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Thread poster: adet0106
Off topic: Umfrage: Wieviele Rechtschreibfehler sind akzeptabel
adet0106
Germany
Jan 16

Hallo zusammen,

ich würde gerne einmal Eure Meinung zu dem Thema "fehlerfreie Übersetzungen", bzw. wieviele "kleine" Fehler sind in 1000 Wörtern akzeptabel hören.

Kurz zum Hintergrund: Ich arbeite schon seit Jahren als Projektmanagerin, mache ab und zu selbst Übersetzungen und muss mir in letzter Zeit leider öfters die Frage stellen, wieviele Fehler in Übersetzungen, die nicht lektoriert wurden noch akzeptabel sind.
Ich bin normalerweise recht großzügig und wenn der Text generell gut übersetzt wurde, lasse ich den einen oder anderen Rechtschreibfehler kommentarlos durchgehen, denn Übersetzer sind ja auch alle nur Menschen und da kommen hier und da schon einmal kleinere Fehler vor, kenne ich selbst nur zu gut.
Es geht mir auch gar nicht um grobe Übersetzungsfehler, schlechten Satzbau oder persönliche Präferenzen, sondern um "kleinere Fehler" wie ein vergessenes Komma hier, ein Rechtschreibfehler dort oder ein vergessener Artikel.

Bei einer lektorierten Übersetzung würde ich normalerweise Fehlerfreiheit erwarten, aber der Trend geht ja kundenseitig leider zum Kostensparen und damit wird auf's Lektorat verzichtet. Ich persönlich finde 1-2 "kleine" Fehler pro 1000 Wörter deshalb noch akzeptabel, wenn es nicht ständig passiert. Wie seht Ihr das?
Bin sehr gespannt auf weitere Meinungen.

Viele Grüße
Anke




[Edited at 2012-01-16 12:34 GMT]


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Regina Seelos  Identity Verified
Germany
Local time: 09:18
English to German
+ ...
Das ist eine Kostenfrage Jan 16

Hallo Anke,

ich kann das jetzt nicht so genau beziffern, welche "Toleranz" hier allgemein gültig sein sollte. Aber bei einem unlektorierten Text dürften das meiner Meinung auch mal 3-4 sein und das eigentlich immer.

Wenn ich für eine Agentur zu normalen Agenturpreisen arbeite, dann tue ich das in der Gewissheit, dass da noch ein Korrekturleser drüber geht. Nur deshalb kann ich ja zu niedrigeren Preisen für die Agentur arbeiten, weil da eben das weitere, sorgfältige Drüberlesen entfallen kann (eine Rechtschreibprüfung muss natürlich schon sein; wenn nicht mal das gemacht ist, dann ärgere ich mich als Korrekturleser auch). Ansonsten muss die Agentur eben einen Aufschlag bezahlen, wenn mehr Leistung gefordert wird.

Letzten Endes muss ich ja den gleichen Mindeststundensatz haben wie beim Direktkunden. Alles andere ist unwirtschaftlich.

Wenn der Endkunde den Lektor sparen möchte, dann muss er eben mit einer größeren Toleranz leben. Das sollte die Agentur dann aber auch deutlich machen.
Übersetzen ist Lohnarbeit und dauert seine Zeit. Und jeder Schritt mehr bedeutet mehr Zeit (und somit Geld).

Dies nur so einige Gedanken meinerseits. Die könnten sicher noch weiter ausgeführt werden. Muss jetzt aber weiter arbeiten.

Viele Grüße
Regina


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Max Chernov
Russian Federation
Local time: 11:18
Partial member (2011)
German to Russian
+ ...
Akzeptabel wofür? Jan 16

Hallo, Anke.

Ich glaube, dass ich jetzt die allgemeine Auffassung zu dieser Frage von vielen Lektoren-Muttersprachlern ausdrücke. Na also, stellen wir vor, Sie sind eine Muttersprachlerin mit 15-jähriger Erfahrung in der Lektorat von verschiedenen übersetzten Texten. Ich riskiere, mir vorzustellen, dass Sie schon alt genug sind, um sich über den Jugendslang und Internetsprache traurige Gedanken zu machen. Sagen wir so: wenn ich in die Muttersprache lektoriere und Geld dafür verdiene, ist es meine Ehrensache, so einen Text zu bearbeiten, dass er sich wie ein Lied hörte, ohne jegliche Fehler und ohne Doppelsinn. Und wenn Sie sich nicht so gegenüber diese Fehlern verhalten, dann was für ein Lektor sind Sie? Denken Sie mal darüber nach...

P.S. Was Deutsch anbetrifft, so muss ich sagen, dass ich kein Muttersprachler bin. Leider...


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adet0106
Germany
TOPIC STARTER
Sehr interessante Ansätze Jan 16

Hallo Regina,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Das sind sehr interessante Ansätze. Besonders interessant ist der Hinweis auf die niedrigeren Preise bei Agenturen.
Leider kann ich aus eigener Agenturerfahrung sagen, dass nur die allerwenigsten Texte Korrektur gelesen werden, niedriger Preis hin oder her.
Mittlerweile bin ich allerdings selbst der Endkunde und muss mich ständig mit den beschriebenen Flüchtigkeitsfehlern rumärgern und da frage ich mich schon, was noch akzeptabel ist und was nicht mehr....

