Konventionalstrafe in Vertraulichkeitserklärung
Thread poster: Elvina Tran

Elvina Tran  Identity Verified
Germany
Local time: 11:01
German to French
+ ...
May 26, 2008

Liebe Kollegen,

eine Agentur hat mir eine Vertraulichkeitserklärung geschickt, die ich unterschreiben soll. Nichts ungewöhnliches. Bis auf die Höhe der Konventionalstrafe von 10 000 CHF. Natürlich habe ich keinesfalls die Absicht, gegen die Abmachung zu verstoßen, aber diese hohe Summe gibt mir doch zu denken. Ist das gängige Praxis? Natürlich zwingt mich keiner, die Vereinbarung zu unterschreiben, aber mich würde Eure Meinung interessieren.

Viele Grüße,
Elvina


Direct link Reply with quote
 

Detlef Aberle  Identity Verified
Local time: 06:01
Member (2003)
English to Spanish
+ ...
Ich würde einen mir bekannten Anwalt fragen May 26, 2008

Sehr geehrte Elvina,

Ich lebe in Argentinien und meine Reaktion auf Ihre Frage ist deshalb "typisch argentinisch".

Wenn mich die Arbeit nicht interessiert, würde ich sie fahren lassen. Aber ich nehme an, dass Sie gerne einen neuen Kunden gewinnen möchten. Die Frage ist: Kann ein Kunde mit bösen Absichten einen Verstoß "erfinden" und die Strafe einziehen, oder kann man, bevor man eine erfundene Konventionalstrafe zahlen muss , sich verteidigen? Haben Sie keinen befreundeten Anwalt der Ihnen da raten kann? Ich habe bisher nur Vertrauenserklärungen unterschrieben in denen keine bestimmte Summe genannt wurde.

Mit freundlichen Grüßen.

Detlef Aberle
aberle@arnet.com.ar


Direct link Reply with quote
 
Noe Tessmann  Identity Verified
Local time: 11:01
English to German
+ ...
Nicht immer May 27, 2008

Hallo Elvina,

ich hatte auch einmal so eine Vertragsstrafe in einer Vertraulichkeitserklärung. Habe um eine Änderung gebeten, die wurde abgelehnt. Letztlich wurde nichts aus der Zusammenarbeit. Was aber nicht heißen soll, dass man sowas nicht unterschreiben soll.

LG

Noe


Mein Vorschlag war:

Für den Fall eines grob fahrlässigen Vorgehens meinerseits steht Ihnen ja immer der Rechtsweg offen, um Forderungen geltend zu machen. Ich schlage vor, dies in "von bis zu 5000 Euro" zu ändern.

[Edited at 2008-05-27 07:47]


Direct link Reply with quote
 

Wolfgang Jörissen  Identity Verified
Belize
Member
Dutch to German
+ ...
Beweislast? May 27, 2008

Hallo Elvina,

ehrlich gesagt habe ich in meinem naiven Leichtsinn derartige Erklärungen bislang anstandslos unterschrieben, zumal ich keinerlei Absicht habe, meine Kunden durch irgendeine Indiskretion zu vergraulen oder zu schädigen. Wobei ich durchaus verschiedene Klauseln gesehen habe. Manchmal wird Haftung bis zum Auftragswert verlangt, ein anderes Mal eben bewusste Vertragsstrafe in verschiedenen Höhen.

Bislang ist es mir in all den Jahren nicht an den Kragen gegangen. Was mich allerdings mal interessieren würde: Bei wem liegt eigentlich die Beweislast, wenn mir ein Kunde wirklich einen Verstoß vorwerfen würde?

Wer kennt sich aus?

Frohes Schaffen!
Wolfgang


Direct link Reply with quote
 

Karin Maack  Identity Verified
Germany
Local time: 11:01
English to German
Beweislast? ... wie immer? ...oder wo sonst! May 28, 2008

Ich habe eigentlich nicht viel Ahnung von solchen juristischen Problemen. Aber ich würde sagen, die Beweislast liegt immer bei dem, der die Beschuldigung vorbringt. Wenn mir also jemand etwas vorwirft, was er nicht beweisen kann, dann passiert nichts, oder?

