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Agentur meldet M├Ąngel an - was nun?
Thread poster: nettranslatorde

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Feb 7, 2004

Hallo und guten Morgen allerseits.

Hattet Ihr so einen Alptraum auch schon einmal? Da nimmt man den ersten Auftrag f├╝r eine neue Agentur mit gutem Ruf an, geht mit dem Preis herunter, und dann kommt die Agentur 4 Wochen sp├Ąter und will eine neue, um die H├Ąlfte reduzierte Rechnung, weil angeblich die ├ťbersetzung schief gelaufen ist und eine ├ťberarbeitung durch einen anderen ├ťbersetzer in Auftrag gegeben wurde.

Man dr├╝ckt seine Verwunderung aus, bittet h├Âflich um die Zusendung der korrigierten Dateien und stellt entsetzt fest, dass der vom (offensichtlich nicht muttersprachlichen) "Korrekturleser" produzierte Endtext teilweise inhaltlich verf├Ąlscht, teilweise in grauenvollem Deutsch und voller Grammatikfehler, Typos und Stilbl├╝ten ist. Was nun? Was w├╝rdet Ihr tun?

Ich bin sehr gespannt auf Eure Vorschl├Ąge.

Kerstin


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SATRO  Identity Verified
Poland
Local time: 21:43
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Ich bin mal in der Situation dieser Agentur gewesen... Feb 7, 2004

und habe das folgenderma├čen erledigt. Zuerst hab ich den Text korrigiert und erst dann dem ├ťbersetzer und noch einem Kollegen, den wir beide gut kannten zur├╝ckgegeben. Der "Richter" wusste den Namen meines Nachunternehmers nat├╝rlich nicht und hatte einfach fachlich entschieden.

So einfach ist das, man sollte aber dem ├ťbersetzer eine Chance geben, sich zu verteidigen.

Stasek


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Harry Bornemann  Identity Verified
Mexico
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Stellung nehmen Feb 7, 2004

- Die Änderungen so weit ausdiskutieren,
wie das mit zumutbarem Aufwand m├Âglich ist.
(Also z. B. die ersten Seiten 100% ausf├╝hrlich,
die weiteren Teile ├╝berfliegen und zusammenfassen.)
Dem Ergebnis entsprechend einer Reduktion zustimmen
oder nicht - mit allen Konsequenzen.

- Beim n├Ąchsten Mal nicht runterhandeln lassen;
damit f├Ąngt der ├ärger meistens an.

[Edited at 2004-02-07 09:58]


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nettranslatorde
Member
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TOPIC STARTER
Danke Harry Feb 7, 2004

Harry_B wrote:

- Die Änderungen so weit ausdiskutieren,
wie das mit zumutbarem Aufwand m├Âglich ist.
(Also z. B. die ersten Seiten 100% ausf├╝hrlich,
die weiteren Teile ├╝berfliegen und zusammenfassen.)
Dem Ergebnis entsprechend einer Reduktion zustimmen
oder nicht - mit allen Konsequenzen.


Genau das habe ich vor - leider etwas aufwendig, da viele kleine Dateien

- Beim n├Ąchsten Mal nicht runterhandeln lassen;
damit f├Ąngt der ├ärger meistens an.

Hast ja Recht. Das hat man nun davon!

[Edited at 2004-02-07 09:58]


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nettranslatorde
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TOPIC STARTER
Danke, der Meinung bin ich auch... Feb 7, 2004

Stanislaw Trojanowicz wrote:

und habe das folgenderma├čen erledigt. Zuerst hab ich den Text korrigiert und erst dann dem ├ťbersetzer und noch einem Kollegen, den wir beide gut kannten zur├╝ckgegeben. Der "Richter" wusste den Namen meines Nachunternehmers nat├╝rlich nicht und hatte einfach fachlich entschieden.

- so sollte es eigentlich ablaufen.

So einfach ist das, man sollte aber dem ├ťbersetzer eine Chance geben, sich zu verteidigen.

