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Korrekturlesen - wie macht ihr das?
Thread poster: Daniel Meier

Daniel Meier  Identity Verified
Local time: 09:11
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Sep 15, 2003

Als Übersetzer muss wohl fast jeder wahrscheinlich auch hin und wieder Fremdübersetzungen korrekturlesen. Geht es euch da auch so, dass das Korrekturlesen viel stressiger ist, als einen komplizierten Text unter Termindruck zu übersetzen?
Persönlich finde ich es jedenfalls sehr schwer, immer wieder zu entscheiden, ob die Übersetzung jetzt noch richtig oder angemessen ist, oder vielleicht nicht doch so stehen bleiben kann. Letztens ging das sogar so weit, dass ich bei KudoZ nach einem Kasten Bier fragen musste: www.proz.com/kudoz/518953

Deshalb meine Frage an Kollegen und Kolleginnen, denen das Korrekturlesen gut von der Hand geht: gibt es vielleicht irgendwelche Techniken, wie man eine Übersetzung lesen sollte und wonach man dann entscheidet, was stehen bleiben kann/darf/soll und was geändert werden muss/soll?
Meine Korrekturaufträge sehen meist so aus, dass ich im Prinzip auf alles achten muss: Vollständigkeit, Inhalt und Stil der Übersetzung und natürlich auch Tippfehler und ggf. Formatierung. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher, ist aber wahrscheinlich eher üblich.
Eure Meinung dazu würde mich schon sehr interessieren.


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RWSTranslation
Germany
Local time: 09:11
Member (2007)
German to English
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Techniken Sep 15, 2003

Hallo,

vielleicht folgende Vorgehensweise:

1. Abklärung der anzuwendenden Terminologie mit dem Auftraggeber
2. stichprobenhafte Prüfung auf Einhaltung derselben
3. stichprobenhafte Erstkontrolle der orthografischen Korrektheit und Bewertung des Stils.

Danach sollte man wissen, ob es sich überhaupt lohnt den Text zu überarbeiten oder ob man nicht lieber den ganzen Text neu übersetzt. Das ist dann nämlich oft viel schneller und das Ergebnis meist deutlich besser.

Hans


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Sonja Tomaskovic  Identity Verified
Germany
Local time: 09:11
English to German
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Mehrere Schritte Sep 15, 2003

Ich persönlich mache das immer in mehreren Schritten.

Zu allerst nehme ich den Originaltext in der Ausgangssprache und lese ihn durch, damit ich weiss, welche Sprache/Stil verwendet wird und um was es eigentlich geht.

Dann lese ich die Übersetzung durch, um einen Eindruck vom Text zu bekommen. Meist fallen da schon erste Tipp-/Grammatik-/Schreibfehler auf. Diese ändere ich dann auch gleich.

Wenn ich den Eindruck habe, der Text ist an sich flüssig und gut formuliert, weicht nicht entscheidend vom Ausgangstext ab und weist auch nicht zu viele Fehler auf, nehme ich mir einzelne Textpassagen vor, die ich dann mit dem Originaltext vergleiche. Finde ich in diesen Passagen sehr viele Abweichungen zum Original, nehme ich mir den Text von vorne bis hinten nochmal zur Brust (jeweils im Vergleich zum Original).

Ganz zum Schluss gehe ich den Text dann nochmal durch, um den allerletzten Tipp- und Schreibfehlern auf die Schliche zu kommen.

Letztlich muss ich aber sagen, dass meine Strategie ohnehin "nur im Idealfall" klappt, weil die Auftraggeber das Korrekturlesen meist zeitlich begrenzen.

Gruß,

Sonja


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Sigrid Dohmen-Piola
Germany
Local time: 09:11
Italian to German
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Korrekturlesen Sep 16, 2003

Hallo Daniel,
leider kommt man manchmal am Korekturlesen vorbei.

Wenn es sich um einen eigenen Text andelt, biete ich das kostenlos an, denn dann bin ich ja selbst dafür verantwortlich. Ausserdem lese ich auch jede meiner Übersetzungen Korrektur, bevor ich liefere.

Korrekturlesen bei Fremdübersetzungen ist oft eine undankbare Aufgabe.
Ich habe 18 Jahre in Italien gelebt und musste öfter die Texte anderer ÜBersetzer beurteilen und verbessern.
Manchmal war es eine sehr undankbare und zeitraubende, schlecht bezahlte Aufgabe.
In einigen Fällen musste ich eine Neuübersetzung vorschlagen. Der Kunde versucht eben, auf möglichst preiswerte Weise doch noch an eine gute ÜBersetzung zu mommen.

Ich achte beim Korrekturlesen darauf, den Text in Form und Inhalt so weit wie möglich an das Original anzupassen.

Viele Grüsse in die Tcheschische Republik. Ich habe Freunde in Polen in der Nähe von Görlitz. Es ist eine Grenzstatdt und man kann von dort zu Fuss in die Tschechei gehen.

