten von ganz wenigen, seriösen Kunden, und auch das nie, ohne mir den Originaltext und den zu korrigierenden Text vorher ganz genau angesehen zu haben.
Ich berechne pro Stunde, nach Aufwand (es scheint mir fairer zu sein, als pro Wort zu berechnen: wenn wenig auszusetzen gibt, ist es dann für den Kunden billiger).

Viel Glück!


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