Sind 20 Seiten Korrekturlesen pro Stunde angemessen?
Thread poster: Martina Keskintepe

Martina Keskintepe  Identity Verified
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Sep 29, 2003

Gerade habe ich ein Angebot einer Firma für Korrekturlesen abgelehnt. Es wurde verlangt, dass ich ein Pensum von 20 Seiten pro Stunde durchziehe, allerdings wären die Übersetzer zum größten Teil selbst für ihre Arbeit verantwortlich und wir, die Korrekturleser, sollten nur im Groben entscheiden, ob der Inhalt richtig übersetzt und die Reihenfolge eingehalten wurde.
Ich arbeite bereits an einem weiteren Projekt bei dem 1000 Worte pro Stunde verlangt und als durchaus normal angesehen werden - das wären wohl ca. 4 Seiten. Ihr seht die Diskrepanz!
Was mich hauptsächlich interessiert ist folgendes: kann man ruhigen Gewissens eine "oberflächliche" Korrektur vornehmen und wenn ja, sind 20 Seiten überhaupt zu schaffen? Oder bin ich vielleicht besonders langsam, kann ja gut sein?
Wie steht ihr dazu?


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Jerzy Czopik  Identity Verified
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1000 Wörter pro Stunde Sep 29, 2003

übersetzen oder Korrekturlesen?
Das macht nämlich einen Riesenunterschied!
Jedenfalls sind 20 Seiten pro Stunde IMHO zu viel zum Korrekturlesen. Je nach Art des Textes würde ich bis zu 15 Seiten akzeptieren, aber auch nur dann, wenn nicht mehr mit dem Ausgangstext verglichen werden muss. Ist ein Vergleich notwendig, würde ich dies auf maximal 10 Seiten pro Stunde beschränken.
Dies hängt aber auch von persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben. Persönlich mag ich Korrekturlesen gar nicht, so dass ich auch mit weniger Seiten pro Stunde nicht glücklich werde. Dafür kann ich halt schneller übersetzen - jedem also das seine.

Schöne Grüße
Jerzy


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Klares Jein Sep 29, 2003

An sich sind 20 Seiten in der Stunde locker zu schaffen. Allerdings gilt diese Aussagee ausschließlich für's Korrektur lesen, also für das Auffinden und Beheben von Tippfehlern, Drehern, ausgelassenen Buchstaben und Rechtschreibfehlern. Sobald auch inhaltlich zu lesen ist, sinkt die Geschwindigkeit ganz prinzipiell und wird auch in dramatischem Umfang stärker vom Autor/Übersetzer abhängig. Das "locker" aus dem ersten Satz fällt dann definitiv weg, kann je nach Textsorte und Qualität des Textes aber noch erreichbar werden. In dem Moment, wo auch eine Prüfung der Übersetzung und möglicherweise das Recherchieren von Begriffen anstehen, sind 20 Seiten pro Stunde absolut unrealistisch.

Eben ein klares Jein...


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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How do you tell a witch? Sep 29, 2003

Jerzy Czopik wrote:

übersetzen oder Korrekturlesen?
Das macht nämlich einen Riesenunterschied!
.... Dafür kann ich halt schneller übersetzen - jedem also das seine.

Schöne Grüße
Jerzy


Hmm, wenn du schneller übersetzen kannst als lesen, was genau übersetzt du denn dann?

Viele Grüße und bis in Bacharach
Klaus


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Martina Keskintepe  Identity Verified
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TOPIC STARTER
nur Korrekturlesen Sep 29, 2003

Jerzy Czopik wrote:

übersetzen oder Korrekturlesen?
Das macht nämlich einen Riesenunterschied!
Jedenfalls sind 20 Seiten pro Stunde IMHO zu viel zum Korrekturlesen. Je nach Art des Textes würde ich bis zu 15 Seiten akzeptieren, aber auch nur dann, wenn nicht mehr mit dem Ausgangstext verglichen werden muss. Ist ein Vergleich notwendig, würde ich dies auf maximal 10 Seiten pro Stunde beschränken.
Dies hängt aber auch von persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben. Persönlich mag ich Korrekturlesen gar nicht, so dass ich auch mit weniger Seiten pro Stunde nicht glücklich werde. Dafür kann ich halt schneller übersetzen - jedem also das seine.

Schöne Grüße
Jerzy



Jerzy, es geht hierbei nur ums Korrekturlesen und da es sich um einen medizinischen Text handelt, muss ja gerade der Inhalt geprüft werden.
Übrigens übersetze ich auch viel lieber als dass ich Korrekturlese!


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Jerzy Czopik  Identity Verified
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An Klaus Sep 29, 2003

Pack mich doch nicht so beim Wort.
Ich mag halt kein Korrekturlesen, das übernimmt bei uns im Hause meine Frau. Wenn ich etwas korrigieren soll, übersehe ich oft zu viel - daher übersetze ich lieber, denn da übersehe ich wiederum weniger. Fällt mir schwer, das zu erklären, ist aber so.