Stasek


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Giselle Chaumien
Germany
Local time: 21:43
French to German
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Cool und sachlich bleiben... auch wenn man innerlich kocht Feb 7, 2004

Hallo,

zun├Ąchst: in der Tat nie runterhandeln lassen, unsere Dienstleistung hat einen Wert, wir sind doch nicht auf dem Basar!
Dann zur Reklamation:
Wie bei einem Handwerker muss der Dienstleister, also Sie als ├ťbersetzer, Gelegenheit bekommen, eventuelle Fehler (wenn es denn welche gibt) zu beheben. Ist dies nicht geschehen, hat die Agentur schon mal einen Fehler gemacht. Nach vier Wochen kommen und den Preis dr├╝cken, so geht das nicht.
Also:
- korrigierten Text nehmen und mit eigener ├ťbersetzung vergleichen
- Aufstellung machen: links "meine ├ťb." - rechts "neue ├ťb./Korrektur", dritte Spalte "Kommentar". In der 3. Spalte schreiben Sie, warum Sie mit der Korrektur nicht einverstanden sind, aber nur sachliche Gr├╝nde: Terminuns stimmt nicht (Referenz angeben), Grammatikfehler, Rechtschreibefehler, ungebr├Ąuchlich usw.
- Das Ganze der Agentur zusenden mit der Bitte, die Rechnung mit dem urspr├╝nglichen Rechnungsbetrag unverz├╝glich zu begleichen, evtl. mit "rechtlichen Schritten", die Sie sich vorbehalten, drohen.
- Und dann abwarten...

Grunds├Ątzlich w├╝rde ich mich immer nach den Praktiken der Agenturen bei Kollegen erkundigen. Es gibt leider immer mehr schwarze Schafe, aber das darf nicht zu Lasten der ├ťbersetzer gehen. Suchen Sie sich lieber Direktkunden, Firmen, f├╝r die Sie regelm├Ą├čig arbeiten, Stammkunden.
Ich dr├╝cke Ihnen die Daumen!
Giselle
--------------------------------------
Kerstin Mouhannaya wrote:

Hallo und guten Morgen allerseits.

Hattet Ihr so einen Alptraum auch schon einmal? Da nimmt man den ersten Auftrag f├╝r eine neue Agentur mit gutem Ruf an, geht mit dem Preis herunter, und dann kommt die Agentur 4 Wochen sp├Ąter und will eine neue, um die H├Ąlfte reduzierte Rechnung, weil angeblich die ├ťbersetzung schief gelaufen ist und eine ├ťberarbeitung durch einen anderen ├ťbersetzer in Auftrag gegeben wurde.

Man dr├╝ckt seine Verwunderung aus, bittet h├Âflich um die Zusendung der korrigierten Dateien und stellt entsetzt fest, dass der vom (offensichtlich nicht muttersprachlichen) "Korrekturleser" produzierte Endtext teilweise inhaltlich verf├Ąlscht, teilweise in grauenvollem Deutsch und voller Grammatikfehler, Typos und Stilbl├╝ten ist. Was nun? Was w├╝rdet Ihr tun?

Ich bin sehr gespannt auf Eure Vorschl├Ąge.

Kerstin




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nettranslatorde
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TOPIC STARTER
Danke Giselle, Feb 7, 2004

[quote]Giselle Chaumien-Wetterauer wrote:

Hallo,

zun├Ąchst: in der Tat nie runterhandeln lassen, unsere Dienstleistung hat einen Wert, wir sind doch nicht auf dem Basar!
[Ende quote]
Na ja, es war ein recht umfangreicher Auftrag, und die Agentur hatte sehr gute Kollegenreferenzen, weshalb ich darauf einging, zumal der Preis auch gerade noch annahmbar war, wenn auch auf der untersten Grenze meiner Preisspanne.

[quote]
Dann zur Reklamation:
Wie bei einem Handwerker muss der Dienstleister, also Sie als ├ťbersetzer, Gelegenheit bekommen, eventuelle Fehler (wenn es denn welche gibt) zu beheben. Ist dies nicht geschehen, hat die Agentur schon mal einen Fehler gemacht. Nach vier Wochen kommen und den Preis dr├╝cken, so geht das nicht.[quote Ende]

Leider wurde ich lediglich mit der Bitte kontaktiert, meine Rechnung abzuändern, man hatte sich noch nicht einmal die M├╝he gemacht, die korrigierten Dateien mitzuschicken.
Als ich sie dann erhielt, musste ich tatsächlich Zeile f├╝r Zeile mit der Original├╝bersetzung vergleichen, da man mir den Endtext zugesandt hatte, der an den Kunden gegangen war, und nicht etwa die verfolgbaren Änderungen. Man war wahrscheinlich davon ausgegangen, ich w├╝rde mir die M├╝he nicht machen und direkt aufgeben. So bin ich aber nicht.

