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Thread poster: stockekare
Wer hat Erfahrung mit Literaturübersetzung und gute Tipps ...

stockekare
Sweden
Local time: 09:14
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+ ...
Dec 28, 2011

Hallo,

suche jemanden der recht gute Erfahrung mit Literaturübersetzungen ins Deutsche hat. Abenteuerromane, Kriminalroman, Thriller und Ähnliches ...
Bin dabei ein Buch aus der oben genannten Kategorie mit rund 320 Seiten aus dem schwedischen ins Deutsche zu übersetzen.
Es ist meine erste Literaturübersetzung in dieser Größenordnung und dachte mir, ob ein Erfahrener einige gute grundsätzliche Tipps hat. Ich habe fast 200 Seiten abgeschlossen und orientiere mich etwas an andere professionell übersetzte Romane wie von Henning Mankells "Vor dem Frost". Wobei ich das schwedische Original "Innan frosten" natürlich auch zur Hand habe, um mir besonders den Aufbau des Textes anzuschauen und wie solche Profis in der Übersetzung arbeiten. Habe aber entdeckt, dass etwas eigentlich nicht richtig übersetzt war und auch mehr oder weniger nicht logisch passen kann. Ist das Absicht, aus welchen Gründen auch immer oder ein eingeschlichener Übersetzungsfehler?

Beispiel eines Textauszugs des Buches "Vor dem Frost":

- Kurz nach neun am Abend des 21.August 2001 kam Wind auf. Wellen kräuselten sich auf dem Marebosjö, der in einer Talsenke an der Südseite von Rommeleåsen lag. Der Mann, der in der Dunkelheit am Strand wartete, hielt eine Hand in die Luft, um zu prüfen, woher der Wind kam.-

(Erst einmal hätte ich hier beim ersten Satz, anstatt: ... kam Wind auf.- eher geschrieben: ... begann es windig zu werden.-
(Das ist dem schwedischen ORIGINAL wirklich besser und noch näher angepasst. Ist meine Meinung jedenfalls.)

Aber jetzt kommt es, was ich wirklich meine:
Weiterer Textauszug vom dritten Satz:

-Der Mann, der in der Dunkelheit am Strand wartete, hielt eine Hand in die Luft, um zu prüfen, woher der Wind kam.-

(Da ist ja eigentlich nichts anzumerken, außer, dass das Wort "in der Dunkelheit" eigentlich vollkommen falsch übersetzt wurde, auch mehr oder weniger von der Logik der Szenerie her.)

Was Henning Mankell im Original schreibt, ist nicht "in der Dunkelheit am Strand“, sondern "viel eher und eindeutig "in den dunklen Schatten am Strand" oder "im dunklen Schatten am Strand". Und das ist absolut nicht falsch herauszuerkennen, denn "Dunkelheit" ist im schwedischen erst einmal "mörker" und Henning Mankel schreibt "skuggorna", das Wort bedeutet eindeutig "die Schatten." Und da es obendrein kurz nach neun Uhr am Abend ist, Ende August, und es in Schweden auch in der Region noch hell ist, kann die Person auch unverkennbar nur "im Schatten am Strand warten". Aber hier hätte auch ich das Dunkle mit einbezogen in Form von "in den dunklen Schatten am Strand warten", da es auch langsam ins Dämmern übergeht. Aber er steht nicht "in der Dunkelheit am Strand", schon allein wegen der Uhrzeit nicht. Logischerweise! Darum hat Henning Mankell auch "skuggorna" geschrieben und nicht "mörkret"
Ich finde das Wort "Dunkelheit" ist eher irreführend und falsch.

Nun ist es natürlich nicht meine Absicht irgendwelche Kritik auszuüben, da ich obendrein auch jetzt mein erste größeres Buch übersetzte, aber daher meine Frage an mehr professionelle Literaturübersetzer:
Ist das aus welchen Gründen auch immer beabsichtigt oder ist das ein Übersetzungsfehler, der sich ausversehen eingeschlichen hat. Wird das nicht noch ein letztes Mal von sprachkompetenten Lektoren des respektiven Verlags kontrolliert? Eben auch aus der Übersetzung heraus. Oder wie funktioniert es überhaupt so?
Wäre dankbar für eine Antwort und eine Meinung von eher professionellen Literaturübersetzern.

