Niedrige Zeilenpreise bei Agenturen
Thread poster: Jonas_Je
Jonas_Je
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Jun 7, 2008

Hallo,

ich bin noch nicht so lange in der Branche, arbeite aber bereits seit einiger Zeit mit ein paar Agenturen zusammen. Mit der Zusammenarbeit bin ich recht zufrieden, aber da ich die Zeit und den Anspruch habe, mehr und regelmäßiger Aufträge zu bekommen, bin ich nun dabei, mich nach einer Weile wieder bei zahlreichen Übersetzungsagenturen zu bewerben.

Was ich dabei in den letzten Tagen auf vielen Internetseiten gelesen habe, stimmt mich nachdenklich. Vielleicht ist es Zufall, aber ich habe viele Agenturen gefunden, deren Preise fragwürdig niedrig sind. 55 Zeichen in die Zielsprache Englisch-Deutsch in einem Fachtext wurden den Endkunden oft ab weniger als 1 Euro angeboten. Ich kann nur für die Mitarbeiter und die Agentur selbst hoffen, dass der Preis letztlich doch oft darüber liegt, denn ich persönlich würde von einem Direktkunden für meine Arbeit niemals weniger als 1 Euro nehmen.

Zudem stellt sich das Problem, dass so einige Agenturen Gewinnspannen von weniger als 50% für unangemessen zu halten scheinen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass von ihrer Seite oft fragwürdig niedrige Zeilenpreise angeboten werden. Wenn eine Agentur dem Endkunden beispielsweise 1 Euro pro 55 Zeichen/Zielsprache in Aussicht stellt (laut Homepage), scheint sie oft geneigt zu sein, den freiberuflichen Übersetzer mit 40 oder 50 Cent abzuspeisen.

Die "Krönung" ist eine Agentur, die dem Endkunden tatsächlich 60 Cent für 55 Zeichen anbietet für einen Fachtext Englisch-Deutsch anbietet, wie ich gestern lesen musste - unglaublich.

Wie seht ihr die Entwicklung? Muss ich damit rechnen, dass ich Zeilenpreise von beispielsweise 0,80 Euro nur bei Agenturen erreichen kann, die nur mit Freiberuflern kooperieren wollen, die beispielsweise seit mindestens 2-3 Jahren in der Branche tätig sind? Oder kann es erfolgreich sein, auch bei günstigen Agenturen, die ihre Preise für den Endkunden berechnen, einen angemessenen Preis zu fordern? Vermutlich ist es am besten, wenn ich weiter sorgfältig nach den Agenturen suche, die stärker mit der Qualitäts als mit dem Preis argumentieren, aber mir scheint, dass die Billiganbieter langsam in der Überzahl sind.


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Katrin Hollberg  Identity Verified
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anders herum argumentiert... Jun 8, 2008

Jonas_Je wrote:
Oder kann es erfolgreich sein, auch bei günstigen Agenturen, die ihre Preise für den Endkunden berechnen, einen angemessenen Preis zu fordern? Vermutlich ist es am besten, wenn ich weiter sorgfältig nach den Agenturen suche, die stärker mit der Qualitäts als mit dem Preis argumentieren, aber mir scheint, dass die Billiganbieter langsam in der Überzahl sind.


Hallo "Jonas",

bei Deinen Überlegungen auf jeden Fall das Pferd anders herum aufzäunen...- Überlege/Berechne lieber für Dich, was Du pro Zeile/Wort erzielen MÖCHTEST/MUSST, um für Dich selbst so rentabel zu arbeiten, dass Du Dich nicht ausbeutest.
Natürlich ist es normal, dass man als Anfänger auch mal geringer bezahlte Jobs annimmt, aber mit wachsender Auftragszahl stellt man eigentlich ganz schnell selbst für sich fest, was vertretbar/unzumutbar ist, vor allem weil man ja viel mehr Vergleichsmöglichkeiten bekommt. Zwischendurch immer wieder durchrechnen, was man erzielt hat und ob das im Aufwandsverhältnis steht.

