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Ist das sich duzen in Deutschland zwischen GeschÀftspartnern normal
Thread poster: Andrea Appel

Andrea Appel
Canada
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May 31, 2005

Ich frage mich schon lĂ€ngere Zeit ob sich das duzen in Deutschland zwischen GeschĂ€ftspartnern und auch sonst eingebĂŒrgert hat. Ich erhalte des öfteren E-mails wo ich mit Du angesprochen werde, was mir im Prinzip egal ist, jedoch etwas seltsam finde. Meine Mutter wohnt seit 30 Jahren in einem Haus und die Nachbarn sprechen sich immer noch mit Sie an. Hat das vielleicht was mit der Gegend zu tun? Ich bin mir dann natĂŒrlich auch unsicher wie ich die Leute adressieren soll, irgendwie ist es schwer Du zu sagen wenn man mit der Ansprache von Sie aufgewachsen ist oder? Was haben Sie dazu zu sagen (-;

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RWSTranslation
Germany
Local time: 15:56
Member (2007)
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eher weniger May 31, 2005

Hallo,

das Duzen zwischen GeschĂ€ftspartnern ist nmM eher unĂŒblich.

Viele GrĂŒĂŸe

Hans


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Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
Local time: 15:56
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Eine gute Frage.... May 31, 2005

Es liegt wohl eher am Medium. Da das ganze Internet und die IT mehr oder weniger aus den USA nach Deutschland gekommen ist, haben zahlreiche Nutzer das englische "Du" wohl ĂŒbernommen, zumindest in E-Mails oder Chatrooms.

Ich handhabe das meist so, dass ich Berufskollegen in E-Mails zunĂ€chst duze. An der Art der Antwort merkt man dann, ob es demjenigen recht ist oder nicht. In den meisten FĂ€llen wird zurĂŒck ge"duzt", einige wenige (vom Alter unabhĂ€ngig!) "siezen" zurĂŒck. Dann gehe ich auch zum "Sie" ĂŒber oder formuliere unpersönlich.

Im tĂ€glichen (realen) Leben hĂ€ngt es von der Situation ab, wie ich mich verhalte. Bei sĂ€mtlichen Freizeitveranstaltungen privater Art ist das Duzen inzwischen auch Unbekannten gegenĂŒber ĂŒblich geworden.

Der entscheidende Faktor ist wohl die "Gleichrangigkeit" in einer Situation. Kollegen, Freunde und die meisten Bekannten duzt man in der Regel, Fremde, Vorgesetzte oder Amtspersonen in "AusĂŒbung ihrer Funktion" nicht.

Ich denke, generell ist die Bedeutung des SIE oder DU nicht mehr einzig eine Frage der Höflichkeit, sondern wird zunehmend Ausdruck einer vorhandenen oder angenommenen Gleichrangigkeit.

Wer auf dem Sie besteht, will damit in der Regel einen Distanzwunsch oder eine eigene (angenommene) Höherwertigkeit ausdrĂŒcken. So starr, wie es frĂŒher war,ist es jedenfalls nicht mehr. Insofern ist heute mehr "FingerspitzengefĂŒhl" gefordert.

[Edited at 2005-05-31 17:46]


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Margit Conrad  Identity Verified
Switzerland
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Im Zweifelsfall eher etwas zu formell May 31, 2005

Liebe Andrea,

ich ĂŒberlege mir gerade, wie ich Sie anspreche. Wir haben natĂŒrlich keine GeschĂ€ftsbeziehung, ich habe mich spontan dafĂŒr entschieden, Sie mit dem Vornamen anzusprechen und zu siezen. Das ist vielleicht so eine Zwischenform.
Beim ersten Kontakt mit GeschĂ€ftspartnern wĂŒrde ich sicher immer das "Sie" wĂ€hlen + Herr und Frau xyz.
Es ist ein ganz interessantes Thema, auch was z.B. die Floskeln am Ende eines Briefes/Schreibens betrifft ("hochachtungsvoll" verwendet man glaube ich so gut wie nicht mehr).

