Was tun, wenn Kunden zu spät zahlen?
Thread poster: holzner
holzner
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Nov 18, 2008

Hallo!

Ich weiß, in diesem Forum gibt es schon einige Threads zu diesem Thema, aber mich würde interessieren, wie ihr mit zu spät zahlenden Kunden umgeht bzw. welche Verzögerung ihr gerade noch akzeptiert. Ich musste in den letzten Monaten feststellen, dass selbst Kunden, die bislang immer einigermaßen pünktlich bezahlt haben, plötzlich regelmäßig einen Monat oder sogar noch länger in Verzug geraten. Eine Entschuldigung oder einen Grund für die Verspätung erhalte ich nur selten - offenbar finden es sehr viele Kunden in Ordnung, einen Monat zu spät zu zahlen, würden selbst aber nicht einmal eine eintägige Verzögerung bei der Lieferung der Übersetzung akzeptieren.

Die Frage ist nun, wie man am besten mit solchen Kunden umgeht. Einmal machte ich einen notorischen Zu-spät-Zahler einige Male höflich darauf aufmerksam, dass ich mir bei der Bezahlung mehr Pünklichkeit wünschen würde. Als dies nichts änderte und ich nach wie vor mit mehrmonatigen Verzögerungen bezahlt wurde, platzte mir der Kragen und ich machte dem Kunden auf sehr direkte und unhöfliche Weise klar, dass ich nicht mehr für ihn arbeiten würde, wenn er sich in Zukunft nicht an das Zahlungsziel hält. Und siehe da: Seither zahlt er pünktlichst! In einem anderen Fall wiederum zeigte sich der Kunde trotz höflicher Bitte um pünkliche Zahlung nicht so einsichtig und beendete unsere Zusammenarbeit...

Wie ist das bei euch? Ab wann schreibt ihr Mahnungen (bzw. Zahlungserinnerungen) und ab wann sind eure Zahlungserinnerungen nicht mehr so höflich? Ab wann stellt ihr Mahngebühren und Verzugszinsen in Rechnung? (Ich habe mich durch entsprechende Klauseln in meinen Angeboten abgesichert, war allerdings noch nicht mutig genug, diese auch tatsächlich zu verrechnen - aus Angst, den Kunden zu verlieren)

LG, Michael


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Ankündigungen unbedingt in die Tat umsetzen! Nov 18, 2008

holzner wrote:

Hallo!

Wie ist das bei euch? Ab wann schreibt ihr Mahnungen (bzw. Zahlungserinnerungen) und ab wann sind eure Zahlungserinnerungen nicht mehr so höflich? Ab wann stellt ihr Mahngebühren und Verzugszinsen in Rechnung? (Ich habe mich durch entsprechende Klauseln in meinen Angeboten abgesichert, war allerdings noch nicht mutig genug, diese auch tatsächlich zu verrechnen - aus Angst, den Kunden zu verlieren)

LG, Michael


Hallo holzner,

glücklicherweise musste ich erst einmal einen Kunden daran erinnern (formlos), dass eine Zahlung überfällig ist.
In jedem Fall gilt: Immer höflich aber bestimmt mit dem Kunden kommunizieren!
Selbst für den Fall, dass eine Geschäftsbeziehung endetm, das kommt vor: Die Welt ist klein und man sieht sich wieder und es wird auf vielen Kanälen kommuniziert (positiv wie negativ).
Wichtig ist, dass du es nicht nur bei Ankündigungen belässt, sondern dem Wort auch Taten folgen lässt, sonst bist du unglaubwürdig und der Kunde führt 1:0. Übrigens: Wenn der Kunde sieht, dass du professionell mit Rechnungen usw. umgehst, steigt sein Respekt dir gegenüber! Also kein Grund, Angst zu haben, im Gegenteil.

my 2 cents
Aniello


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Astrid Elke Witte  Identity Verified
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2 % Frühzahlerrabatt bei Zahlung innerhalb von einer Woche Nov 18, 2008

So habe ich es in den letzten Monaten gemacht, und mit einer nützlichen Menge Erfolg.

Geht leichter als 2 % Spätzahlerzinsen!

Astrid

[Edited at 2008-11-18 12:38 GMT]


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Erik Freitag  Identity Verified
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Keine Angst vorm gerichtlichen Mahnverfahren Nov 18, 2008

Aniellos Tipps treffen ins Schwarze: Schöpf Deine Mittel aus. Wenn alle Stricke reißen, sollte man auch nicht vor einem gerichtlichen Mahnverfahren zurückscheuen (zumindest bei Schuldnern aus Deutschland). Es ist viel weniger aufwendig, als man denkt. Im Erfolgsfall ist es für Dich kostenlos. Im Misserfolgsfall ist es auch nicht teuer, und Du erschwerst solchen Leuten das Handwerk, indem sie den Offenbarungseid (die eidesstattliche Versicherung) abgeben müssen. So schützt Du zumindest andere damit. Das alles natürlich wirklich erst als allerletzter Schritt, wenn gütlich nichts erreicht wurde. So weit kommt es in der Regel natürlich nicht.

