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Professionelle Erfahrung?
Thread poster: Klaus Herrmann

Klaus Herrmann  Identity Verified
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Nov 22, 2003

Wenn ich als Begründung/Referenz für einen Vorschlag "professionelle Erfahrung" lese, wundere/ärgere ich mich:

Ich kann schlecht entscheiden, ob ich das zu eng sehe oder ob das mit der allgemeinen Wahrnehmung kongruent ist, aber ich empfinde eine derartige *Formulierung* als eine unverschämte Beleidigung. Was sind denn dann die anderen Antworten? Aus der letzten Kindergarten-Tombola mitgenommen? Beim Scrabbeln erfolgreich gewesen und deswegen hier noch mal verwendet?

Abgesehen davon ist ein derartiger Allgemeinplatz von sehr begrenztem Aussagewert und nicht immer nachzuvollziehen.

Sofern ich also nicht der Einzige bin, der sich daran stößt, möchte ich gerne vorschlagen, die "professionelle Erfahrung" nicht als Argument zu verwenden, sondern ggf. kurz verständlich zu machen, wo denn diese Besondere Erfahrung liegt. (Nicht nur wg. meiner Nerven, sondern um den Fragesteller nicht in einer falschen Sicherheit zu wiegen, dass diese Antwort in besonderer Weise qualifiziert sei.)

Viele Grüße
Klaus


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Geneviève von Levetzow  Identity Verified
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Vollkommen einverstanden, Klaus Nov 22, 2003

Mich nervt es auch kolossal. Weil es weder beweisbar noch nachvollziehbar ist.

Antworten sollten frei von "persönlichen" Meinungen sein.
Ausnahmen: bei literarischen oder freieren Übersetzungen im Marketing-Bereich.

Wenn ich bei Technik-Medizin-Sicherheit solche Kommentare wie "das finde aber schöner" lese, sehe ich rot.

Eine Antwort sollte prüfbare Quellen anbieten.
Wenn ich es nicht tun kann, sondern den Begriff schon mal übersetzt habe, schreibe ich das einfach dazu.

Und "professionelle Erfahrung" ist als Gütezeichen für eine Antwort ein schwammiger Begriff genau wie "Muttersprachler".

Ganz in Deinem Sinne:)

Geneviève


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Andrzej Lejman  Identity Verified
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Stimme völlig zu. Nov 22, 2003

Genauso schlechte Referenzen sind Aussagen wie "überall anzutreffen" oder "habe oft gelesen/gesehen/gehört", die ebenfalls nicht selten sind.
Tja, die Welt ist gerade nicht perfekt.
Gruss
Andrzej


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Annette Scheler  Identity Verified
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nicht so einverstanden... Nov 22, 2003

Es kann doch verschiedene Möglichkeiten geben, woher ich "weiß" oder "vermute", dass ein Vorschlag von mir richtig/besser/der Beste ist, entweder weil ich ein Fachwörterbuch zu Rate ziehe oder den Begriff ergoogelt habe oder weil ich den Begriff aufgrund meiner beruflichen Erfahrung (nicht notwendig als Übersetzer)einfach kenne, ohne zu wissen, wann ich ihm zum ersten Mal begegnet bin. Wie könnte man denn letzteres anders begründen als mit "professioneller Erfahrung"? Ich sehe darin keine Abwertung der anderen Vorschläge.

Annette


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Ton und Musik Nov 22, 2003

Annette Scheler wrote:

Wie könnte man denn letzteres anders begründen als mit "professioneller Erfahrung"?

Annette


Für mich würde eine derartige Begründung ein wesentliches Stück weit nachvollziehbarer, wenn sie nicht so pauschal wäre. Beispiel: seine Antwort auf die Frage nach einem Instrument im Flugzeug-Cockpit kann man mit "professioneller Erfahrung" oder "habe ich im Rahmen meiner Pilotenausbildung gelernt" unterstützten. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen es wirklich nur eine einzige korrekte Antwort gibt, würde ich sogar "bei meiner Pilotenausbildung wurde es Bananenkrümmungswinkelzeiger genannt" vorziehen.