Gruß,
Margit Conrad

[Edited at 2005-05-31 17:45]


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Andy Lemminger  Identity Verified
Canada
Local time: 07:56
Member (2002)
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Lieber siezen May 31, 2005

Wenn man auf der sicheren Seite sein möchte, sollte man immer siezen.

Gerade im geschĂ€ftlichen Bereich gibt es Menschen, die sich ĂŒber ein "Du" ungemein aufregen können, auch wenn sie es dann niemals zugeben werden. Diese Leute sind der Ansicht, dass man sie durch das Duzen nicht ausreichend respektiert.

JĂŒngere Kollegen verwenden das "Du" oft von sich aus und mir persönlich ist das sehr recht.

Ich wĂŒrde aber generell im geschĂ€ftlichen Bereich immer siezen, auch wenn ich mit jĂŒngeren Personen spreche, denn gerade bei diesen kommt es hĂ€ufig vor, dass sie von Ă€lteren Menschen gönnerhaft geduzt werden, umgekehrt aber ein "Sie" erwartet wird, so nach dem Motto: "Bist ja noch ein GrĂŒnschnabel, deshalb duze ich dich, du mich aber ja nicht"...

Ich habe in solchen FĂ€llen aber auch immer frech zurĂŒckgeduzt, weil man sich ja erstens nichts gefallen lassen möchte und ich zweitens das Duzen auch begrĂŒĂŸe.

Ich sieze also immer, es sei denn, ich werde geduzt, dann duze ich zurĂŒck. Oder auf ProZ, wo man natĂŒrlich auch duzt!!

Deutsche Regeln halt. UmstÀndlich, aber was will man machen.


Gruß

Andy

[Edited at 2005-05-31 17:56]


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
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You can say you to me May 31, 2005

Herberts FingerspitzengefĂŒhl trifft es ziemlich genau. Unter Kollegen hĂ€ufiger du, bei Direktkunden eigentlich immer Sie, außer der Auftraggeber ist ein Kollege, dann hat das "Gleichstellungsmerkmal" Vorrang. In der gesprochenen Sprache (zumindest im Rheinland und in Bayern) gibt es auch noch das "Ihr" als Zwischenlösung oder Migrationspfad zum Du...

Und als Reaktion auf Disagrees ist ein distanzierendes Sie Pflicht.


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Andrea Appel
Canada
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TOPIC STARTER
Wer erlaubt Dir denn mich zu Siezen? (-; May 31, 2005

Margit Conrad wrote:

Liebe Andrea,

ich ĂŒberlege mir gerade, wie ich Sie anspreche. Wir haben natĂŒrlich keine GeschĂ€ftsbeziehung, ich habe mich spontan dafĂŒr entschieden, Sie mit dem Vornamen anzusprechen und zu siezen. Das ist vielleicht so eine Zwischenform.
Beim ersten Kontakt mit GeschĂ€ftspartnern wĂŒrde ich sicher immer das "Sie" wĂ€hlen + Herr und Frau xyz.
Es ist ein ganz interessantes Thema, auch was z.B. die Floskeln am Ende eines Briefes/Schreibens betrifft ("hochachtungsvoll" verwendet man glaube ich so gut wie nicht mehr).

Gruß,
Margit Conrad

[Edited at 2005-05-31 17:45]



Hallo liebe Margit, ich wollte Sie natĂŒrlich nicht beleidigen mit meiner topic "Wer erlaubt Dir denn mich zu Siezen? (-;"

Bloss a SpĂ€ssle, danke fĂŒr die nette Art und Weise wie Sie auf mein Posting geantwortet haben.

Das Gedicht is von Heinz Erhardt, sicherlich noch manchen bekannt.

