Wie sollte man Emails ├╝bersetzen, zielkulturkonform?
Thread poster: Heinrich Pesch

Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 05:47
Member (2003)
Finnish to German
+ ...
Jan 26, 2006

Letzte Woche hatte ich als eiligen Auftrag eine Email vom Finnischen ins Deutsche zu ├╝bersetzen.
Finnen sind sehr formlos, praktisch alle Mails beginnen mit "Hei" und enden mit "t. Vorname".

Im Deutschen dagegen schreiben die Leute noch nach Jahren: "Sehr geehrter Herr X,

...mit freundlichen Gr├╝├čen
Vorname Nachname"

Ich hatte es kurz und wortgetreu ├╝bersetzt, ohne die Schreibfehler hoffentlich, die im Original waren. Aber h├Ątte ich Begr├╝├čung und Abschluss den deutschen steifen Gepflogenheiten anpassen sollen? Das gleiche Problem ist ja auch bei ├ťbersetzungen aus dem Englischen.

Gru├č
Heinrich


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Wenjer Leuschel  Identity Verified
Taiwan
Local time: 10:47
English to Chinese
+ ...
Locker bleiben. Jan 26, 2006

Hallo Heinrich!

Oh, ha. So schlimm ist es ja auch nicht. Meine deutschen Kunden sind auch schon l├Ąngst daran gewohnt, mit "Hi" anzufangen und "Vornamen" abzuschlie├čen. Es sei denn, da├č die Original-Mail schon f├Ârmlich ist, dann ├╝bersetzt man sie auch f├Ârmlich. Ansonsten darf man ruhig locker bleiben. So was habe ich mehrmals getroffen. Allerdings aus europ├Ąischen Sprachen ins Chinesische.

Frohes chinesisches Mondneujahr!

Gr├╝├če,
Wenjer

Heinrich Pesch wrote:

Letzte Woche hatte ich als eiligen Auftrag eine Email vom Finnischen ins Deutsche zu ├╝bersetzen.
Finnen sind sehr formlos, praktisch alle Mails beginnen mit "Hei" und enden mit "t. Vorname".

Im Deutschen dagegen schreiben die Leute noch nach Jahren: "Sehr geehrter Herr X,

...mit freundlichen Gr├╝├čen
Vorname Nachname"

Ich hatte es kurz und wortgetreu ├╝bersetzt, ohne die Schreibfehler hoffentlich, die im Original waren. Aber h├Ątte ich Begr├╝├čung und Abschluss den deutschen steifen Gepflogenheiten anpassen sollen? Das gleiche Problem ist ja auch bei ├ťbersetzungen aus dem Englischen.

Gru├č
Heinrich



[Edited at 2006-01-26 11:01]


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Marion Schimmelpfennig  Identity Verified
Local time: 04:47
Member (2003)
English to German
Kommt auf die Zielgruppe an Jan 26, 2006

Es kommt auch auf andere Parameter an - Zielgruppe, Inhalt, Zielsetzung usw. Da ich den vorliegenden Fall nicht kenne, ist das schwierig zu beurteilen. Im Zweifelsfall nat├╝rlich beim Kunden nachfragen. Oder, wenn das nicht m├Âglich ist, einen Kompromiss w├Ąhlen, zum Beispiel "Hallo" oder "Guten Tag" plus Anrede und "Viele Gr├╝├če" am Ende. Das mag f├╝r Finnen schon steif klingen, ist aber f├╝r Deutsche schon verh├Ąltnism├Ą├čig locker

Gru├č
Marion


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Robert Tucker
United Kingdom
Local time: 03:47
German to English
+ ...
Schleiermacher Jan 26, 2006

Erinnert man sich hier nicht an Friedrich Schleiermacher als er fragte ob man den Leser zum Autor oder den Autor zum Leser hinbewegen solle?

[Edited at 2006-01-26 08:48]


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Stephanie Wloch  Identity Verified
Germany
Local time: 04:47
Member (2003)
Dutch to German
Locker darauf vorbereiten, dass die Finnen locker sind Jan 26, 2006

Leser zum Autor oder den Autor zum Leser hinbewegen solle?

Ja, was w├Ąre, wenn der Leser dann mal seine Romanfiguren unvorbereitet treffen w├╝rde?
Wenn der Kunde mit den Finnen Gesch├Ąfte machen will, sollte man ihn schonend auf deren Lockerheit vorbereiten. Sonst ist er ganz verdattert, wenn die schriftlich so "artigen" Finnen beim Gesch├Ąftstreffen aufeinmal so plump vertraulich sind.