Aber wie eingangs gesagt bin ich da vielleicht auch zu pingelig. Deswegen war/bin ich ja auch neugierig, wir Ihr das seht.


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3 in 1
Local time: 22:57
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Als Beleidigung empfinde ich es nicht, aber ... Nov 22, 2003

sehr aussagekräftig ist es nicht - Genauso wenig wie "habe ich erst letzte Woche so übersetzt". Für welche sprachliche Instanz hält sich derjenige? Ich meine, man kann ja angeben, welche Gründe einen dazu geführt haben, eine bestimmte Übersetzung zu wählen, da ist dann aber völlig unwichtig, wann das war.

Aber so nerven einen eben immer wieder einmal Dinge, das ist ganz normal und zählt zur "menschlichen Erfahrung".

[Edited at 2003-11-22 12:22]


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Steffen Walter  Identity Verified
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Ja, bitte bei Referenzangaben auf jeden Fall konkreter werden! Nov 22, 2003

Hallo Klaus, Nette und alle anderen,

ich bin der festen Überzeugung, dass es ungemein hilft, wenn man eben nicht den Wischiwaschi-Begriff "professionelle Erfahrung" hinschreibt, sondern wenigstens *etwas* konkreter angibt, wo und in welchem Zusammenhang einem/r der Terminus schon begegnet ist. Das dürfte auch unter Würdigung von Nettes Argumenten fast immer möglich sein.

Der Indikator "professionelle Erfahrung" ist ungefähr in die gleiche Schublade einzuordnen wie "10 Jahre in Deutschland" oder "bin zweisprachig aufgewachsen". Diese Angaben sagen a) nichts über die *übersetzerische* Kompetenz aus und haben b) keinen Bezug zum konkreten (technischen oder anderen) Sachverhalt.

Natürlich sind wir alle nicht unfehlbar und neigen manchmal schon aus Bequemlichkeit dazu, kurze Allgemeinplätze dieser Art anzugeben. Aber wenigstens sollten wir uns dessen bewusst sein und *versuchen*, es immer öfter anders zu machen.

Mein Samstagssenf

Steffen


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Babelfischli  Identity Verified
Local time: 22:57
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Schiefes Deutsch Nov 22, 2003

Ich stoße mich mehr an der Wortzusammensetzung, meiner Meinung nach kollokiert das nicht, schließlich ist doch nicht meine Erfahrung professionell, sondern höchstens meine Arbeitsweise (hinsichtlich Ausstattung und Berufsethik). Ich kenne eigentlich nur den Ausdruck Berufserfahrung - was soll professionelle Erfahrung denn genau sein? Oder bin ich zu erbsenzählerisch?

Claudia


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Annette Scheler  Identity Verified
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ihr habt ja Recht, aber... Nov 22, 2003

ich kann nicht erkennen, warum ich einem Vorschlag, der mir als Referenz einfach den Auszug aus einer Google-Hitliste oder den Vorschlag eines gedruckten oder Online-Wörterbuchs angibt, mehr Gewicht beimessen sollte als der Angabe "professionelle Erfahrung" oder "habe ich immer so übersetzt, hat sich noch keiner beschwert". Das ist eins so wischiwaschi wie das andere, aber es liegt doch an mir selbst zu entscheiden, wem ich (z.B aufgrund früherer Antworten) vertraue und welcher Begriff in meinen Text passt. Ich selbst übersetze zum Glück keine Bedienungsanleitungen oder Sicherheitsvorschriften, die potenziell Leben gefährden könnten, deswegen stellt sich für mich die Frage kritischer Begriffe nicht *so* sehr. Ich lasse mich z.B. davon überzeugen, wenn mir jemand kurz den ganzen Sachverhalt erklären kann, dann ist es mir auch egal, wo derjenige den Begriff gefunden hat und ob er beruflich/fachlich qualifiziert ist oder nicht.