Bienen! Immen! Sumseriche!
Wer sich je mit euch vergliche,
der verdient, daß man ihn töte!
Daß zumindest er erröte!
Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft
ohne Zutun der Gewerkschaft,
ohne daß man euch bezahle,
ohne Streik und Lohnspirale,
tĂ€glich, stĂŒndlich darauf bedacht,
daß ihr fĂŒr uns Honig macht,
ihr seid's wert, daß man euch ehre!
Wobei vorzuschlagen wÀre -
ob nun alt ihr, ob Novizen -
euch von heute ab zu siezen!
Unser Dank, unser Applaus
sÀh in etwa dann so aus:
"Sehr geehrte Honigbienen!
Wir Verbraucher danken Ihnen

Vielen Dank an alle Sies und Dus

[Edited at 2005-05-31 18:44]

[Edited at 2005-05-31 22:22]


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Andrea Appel
Canada
Local time: 09:56
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TOPIC STARTER
Ja da hast Du recht. May 31, 2005

Klaus Herrmann wrote:

Herberts FingerspitzengefĂŒhl trifft es ziemlich genau. Unter Kollegen hĂ€ufiger du, bei Direktkunden eigentlich immer Sie, außer der Auftraggeber ist ein Kollege, dann hat das "Gleichstellungsmerkmal" Vorrang. In der gesprochenen Sprache (zumindest im Rheinland und in Bayern) gibt es auch noch das "Ihr" als Zwischenlösung oder Migrationspfad zum Du...

Und als Reaktion auf Disagrees ist ein distanzierendes Sie Pflicht.



Und als Reaktion auf Disagrees ist ein distanzierendes Sie Pflicht.

haha haha du bist wirklich immer so lustig,


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Erik Hansson  Identity Verified
Germany
Member (2002)
Swedish
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Zehnjahres-Plan der Prozianer: Siezen abschaffen May 31, 2005

Ich lese hier ein bißchen mit und amĂŒsiere mich prĂ€chtig
Deutsch ist immer so umstĂ€ndlich, und man muß immer Alter, Rang, Ausbildung, Höflichkeit und SelbstwertgefĂŒhl (sowohl die eigene als auch die des GesprĂ€chpartners) berĂŒcksichtigen. In meinem Heimatland Schweden gab es zum Anfang der 70er Jahren eine staatliche sogenannte Du-Reform, die von der damaligen sozialdemokratischen Regierung eingefĂŒhrt wurde.

Was schon seit den 50er Jahren in den Fabrikhallen RealitĂ€t war, wurde jetzt staatlich gelenkt und bis Ende der 70er Jahren waren sowohl das Siezen wie die ganzen Titel abgeschafft. Denn wer nutzt denn Herr/Frau/BĂŒrgermeister/Ministerialrat etc. wenn man nur Vornamen benutzt?

NatĂŒrlich war es in den ersten Jahren schwer, weil besonders Ă€ltere Personen auf das Siezen bestanden, aber mittlerweile kann sich keiner beschweren. Die einzige Ausnahme besteht bei der königliche Familie - kommt aber relativ selt vor, daß man auf ein PlĂ€uschen mit Königin Silvia eingeladen wird. Da muß in dritter Person Singular gesprochen werden...

Also: warum alles so umstĂ€ndlich machen? Einige von meinen Kunden sieze ich, andere werden geduzt und wiederum bei anderen sind wir "so weit", daß wir zumindest die Kombination Sie + Vornamen benutzen. Ich habe durchaus dafĂŒr VerstĂ€ndnis, daß man mit der TĂŒr ins Haus fĂ€llt, wenn man einen Deutschen sofort duzen wĂŒrde - aber es, wie schon einige hier geschrieben haben, von vielen Rahmenbedingungen abhĂ€ngig.

Um auf die urspĂŒngliche Frage zurĂŒckzukommen: in Deutschland ist es zwar noch unĂŒblich, seine GeschĂ€ftspartner zu duzen, aber diese Konventionen sind ja nicht in Stein gemeißelt und können aufgelockert werden. Schauen wir mal in 10 Jahren wieder?

Viele GrĂŒĂŸe
Erik

**********************************
Erik Hansson
Technical translator DE-SV
Hansson Übersetzungen GmbH
Am Birkenwäldchen 38
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Phone +49 - 3 59 52 - 321 07
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Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
Local time: 15:56
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Deutsch ist schwer? May 31, 2005

Deutsch kann so herrlich subtil sein...