Viele Grüße
Anke


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adet0106
Germany
TOPIC STARTER
Fehlerverbesserung wird natürlich gemacht. Jan 17

Hallo Max,

darum geht es ja gar nicht. Als Lektor verbessere ich natürlich alle Fehler in den Übersetzungen, die ich bekomme. Ich frage mich lediglich, wieviel davon man mit gesundem Menschenverstand gerade noch durchgehen lassen kann, ohne beim Übersetzer anzuklopfen und zu meckern, denn Fehler kommen halt vor und leider legt nicht jeder so eine Sorgfalt an den Tag wie Sie, was wie Regina schon ansprach, kein Wunder ist bei den Preisen.


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Leena vom Hofe  Identity Verified
Germany
Local time: 09:18
Member (2005)
English to German
+ ...
Ärger ein guter Indikator Jan 17

Hallo Anke,

vielleicht ist gerade der Ärger ein guter Indikator dafür, was noch akzeptabel ist.

Wenn ich mich bei einem Lektorat ärgere, dann sicher nicht über ein oder zwei Tippfehler, die bei der abschließenden Korrektur des Übersetzers durchgegangen sind, sondern über mangelnde Qualität.

Also würde ich sagen, wenn ich mich ärgern muss, dann ist die Grenze erreicht.

Ich würde bei leichterem Ärger selbst korrigieren und den Übersetzer dennoch daraufhinweisen und bei stärkeren Ärgergefühlen direkt Mängel geltend machen und eine Nachbesserung einfordern.

Viele Grüße,

Leena


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Bin Tiede  Identity Verified
Germany
Local time: 09:18
Member (2008)
German to Chinese
+ ...
Auto bauen ohne Airbag Jan 17


Regina Seelos wrote:
Das ist eine Kostenfrage

Absolut.

Letztes Jahr hatte ich eine Anfrage von einem Zeitschriftenverlag aus Österreich, sein Modemagazin ins Chinesische zu übersetzen. Auf meine Frage "Wer den Korrekturleser beauftragen soll" bekam ich folgende Antwort:

es wäre gut, wenn Sie jemanden hätten, der die Texte nochmals liest. Auf der anderen Seite: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht unbedingt nötig ist, wenn Sie den Text übersetzen, dann 2 Tage später nochmals lesen. Spätestens dann fallen in der Regel die letzten Fehler noch auf. Also es ist nicht unbedingt nötig.

Also im Budget war der Preis für Korrekturlesung nicht drin. Mir wäre es zu teuer, dem Korrekturleser aus eigener Tasche zu zahlen, habe aber doch eine "günstige" Lösung gefunden: Ich habe wegen dieses Projektes eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Übersetzer abgeschlossen. Wenn doch was ist, zahlt eben meine Versicherung, die kostet viel weniger als mein Korrekturleser.


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Sylvie Eschkotte
Germany
Local time: 09:18
Member (2006)
German to French
Jan 17



[Modifié le 2012-01-17 11:21 GMT]


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Schtroumpf
France
Local time: 09:18
German to French
+ ...
Ähnliche Diskussion Jan 18

Über fast dasselbe Thema wurde bereits neulich diskutiert:
http://www.proz.com/forum/german/213832-wie_viele_tippfehler_sind_akzeptabel.html

Meine Privatreaktion auf deine anfängliche Darstellung, Anke:

"Eigentlich" sollte es selbstverständlich sein, dass Übersetzungen, die man für Geld verkauft, tipp-topp sind. Und nicht korrekturbedürftig, zumindest nicht für den Hausgebrauch beim Kunden. Dass auf dem Markt aber dennoch Produkte verkauft werden, die bestenfalls halbfertig genannt werden können, hängt wohl eben mit dem Preis zusammen: für 7 oder 8 Cent/Wort kann doch kein Übersetzer vernünftig arbeiten.

Empfehlen würde ich, bei Aufträgen nach draußen ausreichend Infos zur Erwartungshaltung mitzuliefern. Kein Übersetzer erfährt gern im Nachhinein, dass sein Werk z.B. zum Druck bestimmt war ;-( Wenn der Leserkreis und das weitere Bearbeitungsverfahren von vornherein genannt werden, weiß ich ja auch erst, wieviel Geld ich für die gewünschte Qualität fordern muss/will.

Meine noch privatere Einstellung: Verantworten soll der Übersetzer seine Leistung doch möglichst selbst und allein. Wir können (in Frankreich) auch bei Agenturen nicht davon ausgehen, dass ein kompetenter Mensch unsere Fehler korrigieren wird. Daher würden sich mir die Haare genauso sträuben wie bei dir, wenn ich mit diesen Halbfertig-Texten zu tun hätte - es sei denn, die Übernahme des Prüfdurchlaufs durch den Kunden des Übersetzers war ausdrücklich vereinbart.


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adet0106
Germany
TOPIC STARTER
Vielen Dank... Jan 19

... für den Link zu der anderen Diskussion. Die hatte ich bei meiner Recherche leider nicht gefunden.

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Umfrage: Wieviele Rechtschreibfehler sind akzeptabel






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