[quote]
Also:
- korrigierten Text nehmen und mit eigener ├ťbersetzung vergleichen
- Aufstellung machen: links "meine ├ťb." - rechts "neue ├ťb./Korrektur", dritte Spalte "Kommentar". In der 3. Spalte schreiben Sie, warum Sie mit der Korrektur nicht einverstanden sind, aber nur sachliche Gr├╝nde: Terminuns stimmt nicht (Referenz angeben), Grammatikfehler, Rechtschreibefehler, ungebr├Ąuchlich usw. [quote]

Bin gerade dabei

[quote]
- Das Ganze der Agentur zusenden mit der Bitte, die Rechnung mit dem urspr├╝nglichen Rechnungsbetrag unverz├╝glich zu begleichen, evtl. mit "rechtlichen Schritten", die Sie sich vorbehalten, drohen.
- Und dann abwarten...[quote Ende]

Wird wohl nichts weiter ├╝brig bleiben.

[quote] Suchen Sie sich lieber Direktkunden, Firmen, f├╝r die Sie regelm├Ą├čig arbeiten, Stammkunden.[quote Ende]

Gute Idee, aber nicht so leicht Ich habe einige wenige.

[quote]
Ich dr├╝cke Ihnen die Daumen!
[quote Ende]
Danke


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Daniel Meier  Identity Verified
Local time: 21:43
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R├╝gepflicht und Recht auf Nachbesserung Feb 7, 2004

Der Gro├čteil der aus tats├Ąchlich oder angeblich mangelhaften ├ťbersetzungen resultierenden Streitigkeiten zwischen Agenturen und ├ťbersetzern lie├če sich vermeiden, wenn die Agenturen ihrer R├╝gepflicht nachk├Ąmen und gegen├╝ber den ├ťbersetzern ihr Recht auf Nachbesserung geltend machten.
In deinem Fall ist die Agentur ihrer R├╝gepflicht offensichtlich nicht nachgekommen, hat also deine ├ťbersetzung (inklusive eventueller tats├Ąchlicher M├Ąngel) abgenommen und muss den vereinbarten Preis zahlen. Die von der Agentur vorgenommene Nachbesserung ist damit deren privates Vergn├╝gen.
Da ich diese Situation schon aus beiden Perspektiven erlebt habe, versuche ich hier mal, Fehler aufzuzeigen, die man als Agentur bzw. ├ťbersetzer tunlichst vermeiden sollte. Wenn das Posting dadurch etwas l├Ąnger werden sollte, bitte ich um Entschuldigung.

Grunds├Ątzlich ist es so, dass man eine Leistung innerhalb einer bestimmten Frist reklamieren kann und danach nicht mehr, auch wenn die Leistung tats├Ąchliche M├Ąngel aufweist, ausgenommen sind nur verdeckte M├Ąngel und die sollte es in unserer Branche wohl nicht geben. Wenn man M├Ąngel reklamieren m├Âchte, geht es nicht an, diese M├Ąngel einfach selbst zu beseitigen und dann vom Erbringer der Leistung Ersatz (z.B. in Form eines Nachlasses bei der Rechnung) zu fordern. Die M├Ąngelanzeige muss nat├╝rlich konkret sein und der Leistungserbringer muss die Gelegenheit erhalten, eine Nachbesserung vorzunehmen.
Als ├ťbersetzer hatte ich vielleicht 3 bis 4 solcher F├Ąlle. Bis auf ein Mal lief es immer korrekt ab, d.h. die Agentur teilte mir mit, dass in meiner ├ťbersetzung an dieser und dieser Stelle das und das nicht in Ordnung sei und bat um Nachbesserung. Hier w├╝rde ich dann als ├ťbersetzer die Nachbesserung unverz├╝glich vornehmen, den Text hinsichtlich der Art der aufgetretenen Fehler nochmals durchlesen, darauf hinweisen, wenn Anweisungen des Auftraggebers evtl. kontraproduktiv sind und mich nat├╝rlich f├╝r die Unannehmlichkeiten entschuldigen.
In einem anderen Fall forderte mich die Agentur ohne Angabe konkreter Stellen auf, meinen Text zu korrigieren und war auf meine wiederholte Bitte um Konkretisierung der M├Ąngel nicht bereit oder in der Lage, auch nur einen konkreten Fehler zu bennenen. Stattdessen beauftragte der Agenturinhaber einen weiteren ├ťbersetzer mit einer Korrekturlesung, deren Kosten er dann bei mir einfordern bzw. gegen mein Honorar aufrechnen wollte. Da ich nicht einsah, warum ich f├╝r das unprofessionelle Vorgehen der Agentur gerade stehen sollte, habe ich mich von ihr getrennt. Zum Gl├╝ck ging es nur um einen eher geringen Betrag.