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Antje Harder  Identity Verified
Sweden
Local time: 04:47
Swedish to German
+ ...
Anpassen in Ma├čen Jan 26, 2006

Hallo Heinrich,

mir stellt sich das Problem ebenfalls gelegentlich in ├Ąhnlicher Form - die schwedische Gesch├Ąftspost ist ja auch informeller als die deutsche. Dazu kommt noch das ├╝bliche Du-Sie-Problem.

Wenn der Absender nur mit seinem Vornamen unterschreibt und den Adressaten ebenfalls mit Vornamen anredet, ├Ąndere ich ggf. die Anrede im Deutschen in "Sie" + Vorname (wenn es sich z.B. wie k├╝rzlich um eine neu angebahnte Gesch├Ąftsbeziehung handelt).
Es h├Ąngt nat├╝rlich viel vom Zusammenhang ab - hier wusste ich, dass die beiden Partner sich getroffen hatten, sich aber noch nicht lange kennen. Sie werden sich vermutlich mit Vornamen angesprochen haben (auf Englisch), aber keine (deutsche) Duz-Freundschaft eingef├╝hrt haben.
Also habe ich mich bem├╝ht, einen verbindlich-gesch├Ąftlichen Ton beizubehalten, jedoch nicht unbedingt mit "Sehr geehrte(r) ...". Eine Anrede mit Namen halte ich dennoch f├╝r sinnvoll - deutsche E-Mails von Unbekannten, die mit "Hi" beginnen, empfinde ich nicht als besonders (gesch├Ąftlich) seri├Âs.

"Mit freundlichen Gr├╝├čen" ist ja auch nur mit Vornamen m├Âglich.

Wenn es sich um eine erste Kontaktaufnahme handelt, weise ich den schwedischen Kunden ggf. auf die etwas f├Ârmlichere Schreibweise in Deutschland (Nachname) hin.

Viele Gr├╝├če aus Lund
Antje


[Edited at 2006-01-26 10:34]


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Harry Bornemann  Identity Verified
Mexico
English to German
+ ...
Im Firmenverkehr f├Ârmlich Jan 26, 2006

Ich habe 10 Jahre lang in ├╝ber 30 Berliner Firmen die Gesch├Ąftspost geschrieben. "Sehr geehrter Herr.." war selbstverst├Ąndlich, bei den Gr├╝├čen am Ende darf aber ruhig eine etwas seltenere und nicht ganz so steife Variante verwendet werden, damit dieser Gru├č ├╝berhaupt noch als Gru├č bewusst wird.

Im Schriftverkehr zwischen Privatpersonen betrachte ich die Verwendung des Vornamens als Angebot zum Duzen.

An das Siezen mit Vornamen dagegen werde ich mich nie gew├Âhnen, weil auf diese Weise eigentlich nur Hauspersonal angesprochen wird, von dem aber dennoch erwartet wird, den Hausherrn mit Nachnamen anzusprechen.

In besonders schwer einzusch├Ątzenden F├Ąllen ist es durchaus m├Âglich, sich den ganzen Brief lang um das Siezen oder Duzen herumzudr├╝cken. Mit dieser Variante l├Ąsst man zwar erkennen, dass man unsicher ist, aber wenigstens kann man damit nicht derma├čen ins Fettn├Ąpfchen treten, wie mit einem unangebrachten Siezen oder Duzen.

Mit freundlichen Gr├╝├čen,
mit freundlichem Gru├č,
viele Gr├╝├če,
Gru├č,
c.u.,
ciao,

Harry

PS: "Hochachtungsvoll" ist ein eiskalter Gru├č an die schlimmsten Feinde, wie gegnerische Rechtsanw├Ąlte, manche Beamte, streits├╝chtige Vermieter und wer einem sonst noch B├Âses wollen kann.

Nur wenn ein Beamter "Hochachtungsvoll" schreibt, braucht man sich nichts dabei zu denken. Erstens k├Ânnte es in seinen Vorschriften stehen und zweitens bedeutet es nur: "Ich bin Beamter und will meine Ruhe haben und der Verkehr mit der ├ľffentlichkeit ist mir zuwider." Das ist also nicht pers├Ânlich gemeint.

[Edited at 2006-01-26 20:13]


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