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Proofreading - sollte man's lassen?
Thread poster: Steffen Pollex
Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 12:43
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Jun 19, 2005

Hallo - nur mal interessehalber:

ich habe heute wieder einen Proofreading-Job bekommen (nicht zum ersten Mal), bei dem man eigentlich mindestens 80% neu machen müsste: falsche Begriffe, Begriffe, die der "Übersetzer" nicht kannte, werden einfach in der Originalsprache gelassen, fast jeder Satz muss im Satzbau geändert werden, damit er überhaupt deutsch klingt etc.

Ich habe das Ding zurückgegeben, sobald ich sicher war, dass das kein "Proofreading" ist sondern quasi eine Neuübersetzung erfordert (und schon gar nicht in der anvisierten Zeit zu schaffen ist bei der "Qualität" der Vorarbeit).
Mit der Begründung, dass ich kein Recht habe, das Gerld des Kunden noch weiter zu verschwenden und dass sie sich's vom "Übersetzer" wiederholen sollen.

Ich denke schon, dass ich das richtig gemacht habe. Ich persönlich würde mich schämen, sowas abzliefern und die ganze Arbeit dem Korrekturleser zu überlassen. Da waren aber schon vier Stunden ins Land gegangen.

Passsiert Euch so etwas auch öfter?

Bei mir ist das jetzt das vierte Mal in ziemlich kurzer Zeit. Ich bin langsam der Meinung, dass ich Korrekturjobs gar nicht mehr annehmen sollte. Verdient habe ich damit, glaube ich, noch nicht mal die Abschreibungen auf den PC und die Stromkosten.


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Andy Lemminger  Identity Verified
Canada
Local time: 04:43
Member (2002)
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Proofreading - intern und nicht extern? Jun 19, 2005

So sieht es aus, Steffen.

Proofreading mache ich inzwischen nur noch für einen Kunden und ansonsten lehne ich solche Jobs immer ab.

Sehr viele Agenturen denken: "Das Grobe lasse ich einen billigen Übersetzer machen und für die Feinheiten lasse ich dann einen Spezialisten ran, da sparen wir viel Geld." Das ist nicht so schlau, wie es sich anhört, wie man an deinem Beitrag sieht.

Inzwischen bin ich ohnehin der Meinung, dass die Qualitätssicherung einer Agentur nie an Dritte vergeben werden sollte. Wie sonst soll man überhaupt ein Gespür dafür bekommen, welche Übersetzer gute Arbeit leisten? Und wie möchte eine Agentur entscheiden, welcher Übersetzer die Arbeit seines Kollegens bewerten sollte? Aus dem Grund sind mir Agenturen mit interner Qualitätssicherung wesentlich sympathischer. Da ist es auch viel unwahrscheinlicher, dass ein Korrekturleser einen akuten Streichanfall erleidet, um sich wichtig zu machen.


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Wenjer Leuschel  Identity Verified
Taiwan
Local time: 18:43
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Wie kann es sonst sein? Jun 19, 2005

Eueren Meinungen stimme ich zu. Insbesondere stimme ich der Meinung, daß Proofreading intern der Agentur stattfinden soll. Trotzdem finde ich es auch richtig, daß der zweite oder der letzte Proofreading extern eingeholt werden soll.

Ich war kurz als Proofreader in einer Agentur gewesen. Für weniger als 1600 Euro pro Monat arbeite ich ungern als interner Proofreader und den Job in drei Monaten quittiert. Seither arbeite ich als freiberuflicher Übersetzer, Schriftsteller und Proofreader. So haut es besser hin. Ich lehne solche blöde Übersetzungen, wie was Steffen bekam, auch gleich ab. Es gibt solche und solche Agenturen. Meine Kunden schicken mir selten unbrauchbare Übersetzungen zur Überprüfung, zum Glück.