Als Agentur hatte ich ebenfalls mehrere F├Ąlle, in denen eine ├ťbersetzung nicht einwandfrei war. Solche F├Ąlle l├Âse ich dann auf verschiedene Art und Weise, wobei ich bislang noch nie Honorark├╝rzungen verlangt habe.
Alle ├ťbersetzungen von Kollegen pr├╝fe ich zumindest stichprobenartig und meistens nehme ich auch ein paar ├änderungen vor. Die korrigierten Dateien mit den hervorgehobenen ├änderungen schicke ich dann meist an die ├ťbersetzer zur├╝ck. Dabei ist nat├╝rlich klar, dass manche ├änderungen reine Geschmackssache sind und dass es am jeweiligen ├ťbersetzer liegt, was davon er in zuk├╝nftigen ├ťbersetzungen umsetzen m├Âchte. Manchmal weise ich auch auf konkrete Probleme hin. Diesen Vorgang betrachte ich nicht als Reklamation, sondern als Qualit├Ątskontrolle.
Manchmal kommt es bei dieser Qualit├Ątskontrolle auch vor, dass die Art oder die Anzahl der "Fehler" eine gewisse Toleranzgrenze ├╝berschreitet. Dann bitte ich den ├ťbersetzer unter Hinweis auf konkrete Probleme um Nachbesserung. Wenn jedoch aus der Art der Fehler klar wird, dass der ├ťbersetzer sein Metier offensichtlich nicht beherrscht, dann verzichte ich auf Nachbesserungen, mache die Korrektur selbst und beauftrage diesen ├ťbersetzer nicht mehr (dies kommt ab und zu vor, wenn ich an einen neuen Kollegen einen k├╝rzeren Probeauftrag vergebe).
Es kann nat├╝rlich auch vorkommen, dass zwar eine Nachbesserung erforderlich w├Ąre, der ├ťbersetzer aber gerade nicht erreichbar ist bzw. dass der Abgabetermin dr├Ąngt. Dann mache ich die Korrektur selbst und teile dies dem ├ťbersetzer mit. Dies ist mir bisher nur einmal unterlaufen und der ├ťbersetzer hat in diesem Fall von sich aus eine Honorark├╝rzung angeboten.
Beim Thema R├╝gepflicht/Recht auf Nachbesserung muss man auch noch zwei Besonderheiten unserer Branche ber├╝cksichtigen, n├Ąmlich die knappen Termine, die eine Nachbesserung durch den ├ťbersetzer oft nicht zulassen und insbesondere die Tatsache, dass ├ťbersetzen nicht nur reines Handwerk ist, sondern eben auch eine Kunst. Diese Tatsache bringt eine ziemlich gro├če Grauzone mit sich, in der nicht mehr klar zwischen "falsch" und "richtig" unterschieden werden kann. Es gibt nichts leichteres, als sich eine ├ťbersetzung vorzunehmen, die Option "├änderungen verfolgen" in Word einzuschalten und den ├ťbersetzer als halben Analphabeten dastehen zu lassen.

Um nochmal auf Kerstins Fall zur├╝ckzukommen: Was macht deine Agentur? Sie kommt zu dir (und dazu noch nach vier Wochen) und sagt: "Deine ├ťbersetzung ist schlecht, du musst deine Rechnung k├╝rzen" und nichts weiter. Ich w├╝rde die Agentur in erster Linie darauf hinweisen, dass sie ihrer R├╝gepflicht nicht nachgekommen ist und dir kein Recht auf Nachbesserung einger├Ąumt hat, obwohl offensichtlich reichlich Zeit daf├╝r vorhanden war. Von Rechts wegen haben die also ├╝berhaupt keinen Anspruch gegen dich, selbst wenn deine ├ťbersetzung grottenschlecht sein sollte (was sie gewiss nicht ist).
Ich w├╝rde deshalb auch nicht darauf eingehen, den Text m├╝hsam Punkt f├╝r Punkt durchzugehen. Meines Erachtens ist es deinerseits Entgegenkommen genug, wenn du auf ein paar Stellen hinweist, in denen die Korrektur falsch ist, lediglich gleichwertige Ersetzungen vornimmt oder sonstwie unbegr├╝ndet ist. Es ist klar, dass man sich als ├ťbersetzer in solchen Situationen leicht in seinem Ehrgef├╝hl verletzt sieht und sich verteidigen m├Âchte. Andererseits aber sollte man sich, finde ich, nicht darauf einlassen, sich selbst in die Position desjenigen zu begeben, der sich rechtfertigen muss.


