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Zeilenpreise bei verschiedenen Ausgangssprachen
Thread poster: Marcos Zattar
Marcos Zattar
Germany
Local time: 10:17
German to Portuguese
+ ...
Jan 13, 2009

Hallo,

mit meinen Auftraggebern habe ich bisher gewöhnlich mit Wortpreis des Ausgangstextes gearbeitet. Mit einem Kunde werde ich aber ab jetzt mit einem Zeilenpreis des Zieltextes arbeiten müssen. Um die Berechnung zu machen, habe ich mir 10 von meinen abgeschlossenen Projekten ausgesucht und eine Analyse mit MS-Excel gemacht. 5 davon waren mit Ausgangssprache Deutsch, 4 davon mit Ausgangsprache Englisch (meine Zielsprache ist immer Portugiesich). Für meine Überraschung kam ich zu stark abweichenden Ergebnissen: die Berechnung meines Zeilenpreises des Zieltextes mit Deutsch als Ausgangssprache liegt circa 20% höher als der berechnte Zeilenpreis des Zieltextes mit Englisch als Ausgangssprache. Laut Erfahrung und Informationen in den Foren, es ist schon normal, dass ein Unterschied in Wortpreisen besteht, aber nicht unbedingt in Zeilenpreisen - bei der Zeilenberechnungen werden die Faktoren etwas neutralisiert, die zu den Unterschieden in den Wortpreisen beitragen (z.B. durchschnittliche Wortlänge).

Basis meiner Berechnung waren meine bisher praktizierten Wortpreise des Ausgangstextes in den jeweiligen Ausgangssprachen und 55 Anschlägen mit Leerzeichen als Zeilenlänge. Mein Wortpreis des deutschen Ausgangstextes ist ca. 25% höher als mein Wortpreis des englischen Ausgangstextes (aus schon oft diskutierten Gründen in den Proz-Foren).

Meine Frage: ist es üblich, dass der Übersetzer unterschiedliche Zeilenpreise des Zieltextes verlangt, je nach Ausgangssprache? Ich würde mich darüber freuen zu hören, was für Erfahrungen meine Kollegen schon gemacht haben.

Grüße
Marcos


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Ann Krol  Identity Verified
Spain
Local time: 09:17
Member (2008)
English to Polish
+ ...
jawohl! Jan 13, 2009

Lieber Marcos,

Ich persoenhlich habe unterschiedliche Preise fuer unterchiedliche Sprachkombinationen. Es geht darum, dass meine Kompetenzen in einer der Sprachen hoeher sind; in einer anderen Sprache habe ich mehr Erfahrung etc.

Und ich arbeite mit Ost- und Westsprachen. Wenn man die Wort- und Zeilepreisen in bestimmten Laendern miteinander vergleichen wuerde, waere es klar, dass manchmal (nicht aber immer) eine Ubersetzung ins Russische oder Polnische relativ billiger ist als ins Deutsche.

Aber (!) so sieht es bei mir...smile...

LG,
Ann


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RWSTranslation
Germany
Local time: 10:17
Member (2007)
German to English
+ ...
Erfahrung und Preis Jan 13, 2009

AnKrol wrote:

Lieber Marcos,

Ich persoenhlich habe unterschiedliche Preise fuer unterchiedliche Sprachkombinationen. Es geht darum, dass meine Kompetenzen in einer der Sprachen hoeher sind; in einer anderen Sprache habe ich mehr Erfahrung etc.


Hallo,
beim Lesen hat sich mir als erstes die Frage gestellt, ob geringere Erfahrung (d.h. voraussichtlich höherer Zeitbedarf bei möglichweise schlechterem Resultat) nun zu einem höheren oder niedrigeren Angebotspreis führt.


Und ich arbeite mit Ost- und Westsprachen. Wenn man die Wort- und Zeilepreisen in bestimmten Laendern miteinander vergleichen wuerde, waere es klar, dass manchmal (nicht aber immer) eine Ubersetzung ins Russische oder Polnische relativ billiger ist als ins Deutsche.

Aber (!) so sieht es bei mir...smile...

LG,
Ann


Üblicherweise werden Übersetzungen in die Muttersprache des Übersetzers beauftragt. Dementsprechend werden auch die Preisvergleiche meist bezogen auf die gleiche Zielsprache (bei evtl. unterschiedlichen Ausgangssprachen) verglichen. Üblich ist auch, dass "exotischere" (d.h. nicht so stark nachgefragte Sprachkombinationen) im Spiel zwischen Angebot und Nachfrage tendenziell besser bezahlt werden (die Übersetzer haben aber oft auch nicht so viele Aufträge in dieser Sprachkombination und es gibt weniger Referenzen, Wörterbücher, ...).