[Edited at 2005-06-19 14:32]


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 12:43
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TOPIC STARTER
Man fühlt sich auch nicht wohl dabei,... Jun 19, 2005

wenn die Agentur (zu Recht, deshalb hat man ja den Auftrag), davon ausgeht, dass alles glattgeht, ohne aber selbst die Qualität der Vorarbeit auh nur oberflächlich in Augenschein genommen zu haben.

Das ist hier offenbar so, aber gestern abvend habe ich auch nicht den ganzen Text gelesen, sondern nur mal die ersten zwei Seiten überflogen. Da ist mir das nicht aufgefallen. Im späteren Verlauf kann man dann regelrecht zugucken, wie sich der Übersetzer immer weniger Mühe gibt. Teilweise erinnert es sogar an eine nicht geprüfte Übersetzung mit SYSTRAN (z.B. Artikel "der", "die", "das" den falschen Substantiven zugeordnet oder Substantive im Singular und zugehöriges Verb im Plural und umgekehrt).

Normalerweise geht man doch davon aus, dass sich jeder Übersetzer bemüht, wenigstens zu 90-95% druckreife Arbeit zu liefern und dass ein Korrekturleser vielleicht noch ein paar Kommas und Tippfehler findet, die man übersehen hat oder die im Spellchecker nicht aufgefallen sind. Ich halte es jedenfalls so.

Wozu sollte ich sonst einen Übersetzer beschäftigen?

Wenn ich nun nach Annahme des Korrekturauftrags ankomme (selbst wenn erst ein paar Stunden her) ankomme und behaupte, das wäre im Großen und Ganzen neu zu machen, kann das ja beim Auftraggeber eine regelrechte Glaubenskrise auslösen, und man ist ihn vielleicht los.

Naja, auch egal. Ich hab jedenfalls angeboten, das Ding in angemessener Zeit noch mal ganz neu zu machen. Mehr kann ich wohl nicht tun.

Kaspersky in Moskau hat seinerzeit auch begriffen, dass ihre Handbücher nicht korrekturgelesen, sondern neu übersetzt werden müssen. Hat ein halbes Jahr gedauert, bis sie das Budget lockergemacht haben, aber jetzt mache ich das eben (hoffentlich kommt am Jahresende ein neuer Release) und bin froh, so einen Kunden zu haben. Da gibt's nämich gar keine Probleme mit der Bezahlung. Qualität siegt eben doch am Ende. Inzwischen kenne ich Frau Kasperskaya auch persönlich und wir sind schon fast per Du.

[Edited at 2005-06-19 13:17]


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Stephanie Wloch  Identity Verified
Germany
Local time: 12:43
Member (2003)
Dutch to German
Kundenaufklärung Jun 19, 2005

Steffen hat gute Arbeit geleistet in Kundenerziehung, bzw. Kundenaufklärung!

Ich selber übernehme inzwischen lieber nur Aufträge zum Korrekturlesen von Texten, die von guten Übersetzern geschrieben sind. So ein Text wie von Steffen beschrieben ist natürlich Horror für alle Beteiligten, sogar für den schlechten Übersetzer selber.
Denn er muss ja auch ständig damit rechnen, dass er "auffliegt".





[Edited at 2005-06-20 07:49]


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 12:43
English to German
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TOPIC STARTER
Naja, war das erste Mal bei der Agentur Jun 19, 2005

Sie hat sonst ein super Standing laut Blueboard, jede Menge 5er. Und fragt jede Woche drei Mal bei mir an, ob ich was übernehmen kann. Außerdem gibt's immer mal neue Mitarbeiter, die sich vielleicht erst in die Abläufe einfuchsen müssen. Vielleicht ist da was durch die Lappen gegangen.

Von daher möchte ich das nicht überbewerten. Hauptsache sie glauben jetzt nicht, ich sei die Flasche und hättge aus Faulheit einen Rückzieher gemacht.

Ich habe aber genau so was dagegen, groben Mist anderer Leute auszulöffeln, für den die schon kassiert haben, und zwar mehr, als ich mit dem gemeinhin als leichter eingestuften Proofreading verdiene.