Danke im Voraus.
Grüße Peter


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hazmatgerman
Germany
Local time: 09:14
English to German
Es ist Dec 29, 2011

bei jeder Recherche am sinnvollsten, an der Quelle zu beginnen. Sie könnten sich sowohl mit dem wohl ausgewiesenen Übersetzer als auch mit dem herausgebenden Verlag des Referenzwerkes in Verbindung setzen. Alle Nichtbeteiligten könnten nur Mutmaßungen abgeben.

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Usch Pilz
Germany
Local time: 09:14
Member (2011)
English to German
+ ...
Ein weites Feld ... Dec 29, 2011

Hey,
Literaturübersetzungen (aus dem Englischen ins Deutsche) mache ich seit 1999 und habe bislang etwa 25 Buchprojekte abgeschlossen.

Zu deinen Fragen: Literaturübersetzungen sind ein weites Feld. Alles genau zu beantworten, würde den Rahmen sprengen.
Also nur kurz:

Für mich ist immer wichtig, sehr früh in Kontakt mit dem Lektorat zu treten. Ich reiche ca 30 - 50 Probeseiten ein, die dann genau besprochen werden. Meist ist die Übersetzung selbst eher unproblematisch. Es geht viel mehr um Ton/Stil/Zielgruppe ... usw.
Diese Art der Kommunikation ist sehr wichtig, sonst musst du vielleicht am Ende sehr viel nacharbeiten oder abändern, obwohl die Übersetzung rein handwerklich okay wäre.

Denke auch daran, dass das fertige Buch, das du in den Händen hältst, oft mit der Übersetzung nicht mehr viel zu tun hat. Wenn diese von ein bis zwei Lektoren überarbeitet wurde, hat sich viel verändert.
Oft sind diese Veränderungen auch Geschmacksache. Häuftg gleicht das Lektorat ein Buch an Vorgängerwerke an oder bearbeitet das Werk für ein bestimmtes Marktsegment.

Vielleicht sind damit ein paar deiner Fragen beanwortet?
Alles Gute!
Usch


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Marina Steinbach  Identity Verified
United States
Local time: 03:14
Member (2011)
English to German
+ ...
Hochinteressant! Jan 7


Usch Pilz schrieb:

Hey,
Literaturübersetzungen (aus dem Englischen ins Deutsche) mache ich seit 1999 und habe bislang etwa 25 Buchprojekte abgeschlossen.


Hallo Usch,

wo findest du denn deine Buchprojekte? Ich habe hier bei ProZ bislang lediglich Jobangebote für technische Handbücher gesehen.


Usch Pilz schrieb:

Es geht viel mehr um Ton/Stil/Zielgruppe ... usw.


Ich hätte nie gedacht, dass das bei der Übersetzung eine Rolle spielen könnte. Hochinteressant!


Usch Pilz schrieb:

Denke auch daran, dass das fertige Buch, das du in den Händen hältst, oft mit der Übersetzung nicht mehr viel zu tun hat. Wenn diese von ein bis zwei Lektoren überarbeitet wurde, hat sich viel verändert.
Oft sind diese Veränderungen auch Geschmacksache. Häuftg gleicht das Lektorat ein Buch an Vorgängerwerke an oder bearbeitet das Werk für ein bestimmtes Marktsegment.


Das erklärt natürlich so einiges. Als ich noch in Deutschland lebte, hat mir mein Mann immer von dem kalifornischen Dichter und Erzähler Clark Ashton Smith vorgeschwärmt. Jetzt, wo er in den Vereinigten Staaten lebt, hat er sich aus der Bücherei mal einige Bücher von Smith in Englisch besorgt. Leider musste er feststellen, dass diese ihn so rein gar nicht an die deutschen Fassungen erinnern. Die Schönheit der Sprache käme seines Erachtens im Englischen überhaupt nicht rüber. Oder ist mein Mann eventuell noch nicht genug mit der englischen Sprache verwurzelt, um die Feinheiten zu erspüren? Jedenfalls spricht er dem Übersetzer, der für die deutsche Fassung verantwortlich ist, Herrn Friedrich Polakovics, ein dickes Lob aus!

Nur so aus Neugierde, Usch: Wissen eigentlich die Autoren darüber Bescheid, was mit ihren Werken angestellt wird? Oder verehren auch Sie nur den schnöden Mammon?


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Usch Pilz
Germany
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Zu deinen Fragen, Marina ... Jan 8

... die Konkurrenz im Literaturbetrieb ist groß, aber das erste Projekt kann der Einstieg in weitere sein. Die Frage ist nur: WIE KOMMT MAN ZUM ERSTEN?