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RWSTranslation
Germany
Local time: 21:43
Member (2007)
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Fehler hineinkorrigiert Feb 7, 2004

Hallo,

es spricht wirklich nicht f├╝r die Agentur, wenn sie eine "Korrektur" vornimmt (vornehmen l├Ąsst), die den Text verschlechtert. Aus meiner Erfahrung (als Mitarbeiter in einem ├ťbersetzungsb├╝ro) weiss ich, dass praktisch in jeder ├ťbersetzung auch stellen zu finden sind, die man verbessern kann. Oft handelt es sich bei ├änderungen (ich spreche immer erstmal von ├änderungen der ├ťbersetzung) vorwiegend um stilistische Fragen, deren Beurteilung oft Geschmacksfrage ist. Dann gibt es oft Punkte die mit "Das sagen wir schon immer so" begr├╝ndet werden. Da stellt sich dann die Frage, ob das dem ├ťbersetzer zuvor bekannt war. Prinzipiell besteht jedoch fast immer das Recht auf Nachbesserung. Daraus folgt, dass der Auftraggeber verpflichtet ist, zuerst die Nachbesserung zu fordern. Unterl├Ąsst er dies hat er auch keinen Anspruch auf Preisminderung. (Ausnahme vielleicht bei extrem terminkritischen Texten).

Nat├╝rlich besteht die Gefahr, dass man den "Kunden" verliert, wenn man auf vollst├Ąndiger Bezahlung besteht und dies ggf. auch gerichtlich durchsetzen muss. Aber wer will schon f├╝r einen Kunden arbeiten, der so auftritt ?

Viele Gr├╝├če

Hans


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nettranslatorde
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TOPIC STARTER
Danke Daniel und Hans, Feb 7, 2004

Es tut wirklich gut, sich nach einer durchwachten Nacht und jeder Menge ├ärger im Hals so best├Ątigt so wissen. Ich bin wirklich Datei f├╝r Datei durchgegangen. Es gab ein paar Typos (nicht sehr viele), da ich die Dateien kurz durchgesehen hatte, aber das ist bei der Art von Datei (lauter kleine Fensterchen in PowerPoint) wohl kaum zu umgehen, zumal der Liefertermin nicht sehr gro├čz├╝gig war.
Viele S├Ątze wurden vom Korrekturleser einfach "umgeschrieben", von hinten nach vorn "verdreht", und dabei machte diese Person nicht nur grammatische Fehler, sondern erfand auch W├Ârter neu.
Ich h├Ątte mich nicht so aufgeregt, wenn der Text nicht mein Fachgebiet gewesen w├Ąre, aber 9 Jahre Erfahrung sollten ausreichen, um so einen Text vern├╝nftig r├╝ber zu bringen.
Kennt vielleicht jemand DIE BRITISCHEN GESETZE, die diese Art von Vertr├Ągen regeln?


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Hans G. Liepert  Identity Verified
Switzerland
Local time: 21:43
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M├Ąngelbeseitigung Feb 8, 2004

[quote]Daniel Meier wrote:

In deinem Fall ist die Agentur ihrer R├╝gepflicht offensichtlich nicht nachgekommen, hat also deine ├ťbersetzung (inklusive eventueller tats├Ąchlicher M├Ąngel) abgenommen und muss den vereinbarten Preis zahlen. Die von der Agentur vorgenommene Nachbesserung ist damit deren privates Vergn├╝gen.


[Edited at 2004-02-08 02:38]

[Edited at 2004-02-08 13:00]


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Hans G. Liepert  Identity Verified
Switzerland
Local time: 21:43
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M├Ąngelbeseitigung Feb 8, 2004

Daniel Meier wrote:

Der Gro├čteil der aus tats├Ąchlich oder angeblich mangelhaften ├ťbersetzungen resultierenden Streitigkeiten zwischen Agenturen und ├ťbersetzern lie├če sich vermeiden, wenn die Agenturen ihrer R├╝gepflicht nachk├Ąmen und gegen├╝ber den ├ťbersetzern ihr Recht auf Nachbesserung geltend machten..


Daniel, bei aller Liebe - das ist zuviel Theorie. Juristisch mag das alles so sein, in der Praxis funktioniert es nur selten. In der Regel gibt es enge Deadlines, die Agentur kann gerade noch das Editing machen und dann muss es schon beim Kunden sein. Wer hat da Zeit f├╝r Nachbesserung?

