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"Gesetz gegen Kultur" (Die Welt vom 2.12.2005)
Thread poster: Aleksandra Kwasnik
Aleksandra Kwasnik  Identity Verified
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Dec 5, 2005

http://www.welt.de/data/2005/12/02/811455.html

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Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
Local time: 16:57
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Glaubt man dem Artikel unbesehen.... Dec 5, 2005

...entwickelt sich die Bücherbranche analog zum Fernsehangebot, das in Deutschland seit Anfang der 1980er Jahre immer weniger dem hehren Auftrag der Bildung nachkommt, sondern das produziert und sendet, was die (meisten) Leute sehen wollen.

Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Menschen nicht gerade an Goethe oder Schiller interessiert sind, sondern an Prügelattacken durchgeknallter Adliger oder der neuen Frisur irgendeiner Tussi, die aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge mit den richtigen Männern geschlafen hat und deshalb öfter auf den Titelseiten landet, als ihre optisch zart begabte Schwester, die wirklich was zu sagen hat.

Schlichtweg falsch ist allerdings die Behauptung, die Herausgabe eines Buches würde dadurch unkalkulierbarer, weil das Übersetzerhonorar an den Umsatz gekoppelt ist.
Seit jeher koppeln clevere Unternehmen die Gehälter ihrer Angestellten an den Umsatz (wenn es der Gesetzgeber erlaubt), um ihre Lohn- und Lohnnebenkosten so gering wie möglich zu halten.
Setze ich mehr um, kann ich auch mehr bezahlen. Eigentlich eine gute Sache für alle Beteiligten, würden nicht allzuviele Unternehmen der Versuchung erliegen, den Festgehaltanteil so lächerlich niedrig anzusetzen, dass niemand davon leben kann. Die Gastronomie macht es seit Jahrzehnten vor.

Dass eine solche Gehaltspraxis aber den Umsatz behindert, halte ich für den ausgemachten Unsinn eines Sozialromantikers, der die freie Wirtschaft nur vom Hörensagen kennt, und selbst jahrelang im gemachten Bett von durch den Staat sanktionierten (eher zu hohen) Festhonoraren gelebt hat.

Sogenannte "gute" Literatur war schon immer schwer verkäuflich und hat schon immer für rote Zahlen gesorgt, wie in allen anderen Bereichen der Kunst und Kultur auch, da es einfach zu wenig Menschen gibt, die an geistigen Höhenflügen welcher Art auch immer interessiert sind. Die Kostendeckung haben sich Verlage (und Sender) schon immer über die "trivialen" Bestseller geholt, indem sie im Rahmen der Mischkalkulation die "wertvollen" Werke von den Bestsellern haben mitfinanzieren lassen.

Dass dies so ist und schon immer so war, mag für den kulturell Interessierten bedauerlich sein, kann aber nicht dafür herhalten, eine Honorarpraxis anzuprangern, die mit diesem Sachverhalt gar nichts zu tun hat.


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
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Wie die teppichfeindliche Gesetzgebung auch :( Dec 5, 2005

Mich hat der Artikel sofort an das Verbot der Kinderarbeit beim Teppichknüpfen erinnert. Dadurch sind die Teppiche ja auch so teuer geworden, dass sich die Menschen in Deutschland jetzt nur noch Holzbretter auf den Boden leisten können, die mit hauchdünner Plastikfolie überzogen sind.

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Peter Bouillon  Identity Verified
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Verlagsmonopol für Übersetzungen. Dec 5, 2005

Aleksandra Kwasnik wrote:
http://www.welt.de/data/2005/12/02/811455.html


Gesetzt, ich gehe in einen Buchladen und möchte das Buch eines ausländischen Autors kaufen. Kann ich dann zwischen sieben bis acht Übersetzungen wählen und genau diejenige aussuchen, die am besten gemacht ist? Nein, ich kriege genau eine Übersetzung angeboten. Wenn es eine billig zusammengehauene ist, muss ich diese nehmen; und wenn ich die nicht nehmen will, kann ich das Buch überhaupt nicht (auf deutsch) kaufen.