Wir hatten zu diesem Thema schon unzählige Forenbeiträge. Wenn Du mal die einschlägigen Stichworte eingibst, wirst Du schnell fündig.
Bedenke bitte auch, dass Proz.com (so toll es ist) nicht 100% Zuverlässigkeit der genauen Preisgestaltung widerspiegelt, wie Du sie "da draußen in der Welt" findest, wenn Du aktiv mit Büros/Direktkunden verhandelst. Mit der wachsenden Erfahrung wirst Du feststellen, dass die Bandbreite erstaunlich hoch ist. Um einfach mal eine Zahl in den Raum zu werfen...Jobangebote können zwischen 0,01 EUR (indiskutabel) - 0,20 (nicht ganz die Norm) EUR/Wort (bzw. noch eine höhere Liga) variieren. Die Frage ist immer, wo Du vertreten sein möchtest. - Ich kann auch nicht IMMER die für mich (am liebsten erzielten) höchsten Preise aushandeln, aber zumindest arbeite ich überwiegend an Aufträgen, die für mich im eigentlichen Sinne "lukrativ" sind. Da ist es dann völlig ok, wenn es mal einen Ausreißer gibt und man feststellt, man hat mehr Zeit als geplant reingesteckt. Das sollte aber nicht die Regel sein.

Dies nur als Gedankenanregung zu dem sicherlich komplexen Thema...;-))

Viele Grüße

Katrin

[Bearbeitet am 2008-06-08 16:39]


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Jalapeno
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... Jun 8, 2008

Jonas_Je wrote:

Wie seht ihr die Entwicklung? Muss ich damit rechnen, dass ich Zeilenpreise von beispielsweise 0,80 Euro nur bei Agenturen erreichen kann, die nur mit Freiberuflern kooperieren wollen, die beispielsweise seit mindestens 2-3 Jahren in der Branche tätig sind? Oder kann es erfolgreich sein, auch bei günstigen Agenturen, die ihre Preise für den Endkunden berechnen, einen angemessenen Preis zu fordern?



Ich schließe mich Katrin an und möchte noch hinzufügen, dass 80 Cent/Zeile aus meiner Sicht kein angemessener Preis ist.


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Christine F
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Ich bin selber auch über die angebotenen Zeilen/Wortpreise an Übersetzer sehr beunruhigt. Jun 9, 2008

Hallo Jonas

In der Schweiz glaube ich, dass immer mehr Agenturen Ihrer Kunden die üblichen Schweizer Preise verrechnen (siehe unten: Tarifempfehlung ASTTI) und die Übersetzungen viel günstiger im Ausland machen lassen. Dies gilt wahrscheinlich auch für Deutschland mit „Billigländer“ ausserhalb der EU.

Eine Schweizer Agentur (spezialisiert in Rechtsübersetzungen), die mich über Proz kontaktiert hat, fragte mich nach meinen Tarifen. Gemäss Ihrer Homepage verrechnet sie dem Kunden CHF 3.50 bis 5.00 pro Zeile, was mir ein angemessener (eher günstiger) Preis für Fachübersetzungen erschien. Vergleich Tarifempfehlungen der ASTTI http://www.astti.ch/joomla/index.php?option=com_content&task=view&id=27&Itemid=41 . Aber die Agentur bot mich CHF 1.14 bis 1.40 an. Was heisst: wenn der Kunde CHF 5.00 pro Zeile verrechnet werden, erhält der Übersetzer maximal CHF 1.40 pro Zeile. Gewinnspann für die Agentur: 72 %. So verdient man Geld „auf dem Buckel“ des Übersetzers!

Zudem stellt sich das Problem, dass so einige Agenturen Gewinnspannen von weniger als 50% für unangemessen zu halten scheinen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass von ihrer Seite oft fragwürdig niedrige Zeilenpreise angeboten werden. Wenn eine Agentur dem Endkunden beispielsweise 1 Euro pro 55 Zeichen/Zielsprache in Aussicht stellt (laut Homepage), scheint sie oft geneigt zu sein, den freiberuflichen Übersetzer mit 40 oder 50 Cent abzuspeisen.