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Geneviève von Levetzow  Identity Verified
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Das ist der Punkt Nov 22, 2003

Annette,

"Ich selbst übersetze zum Glück keine Bedienungsanleitungen oder Sicherheitsvorschriften, die potenziell Leben gefährden könnten, deswegen stellt sich für mich die Frage kritischer Begriffe nicht *so* sehr"

Geneviève

PS: Und lieber pingelig als schlampig...


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Annette Scheler  Identity Verified
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Nein, das ist nicht der Punkt Nov 22, 2003

auch wenn ich mit meinen Übersetzungen keine Leben gefährde, sondern schlimmstenfalls meinen Ruf und Geldbeutel, muss ich doch genau übersetzen.

Eigentlich interessant finde ich aber doch die Frage, woher ich etwas weiß (oder zu wissen glaube).

Man wird doch nicht dadurch zum guten Übersetzer, dass man ein Regal voller Fachwörterbücher hat oder einen Breitbandzugang zum Internet. Die Frage ist doch, wie man diese ganzen Informationen bewertet und das kann doch nur aufgrund der professionellen Erfahrung sein!

Woher weiß ich z.B., dass ich Dietl/Lorenz in Fragen des Gesellschaftsrechts vertrauen kann, in anderen Fragen besser nicht? Aus bitterer Erfahrung und erniedrigenden Belehrungen seitens meiner Auftraggeber.

Woher weiß ich, dass ich z.B. Ralf Lemster in Börsenfragen nahezu blind vertrauen kann? Ebenfalls aus Erfahrung.

Wörterbücher und einen Internetzugang kann sich jeder zulegen, das macht ihn nicht zu einem guten Übersetzer. Man muss doch über die Jahre lernen zu unterscheiden, wann man sich von den Wörterbüchern lösen muss, in welchem Kontext was angebracht ist, wen man fragen muss usw. Ich kann diesen Vorgang nur als professionelle Erfahrung beschreiben, die sich so schnell nicht näher begründen lässt.

Wenn ich alles aus Wörterbüchern und dem Internet entnehmen könnte, wäre auch eine Website wie proz.com überflüssig. Gerade hier setze ich doch auf die Erfahrung meiner Kollegen.

Hoffe, ich habe mich diesmal klarer ausgedrücht.
Annette


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Hans G. Liepert  Identity Verified
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Aha! Nov 22, 2003

Geneviève von Levetzow wrote:

Mich nervt es auch kolossal. Weil es weder beweisbar noch nachvollziehbar ist.


Aber das Zitat aus einen veralteten Wörterbuch mit dem Wortschatz von 1932 (wegen der ersparten Copyright-Gebühren), das soll Professionalität beweisen? Ist der Hinweis auf Internet, Wörterbuch, Zeitungsausschnitt usw. "beweiskräftiger" als die Erfahrung eines Profis, der seit Jahren mit dem Thema vertraut ist? Ich will nicht der "Intuition" das Wort reden, aber jeder von uns weiss, dass Übersetzung zum Teil auch Interpretation und Wortschöpfung ist: Die Copywriter unter uns wissen ein Lied davon zu singen.


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Geneviève von Levetzow  Identity Verified
Local time: 22:57
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Komischerweise... Nov 22, 2003

...berufen sie aber die wirklichen Profis, denen ich blind vertrauen kann (Klaus z.B, wenn es um Fragen der Stromsicherheit etc. geht) nie auf ihre professionelle Erfahrung.

Annette und Hans, Ihr habt beide vollkommen Recht. Und woher man etwas weiß, ist ein sehr interessantes Thema. Ich finde, Annette, Du solltest das getrennt posten.
Es war aber nicht der von Klaus angesprochene Punkt.

