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Promotion als Diplom-Übersetzer sinnvoll???
Thread poster: xxxFlomanu
xxxFlomanu
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May 28, 2008

Hallo,

ich habe gerade mein Diplom-Übersetzer-Studium abgeschlossen und habe nun von meinem Prof ein Angebot zur Promotion erhalten. Das Ganze würde nur 1,5 bis 2 Jahre dauern, was für einen Doktor natürlich super ist.
Ich bin zurzeit einfach nur ratlos, weil ich nicht weiß, ob ich das Angebot annehmen soll. Mir ist natürlich klar, dass es sehr davon abhängt, was ich später einmal erreichen will bzw. wo ich genau hinwill. Ich weiß nur gar nicht, ob es als Übersetzer überhaupt hilfreich oder sinnvoll ist, einen Doktor zu machen. Bzw. für welche Jobs man in dieser Branche denn einen Doktor braucht.
Kann mir da jemand weiterhelfen? Bin dankbar für alle Tipps!!

Lg


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Jalapeno
Local time: 01:20
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Nur, wenn du in Forschung/Lehre willst May 28, 2008

Hallo und willkommen bei Proz,

aus meiner Sicht (staatl. gepr. Übersetzer, MA in Translation, mehrere Jahre festangestellter Übersetzer, inzwischen freiberuflicher Übersetzer) ist eine Promotion nur sinnvoll, wenn du an der Uni bleiben und auf dem Gebiet der Übersetzungstheorie/-wissenschaft forschen und/oder lehren willst.

Wenn du in der Wirtschaft als Übersetzer arbeiten willst, egal ob freiberuflich oder angestellt, dürfte der Doktortitel mehr oder weniger vollkommen überflüssig sein. Dann lieber früher anfangen zu arbeiten und Berufserfahrung aufbauen.

Wie du selbst schon sagst, es kommt darauf an, was du erreichen willst.

Viel Glück,

Johannes

[Edited at 2008-05-28 16:57]


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Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 01:20
Member (2007)
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+ ...
Kommt drauf an May 28, 2008

Dass dein Prof. dir die Promotion von sich aus anbietet, ist ein gutes Zeichen. Ich würde die Gelegenheit wahrnehmen, wenn die Finanzierung gesichert ist.

In der Wirtschaft nützt einem ein Doktortitel eigentlich nichts, sieht man einmal von dem höheren Sozialprestige ab.

Wenn du eine akademische Karriere anstrebst, ist er aber unabdingbar. Bei der Gelegenheit sollte man wieder einmal darauf hinweisen, dass promovierten Übersetzern in den bekannten Übersetzerunis alle Türen für eine Festanstellung weit offen stehen.

Zumindest die mit 2.200 Studenten größte universitäre Ausbildungsstätte für Übersetzer und Dolmetscher (Uni Mainz in Germersheim) ist bestrebt, das Lehrpersonal aus dem eigenen Nachwuchs zu rekrutieren. Idealkarrieren haben zum Beispiel Peter A. Schmitt und Susanne Göpferich hingelegt: erst Dipl.-Übers., dann einige erfolgreiche Jahre in der Wirtschaft, dann Promotion, dann Habilitation.

Weil viel zu wenige Übersetzer promovieren, sind die Übersetzer-Unis immer noch gezwungen, Quereinsteiger als Professoren zu verpflichten. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Romanisten und Anglisten, die keine Übersetzer sind und nie als Berufsübersetzer gearbeitet haben.

Das kann katastrophale Folgen für die Lehre haben (mangelnder Praxisbezug). Unter Umständen ist dann auf Jahrzehnte hinaus ein Lehrstuhl mit einem Nicht-Übersetzer besetzt, der dort auf Kosten des Steuerzahlers und der Studenten seine abgehobenen Hobbys pflegt.

Ich würde dir empfehlen, mit anderen Profs und vor allem mit Leuten zu sprechen, die bereits an deiner Uni promoviert haben. Die können dir am ehesten sagen, wie die aktuellen Perspektiven aussehen.

Einige Jahre in der freien Wirtschaft solltest du aber ebenfalls einplanen. Wer sein ganzes Leben auf der Uni verbracht hat und die Berufspraxis der Übersetzer nicht kennt, taugt als Ausbilder nicht viel. Google mal nach den oben von mir genannten Namen, dann weißt du, wie eine akademische Karriere in unserer Branche auszusehen hat.

Eine Garantie für eine Karriere gibt es bei der Promotion freilich allenfalls dann, wenn man fachlich und pädagogisch weit überdurchschnittliche Leistungen erbringt.

Ich kenne aber auch Kommilitonen, die nur deshalb jahrelang vor sich hinpromovieren, weil sie Angst vor dem Überlebenskampf als Übersetzer in der Wirtschaft haben und möglichst lange an der gemütlichen Uni verbleiben möchten.