Basis ist meist Englisch als Ausgangssprache, da hier der Marktanteil meist am größten ist. Danach kommen dann andere Sprachen wie u.a. Deutsch.

Aus meiner Erfahrung ist es im deutschen Markt zumindest so, dass Texte mit Deutsch oder Englisch als Ausgangssprache zumeist preisgleich angeboten werden. Ursächlich dürfte die allgemeine Aussage (die ich sicher nicht teile) sein, dass ja "jeder" Englisch kann.

Im Wortpreis sieht es aus den oft schon erörterten Gründen natürlich anders aus.

Wenn nun bei einer Umrechnung festgestellt wird, dass Texte aus dem Deutschen auf Wortbasis zu einem erheblich höheren Gesamtpreis führen (bei Vergleich über die Textmenge (=Zeilen oder Zeichen) dann kann man sich sicher freuen, dass man bei diesen Texten besser verdient hat, oder man sollte sich ärgern, dass man bei den anderen evtl. draufgelegt hat.

Viel entscheidender ist aber die Frage des Zeitbedarfs für die Übersetzung. Für eine angemessene Kalkulation ist es viel wichtiger abzuklären wie hoch der Stundensatz für die alten Aufträge gewesen ist. Hilfreich ist es, wenn man in seiner Buchhaltung immer auch den Zeitbedarf notiert und sich einen Überblick über die Rentabilität der Aufträge verschafft. Dann kann man nämlich wesentlich besser entscheiden, welche Aufträge man annimmt und welche man evtl. absagt. Bei einem größeren Kunden wird man hier sicherlich eine Mischkalkulation über mehrere Aufträge durchführen, denn meist heißt es: Alle oder keine.

Viele Grüße

Hans


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Marcos Zattar
Germany
Local time: 10:17
German to Portuguese
+ ...
TOPIC STARTER
Zeitaufwand, Produktivität, Fremdsprache als Zielsprache, etc. Jan 13, 2009

AnKrol: Danke für den Beitrag. Deine Überlegung ist sicherlich korrekt, aber paßt nicht zu meiner Situation, da ich fast ausschließlich nur eine Zielsprache habe (meine Muttersprache). Was das "passive Wissen" der jeweligen Ausgangsprachen angeht (ein wichtiger Faktor, der es beeinflußt, wie schnell und wie gut ein Übersetzer seine Arbeit verrichten kann), könnte ich sagen, dass dieses passive Wissen in meinem Fall bei Deutsch und Englisch ziemlich nah aneinander liegt, also, es spielt eine eher nachrangige Rolle.

Zu deiner Äußerung bezüglich der Kompetenz in einer zweiten Zielsprache, machte ich dieselbe Interpretation wie Hans: "voraussichtlich höherer Zeitbedarf bei möglichweise schlechterem Resultat". Ich denke wie du, aber gerade **andersherum*: wenn ich in eine zweite Zielsprache übersetzen würde, die nicht meine Muttersprache ist, würde ich entweder:

- meine Honorare erhöhen, damit ich mir einen muttersprachlichen Lektor leisten könnte
oder
- normale Honorare verlangen, aber mit Verdiensteinbüßen leben müssen, da ich sowieso einen Lektor engagieren würde
oder
- es handelt sich um "einfachen Texten/Textsorten", bei denen ich dann ohne Aufsicht eines Lektors die Sicherheit fühlen würde, dass ich die Arbeit alleine erledigen könnte.

Hans: die Bemerkung mit dem Stundensatz ist richtig! Ich habe meinen Aufwand in meiner Analyse einbezogen. Obwohl ich bei diesen früheren Projekten Honorare auf Wortbasis bekommen habe, habe ich zu meiner eigenen Kontrolle mir die Zeit. Damit war ich in der Lage, interessante Korrelationen zu ziehen, z.B., dass Projekte mit Englisch als Ausgangsprache rentabler waren als die aus dem Deutschen. Das lag unter anderen daran, dass es bei den Übersetzungen aus dem Deutschen sich meistens um sehr schwierige, technische Texte ging, bei denen die Terminolgiearbeit (Recherchen, Term-Datenbank pflegen, usw.) ziemlich aufwendig gewesen ist. Wie von Ihnen erwähnt, "exotische" Sprachen leiden an einem Mangel an Referenzmaterial. Portugiesisch ist nicht gerade richtig exotisch, aber leidet auch darunter.