Und ich glaube, jemand der professionnel arbeit, hat es nicht nötig, sich auf seine Professionalität zu berufen. Sie ist selbstverständlich.
Ich schreibe auch nicht, dass ich meine Termine pünktlich einhalte oder eine Recht- und Grammatikprüfung durchlaufen lasse. Es ist einfach drin.

Geneviève


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
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Referenz: Ich kann lesen Nov 22, 2003

Geneviève von Levetzow wrote:
Ich schreibe auch nicht, dass ich meine Termine pünktlich einhalte oder eine Recht- und Grammatikprüfung durchlaufen lasse.


Paul Watzlawick gibt in "Menschliche Kommunikation" ein ganz gutes Beispiel für den beleidigen Aspekt, den ich in "professionelle Erfahrung" oder auch "Muttersprachler" sehe. Wenn ein Atomphysiker seinem Steuerberater erklärt, dass es verschiedene Uranisotope gibt, ist das für den Steuerberater interessant (oder auch nicht). Erklärt der Atomphysiker seinem Kollegen den gleichen Sachverhalt, ist es eine Beleidung, weil zu unterstellen ist, dass der Kollege dieses Grundlagenwissen bereits hat. So verhält es sich m.E. auch, wenn bereits einige Antworten auf eine Frage gegeben wurden und eine weitere Anwort dann mit der Referenz "Ich bin Muttersprachler", "professionelle Erfahrung" oder auch "ICH kann lesen" den Anspruch auf höhere Wahrscheinlichkeit erhebt. Warum stehen denn die anderen Antworten da? Ich unterstelle, dass es allgemeiner Konsens ist, dass man mit der Abgabe eines Vorschlages implizit erklärt, dass man die für die Beantwortung der Frage erforderliche Fachkompetenz zu haben (oder zu haben glaubt).

Dabei geht es mir nicht darum, den Wert von Erfahrung in Frage zu stellen. Natürlich gibt es Kollegen, deren Urteil man im jeweiligen Fachbereich nahezu blind trauen kann (wobei ergänzen möchte, dass es im Bereich E-Technik einige hervorragende Kollegen gibt, ich bin da nicht besonders herauszustellen). Dieses Vertrauen - oder Zuerkennen von Fachkompetenz - beruht aber nicht darauf, dass diese Personen besonders häufig auf ihre Zusatzkenntnisse verwiesen haben, sondern dass sie diese Kenntnisse haben und auch vermitteln können.


[Edited at 2003-11-22 20:54]


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Jerzy Czopik  Identity Verified
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Das sehe ich etwas differenzierter Nov 22, 2003

Auch wenn ich prinzipiell Klaus zustimmen muss, sehe ich die Sache auch deshalb etwass differenzierter, weil es hin und wieder einfach keinen Sinn macht, etwas anderes als Begründung anzugeben. Die "persönliche Erfharung" macht sich bei der Antwort ja doch besser als ein Smiley .
Oft werden gerade in dem Sprachpaar DE-PL so banale Fragen gestellt, dass die Angabe von Referenzen in keinem Verhältnis zu der Antwort stehen würde. Da reicht es m.E. einfach sich auf die eigene Erfahrung zu berufen oder eben den Smiley oder auch halt nur ein Zeichen in die Erklärung zu geben. Das sind aber wirklich grundlegende Fragen zu den einfachsten Sachen. Eigentlich müsste der Fragesteller sich ehrlich eingestehen, dass er den Text hätte besser nicht nehmen sollen.
Ansonsten ist persönliche Erfahrung eines Piloten, wenn sie denn auch so zur Geltung gebracht wird, oft mehr Wert, als jedes Wörterbuch. Aber die Art, wie man sich auf diese Erfahrung bezieht, macht DEN Unterschied. Da bin ich mit Klaus absolut einer Meinung.

Grüße
Jerzy

[Edited at 2003-11-29 19:47]


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