Nachdem ich mich in den Foren nach den üblichen Gewinnspannen erkündigt habe, kam ich zum Schluss, dass nicht mehr als ein Drittel angemessen sei. So für den Übersetzer mindestens zwei Drittel des an den Kunden verrechneten Preises. Es ist eine Frechheit, wenn der Übersetzer für die Dumpingpreise der Agenturen ausbaden muss. D.h. die Agentur gibt den Übersetzer noch weniger, um ihre Gewinnspann gleich zu behalten.

Meiner Meinung nach können Agenturen die so arbeiten keine Qualität anbieten. Denn welcher Übersetzer, der auf Qualität Wert legt, kann für solche Preise noch arbeiten? Nun sind es anscheinend diese Agenturen, wo die „Neuen“ auf Proz kontaktieren.

Seriöse Agenturen gibt es auch, aber ich denke, die sind weniger auffällig, da sie es nicht nötig haben.

Viel Glück bei der Suche.

Christine


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Jonas_Je
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Größere Aufträge für weniger Geld oder kleinere Aufträge für mehr Geld - das Los des Einsteige Jun 9, 2008

Ich danke euch für die hilfreichen und interessanten Kommentare.

Wie Katrin schon schrieb, muss man natürlich berücksichtigen, welchen Zeilenpreis man berechnen muss, um gut über die Runden zu kommen. Der Haken ist nur, dass mir, der ich noch relativ am Anfang stehe, die besser zahlenden Agenturen momentan sehr unregelmäßig Aufträge zukommen lassen. Ich stehe also vor der Wahl, entweder die regelmäßiger eintreffenden Angebote der günstigeren Agenturen anzunehmen (für wirkliche Billigheimer arbeite ich aber nicht), oder ganz in die Röhre zu gucken.

Bevor ich nur von einem Nebenjob lebe, übersetze ich lieber einen Auftrag über 30 Seiten einer vergleichsweise wenig zahlenden Übersetzungsagentur. Damit verdiene ich immer noch mehr als mit anderen Jobs, die zur Sicherung des Lebensunterhalts in Frage kommen. Es ist einfach so, weil a) ich schon relativ schnell bin und b) Halbtagsjobs im Büro (Zuverdienst) auch nicht gerade glänzend bezahlt werden, wenn man nicht sowieso als überqualifiziert (da diplomiert) abgelehnt wird. Angebote zur Festanstellung als Übersetzer kann man mit der Lupe suchen, kurz nach dem Abschluss und mit einer anderen Erstsprache als Englisch auf dem Diplom-Zeugnis sowieso. Was soll ich sonst machen?

Das war ja auch eine meiner Ausgangsfragen: Muss ich damit rechnen, 80 Cent pro Zeile und mehr bei Agenturen erst mit mehr Erfahrung erzielen zu können? Ich weiß nicht, wie die Erfahrungen anderer Leute sind, die noch nicht lange in der Branche sind.

Ich habe in der letzten Zeit die Internetauftritte von weit mehr als 100 Agenturen im deutschsprachigen Raum besucht und kann Christines Eindrücke teilweise bestätigen. Einige geben ihre Preise auf der Seite an, und diese sind mitunter deutlich unter dem Preis, den ich von einem Direktkunden verlangen würde. Andere versuchen ihre Gewinnspanne durchaus auf bis zu 70% und mehr zu erhöhen, indem dem Übersetzer Niedrigpreise vorgeschlagen werden, die weit unter den Angeboten an die Endkunden in der Preisliste liegen. Aber: Ich muss auch sagen, dass ich eine ganze Reihe von Agenturen mit einer vernünftigen Preispolitik gefunden habe, nur sind diese per Suchmaschine eher nicht auf den ersten Seiten zu finden.


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RWSTranslation
Germany
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Preisangabe Jun 10, 2008

Jonas_Je wrote:

...