Ciao
Sigrid Dohmen


Als Übersetzer muss wohl fast jeder wahrscheinlich auch hin und wieder Fremdübersetzungen korrekturlesen. Geht es euch da auch so, dass das Korrekturlesen viel stressiger ist, als einen komplizierten Text unter Termindruck zu übersetzen?
Persönlich finde ich es jedenfalls sehr schwer, immer wieder zu entscheiden, ob die Übersetzung jetzt noch richtig oder angemessen ist, oder vielleicht nicht doch so stehen bleiben kann. Letztens ging das sogar so weit, dass ich bei KudoZ nach einem Kasten Bier fragen musste: www.proz.com/kudoz/518953

Deshalb meine Frage an Kollegen und Kolleginnen, denen das Korrekturlesen gut von der Hand geht: gibt es vielleicht irgendwelche Techniken, wie man eine Übersetzung lesen sollte und wonach man dann entscheidet, was stehen bleiben kann/darf/soll und was geändert werden muss/soll?
Meine Korrekturaufträge sehen meist so aus, dass ich im Prinzip auf alles achten muss: Vollständigkeit, Inhalt und Stil der Übersetzung und natürlich auch Tippfehler und ggf. Formatierung. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher, ist aber wahrscheinlich eher üblich.
Eure Meinung dazu würde mich schon sehr interessieren.

[/quote]


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Uwe Kirmse  Identity Verified
Local time: 09:11
Polish to German
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Schau mal hier nach, da gab es schon etwas dazu: Sep 16, 2003

http://www.proz.com/topic/8145

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Daniel Meier  Identity Verified
Local time: 09:11
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
Danke für die bisherigen Antworten, Sep 16, 2003

hier gibt es wohl ähnliche Erfahrungen. Es scheint mir aber, dass es bei Auftraggebern oft sehr unklare (gar keine?) Vorstellungen darüber gibt, was nun eigentlich der Inhalt bzw. das Ergebnis des Korrekturlesens sein soll. Das fängt ja schon bei der Begriffsverwirrung an: Korrekturlesen, Proofreading, Lektorat usw. Meistens treffe ich bei Auftraggebern auf die diffuse Vorstellung, dass am Ende eine "gute Übersetzung" herauskommen soll - dass die Korrektur dann oft ebenso diffus ist, muss ich wohl nicht extra betonen. Hinzu kommt dann auch noch immer das im Hinterkopf nagende Gefühl, dass der Auftraggeber die Korrektur dazu benutzen könnte, um dem Übersetzer ans Bein zu pinkeln.

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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 09:11
Member (2002)
English to German
+ ...
Korrigieren, lektorieren und predigen Sep 17, 2003

Als ersten Ansatz würde ich zwischen Korrektur lesen (proof-reading) und lektorieren (editing) unterscheiden: Korrektur lesen bedeutet für mich das Prüfen auf Schreibfehler und typographische Fehler (wobei sich die Frage stellt, ob Übersetzer für diesen zweiten Aspekt qualifiziert sind. Ich denke, in der Regel eher nicht). Anders formuliert bedeutet Korrektur lesen, den Inhalt des Textes völlig zu ignorieren. Lektorieren dagegen schließt den Inhalt mit ein, d.h. hier werden auch Original und Übersetzung verglichen sowie Aspekte wie konsistenter Wortgebrauch usw. berücksichtigt.

Für das Korrektur lesen kann ich nur empfehlen, sich vom Lesen der Worte zu verabschieden und nur Wortbilder zu erfassen. (Zufällig gab es heute für diesen Ansatz Unterstützung in einem anderen Forumsbeitrag: http://www.proz.com/topic/14187 ). Kleiner Tipp: das lässt sich gut trainieren, indem man die Seiten auf den Kopf dreht und dann Korrektur liest. Außerdem lohnt sich m.E. ein Schnelllesekurs.

Lektorieren ist natürlich viel komplexer. An Techniken kann ich nicht allzuviel geistreiches vorschlagen, allerdings halte ich von der Heransgehensweise ich (ungefähr) zwei Punkte für sehr wichtig:

  • Erst einmal davon ausgehen, dass der Kollege wußte, was er tat. Es ist nicht alles falsch, was dem persönlichen Geschmack widerläuft. Wenn ich immer mit allem Recht hätte, was ich sage, wäre ich Papst geworden, nicht Übersetzer.

  • Beim Ändern von Text muss natürlich der ursprüngliche Stil eingehalten werden, auch wenn's nicht der eigene ist. Bevor ich einen Ausdruck ändere (klare Sachfehler wie zum Beispiel bei der Übersetzung von local call als "Ferngespräch" ausgenommen), frage ich mich immer, ob meine Änderung wirklich eine objektive Verbesserung darstellt. Oft genug ist die Antwort auf diese Frage ein Nein - es kommt dem eigenen Stil näher, macht den Text aber nicht tatsächlich besser.


Executive Summary: Wenn man etwas Respekt vor der Arbeit der Kollegen hat, wird die Korrekturarbeit leichter (und das Ergebnis besser).