Gruß,
Erik


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Guter Tipp, aber... Nov 18, 2008

Astrid Elke Johnson wrote:

So habe ich es in den letzten Monaten gemacht, und mit einer nützlichen Menge Erfolg.

Geht leichter als 2 % Spätzahlerzinsen!

Astrid

[Edited at 2008-11-18 12:38 GMT]


Hallo Astrid,

nach meiner Erfahrung funktioniert das nur bei überschaubaren Beträgen.
Im Sommer habe ich einen US-Kunden (Rechnung über 8.600 Dollar) mit 300 Dollar gelockt. Das sind ungefähr 4%. Er ist auf das Angebot nicht eingegangen. Vermutlich hat er woanders mehr Zinsen bekommen


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fsh
Local time: 04:59
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Verzug Nov 18, 2008

Am besten man mahn erst mal einen Kunden nochmal an, der das Zahlungsziel verstreichen läßt. Hat das kein Erfolg betreibe ich entweder ein Mahnverfahren (völlig unbürokratisch mittels Vordruck möglich) oder ich trete die Forderung an ein Inkasso-Büro ab ("Factoring").


Ich unterscheide auch danach, ob es ein regelmäßiger Kunde ist, der mit Samthandschuhen angefaßt werden muß oder ob es ein einmaliger Kunde ist, der schon deutlicher auf seine Zahlungsverpflichtungen hingewiesen werden kann.


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Capesha  Identity Verified
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Dank an Aniello Nov 19, 2008

Hallo Kollegen,
ich habe diesen Thread mit Interesse verfolgt, da auch ich Betroffene bin. Ein Einmalkunde lässt mich schon seit 60 Tagen zappeln. Gestern nach Lesen der Beiträge habe ich beschlossen, die Aufforderung des Pferdetrainers Monty Roberts zu befolgen (be strict) und meine erneute Mahnung nun endlich mal knackig zu formulieren und auch vor Abschluss der Sache einen negativen Blue Board Eintrag zu verfassen. Plötzlich kam frischer Wind ins Spiel und heute ist die Zahlung da.

Aniello hat mich eigentlich darauf gebracht, dass ich bisher immer höflich, aber nicht bestimmt war. Meine Mails waren wohl eher als freundliche Empfehlung zu verstehen und nicht als Aufforderung....

Ein Satz wie "ich möchte nur ungerne mit dem Endkunden in Kontakt treten oder ein Inkassobüro einschalten......" kann manchmal Wunder bewirken. Schade, dass es so weit kommen muss.

[Bearbeitet am 2008-11-19 10:06 GMT]


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Ina Glörfeld Salzano
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Manchmal hilft auch das nicht Nov 19, 2008

Ich habe einen Einmalkunden (eine Genossenschaft), im Verzug seit März, die weder auf meine knackigen Aufforderungen und Mahnungen,

noch auf den Brief vom Rechtsanwalt reagiert hat. Die antworten einfach nicht, so als gäbe es sie gar nicht. Allerdings sind wir hier in Italien, da läuft das noch anders. Kurz und gut, inzwischen habe ich ein gerichtliches Mahnverfahren beantragt.

Ich bin mal gespannt ob die Herrschaften jetzt endlich reagieren. Ob ihr's glaubt oder nicht, ich habe von der Firma positives Feedback erhalten!!!

da soll noch einer die Welt verstehen!?!?!

Ina


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Capesha  Identity Verified
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an Ina Nov 19, 2008

ein positives Feedback, aber keine Zahlung? Unglaublich.

Ich bin auf einen Kunden hereingefallen, dessen BlueBoard so aussieht, als ob er schon bei Auftragsvergabe an mich nicht vorhatte, zu zahlen (ich hab halt nicht hingeschaut).
Inzwischen habe ich ein Inkassounternehmen eingeschaltet und der Kunde fragt tatsächlich hier und da an, ob ich freie Kapazitäten hätte..... ein klarer Fall von Rinderwahn - oder wie heisst diese Krankheit, die Löcher ins Gehirn frisst?