Ich habe in der letzten Zeit die Internetauftritte von weit mehr als 100 Agenturen im deutschsprachigen Raum besucht und kann Christines Eindrücke teilweise bestätigen. Einige geben ihre Preise auf der Seite an, und diese sind mitunter deutlich unter dem Preis, den ich von einem Direktkunden verlangen würde. Andere versuchen ihre Gewinnspanne durchaus auf bis zu 70% und mehr zu erhöhen, indem dem Übersetzer Niedrigpreise vorgeschlagen werden, die weit unter den Angeboten an die Endkunden in der Preisliste liegen. Aber: Ich muss auch sagen, dass ich eine ganze Reihe von Agenturen mit einer vernünftigen Preispolitik gefunden habe, nur sind diese per Suchmaschine eher nicht auf den ersten Seiten zu finden.


Hallo,

es ist sicher aber auch zu bedenken, dass eine Preisangabe auf einer Webseite nicht unbedingt der Preis ist, den ein Anbieter vom Kunden auch wirklich erhält.

Mach Diur doch mal den Spass und frage selbst als potentieller Auftraggeber an.
Evtl. bekommst Du dann ein präziseres Bild über die Marktpreise.

Im übrigen ist es auch spannend sich nicht nur auf Agenturen im deutschsprachigen Raum zu konzentrieren, da der Angebotsmarkt für die Direktkunden inzwischen sehr globalisiert ist.

Viele Grüße

Hans


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Jonas_Je
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TOPIC STARTER
Interessante Idee Jun 10, 2008

Hallo Hans,

danke für Deinen Beitrag. Deine Idee hat was, ich habe auch schon einmal daran gedacht, als Auftraggeber aufzutreten.

Du liegst vermutlich richtig, wenn Du sagst, dass der Preis auf der Homepage oft nicht dem tatsächlich berechneten entspricht. Ungewöhnlich finde ich, dass so einige Agenturen auf ihrer Homepage preislich zwischen gemeinsprachlichen, fachlichen und sehr fachlichen Texten differenzieren, während man von mir als Übersetzer immer nur einen einzigen Standardpreis pro Sprache erfragt.

Mittlerweile habe ich auch einige Reaktionen bekommen, die zeigen, dass bessere Preise auch für mich recht gut durchsetzbar sind - glücklicherweise.

Agenturen außerhalb des deutschsprachigen Raumes werde ich in Zukunft auch verstärkt kontaktieren, das ist dann der nächste Schritt.

Viele Grüße
Jonas


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Gabriele Kursawe  Identity Verified
Germany
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Die Übersetzungsbüro-Mafia hat wieder zugeschlagen Oct 8, 2008

Kürzlich wurde ich von einer Ü-Agentur kontaktiert, in deren Datenbank ich mich vor langer Zeit per Online-Formular eingetragen hatte, und meine momentane Verärgerung passt sehr gut zum Thema "niedrige Zeilenpreise bei Agenturen".

An einer Zusammenarbeit mit mir sei man interessiert, so sagte man mir, mein angegebener Zeilenpreis sei aber zu hoch, und um mich ein wenig konkurrenzfähiger(!) zu machen bzw. damit ich noch ein wenig mehr hervorsteche(!), solle ich meinen Zeilenpreis doch auf 70 Cent reduzieren. Auch mein angegebener Stundensatz (Korrekturlesen) von 25,00 Euro sei zu hoch.

Ich erkundigte mich noch einmal genauestens nach den Abrechnungsmodalitäten, ob der Zeilenpreis nach Ausgangs- oder Zieltext berechnet werde, wie gescannte Dateien abgerechnet werden usw. und willigte schließlich in die vorgeschlagenen Tarife ein.

Doch nun kommt der Clou des Ganzen:

Zusammen mit meiner "Freischaltung" erhielt ich dann ein Infoblatt, in dem u. a. folgender Hinweis stand:

"Mit dem Programm Wordfast analysieren wir die 100%igen Wiederholungen in den zu übersetzenden Quelltexten. Diese Wiederholungen werden bei den Honoraren abgezogen, wenn Sie mit einem CAT-Tool arbeiten ..... Wir erklären Ihnen gerne unsere Motivation zu diesem Thema und die Funktionen des genannten Programms."