Nach meinen Erfahrungen ist es genau umgekehrt.

Wenjer Leuschel wrote:
Es gibt solche und solche Agenturen. Meine Kunden schicken mir selten unbrauchbare Übersetzungen zu überprüfung, zum Glück.


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Wenjer Leuschel  Identity Verified
Taiwan
Local time: 18:43
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Manchmal kann ein Nicht-Muttersprachler schon Fehler machen, aber nicht bis zur Unbrauchbarkeit. Jun 19, 2005

Steffen Pollex wrote:
...

Ich habe aber genau so was dagegen, groben Mist anderer Leute auszulöffeln, für den die schon kassiert haben, und zwar mehr, als ich mit dem gemeinhin als leichter eingestuften Proofreading verdiene.

Nach meinen Erfahrungen ist es genau umgekehrt.

Wenjer Leuschel wrote:
Es gibt solche und solche Agenturen. Meine Kunden schicken mir selten unbrauchbare Übersetzungen zur Überprüfung, zum Glück.


Ich bin immer der Meinung, daß eine gute Übersetzung mindestens von zwei Übersetzern gefertigt sein muß, einmal Muttersprachler der Quellsprache und einmal Muttersprachler der Zielsprache. Sie müssen gut koordiniert zusammenarbeiten. Die meisten Agenturen lassen es leider nicht zu, daß die Übersetzer in derartigen Zusammenarbeit kommen. Schade.

Neulich habe ich eine Übersetzung als "kein Kommentar" zurückgesandt. Da fragte der Kunde natürlich nach dem Grund, wie der Kunder des Kundes wiederum im O-Ton fragte. So mußte ich kurz mit knapp 500 Wörter die Analyse erstellen, unbezahlt, weil ich keine Zahlung verlange. An sich ist der Kunde ein sehr guter Kunde, gute Kommunikation, prompte Zahlung, einsichtig und und und. Ich bin schon zufrieden mit dem Kunden.

[Edited at 2005-06-19 14:46]


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Geneviève von Levetzow  Identity Verified
Local time: 12:43
Member (2002)
French to German
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Undankbare Aufgabe... Jun 19, 2005

Steffen,

inzwischen nehme ich nur noch solche Jobs von sehr guten Kunden (als Gefälligkeit) oder von Kollegen, die ich kenne und schätze.

Mit den Agenturen dürft Ihr nicht vergessen, dass die dortigen Mitarbeiter nicht ALLE zu übersetzenden Sprachen beherrschen. Abgesehen von einer Rechtschreibungs- und Korrekturprüfung sind sie nicht in der Lage solche Übersetzungen zu prüfen.

Es heißt, sie müssen dem Übersetzer vertrauen (ich schätze, das ist bei Deinem Kunden passiert) und mal eine schlechte Erfahrung machen.

Geneviève:)


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 12:43
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
Das stimmt natürlich Jun 19, 2005

Ich meine dieses Posting auch nicht als Vorwurf an die Agentur, absolut nicht. Wollte nur mal hören, ob Ihr ähnliche Erfahrungen mit dieser Art Jobs gemacht habt oder ob ich was falsch mache.

Also kann man sie wohl nur darauf aufmerksam machen, damit sie sich mit der Zeit von den unprofessionellen oder schlampigen Zuarbeitern trennen und hoffentlich nicht zu oft damit auf die Nase fallen. Das halte ich auf Dauer für zuträglicher für alle, als sich stillschweigend durchzubeißen, womit dann "für diesmal wieder alles erledigt" wäre, allerdings auf eigene und auf Kosten künftiger Korrekturleser.

Geneviève von Levetzow wrote:

Mit den Agenturen dürft Ihr nicht vergessen, dass die dortigen Mitarbeiter nicht ALLE zu übersetzenden Sprachen beherrschen. Abgesehen von einer Rechtschreibungs- und Korrekturprüfung sind sie nicht in der Lage solche Übersetzungen zu prüfen.