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xxxhazmatgerman
Local time: 01:20
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FAS GER / Promotion May 29, 2008

Stimme Schneider teilweise und Irmer zur Gänze zu. Mein Eindruck der EU-Übersetzer/Dolmetscherschmiede seit den 80ern ist allerdings, daß der Berufserfolg der Absolventen stärker mit deren Persönlichkeit denn mit institutionsinternen oder formalen Faktoren korreliert. Die der Ausbildung unverändert fehlende betriebswirtschaftliche Komponente will ich dabei nur erwähnen. Von Ausnahmeerscheinungen wie Illig abgesehen hat sich aus der Ausbildungsszene auch keine Wörterbuchkoryphäe entwickelt, und bahnbrechende Erkenntnisse zur Termarbeit sind mir auch nicht untergekommen.
Eine überwiegend interne Stellenbesetzung ist im Ausland eher unüblich, und daß dies dort zu niedrigeren Standards geführt hätte ist für mich nicht zu erkennen.
Eine Promotion für extrauniversitäre Zwecke erscheint also nicht notwendig; zur Verbesserung der Lehre hülfe m.E. eine mehrjährige Praxiserfahrung vor einer Lehrtätigkeit mehr denn eine sofortige Promotion und anschließende Lehrtätigkeit.
Schöne Grüße


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xxxFlomanu
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TOPIC STARTER
Vielen Dank für die Entscheidungshilfen.... May 29, 2008

Ich habe mich nun nach langem Hin und Her gegen die Promotion entschieden, da ich für mich persönlich einfach nicht viel Sinn darin erkenne. Ich glaube die praktische Übersetzungsarbeit ist doch eher mein Ding.
Eure Meinungen haben mir auf jeden Fall geholfen, vielen Dank nochmal!

Liebe Grüße


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Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 01:20
Member (2007)
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+ ...
Uni ist keine Fachhochschule May 29, 2008

Die der Ausbildung unverändert fehlende betriebswirtschaftliche Komponente


Die wird auch künftig ganz bewusst fehlen. Denn die Unis möchten nicht Gefahr laufen, zur Fachhochschule herabgestuft zu werden.

Es gibt aber zumindest in Germersheim eine enge Kooperation mit dem BDÜ, der pro Semester mehrere Veranstaltungen zu Themen der Berufspraxis an der Uni durchführt.

Von Ausnahmeerscheinungen wie Illig abgesehen (...) keine Wörterbuchkoryphäe (...) bahnbrechende Erkenntnisse zur Termarbeit sind mir auch nicht untergekommen.


Ich verweise nur auf die ehemaligen Germersheimer Dozenten Potonnier (Wörterbuch für Wirtschaft, Recht und Handel, de/fr) und Schmitt (u.a. Fachwörterbuch der Kfz-Technik, en/de; Langenscheidt Fachwörterbuch Technik und angewandte Wissenschaften, en/de).

Schmitt, der heute an der Uni Leipzig lehrt, ist neben Klaus-Dirk Schmitz von der FH Köln sicherlich _der_ Terminologie-Guru im deutschsprachigen Raum. Er hat selbst ein Terminologieverwaltungsprogramm (CATS) entwickelt und bereits Dutzende von sehr praxisbezogenen Terminologie-Diplomarbeiten betreut.

Eine Promotion für extrauniversitäre Zwecke erscheint also nicht notwendig


Trotzdem ist es einigen Leuten ein Bedürfnis, sich wissenschaftlich mit dem Thema Übersetzung zu beschäftigen. Wir sollten froh sein, dass es solche Leute gibt. Zumal das mickrige Gehalt an der Uni nicht dem entspricht, was man als Sprachendienstleiter eines internationalen Konzerns verdienen kann.

zur Verbesserung der Lehre hülfe m.E. eine mehrjährige Praxiserfahrung vor einer Lehrtätigkeit


Gut die Hälfte aller Lehrveranstaltungen, vor allem die Fachübersetzungsübungen, werden von so genannten Lehrbeauftragten durchgeführt. Das sind in der Berufspraxis stehende Übersetzer, die einen Tag pro Woche an der Uni unterrichten. Es ist also durchaus dafür gesorgt, dass (auch) Praktiker lehren.


