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Gelegentliche Tätigkeit als Deutscher in Italien , Steuerpflicht?
Thread poster: martinou
martinou
Local time: 13:12
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Sep 17, 2005

Ich habe eine Frage, mit welcher sicher einige der Deutsch-Italienischen √úbersetzer auch schon konfrontiert waren. Ich bin in Deutschland freiberuflich steuerlich gemeldet (Kleinunternehmerregelung). Ich bin recht oft privat in Italien. Nun h√§tte ich die M√∂glichkeit, ab und zu meine Dienste in Italien anzubieten , haupts√§chlich an Privatpersonen. Um nicht irgendwann deswegen √Ąrger mit den italienischen Steuerbeh√∂rden zu bekommen habe ich mich deswegen bei deutschen und italienischen Steuerberatern informiert, aber nur widerspr√ľchliche Ausk√ľnfte bekommen.

Einige vertraten die Ansicht, es w√ľrde das Prinzip der "prevalenza" gelten, ich m√ľsste also, wenn meine Dienstleistungen in Italien nicht regelm√§ssig oder √ľberwiegen w√§ren, mich nicht in Italien steuerlich melden.
Andere vertraten die Ansicht, schon ab dem ersten Euro m√ľsste ich eine italienische Umsatzsteuernummer beantragen (obwohl ich in D unter die Kleinunternehmerregelung falle) und andere meinten sogar, ich m√ľsste in Italien auch noch Sozialabgaben zahlen.
Diese Ausk√ľnfte von den Steuerberatern waren zu widerspr√ľchlich, als das ich mich darauf verlassen will.

Andererseits sind die Steuerberater , welche ich konsultiert haben auch nicht auf den Fall spezialisiert, das jemand unter die Kleinunternehmerregelung f√§llt, in Deutschland steuerlich gef√ľhrt wird und gelegentlich in Italien seine Dienste anbietet.

Ich denke, unter den √úbersetzern d√ľrftet es einige geben, welche vor einer √§hnlichen Frage gestanden sind.

Ich hatte mit eine paar Geschäftsstellen der Übersetzerverbände telefoniert, aber da "wusste man nichts" ...was ich seltsam finde.

Also die Frage hier im Forum:

Wer steht/stand vor einer ähnlichen Frage, und hat gute Texte oder zuverlässige Informationen dazu gefunden?


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xxxMarc P  Identity Verified
Local time: 13:12
German to English
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Gelegentliche Tätigkeit als Deutscher in Italien , Steuerpflicht? Sep 17, 2005

Ausschlaggebend f√ľr die Steuerpflicht ist in erster Linie der Wohnsitz.

Man kann seinen Wohnsitz in Deutschland haben und sogar ausschlie√ülich f√ľr italienische Kunden arbeiten - die italienischen Steuerbeh√∂rden d√ľrfte das trotzdem nicht interessieren.

Ebenfalls interessiert es die Steuerbeh√∂rden im Urlaubsland nicht, wenn man den Laptop in den Urlaub mitnimmt und am Strand die Auftr√§ge erledigt. Aus beh√∂rdlicher Sicht ist der Wohnsitz Deutschland, Ort der Steuerpflicht dann ebenfalls auch. Selbstverst√§ndlich m√ľssen Rechnungen als Anschrift den Ort des Wohnsitzes tragen. (Ob des tats√§chlichen Wohnortes, ist auch eine interessante Frage: fr√ľher stellte ich Rechnungen mit der Anschrift meines B√ľros aus, obwohl ich dort nicht wohnte und in keiner Weise "angemeldet" war. Wo das B√ľro sich aber im gleichen Land wie mein Wohnsitz befand, sogar in der gleichen Stadt, d√ľrfte das allerdings uneherblich gewesen sein.)

Allerdings stellt sich die Frage, wenn man sich besonders lange in Italien aufh√§lt (vermutlich ab 183 Tage/Jahr), ob man nicht zwangsweise dort seinen Wohnsitz anmelden m√ľsste. Und zwar v√∂llig unabh√§ngig von der Ursprung irgendwelcher Auftr√§ge bzw. von der selbst√§ndigen T√§tigkeit √ľberhaupt. Falls ja, ergibt sich daraus automatisch eine Steuerpflicht in Italien, und das widerum auch dann, wenn man z.B. ausschlie√ülich f√ľr Kunden in Deutschland arbeiten w√ľrde.

Hält man sich in zwei Ländern häufig auf, kommt der doppelte Wohnsitz in Frage. Der ist allerdings steuertechnisch kompliziert. Möglicherweise bietet er auch Steuervorteile; ein Steuerberater ist aber unverzichtbar. Falls Du in beiden Ländern schon als wohnhaft angemeldet bist, gilt dieser Fall schon.

So zumindest meine Sicht der Dinge. Hier gibt's aber einige schlaue Köpfe in Sachen Steuerrecht, die bestimmt mehr wissen.