Es heißt, sie müssen dem Übersetzer vertrauen (ich schätze, das ist bei Deinem Kunden passiert) und mal eine schlechte Erfahrung machen.

Geneviève:)




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xxxSaifa
Local time: 12:43
German to French
+ ...
Du hast richtig reagiert Jun 20, 2005

Steffen Pollex wrote:

ich habe heute wieder einen Proofreading-Job bekommen (nicht zum ersten Mal), bei dem man eigentlich mindestens 80% neu machen müsste:


Steffen, es ist mir auch schon wiederholt passiert. Ich denke, du hast richtig reagiert.

Was mich angeht, übernehme ich deshalb seit ca. einem Jahr keine Korrekturjobs mehr. Ich begründe meine Ablehnung beim Kunden, und stoße meistens auf Verständnis.

Chademu


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Alexander Panow
Local time: 13:43
German to Russian
+ ...
Korrekturarbeiten - keine dankbare Sache für Übersetzer Jun 20, 2005

Steffen Pollex wrote:

Hallo - nur mal interessehalber:

ich habe heute wieder einen Proofreading-Job bekommen (nicht zum ersten Mal), bei dem man eigentlich mindestens 80% neu machen mьsste: falsche Begriffe, Begriffe, die der "Ьbersetzer" nicht kannte, werden einfach in der Originalsprache gelassen, fast jeder Satz muss im Satzbau geдndert werden, damit er ьberhaupt deutsch klingt etc.

Ich habe das Ding zurьckgegeben, sobald ich sicher war, dass das kein "Proofreading" ist sondern quasi eine Neuьbersetzung erfordert (und schon gar nicht in der anvisierten Zeit zu schaffen ist bei der "Qualitдt" der Vorarbeit).
Mit der Begrьndung, dass ich kein Recht habe, das Gerld des Kunden noch weiter zu verschwenden und dass sie sich's vom "Ьbersetzer" wiederholen sollen.

Ich denke schon, dass ich das richtig gemacht habe. Ich persцnlich wьrde mich schдmen, sowas abzliefern und die ganze Arbeit dem Korrekturleser zu ьberlassen. Da waren aber schon vier Stunden ins Land gegangen.

Passsiert Euch so etwas auch цfter?

Bei mir ist das jetzt das vierte Mal in ziemlich kurzer Zeit. Ich bin langsam der Meinung, dass ich Korrekturjobs gar nicht mehr annehmen sollte. Verdient habe ich damit, glaube ich, noch nicht mal die Abschreibungen auf den PC und die Stromkosten.


Steffen, ich bin völlig Deiner Meinung und habe seit Jahren aufgehört, Korrekturen auszuführen.
Zu meinen negativen Erfahrungen zählen solche Fälle wie:
1) ich bekam den Auftrag, an einem Projekt weiter zu arbeiten, das vom einem in Moskau studierten ehem. DDR-Bürger zuvor ausgeführt wurde und der selbst jetzt Leiter eines Übersetzungsbüros ist. Meine Korrekturen im Russischen wurden von ihm abgelehnt und sogar kritisiert, dabei wies er darauf hin, dass er seit längerer Zeit seine Formulierungen verwendet hat und diese bis jetzt akzeptiert worden sind; dass diese Formuelierungen auf Russisch falsch waren, wollte er nicht glauben und er hat also versucht, mich zu belehren, wie ich ins Russische übersetzen sollte, wo Russisch meine Muttersprache ist und ich seit über 20 Jahren Übersetzungen in diesem fach ausführe!

oder 2) bei den vorgenommenen Korrekturen muß man ja nicht selten seine Position verteidigen und erklären, warum der andere "Übersetzer" hier und da Fehler zugelassen hat - das ist ja so zeitraubend und wird dabei meistens schlecht bezahlt, dass es sich überhaupt nicht lohnt, sich damit zu beschäftigen.

Fazit für mich: Korrekturen mögen nur die machen, die mit richtigen Übersetzungsaufträgen nicht ausgelastet sind


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