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Olexa
Ukraine
Local time: 02:20
German to Russian
+ ...
Berufung ist und bleibt immer sinnvoll... May 30, 2008

Ich glaube, daß eine solche Fragestellung von einer jungen Person zu Beginn des Lebenslaufes vollkommen am Tage ist. In diesem Sinne möchte ich etwas aus meinen persönlichen Erfahrungen erteilen.
Die Doktor-Arbeit bzw. Dozent-Stellung bedeutet nichts als eine "nackte" Theorieposition im Leben und der Tätigkeit, die von den pedantischen Studenten im Nu als Nimbus weggenommen werden kann. Wer würde einem in der richtigen Marktgesellschaft trusten, wenn der keinen EURO in seinem Lieblingsfach sowohl dank Intellekt u. Fachkenntnissen bzw. eigener Kreativität, als auch dank dem normalen Qualifizierungsstand als Übersetzer/Dolmetscher verdient hat? Meines Erachtens - keiner. Es wird dabei für die Studenten sehr leicht fallen die Wahrheit von der Sinnlosigkeit zu unterscheiden, wenn man nicht mal eine fachliche Übersetzung gemacht, aber die anderen fachlich auszubilden versucht Geld zu verdienen. Wir übersetzen doch für unsere Kunden.
Übersetzung/Dolmetschen ist nun mal nicht das Ziel des Lebens, sondern eines der Mittel Geld zu verdienen und die Ziele zu erreichen.
Einer hat sein Leben lang zum Opfer gebracht, um SEIN HAUPTBUCH zu verfassen und zu verlegen. Und will sich dabei zwei Köpfe höher fühlen lassen als ein Dozent/Professor am bloßen Lehrstuhl, dessen Sentenzen die Absolventen kaum praktisch anwenden können, sondern nun wieder in sich selbst Investieren müssen, um konkurrenzfähig zu sein.
Das tagtägliche Leben ist ja der beste Professor, weil es eben unbarmherzig ist und sehr teuer zu stehen kommt... So eben das Leben ist life zu studieren.
Offenherzig, OLEXA.
nagornybook@gmail.com


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xxxBrandis
Local time: 01:20
English to German
+ ...
Die Promotion ist immer noch die beste Variante... May 30, 2008

Hi! Am besten noch Staatsexamen. Du kannst damit in die Uniprojekte und Gremien eintreten und ein wunderbare Theorie über Gesellschaft und das Leben vieler Theorien basteln. Aber es kommt auch darauf an welche Uni Du besuchst. Brandis

[Edited at 2008-05-30 22:04]


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xxxhazmatgerman
Local time: 01:20
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Schneider / FAS-Entwicklung Jun 4, 2008

Danke für Ihre Ausführungen zum aktuellen Stand; meine direkten Kontakte rühren aus dem vergangenen Jahrtausend. Es freut mich, daß mittlerweile Praktiker in der Lehre beteiligt werden; jedoch halte ich das gänzliche Fehlen von BWL in den Unis nicht für ein sinnvolles Unterscheidungsmerkmal gegenüber den FH, sondern für eine bedauerliche Tatsache. Schließlich landet doch die weit überwiegende Zahl auch der Uni-Absolventen in der Selbständigkeit und muß dann - wie in diesem Forum - elementare Fragen zum Geschäftlichen stellen.
Zu den von Ihnen genannten Wbb. möchte ich nur anmerken, daß nach meinem Eindruck die Wbb., die in den letzten Jahren erschienen, zu einem erheblichen Teil auf der früheren Arbeit im Deutschen Rest (Verlag Technik Berlin, dann vorübergehend Hatier) beruhen und oft nicht wesentlich darüber hinaus reichen. Zu einigen dieser Werke gab es ja auch recht durchwachsene Rezensionen, speziell in den Fachblättern der angelsächsischen Welt. Auf dem Niveau eines Kucera, Illig/Slaby/Grossmann oder auch - früher - Wittfoht sehe ich derzeit keine anderen. Aber sicher kann man darüber mit guten Gründen anderer Meinung sein.
Vielleicht stimmen Sie mir aber zu, daß auf dem Markt der allgemeinsprachlichen Wbb. D/E zwar einiges erschienen ist, aber viele Fragen des täglichen Lebens z.B. in den KudoZ beantwortet werden müssen, weil die dt. Wb.-Verlage hier manchmal eher kosmetischen denn inhaltlichen Aufwand betreiben. Meine erste Wahl dabei ist unverändert seit 1980 der engl. "Collins" in der aktuellen Auflage. Daß es kein dt. monolinguales Wb. auf dem Niveau des OED oder des W3/W-Collegiate gibt, ist unverändert betrüblich; daß ein "Küppers" Solitär bleiben mußte ebenfalls.
Selbstverständlich begrüße ich universitäre Grundlagenforschung, wenn sie denn auf höchstem Niveau betrieben wird und langfristig zu Verbesserungen des Standes der Technik führt.
Danke für Ihre konstruktiven Rückmeldungen, und frohes Schaffen noch.
M.A.T.


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MichaB
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+ ...
Themen Jun 14, 2008

Hallo!

Was wären denn interessante Themen für eine Promotion als Dipl.-Übers.?

Michael


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Promotion als Diplom-Übersetzer sinnvoll???

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