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Ina Glörfeld Salzano
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Unglaublich aber wahr... Nov 19, 2008

Der Kunde steht erstens nicht im Blue Board, und ich war auch noch nicht ProZ Mitglied, aber davon abgesehen, der Auftrag waren zwei Kataloge, die seit Jahren veröffentlicht werden. Die italienisch - deutsch Übersetzung hatte bisher die gleiche Übersetzerin erledigt, die auch die italienisch - englische Version bearbeitet. Eine Englische Muttersprachlerin, was man an der Übersetzung merken konnte, gerade darum wollten sie ja dieses Jahr einen deutschen Muttersprachler. Da das dieses Jahr wieder die gleiche Person war, sie also schon mehrere Jahre für diesen Auftraggeber arbeitet, habe ich natürlich angenommen, das der Auftraggeber seriös ist. War wohl falsch gedacht. Jedenfalls, stimmt das mit dem Feedback, sogar per E-mail haben die mir gedankt für die perfekte Arbeit. Die habe ich natürlich ausgedruckt und ans Gericht gegeben, dann kann niemand herkommen und sagen, die Übersetzung sei nicht gut genug gewesen, ausserdem sind die Kataloge im Februar in Druck gegangen und längst publiziert. Und was macht der Auftraggeber jetzt? Sponsort Masterkurse, und bereitet die nächste Auflage der Kataloge vor. Und das mit meinem Honorar!
Ina


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Ina Glörfeld Salzano
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Das beste kommt noch... Nov 19, 2008

Die Herrschaften werden unter Anderem mit Geldern aus der EU finanziert, also in gewisser Weise auch von Euren Steuern!

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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Blueboard - mit Vorsicht zu genießen Nov 22, 2008

Das Blueboard mag generell nützlich oder hilfreich sein, aber es ist nur EINE Quelle, um sich ein Bild über einen (potenziellen) Kunden zu verschaffen. Das ist wie mit guten oder schlechten Zeugnissen: Gute oder schlechte Noten mögen ein Kriterium für die Einstellung eines Kandidaten sein, aber Noten allein sind in der Regel nicht die einzigen Anhaltspunkte für eine Beurteilung.

Für das Einholen glaubwürdiger Informationen gibt es andere Quellen. Zugegebenermaßen haben Übersetzer oft nicht die Zeit, um sich umfassend zu informieren, da Projekte zügig einen Abnehmer finden.

Und dennoch: Bei Beträgen ab - sagen wir 2.000 Euro - ist Informationsbeschaffung Pflicht. Besondere Vorsicht ist geboten bei Geschäften mit Kunden in Ländern mit anderen rechtlichen und geschäftlichen Gepflogenheiten (Zahlungsmentalität ist immer wieder ein Thema).

Was nützt mir übrigens ein Kunde im Blueboard mit 100 positiven Einträgen, dessen Honorarvorstellungen von meinen so stark abweichen, dass ich noch nicht einmal die Miete bezahlen kann?

Meines Erachtens wird die Aussagekraft des Blueboards überschätzt. Gefährlich wird es jedoch, wenn man unternehmerische Entscheidungen nur aufgrund von Einträgen im Blueboard trifft. Das Blueboard ist sicherlich ein Informationsfundus für den ersten Eindruck, aber es ist eben nur eine Quelle, die mit subjektiven Erfahrungen gefüllt wird.

Schönes Wochenende!
Aniello


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Ina Glörfeld Salzano
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Ganz Deiner Meinung Nov 22, 2008

Ich bin der gleichen Meinung betriff Blueboard. Und logischerweise habe ich versucht so viel wie möglich über diese Genossenschaft zu erfahren, alles was ich rausbekommen habe, war mehr als in Ordnung, darum verstehe ich das alles ja nicht. Ich meine, wer so seriös aussieht und sein will, antwortet nicht mal einem Rechtsanwalt?
Ina


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holzner
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TOPIC STARTER
Zu späte Lieferung? Nov 25, 2008

Wenn ich nicht irre, gerät ein Kunde automatisch in Verzug, wenn die Bezahlung 30 Tage nach dem vereinbarten Zahlungsziel noch nicht erfolgt ist. Wie ist das bei der Lieferung? Angenommen, ich liefere eine Übersetzung mit einer einwöchigen Verspätung: Hat der Kunde das Recht, den Auftrag zu stornieren, nicht zu bezahlen (bzw. weniger zu bezahlen) oder hat er gar das Recht, Schadenersatz zu verlangen?

Ich kann mich rühmen, in all den Jahren meiner Tätigkeit als Übersetzer noch keine einzige Deadline verpasst zu haben, aber angesichts der Zahlungsmoral mancher Kunden komme ich schon das eine oder andere Mal in Versuchung, eine Übersetzung absichtlich zu spät zu liefern ... einfach nur um zu sehen, wie wichtig Pünktlichkeit für den Kunden plötzlich sein kann. Kennt ihr die genaue rechtliche Lage?


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