Aus der Sicht des Verlags gesehen, verdient er mit einem Buchprojekt umso mehr Geld, je billiger er die Übersetzung einkauft; und er kommt damit auch durch, weil die werte Kundschaft keine Wahl hat. Es ist mehr oder weniger das Ausnutzen eines Monopols.

Auf diese Weise werden schlampige Buchübersetzungen, schnell zusammengehauen und billig an Verlage verkauft, die Regel. Und das ist letztendlich unabhängig von der Frage, ob sie gemäß der Auflage berechnet werden oder ausschließlich gemäß der Wortanzahl. An den wirklich ursächlichen Umständen ändert sich überhaupt nichts.

P.


[Edited at 2005-12-05 11:02]


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Stephanie Wloch  Identity Verified
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Local time: 16:57
Member (2003)
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Neutraler Journalismus ? Dec 5, 2005

die Menschen in Deutschland jetzt nur noch Holzbretter auf den Boden leisten können, die mit hauchdünner Plastikfolie überzogen sind.
:grin:

Der Journalist Uwe Wittstock ist eindeutig ein Fürsprecher gewisser Verlage, die jetzt aufschreien.
29.11.05 Koelner STadtanzeiger|
In diesem Artikel werden die gequälten Verlage wenigstens beim Namen genannt:
"Dies sei «eine Katastrophe» hieß es beim Aufbau-Verlag (Berlin). «Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge, denn das nähme Größenordnungen an, die Verlage so nicht tragen können», sagte Verlagsgeschäftsführer Jens Marquardt der dpa
Negative Auswirkungen - etwa weniger Übersetzungen - befürchten auch der Rowohlt (Hamburg) und der Piper Verlag (München). «Zu diesen Bedingungen können keine Übersetzungen mehr gemacht werden», warnte Rowohlt-Justiziar Eckhard Kloos.(..)
Nach Ansicht des kaufmännischen Geschäftsführers des Piper Verlags, Hans-Joachim Hartmann, führt das Urteil zu einer Ungleichbehandlung der Übersetzer:Übersetzer populärer Literatur mit hohen Auflagen werden eindeutig vorteiliger behandelt als Übersetzer von gehobener Literatur oder Fachliteratur mit geringeren Auflagen."
Solche noblen Worte vom Piper-Verlag! Wir erinnern uns aber noch: Alessandros Bariccos Bücher wurden unerwartet Bestseller. Lag vielleicht an der guten Übersetzung? Der Piper-Verlag drückte sich davor der Übersetzerin Karin Krieger lausige 1 % Erfolgsbeteiligung auszuzahlen und outete sich als absoluter Geizkragenverlag, als er Neuübersetzungen in Auftrag gab! Die Klage der Übersetzerin in Sachen Missachtung der Urheberrechte vor dem OLG war erfolgreich. Piper Verlag ging in Revision. Der Journalist Uwe Wittstock weiß dies entweder nicht oder will dem Verlag moralisch unter die Arme greifen.

http://www.literaturuebersetzer.de/
Pressemitteilung vom 2.11.05
"Enttäuschend ist zwar, dass sich das Gericht nicht zu einer Erhöhung des ursprünglichen Normseitenhonorars durchringen konnte. Dafür sprach es den Übersetzern aber unter Verweis auf ein früheres Münchner Urteil 2% Beteiligung am Nettoladenpreis zu, die mit dem nach Normseiten berechneten Grundhonorar verrechnet werden. Weiter hielt das Gericht einen Übersetzeranteil von 25% am Nettoerlös aller Nebenrechtsverwertungen für angemessen. Gerade am lukrativen Geschäft mit den Nebenrechten hatten Verlage Übersetzer und Übersetzerinnen bisher kaum beteiligt."


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