Wie arm sind doch die englischsprachigen Völker (und offensichtlich sozialistisch zwangsverordnet die Schweden ) dran, haben sie doch nicht diese sprachlich durchaus scharfen Waffen, um jemanden zu bauchpinseln oder eben nieder zu machen, ohne dass sich das Opfer wirklich wehren könnte... Meiner Einer findets gar nicht so schwer.... weil Er wohl damit aufgewachsen ist...

Gibt es doch kaum etwas Schöneres, als ein kleines Licht, das auf einem distanzierten Sie besteht, so anzusprechen: "Na, Herr Generaldirektor, wie fĂŒhlen wir* uns heute?" Da hat er nur die Chance, mit Humor zu reagieren, alles andere fĂŒhrt zwangslĂ€ufig ins LĂ€cherliche...

Wir haben zwar noch nicht die HÀlfte der Wörter eines EnglÀnders in unserem Wortschatz... wir machen unsere Gegener mit diesen seltsamen Grammatikregeln platt....



* Pluralis Majestatis, die ultimative "Sie"-Form...


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 15:56
Member (2002)
English to German
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Mit Verlaub, Herr PrÀsident, Sie sind... May 31, 2005

Herbert Fipke wrote:

Deutsch kann so herrlich subtil sein...
Und facettenreich. Diese so medienwirksam plazierte, gezielte Beleidigung unseres Herrn Außenminister wĂ€re ohne das formale "Sie" schlichtweg nicht denkbar.


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Sarah Steiner  Identity Verified
Local time: 15:56
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Wirklich ein leidiges Thema... May 31, 2005

Hm, ist wirklich schwierig. Eigentlich unnötig, aber doch tief verwurzelt. Ich habe die letzten Jahre in Spanien gelebt und in einer englischen Firma gearbeitet. Könnt euch ja vorstellen, dass mich zurĂŒck hier im "Meine Verehrung, gnĂ€digste Frau Doktor Kommerzialrat"-Land öfters mal jemand schief ansieht. Hier bin ich plötzlich wieder grundsĂ€tzlich "Sie".

Allerdings heißt es hier in Ö auch: Sie ist besser als Du, wenn es um Konflikte geht, denn "Sie A..." klingt einfach aggressiver als "Du A..." (mit Verlaub). Ist etwas brutal formuliert, stimmt aber, finde ich, wenn es um GeschĂ€fte geht.

Aber zurĂŒck zur eigentlichen Frage: Ich bin der Meinung, daß es nach wie vor gelĂ€ufig ist, in geschĂ€ftlichen Dingen beim Sie zu bleiben. Wenn dies auch manchmal zu seltsamen Situationen fĂŒhrt: man schreibt "Hallo"-Mails und duzt, und am Telefon ist man dann plötzlich wieder per Sie.


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 15:56
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Also mir ist das "Sie" immer noch ganz lieb... May 31, 2005

Es hilft, Distanz zu Leuten zu schaffen, mit denen man zusammen gesteckt wird, obwohl man's eigentlich nicht wollte oder wo einer eben nun mal der Vorgesetzte ist und der andere Untergebener.

"Du A..." geht einem denn doch mal ĂŒber die Lippen, "Sie A..." wird kaum einer sagen.

Von zwangsweisem Geduze halte ich gar nichts, dadurch wird oft eine "NĂ€he" suggeriert, die menschlich gar nicht vorhanden ist oder sich naturgemĂ€ĂŸ erst einstellen kann, wenn man sich wirklich nĂ€her kennt und miteinander "kann".

Warum sollte ich mich von jemandem duzen lassen, der mich Kraft seines Amtes auch mal herunterputzen oder rĂŒgen kann (oder sogar muss - vielleicht im Interesse einer zu erbringenden Arbeitsleistung) oder der in der Firma alle halbe Jahr ein PersonalgesprĂ€ch mit mir fĂŒhrt und dort auf einmal knallharte Forderungen stellen kann. Nee danke, hatten wir schon. Geht schief.