Bei mir wars damals eine glückliche Verkettung vieler Umstände und eine persönliche Emfpehlung.

Fast alle Verlage haben ihre Stammübersetzer, es ist also schwer, irgendwo einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Ob ein Buch nun sehr wörtlich/werktreu übersetzt oder beim Übersetzen auch bearbeitet wird, handeln wohl die betroffenen Verlage untereinander aus. Bei leichter Unterhaltungsliteratur wird sicher anders vorgegangen als bei kunstverdächtigem Material. Und ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Erfolgsautor leichter Einfluss nehmen kann als ein Newcomer.

Autoren freuen sich im Allgemeinen, wenn ihr Buch übersetzt wird. Und man kann es auch positiv sehen: Oft kennen sie den Markt im Ausland nicht und müssen sich darauf verlassen, dass der Verlag dem Buch durch entsprechende Gestaltung zum Erfolg verhilft.

Über solche Dinge werden auf allen Ebenen heiße Diskussionen geführt.

Als Übersetzerin freut man sich, wenn möglichst viel vom eigenen Text erhalten bleibt, aber man muss damit leben, dass auch Stellen verändert werden können, an denen man mit Herzblut gearbeitet hat.


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Marina Steinbach  Identity Verified
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Local time: 03:14
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+ ...
Als Antwort auf deinen Beitrag, Usch. Jan 9

Hallo Usch,

als mein Mann und ich noch in Deutschland gelebt haben, hatte ich versucht, seinen Roman an einen Verlag zu verkaufen. Leider war nur ein einziger daran interessiert, der allerdings die komplette Vermarktung vorfinanziert haben wollte.

Das ist nun alles drei Jahre her, und wir leben jetzt in Florida. Ich übersetze so nebenbei, wenn ich keinen anderen Übersetzungsauftrag habe, den Roman meines Mannes.
Nachdem ich deinen Beitrag im Forum von ProZ gelesen habe, stellt sich mir die folgende Frage, wenn ich den Roman aufpimpen wollte:

In welchen Marktsegmenten besteht denn zurzeit die größte Nachfrage?

Liebe Grüße

Marina


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Usch Pilz
Germany
Local time: 09:14
Member (2011)
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+ ...
Ansprechpartner Literaturagenten Jan 10

Wenn der Roman in den USA platziert werden soll, dann sind eure Ansprechpartner vor allem Literaturagenten. Über diese laufen nahezu alle Verbindungen zu den Verlagen. Manche sagen 'leider'. Erfahrene Agenten wissen 'was geht' und haben ihre Beziehungen. (Was sie sich natürlich bezahlen lassen.)
Auch in Deutschland sind die Agenturen längst stark im Kommen.

Bevor du dir also die ganze Mühe mit dem Pimpen machst - lieber Agenten fragen, die ähnliches im Programm haben, wie ihr es anbieten wollt.
Ich traue mir keine eindeutige Aussage zu. Und sicher lässt sich der Roman auch nicht wahllos etwa in Fantasy oder in einen Thriller verwandeln.
Das sind die Genres, in denen zurzeit alle Nischen ausgelotet werden.

Der andere große Bereich sind Promi-Bücher, oft Autobiographien, von Leuten, die schon bekannt sind und dann auch gerne verlegt werden. Kommt für euch vielleicht auch weniger in Frage?

Sich abzusetzen und etwas ganz Neues zu machen, kann der Schlüssel zum Erfolg sein aber genauso gut dazu führen, dass sich kein Verleger an das Manuskript herantraut.
Womit wir wieder bei den Agenten wären, die vielleicht jemanden kennen, der Interesse hat...

Good luck!


[Edited at 2012-01-10 22:02 GMT]


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Marina Steinbach  Identity Verified
United States
Local time: 03:14
Member (2011)
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+ ...
Vielen Dank für die umfangreichen Informationen. Jan 22


Usch Pilz wrote:

Und sicher lässt sich der Roman auch nicht wahllos etwa in Fantasy oder in einen Thriller verwandeln.
Das sind die Genres, in denen zurzeit alle Nischen ausgelotet werden.


Eigentlich gehört der Roman in genau dieses Genre. Da bräuchte ich also nicht viel abändern.

Ein Problem könnte allerdings das Thema Satanismus und Sex dabei sein.
So sehe ich das jedenfalls.


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