Direct link Reply with quote
 

Allesklar  Identity Verified
Australia
Local time: 18:31
English to German
+ ...
ganz so einfach isses nicht May 29, 2008

Im Handelsrecht steht hierbei die "vorbehaltlose Abnahme" im Mittelpunkt. Diese gilt als erfolgt, wenn der Kunde die Übersetzung empfangen hat und nichts an ihr beanstandet. Mängel, die erst später ersichtlich sind (die z.B. wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht gleich festgestellt werden können) sind unverzüglich anzuzeigen.

Vor der vorbehaltlosen Abnahme liegt die Darlegungs- und Beweislast für die Mängelfreiheit beim Übersetzer, nach der vorbehaltlosen Abnahme beim Auftraggeber.

Hier ist das für den Architektenhonorarprozess ganz gut erklärt, lässt sich aber wohl auch auf unsere Situation übertragen:

http://delegibus.com/2006,5.pdf


In der Praxis ist es mir einmal vorgekommen, dass der Endkunde meiner Agentur eine meiner Übersetzungen zurückgeschickt hat, die von einem seiner angeblich "zweisprachigen" Mitarbeiter "korrigiert" wurde. Ich habe einfach ein paar Beispiele der gröbsten Fehlkorrekturen mit Erklärungen und Verweisen zum Duden angeführt und damit war die Sache erledigt.

Wie das ausgesehen hätte, falls das bis zu einem Gerichtsverfahren eskaliert wäre, weiß ich aber auch nicht.

PS
Habe jetzt doch noch gemerkt, dass es hier eigentlich um einen Bruch der Vertraulichkeitserklärung geht. Da würde ich auch zustimmen, dass die Beweislast bei dem liegt, der die Vorwürfe erhebt.


[Edited at 2008-05-29 08:54]


Direct link Reply with quote
 

Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 02:01
English to German
+ ...
Finde ich normal und in Ordnung May 29, 2008

In sämtlichen meiner früheren Anstellungsverträge als Art Direktorin bei Werbeagenturen lag die Konventionalstrafe für die Weitergabe oder Veräußerung von internen Informationen zwischen DM 100.000 und 250.000. Ich schicke gerne Kopien. Wer mit Werbetexten und Produktinnovationen zu tun hat, trägt auch Verantwortung. Das betrifft auch Übersetzung.

Übersetzungsagenturen, die Werbetexte oder Patente übersetzen lassen, geht es nicht anders. Stell dir vor, ein Übersetzer gibt (als kleinen, lockeren Nebenverdienst) Patentinformationen weiter, bevor die übersetzte Fassung im Zielland genehmigt und eingetragen wurde. Als Agentur würde ich mich da auch absichern. Aus unerfindlichen Gründen werden solche Konventionalstrafen bezüglich der Vertraulichkeitserklärung von vielen Übersetzern als Haftstrafe für mangelhafte Übersetzung angesehen.

Absoluter, paranoider Quatsch.

Wenn ein Übersetzer beispielsweise aber Produktnamen für Adidas eindeutschen soll, jedoch Schwein genug ist, vor Ablieferung der Übersetzung Nike anzurufen oder sich für ein paar Hundert Euro den schicken, neuerfundenen Produktnamen selbst eintragen zu lassen, dann verdient eine solche Person als vertraglicher Dienstleister nicht besser.

Den Menschen, der sich den Namen "E-Klasse" gesichert und sich dann von einem gewissen Automobilhersteller hat abfinden und verwöhnen lassen, kenne ich persönlich.

Nochmals: Solche Konventionalstrafen haben nichts mit irgendwelchen Übersetzungsfehlern zu tun, sondern nur mit der böswilligen und eigennützigen Absicht, interne Informationen zum eigenen Zweck zu verkaufen.


Direct link Reply with quote
 

Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 11:01
Member (2007)
English to German
+ ...
Konkretes Beispiel May 29, 2008

Stell dir vor, ein Übersetzer gibt (als kleinen, lockeren Nebenverdienst) Patentinformationen weiter (...) böswilligen und eigennützigen Absicht, interne Informationen zum eigenen Zweck zu verkaufen.


Bekanntestes Beispiel dafür ist wohl die U-Boot-Affäre, bei der 2003 eine Übersetzerin (damals ProZ-Mitglied) die technischen Handbücher eines in Deutschland entwickelten U-Boots für 100 000 US-Dollar an die Chinesen zu verkaufen versuchte.