Man muss ja nicht alles nachmachen, bloß weil es in DĂ€nemark so ist. Nicht das deutsche "Sie" ist m.E. lĂ€cherlich (das ist nĂ€mlich im Laufe der Entwicklung "auf natürlichem Wege" entstanden), sondern dass das "Du" staatlich verordnet wird, so nach dem Motto "Ach was sind wir alle locker drauf". Das erinnert schon sehr an SED - da waren auch alle "Genossen" - sogar die Nichtgenossen. Und wer nicht wollte wurde eben "überzeugt". Das ist bescheuert, nicht die etwas größere Zurückhaltung, die vielleicht durch ein "Sie" voerst signalisiert wird.

Und von wegen "ist umstĂ€ndlich" und "man muss immer auf EhrgefĂŒhl achten" etc. - was ist daran so schlecht, wenn man anderen mit Achtung gegenĂŒbertritt und das in seinem Verhalten, u.a. auch in Form einer angemessenen Anrede, zum Ausdruck bringt? Das gibt es bei anderen Völkern auch und wird dort durchaus nicht als "komisch" empfunden. Im Gegenteil, es tĂ€te vielleicht unserer "Spaßgesellschaft" ganz gut, wenn gewisse Formen wieder Verbreitung fĂ€nden.

Genau aus der Ecke des unnötigen "Du" kommen eben auch solche Erscheinungen, dass Ältere auf der Straße von JĂŒngeren angepöbelt werden oder in der Straßenbahn zu hören kriegen: "Ey, Omma, mach ma Platz hier, ey! Kannste ni schneller loofen, ey?!" usw. Kennt sicher jeder. Mich schĂŒttelt's jedes Mal, wenn ich sowas höre, und ich frage mich, wie solche Blödis mal unsere Rente verdienen sollen, bildlich gesprochen.

Durch solche vorgelebte "Lockerheit" und Schrankenlosigkeit" geht ganz natĂŒrlicher Respekt verloren, der durchaus auch was gutes haben kann. Mir gefĂ€llt es zum Beispiel, dass ich in gewissen LĂ€ndern NIE von irgendwem blöd angemacht werde, da ich eben Gast bin oder Ă€lter und es sich eben nur deshalb schon verbietet, mich anzumachen.

Warum sollte sowas zwangsweise zu Gunsten einer vorgegaukelten, in letzter Konsequenz doch nicht vorhandenen "Distanzlosigkeit" aufgegeben werden, wenn es sich eben so entwickelt hat?

[Edited at 2005-05-31 21:14]


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Derek Gill Franßen  Identity Verified
Germany
Local time: 15:56
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??? May 31, 2005

Eigentlich macht es mir immer mehr Spaß mit solchen Kleinigkeiten der (schönen) deutschen Sprache zu spielen, aber nicht selten endet das dann (leider immer noch) so: http://www.proz.com/kudoz/1048431



[Edited at 2005-05-31 21:26]


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Andrea Appel
Canada
Local time: 09:56
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TOPIC STARTER
Irgendwie stimme ich jedem zu May 31, 2005

Also wie ich das so herauslese ist das Siezen mehr oder weniger rangabhÀngig geblieben doch mit ein bisschen mehr Freiraum.

Irgendwie wurde mir das Siezen so eingefleischt das ich schon fast Hemmungen habe Du zu sagen, jedoch immer auf Du zurĂŒckantworte wenn ich so angesprochen werde und auch nicht eingeschnappt bin.

Das ist der eigentliche Hintergund meines Siezen.

Wir haben alle unsere eigenen GrĂŒnde wie wir uns bewegen, wodurch der Ă€ußere Einfluß auch eine große Rolle spielt.
Der Ton macht die Musik.

Da soll noch einer mitkommen!

Peter hat seine Lehrzeit hinter sich. Der Meister hÀlt ihm eine Rede:
"Lieber Peter, ab heute sage ich nicht mehr du zu dir. Und die
Werkstatt brauchst du auch nicht mehr auszufegen. Das machen jetzt Sie..."


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