Im ganzen habe ich festgestellt, dass der Verdienst pro Stunde (sei es aus dem Deutschen oder aus dem Englischen) etwas geringer, in den Fällen von sehr schwierigen Aufträgen viel geringer war als mein normaler Stundensatz. D.h., wenn ich ausschliesslich stundenweise von meinen Auftraggebern verdienen würde, wäre ich besser dran (den meisten Übersetzer geht es wohl so). Das steht natürlich im direkten Zusammenhang mit meiner Produktivität. Ich bin ehrlich gesagt weit von der 4000-Wort-Grenze entfernt, die manche Übersetzer angeblich in der Lage sind, täglich zu übersetzen. Nach meiner Erfahrung, vermute ich, dass solche Übersetzer entweder:

a) ausschließlich extrem einfache Texte übersetzen, oder
b) Genies sind, oder
c) sehr schlechte Übersetzungen liefern, oder
d) mit der Unterstützung eines Terminologen arbeiten, oder
e) maschinelle Übersetzung anwenden, aber es nicht verraten, oder
f) richtig gut lügen können, oder
g) noch Vorschläge?

Zusammenfassend: ich tendiere dazu, meine Preise zu vereinheintlichen und mal schauen, wie zukünftige Auftraggeber reagieren. Oder ich habe Glück und meine zukünftige Aufftraggeber mir nur auf Aufwandbasis zahlen werden... das meine ich natürlich als Scherz

Grüße
Marcos


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RWSTranslation
Germany
Local time: 10:17
Member (2007)
German to English
+ ...
Übersetzungsleistung Jan 14, 2009

Marcos de Miranda Zattar wrote:

....

Im ganzen habe ich festgestellt, dass der Verdienst pro Stunde (sei es aus dem Deutschen oder aus dem Englischen) etwas geringer, in den Fällen von sehr schwierigen Aufträgen viel geringer war als mein normaler Stundensatz. D.h., wenn ich ausschliesslich stundenweise von meinen Auftraggebern verdienen würde, wäre ich besser dran (den meisten Übersetzer geht es wohl so). Das steht natürlich im direkten Zusammenhang mit meiner Produktivität. Ich bin ehrlich gesagt weit von der 4000-Wort-Grenze entfernt, die manche Übersetzer angeblich in der Lage sind, täglich zu übersetzen. Nach meiner Erfahrung, vermute ich, dass solche Übersetzer entweder:

a) ausschließlich extrem einfache Texte übersetzen, oder
b) Genies sind, oder
c) sehr schlechte Übersetzungen liefern, oder
d) mit der Unterstützung eines Terminologen arbeiten, oder
e) maschinelle Übersetzung anwenden, aber es nicht verraten, oder
f) richtig gut lügen können, oder
g) noch Vorschläge?

...

Grüße
Marcos


Hallo,

ich denke da gibt es schon noch weitere Möglichkeiten, die nicht unbedingt so negativ sind:

h) Die Übersetzungsaufträge vom Auftraggeber gut vorbereitet sind und die Abwicklung mit dem Auftraggeber effizient ist.
i) Sie immer wieder gleiche Thematiken bearbeiten, so dass Terminologiearbeit im Umfang zurückgeht.
j) Sie über mehr Erfahrung "auf Anhieb" besserer Formulierungen verwenden, d.h. der nachträgliche Korrekturaufwand zurückgeht
k) Sie die technologischen Möglichkeiten effektiver nutzen können.
l) Sie die Projekte optimaler im Ablauf organisieren und z.B. grundlegende Fragen nicht erst ganz am Ende stellen.

Wir haben eher die Erfahrung gemacht, dass die ganz langsamen Übersetzer oft auch nicht die allerbeste Qualität erreichen und die superschnellen oft auch nicht. Die Gründe sind sicherlich unterschiedllich, aber wie so oft ist die goldene Mitte für den Auftraggeber am angenehmsten.

Viele Grüße

Hans


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Marcos Zattar
Germany
Local time: 10:17
German to Portuguese
+ ...
TOPIC STARTER
Faktoren in Synergie mit Faktoren Jan 14, 2009

Punkte h) bis l) sind sicherlich Faktoren, die eine entscheidende Rolle spielen. Immerhin: Deutsch hat längere Wörter, auch für Englisch wären 4000 Wörter in 8 Stunden sehr viel, für Deutsch noch mehr.

Zu Punkt k): Ich benutze fast ausschliesslich CATs für meine Aufträge (Transit, Translation Workbench, across) und kann nicht ohne so ein Tool leben. Ob ich damit schneller werde? Na ja, ein bisschen schon, da es für die Augen richtig bequem wird (und "richtig schnell" sowieso nur bei Texten mit vielen Wiederholungen). Vor allem aber wird die Qualität meiner Arbeit durch ein CAT erhöht (z.B., erhöhte terminologische Konsistenz).
Ich wollte schon immer ein Tool wie Dragon Naturally Speaking ausprobieren - das wird leider für Portugiesisch nicht angeboten...

Jedenfalls sind alles Fragen, die nicht mehr mit dem ursprünglichen Thema dieses Threads zu tun haben. Ich danke Hans und Ann für die Ideen und Diskussionen!

Grüße
Marcos


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