Jerzy


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Im Groben fehlerfrei? Sep 29, 2003

Jerzy Czopik wrote:
Pack mich doch nicht so beim Wort.
Ich mag halt kein Korrekturlesen, das übernimmt bei uns im Hause meine Frau. Wenn ich etwas korrigieren soll, übersehe ich oft zu viel - daher übersetze ich lieber, denn da übersehe ich wiederum weniger. Fällt mir schwer, das zu erklären, ist aber so.
Jerzy


Ich glaube, das geht den meisten von uns so - ich überlese auch sehr konsequent alle Fehler, die ich selbst gemacht habe Nicht böse sein, Jerzy, es war halt eine Einladung...

Melek wrote:
sollten nur im Groben entscheiden, ob der Inhalt richtig übersetzt ist.

Dann bleibt zu klären, was genau "im Groben" bedeutet. Wenn man sich mit dem Auftraggeber darauf verständigen kann, dass "im Groben" bedeutet, dass beim normalen Lesen (ohne Vergleich mit dem Original) keine Umgereimtheiten vorhanden sind bzw. dass diese ohne Änderung nur angezeichnet werden, halte ich 15-20 Seiten für machbar. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Text einwandfrei geschrieben ist.

Viele Grüße


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Michaela Müller
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Korrekturlesen vs. Lektorat Sep 29, 2003

Melek wrote:

Jerzy, es geht hierbei nur ums Korrekturlesen und da es sich um einen medizinischen Text handelt, muss ja gerade der Inhalt geprüft werden.


Ja, wenn es um die Prüfung des Inhaltes geht, dann ist es eigentlich kein reines Korrekurlesen mehr (Erklärung siehe Klaus), sondern Lektorieren. Und da stimme ich auch mit den anderen überein: ist unmöglich zu schaffen. Für Lektorat (editing) verlange ich persönlich deshalb auch mehr als fürs Korrektorat (proofreading). Dein zweiter Auftrag klingt da schon realistischer.

Viele Grüße,
Michaela


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elrubio
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Wahnsinn Sep 30, 2003

20 Seiten korrekturlesen ist Wahnsinn.
1000 words hingegen ist ok. Mehr als 1500 pro Stunde würde ich ablehnen.


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Daniel Meier  Identity Verified
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Erklärt das mal den Auftraggebern Sep 30, 2003

Michaela Müller wrote:

Ja, wenn es um die Prüfung des Inhaltes geht, dann ist es eigentlich kein reines Korrekurlesen mehr (Erklärung siehe Klaus), sondern Lektorieren. ...


Natürlich kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber die sagt mir fast immer, dass Auftraggeber mit Korrekturlesen alles meinen, d.h. Vergleichen von Original und Übersetzung, Prüfen von Terminologie, Grammatik, Rechtschreibung, Stilfragen, Tippfehler u.a., dazu sollen natürlich auch die entsprechenden Änderungen vorgenommen werden.
Der Kunde geht da aber meist den umgekehrten Weg: er sagt nicht, wie und was geprüft werden soll, sondern geht davon aus, dass der Text am Ende "perfekt" ist - und wie der Korrekturleser/Lektor zu diesem Ergebnis gelangt, ist ihm eigentlich egal.


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Michaela Müller
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Nachfragen Sep 30, 2003

Daniel Meier wrote:
Der Kunde geht da aber meist den umgekehrten Weg: er sagt nicht, wie und was geprüft werden soll, sondern geht davon aus, dass der Text am Ende "perfekt" ist - und wie der Korrekturleser/Lektor zu diesem Ergebnis gelangt, ist ihm eigentlich egal.


Da hab ich die gleichen Erfahrungen gemacht - sogar Agenturen schmeißen oft alles in einen Topf. Ich mach es immer so, daß ich vorher genau nachfrage, was eigentlich an dem Text gemacht werden soll und auch darauf aufmerksam mache, daß es bzw. welche Unterschiede es zwischen Korrektorat und "Korrektorat" gibt. Dann gibt es oft große Augen, aber die Betroffenen fühlen sich dann auch irgendwie "wichtiger", weil sie den Unterschied kennen - und sind dementsprechend auch williger, für die eine Leistung mehr zu zahlen.
Viele Grüße nach Prag (fand ich im Herbst immer besonders reizvoll)!

Michaela


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Martina Keskintepe  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Richtige Entscheidung getroffen! Sep 30, 2003

Vielen Dank für eure vielen Beiträge, ich bin überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen und den Auftrag nicht angenommen habe.
Es klang doch sehr unseriös dieses Angebot von 20 Seiten/Stunde und das "nur mal so eben drüberlesen" (Klaus, wenn du 20 Seiten pro Stunde locker schaffst, alle Achtung! Bin mal gespannt wann ich so weit bin ). Die Agentur wollte wohl, glaube ich, am falschen Ende sparen.
Gut, dass man doch noch seinen Intuitionen vertrauen kann!


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