├ťber den Preis muss man mit der Agentur sicher reden, vor allem wenn man im Recht ist. Aber Nachbessern halte ich f├╝r ein Relikt, das sich h├Âchstens Literatur├╝bersetzer bewahrt haben.


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nettranslatorde
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TOPIC STARTER
Nein Hans, Feb 8, 2004

[quote]Hans Liepert wrote:

In der Regel gibt es enge Deadlines, die Agentur kann gerade noch das Editing machen und dann muss es schon beim Kunden sein. Wer hat da Zeit f├╝r Nachbesserung?
[Ende quote]

In diesem Fall war offensichtlich genug Zeit daf├╝r, denn man hat sich erst nach vier Wochen gemeldet.


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Daniel Meier  Identity Verified
Local time: 21:43
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Einzelfalll beurteilen Feb 8, 2004

Hans Liepert wrote:
Daniel, bei aller Liebe - das ist zuviel Theorie. Juristisch mag das alles so sein, in der Praxis funktioniert es nur selten. In der Regel gibt es enge Deadlines, die Agentur kann gerade noch das Editing machen und dann muss es schon beim Kunden sein. Wer hat da Zeit f├╝r Nachbesserung?

├ťber den Preis muss man mit der Agentur sicher reden, vor allem wenn man im Recht ist. Aber Nachbessern halte ich f├╝r ein Relikt, das sich h├Âchstens Literatur├╝bersetzer bewahrt haben.


Nat├╝rlich hast du hinsichtlich der knappen Termine Recht, das hatte ich in meinem Beitrag nur angedeutet und nicht weiter ausgef├╝hrt.
Ich denke, es kommt da aber vor allem auf das Verhalten der Agentur an. Auch wenn tats├Ąchlich wenig Zeit ist, dann sollte es doch trotzdem kein Problem sein, die ├ťbersetzung nicht nur an den Kunden, sondern gleichzeitig auch an den ├ťbersetzer zu senden, versehen mit einem kurzen Hinweis, z.B.: "Leider entsprach Ihre ├ťbersetzung nicht der ├╝blichen Qualit├Ąt. Aufgrund des knappen Liefertermins konnten wir Sie jedoch nicht um Nachbesserung bitten und mussten die Korrektur selbst vornehmen." Anschlie├čend sollten die Vorw├╝rfe nat├╝rlich konkretisiert werden. Wichtig ist aber, dass die Agentur den ├ťbersetzer sofort darauf hinweist, dass sie in einer Notlage gehandelt hat, um gr├Â├čeren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, an dem auch der ├ťbersetzer nicht interessiert sein kann. Danach k├Ânnen dann Verhandlungen ├╝ber eine Reduzierung des Honorars anschlie├čen und als ├ťbersetzer s├Ąhe ich es in einem solchen Fall auch nicht als angemessen, auf einem formalen Nachbesserungsrecht zu beharren.
In der Praxis sieht es aber dann doch meistens anders aus. Dazu gibt es in den hiesigen Foren einige Beitr├Ąge, die immer wieder darauf hinauslaufen, dass eine Agentur sich nach mehreren Tagen oder Wochen meldet, eine ├ťbersetzung ohne Vorlage von Begr├╝ndungen "reklamiert" und einen Preisnachlass verlangt bzw. gar nicht zahlen will.


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nettranslatorde
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TOPIC STARTER
Ausgestanden... Feb 12, 2004

Danke Euch allen f├╝r Eure Vorschl├Ąge. Die Sache hat sich doch noch in wohlgefallen aufgel├Âst. Ich habe der Agentur klipp und klar mitgeteilt, dass nach einem Monate die Frist f├╝r M├Ąngelanmeldungen vorbei ist. Rechtlich sei es eben so, dass die ├ťbersetzung als akzeptiert gilt, wenn der ├ťbersetzer nicht rechtzeitig informiert wird, dass M├Ąngel vorhanden sind.
Dann habe ich ein Gutachten erstellt (mit beiden Versionen der ├ťbersetung- vor und nach der "Korrektur"), dass ich von einer zweiten ├ťbersetzerin mit langj├Ąhriger Berufserfahrung verifizieren lie├č.
Das hat gewirkt- sie zahlen und haben sich f├╝r ihren Fehler entschuldigt.

Sollte ich die Agentur dadurch vergrault haben, tut es mir nicht leid. Es gibt ja genug professionelle Agenturen auf der Welt...

Gru├č,
Kerstin


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