Marc


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Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
Local time: 13:12
English to German
+ ...
Offiziell sehe ich das wie Marc... Sep 17, 2005

...andererseits...
Wenn du in Italien nur f√ľr Privatleute dolmetscht, die ja dann deine Kosten weder steuerlich geltend machen k√∂nnen noch unbedingt eine Quittung brauchen...
Den Rest schreibe ich lieber nicht...und möchte das auch nicht als Aufforderung verstanden wissen...

Aber mal Hand aufs Herz: Wir als Sprachkundige kommen doch st√§ndig im Ausland unserer Sprachen in die Situation, f√ľr unsere Mitreisenden, Freunde, Familienangeh√∂rigen oder wer auch immer mit uns zusammen reist, in die Situation "Du kannst doch Englitalienschspanisch-was-auch-immer, fragst du mal f√ľr mich, wo man hier...."

Ist das dann etwa auch schon dolmetschen? Sind wir dadurch steuerplichtig, blo√ü weil wir diesen Beruf haben? Ich denke, man kann diese Dinge auch √ľbertreiben...

Ich bin auch nicht sicher, ob bei der T√§tigkeit f√ľr Privatleute und bei einem privaten Anlass √ľberhaupt sowas wie ein Arbeitsvertrag zustande kommt.

Bleibt das Problem, dass du Geld daf√ľr bekommst. Ist das Geld ein regelrechtes Honorar oder kann man es auch als freiwillige "Gabe" betrachten? Ich denke, die Steuerberater haben nicht ohne Grund jeder eine andere Auskunft gegeben. Ich w√ľrde das zumindest als "Grauzone" betrachten, vor allem, wenn dir die Personen, f√ľr die du dolmetscht, pers√∂nlich bekannt sind.

Und Probleme bekommst du nur, wenn dich jemand bei den Behörden anzeigt. Wer sollte daran ein Interesse haben?

Wie gesagt, alles keine Verbindlichkeit und schon gar keine Aufforderung, in einer bestimmten Weise zu verfahren. Ich stelle lediglich meine Gedanken zur Diskussion.


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langnet  Identity Verified
Italy
Local time: 13:12
Member (2002)
Italian to German
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Fiskus, Fiskus... Sep 18, 2005

martinou wrote:

Ich habe eine Frage, mit welcher sicher einige der Deutsch-Italienischen √úbersetzer auch schon konfrontiert waren. Ich bin in Deutschland freiberuflich steuerlich gemeldet (Kleinunternehmerregelung). Ich bin recht oft privat in Italien. Nun h√§tte ich die M√∂glichkeit, ab und zu meine Dienste in Italien anzubieten , haupts√§chlich an Privatpersonen. Um nicht irgendwann deswegen √Ąrger mit den italienischen Steuerbeh√∂rden zu bekommen habe ich mich deswegen bei deutschen und italienischen Steuerberatern informiert, aber nur widerspr√ľchliche Ausk√ľnfte bekommen.


Die italienischen Steuerbeh√∂rden interessieren relativ wenig, wenn Du in Deutschland steuerlich - und auch "wohnsitzm√§√üig" gemeldet bist. Es reicht da, eine ordentliche Rechnung auszustellen, ohne Umsatzsteuer, aber mit Angabe der USt.-ID. In Italien hat jeder Mensch eine pers√∂nliche Steuernummer ("codice fiscale"), jede Firma eine "partita IVA", eine fehlende USt.-ID kann da f√ľr den italienischen Part schon zu Stre√ü f√ľhren. Wobei das mit den Privatpersonen... Na ja, Herbert hat da schon was zu geschrieben...


Einige vertraten die Ansicht, es w√ľrde das Prinzip der "prevalenza" gelten, ich m√ľsste also, wenn meine Dienstleistungen in Italien nicht regelm√§ssig oder √ľberwiegen w√§ren, mich nicht in Italien steuerlich melden.
Andere vertraten die Ansicht, schon ab dem ersten Euro m√ľsste ich eine italienische Umsatzsteuernummer beantragen (obwohl ich in D unter die Kleinunternehmerregelung falle) und andere meinten sogar, ich m√ľsste in Italien auch noch Sozialabgaben zahlen.
Diese Ausk√ľnfte von den Steuerberatern waren zu widerspr√ľchlich, als das ich mich darauf verlassen will.


Wenn Du Dich regulär in Deutschland gemeldest hast, dort Deinen Wohnsitz hast und dort Deinem "Geschäft" nachgehst, sind ausschließlich die Aussagen eines deutschen Steuerberaters maßgebend. Probleme, vornehmlich in Sachen Aufenthaltsrecht, kann es geben, wenn Du Dich bei steuerlicher Meldung in D eben nicht vorwiegend dort aufhältst, sondern in Italien


Andererseits sind die Steuerberater , welche ich konsultiert haben auch nicht auf den Fall spezialisiert, das jemand unter die Kleinunternehmerregelung f√§llt, in Deutschland steuerlich gef√ľhrt wird und gelegentlich in Italien seine Dienste anbietet.