Sie wurde vom Geheimdienst überführt und 2004 in Deutschland verhaftet. Welche Strafe in der Gerichtsverhandlung letztendlich verhängt wurde, weiß ich nicht (die Öffentlichkeit war ausgeschlossen). Allzu lange kann sie aber nicht gesessen haben, zumindest seit 2007 ist sie wieder als Übersetzerin tätig.

Grund für die Verzweiflungstat waren offenbar Geldnöte. Das Übersetzungsbüro, das ihr den umfangreichen Auftrag vermittelt hatte, wollte nicht bezahlen. Die Übersetzerin hatte ihrerseits aber bereits mehrere freie Mitarbeiter angeheuert, um die Übersetzung bewältigen zu können.


Direct link Reply with quote
 
Wenjer Leuschel  Identity Verified
Taiwan
Local time: 17:01
English to Chinese
+ ...
Interessant! May 29, 2008

So was kann schon passieren. Also, doch lieber mit Vertraulichkeitserklärung zu arbeiten.

Konventionalstrafe ist ja nur zum Abschrecken von Verstössen. Wenn man nichts in der Hinsicht verstießt, kommt auch keine Verfolgung.

Richard Schneider wrote:

Stell dir vor, ein Übersetzer gibt (als kleinen, lockeren Nebenverdienst) Patentinformationen weiter (...) böswilligen und eigennützigen Absicht, interne Informationen zum eigenen Zweck zu verkaufen.


Bekanntestes Beispiel dafür ist wohl die U-Boot-Affäre, bei der 2003 eine Übersetzerin (damals ProZ-Mitglied) die technischen Handbücher eines in Deutschland entwickelten U-Boots für 100 000 US-Dollar an die Chinesen zu verkaufen versuchte.

Sie wurde vom Geheimdienst überführt und 2004 in Deutschland verhaftet. Welche Strafe in der Gerichtsverhandlung letztendlich verhängt wurde, weiß ich nicht (die Öffentlichkeit war ausgeschlossen). Allzu lange kann sie aber nicht gesessen haben, zumindest seit 2007 ist sie wieder als Übersetzerin tätig.

Grund für die Verzweiflungstat waren offenbar Geldnöte. Das Übersetzungsbüro, das ihr den umfangreichen Auftrag vermittelt hatte, wollte nicht bezahlen. Die Übersetzerin hatte ihrerseits aber bereits mehrere freie Mitarbeiter angeheuert, um die Übersetzung bewältigen zu können.


Direct link Reply with quote
 

Wolfgang Jörissen  Identity Verified
Belize
Member
Dutch to German
+ ...
U-Boot-Affäre Jun 4, 2008

Richard Schneider wrote:

Allzu lange kann sie aber nicht gesessen haben, zumindest seit 2007 ist sie wieder als Übersetzerin tätig.


1 Jahr auf Bewährung, weiß Google.


Direct link Reply with quote
 

Nadine Kahn  Identity Verified
Germany
Local time: 11:01
English to German
+ ...
Wie weit kann man gehen? Jun 4, 2008

In viele Verträge (unabhängig von der Übersetzertätigkeit) werden Vertraulichkeitserklärungen integriert, wenn sensible Daten im Spiel sind. Allerdings habe ich mich auch schon des Öfteren gefragt, wie weit man gehen kann, wenn explizit nichts beschrieben wurde. Dürfen dann überhaupt noch Fragen bei ProZ eingestellt werden mit Sätzen aus diesen Dokumenten und reicht es, wenn man Produktnamen etc. unkenntlich macht?

Schönen Mittwoch allerseits!


Direct link Reply with quote
 


There is no moderator assigned specifically to this forum.
To report site rules violations or get help, please contact site staff »


Konventionalstrafe in Vertraulichkeitserklärung

Advanced search






LSP.expert
You’re a freelance translator? LSP.expert helps you manage your daily translation jobs. It’s easy, fast and secure.

How about you start tracking translation jobs and sending invoices in minutes? You can also manage your clients and generate reports about your business activities. So you always keep a clear view on your planning, AND you get a free 30 day trial period!

More info »
PDF Translation - the Easy Way
TransPDF converts your PDFs to XLIFF ready for professional translation.

TransPDF converts your PDFs to XLIFF ready for professional translation. It also puts your translations back into the PDF to make new PDFs. Quicker and more accurate than hand-editing PDF. Includes free use of Infix PDF Editor with your translated PDFs.

More info »



All of ProZ.com
  • All of ProZ.com
  • Term search
  • Jobs