Das heißt mit anderen Worten, dass sich durch diese "100%igen Wiederholungen" das Honorar für den Übersetzer noch weiter reduziert. Von diesen zusätzlichen Abzügen war aber bei den Vorverhandlungen nie die Rede. Sind Übersetzer denn nur noch die Sklaven der Agenturen? Zum Glück ist man ja nicht verpflichtet, auch nur einen einzigen Auftrag anzunehmen.

Es handelt sich hier um ein Übersetzungsbüro mit einem Blue-Board-Feedback von 4.8 bei 30 Bewertungen.

Mir fehlen die Worte.
Gabi


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Ursula Dias  Identity Verified
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Hat ja auch was mit Routine zu tun! Oct 11, 2008

Also, ich kann den Ärger über Dumpingpreisstrategie bei Übersetzungsbüros ja verstehen, bei einigen Büros kann ich auch nur mit dem Kopf schütteln,

ABER ich möchte auch mal folgendes zu bedenken geben:

Ich mache jetzt seit über 20 Jahren Übersetzungen und musste mich - obwohl ich das gar nicht so gut fand - wegen der schlappen Preise recht schnell auf Sprachpaare (nämlich ins Deutsche - da meine Muttersprache) festlegen, die mir ein schnelles Übersetzen möglich machen.
Außerdem nehme ich nur Übersetzungen zu so niedrigen Preisen an, die allgemeinsprachlich sind oder bei denen ich Plan von der Materie habe: wenn ich mich erst stundenlang in ein Gebiet einlesen muss, um eine vernünftige Übersetzung zu machen, lohnt sich das für mich nicht. Das sollen dann die Übersetzer machen, die was von dem Gebiet verstehen.

Wenn der gezahlte Preis etwas höher ausfällt, dann kann ich auch die Zeit investieren, mich in ein neues Gebiet einzuarbeiten, oder kann in die Fremdsprache übersetzen, weil das Geld dann auch noch für einen Proofreader, der Muttersprachler ist, reicht.

So komme ich dann auch auf ein Übersetzungsvolumen von rund 2500-3000 Wörter am Tag. Bei einem Wortpreis von 0,06 Euro (und das ist bei mir das absolute Minimum!) macht das 150 Euro. Wenn man dann noch mit Trados das ganze etwas beschleunigen kann, ist es noch besser.

Also, wenn man gerade mit dem Übersetzen anfängt, ist das völlig normal, dass man mehr Zeit für eine Übersetzung braucht und daher nicht auf einen akzeptablen "Tageslohn" kommt. Ich kann nur empfehlen, sich bald auf feste Sprachenpaare und Gebiete zu fokussieren. So bekommt man dann eine gewisse Routine, das Übersetzen macht dann Spaß, weil es leichter "von der Hand" geht.

Ursula


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holzner
Local time: 04:50
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sich als potenzieller Auftraggeber ausgeben Oct 16, 2008


Ungewöhnlich finde ich, dass so einige Agenturen auf ihrer Homepage preislich zwischen gemeinsprachlichen, fachlichen und sehr fachlichen Texten differenzieren, während man von mir als Übersetzer immer nur einen einzigen Standardpreis pro Sprache erfragt.



Ich wurde eines Tages von einer Agentur konaktiert und darum gebeten, ein Angebot für eine einfache Übersetzung ohne spezifische Fachterminologie abzugeben. Da die Terminologie des Textes tatsächlich sehr allgemein war, konnte ich der Agentur auch einen relativ günstigen Preis bieten. Einige Wochen später kam eine neue Anfrage dieser Agentur - diesmal handelte es sich allerdings um einen äußerst schwierigen Text aus dem Bereich der Biochemie. Da die Agentur offenbar davon ausging, mich mit demselben Honorar abspeisen zu können, machte ich sie darauf aufmerksam, dass ich bei schwierigeren Texten auch höhere Honorarforderungen stellen würde. Die sinngemäße Antwort: "Es tut uns leid, aber wir unterscheiden nicht nach fachlicher Schwierigkeit. Entweder Sie akzeptieren den Standardpreis oder wir werden einen anderen Übersetzer beauftragen." Seitdem habe ich von dieser Agentur nie mehr etwas gehört.