Die deutsche "Kleinstunternehmerregelung" interessiert weder den italienischen Fiskus noch den italienischen Steuerberater, nur Hans Eichel. Wenn Du reguläre Rechnungen stellen kannst, dann kannst Du Deine Dienste so viel Du willst in Italien anbieten. Solange Du Dich vorwiegend in Deutschland aufhältst.
Ich vermute aber so langsam, daß das möglicherweise nicht Fall und der eigentliche Kasus Cnaxus ist




[Edited at 2005-09-18 02:50]


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martinou
Local time: 13:12
French to German
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TOPIC STARTER
Gelegentliche Tätigkeit als Deutscher in Italien , Steuerpflicht? Sep 18, 2005

langnet wrote:

Ich vermute aber so langsam, daß das möglicherweise nicht Fall und der eigentliche Kasus Cnaxus ist




[Edited at 2005-09-18 02:50]


Du kannst hellsehen

Tatsächlich ist der "Fall" insofern komplexer, als ich:

1)In Deutschland meinen regulären Wohnsitz habe
2) An der italienisch-französischen Grenze (nähe Menton/Nizza) einen Zweitwohnsitz in Frankreich habe, an dem ich ebenfalls gemeldet bin.
3) 15 Minuten Autofahrt brauche, um in Italien zu sein... und dort auch öfters bin.

Mit der 183 Tage Regelung sieht es da kompliziert aus...

Genau deswegen habe ich auch hier in dem Übersetzer Forum gefragt, weil ich davon ausgehe, das es doch bei einigen Übersetzern/Dolmetschern mit Wohnsitz(en) und Aufenthalt in Nachbarländern ähnlich aussehen könnte.


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Marinus Vesseur  Identity Verified
Canada
Local time: 04:12
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+ ...
Umsatzsteuer ist nicht Einkommenssteuer Sep 18, 2005

martinou wrote:
Ich bin in Deutschland freiberuflich steuerlich gemeldet (Kleinunternehmerregelung). Ich bin recht oft privat in Italien.

Hallo Martinou

Ich hatte vor einigen Jahren mit der Problematik zu tun, als ich in Holland wohnte und in Deutschland Umsätze hatte. Ich teile dir meine Erfahrungen mit und bin kein Steuerberater oder anderswie "Experte".

Zur Kleinunternehmerregelung: das betrifft nur die Umsatzssteuer, die du in D nicht abzurechnen brauchst, das hat mit der Einkommenssteuer nichts zu tun. Wenn du in Italien Rechnungen ausstellen m√∂chtest mit MwSt, m√ľsstest du dort kl√§ren ob und wie das geht. Es ist Umsatzsteuer zu zahlen in dem Land wo die Leistung erbracht wurde. Das k√∂nnten in deinem Fall auch 3 L√§nder sein. Wenn nicht: was das italienische Finanzamt nicht wei√ü...

Zur Einkommenssteuer: ich erinnere mich, das Boris Becker mal viel ESt nachzahlen musste, weil sich herausstellte, dass er sich in gewissen Jahren an mehr als 183 Tagen in Deutschland aufgehalten hatte. Es ist pro Jahr zu kl√§ren wo du, nach dieser Regel, gewohnt hast. Dank Doppelbesteurungsabkommen muss man nicht bef√ľrchten in mehreren L√§ndern ESt zahlen zu m√ľssen. Bedenke aber: falls sich herausstellt, dass du in Italien 'gewohnt' hast, unterliegt dein deutsches Einkommen, welches gewerblich erzielt wurde, der 'beschr√§nkten Steuerpflicht' wodurch dir keine deutschen Freibetr√§ge mir zustehen w√ľrden. In der Falle bin ich damals getappst, aber m√∂glicherweise trifft das nicht zu wenn du kein Gewerbe angemeldet hast und als Freiberufler arbeitest. W√ľrde mich eigentlich auch mal interessieren, falls es jemand wei√ü!

Es ist meines Erachtens f√ľr dich steuerrechtlich ratsam in Deutschland zu 'wohnen', die vollen ESt-Freibetr√§ge und die Kleinunternehmerregelung auszunutzen, wie bisher. Auf andere europ√§ische Eink√ľnfte kannst du im jeweiligen Land USt bezahlen, falls der Kunde z.B. eine MwSt-REchnung braucht. Braucht er sie nicht, w√ľrde ich versuchen es so zu deichseln, dass das Einkommen als in Deutschland erwirtschaftet gilt und dar√ľber in D ESt bezahlen.

Viel Gl√ľck!


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