Grüße
Klaus

[Edited at 2003-09-17 09:59]


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RWSTranslation
Germany
Local time: 09:11
Member (2007)
German to English
+ ...
Typografie Sep 17, 2003

Klaus Herrmann wrote:

...(wobei sich die Frage stellt, ob Übersetzer für diesen zweiten Aspekt qualifiziert sind. Ich denke, in der Regel eher nicht)...
[Edited at 2003-09-17 09:59]


Hallo,

da Typografie zumindest teilweise jedoch auch eine Frage des Inhalts ist, halte ich es zumindest für wünschenswert, wenn ein Übersetzer die grundlegenden typografischen Regeln kennen und dann auch noch berücksichtigen würde. Hiermit meine ich ausdrücklich nicht die dtp-technischen Fragen sondern den Einsatz der typografisch korrekten Satzzeichen.

Hans


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antje.s  Identity Verified
Local time: 09:11
French to German
+ ...
genau Sep 17, 2003

Klaus Hermann hat die Sache auf den Punkt gebracht:

nie vergessen, dass nichts leichter zu kritisieren ist, als eine Übersetzung!

Gruss
Antje


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 09:11
Member (2002)
English to German
+ ...
Da fängt der Kummer an... Sep 17, 2003

DSC wrote:
...sondern den Einsatz der typografisch korrekten Satzzeichen.


Sorry, wenn das vom eigentlichen Thema abschweift, aber genau da fängt der Kummer doch an. Satzzeichen im Sinne vom Punkt- und Kommasetzung, klar, die sollte der Übersetzer schon beherrschen. Typografische Zeichen hingegen sind etwas ganz anderes. Wie herum gehören denn die An- und Abführungszeichen? Französische An- und Abführungen? Kommen bei einem Divis Leerräume vor und nach dem Strich, und wenn ja, welche? Was ist falsch an der Maul- & Klauensäuche? Welche gestalterischen/typographischen Merkmale darf ich z. B. vom amerikanischen Original übernehmen und welche nicht? Antworten darauf kann und darf man von einem Übersetzer nicht erwarten. Wir sollten nicht vergessen, dass Schriftsetzer ein 3-jähriger Lehrberuf ist. Ich würde es vorziehen, wenn Schriftsetzer nicht meinen Job machen und die zu setzenden Texte selber schreiben. Umgekehrt geht denen das vermutlich genauso...

Grüße
Klaus

[Edited at 2003-09-17 12:22]


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Daniel Meier  Identity Verified
Local time: 09:11
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
Zunächst mal vielen Dank für die wertvollen Tipps Sep 17, 2003

Klaus Herrmann wrote:
...
Executive Summary: Wenn man etwas Respekt vor der Arbeit der Kollegen hat, wird die Korrekturarbeit leichter (und das Ergebnis besser).
...
[Edited at 2003-09-17 09:59]


Dem kann ich allerdings nur teilweise zustimmen. Das Ergebnis wird wahrscheinlich tatsächlich besser, wenn man nicht einfach über die Übersetzung eines Kollegen rüberbügelt. Die Korrekturarbeit aber wird m.E. dadurch gerade schwerer, weil du dir ja dann die zusätzliche Arbeit machst, deine eigenen Korrekturvorschläge immer wieder zu hinterfragen.


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RWSTranslation
Germany
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Member (2007)
German to English
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Typografie Sep 17, 2003

Klaus Herrmann wrote:

Typografische Zeichen hingegen sind etwas ganz anderes. Wie herum gehören denn die An- und Abführungszeichen? Französische An- und Abführungen? Kommen bei einem Divis Leerräume vor und nach dem Strich, und wenn ja, welche? Was ist falsch an der Maul- & Klauensäuche? Welche gestalterischen/typographischen Merkmale darf ich z. B. vom amerikanischen Original übernehmen und welche nicht? Antworten darauf kann und darf man von einem Übersetzer nicht erwarten. Wir sollten nicht vergessen, dass Schriftsetzer ein 3-jähriger Lehrberuf ist. ...


Hallo Klaus,

hmm, zum einen habe ich selbst ja schon mein Statement auf: "wünschenswert" eingeschränkt, zum anderen teile ich Deine Meinung so nicht. Die zu verwendenden Anführungszeichen sollten einem Übersetzer eigentlich bekannt sein. Dann besteht natürlich auch noch das Problem, dass die Verwendung bestimmter Zeichen (Bindestrich -- Gedankenstrich, Anführungszeichen unterschiedlicher Ebenen) natürlich auch inhaltlich eine andere Aussage erreicht wird. Dies kann nur durch den Übersetzer erfolgen. Oft sind es aber gar nicht diese Spitzfindigkeiten, sondern so einfache Sachen wie "Punkte" am Ende von Sätzen, die korrekte Verwendung von Komma oder Semikolon, die korrekte Verwendung von Gross/Kleinschreibung bei Aufzählungen die die DTP Bearbeitung erheblich vereinfachen würde.

Nebenbei bemerkt wäre es sicher auch ein Verkaufsargument, wenn ein Übersetzer eine korrekte sprachspezifische typografische Umsetzung der Texte anbieten kann. Leistung bringt Umsatz und damit hoffentlich auch Gewinn.

Viele Grüße

Hans


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