Mach Diur doch mal den Spass und frage selbst als potentieller Auftraggeber an.
Evtl. bekommst Du dann ein präziseres Bild über die Marktpreise.


Das habe ich schon mal ausprobiert - mit ERSCHRECKENDEN Ergebnissen! Eine italienische Agentur bot mir für einen technischen Text 0,04 Euro pro Wort und ein Zahlungsziel von 90 Tagen. Als ich erwiderte, dass ich diese Bedingungen nicht akzeptieren könne, bekam ich die Antwort, dass italienische Kunden nun mal nicht so gut zahlen wie in Deutschland oder Österreich und dass deshalb einfach nicht mehr drin wäre. Auch am Zahlungsziel könne man nichts ändern, denn italienische Endkunden zahlen nun mal sehr spät. Da ich auch andere italienische Kunden habe, bei denen das nicht so ist, machte ich die Probe aufs Exempel: Ich gab mich als potenzieller Auftraggeber aus und bat die Agentur um ein Angebot für einen ähnlichen Text. Als ich das Angebot bekam, war ich fassungslos: 1,50 Euro pro Zeile (~16-17 Cent pro Wort), zahlbar innerhalb von 14 Tagen! Das war zwar die größte Differenz die ich feststellen konnte, doch sehr viel besser sah es auch bei anderen Agenturen nicht aus!


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Ursula Dias  Identity Verified
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Mitteleuropäer treffen auf Südeuropäer Oct 19, 2008

So ein Verhalten (wie von Holzner beschrieben) finde ich auch ziemlich daneben: Vielleicht muss man aber auch bedenken, dass es in vielen südeuropäischen (und nicht nur!) Ländern absolut normal ist, erstmal ein lachhaftes Angebot (wie z.B. 0,04 /Wort) zu machen und zu schauen, ob jemand so dringend Geld braucht, dass er dann die Übersetzung macht. (Ich wohne in Portugal und bin auch öfters mal in Spanien - ich weiß wovon ich spreche

In Internetzeiten ist es meiner Meinung nach aber nur noch eine Frage der Zeit, wann der italienische Kunde, dem 0,16 Euro/Wort abgeknöpft wird, merkt, dass auch er die Übersetzung günstiger haben kann, indem er direkt den Übersetzer kontaktiert (z.B. auf ProZ!).

Lange werden Übersetzungsbüros, die 0,04 zahlen und 0,16 verlangen, nicht mehr überleben können! Durch die einheitliche Währung Euro ist schon ein Schritt in die richtige Richtung getan! Der Markt wird transparenter zugunsten des Übersetzers und des Endkunden. Davon bin ich überzeugt.


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Jonas_Je
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TOPIC STARTER
Erfahrungen mit frankophonen Agenturen? Nov 29, 2008

Hallo,

da die Debatte um Zeilenpreis ja immer aktuell ist und hier auch schon die südeuropäischen Verhältnisse angesprochen wurden, möchte ich mich nun gern nach euren Erfahrungen in Frankreich und Belgien erkunden.

Nachdem ich unlängst eine ganze Reihe französischer und belgischer Agenturen mit meinen üblichen Unterlagen angeschrieben habe, muss ich zur Kenntnis nehmen, dass bislang überraschend wenig Rücklauf war. Soll heißen: In der gleichen Zeit habe ich vor einer Weile im deutschsprachigen Raum zweifellos mehr Rückmeldungen erhalten.

Meine Überlegungen: Finden die die von mir genannten Preisvorstellungen zu hoch und antworten deshalb nicht (anstatt eine "Nachverhandlung" zu versuchen), oder muss man aus Frankreich und Belgien im Durchschnitt länger auf eine Antwort warten? Wer hat da Erfahrungen? Die Preisvorstellungen sind im Übrigen auch die, die ich sonst deutschen Agenturen gegenüber angebe. Kann man als Freiberufler in Frankreich im Durchschnitt weniger hohe Zeilenpreise als bei deutschen Agenturen herausholen?

Zuletzt noch: Gibt es Kommentare im Hinblick auf die Höhe der Preise und Dauer der Rückmeldung von Agenturen in England und Irland?


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