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Leaders / F├╝hrer /Politische Korrektheit und die Freiheit der ├ťbersetzer
Thread poster: Genevi├Ęve von Levetzow

Genevi├Ęve von Levetzow  Identity Verified
Local time: 13:57
Member (2002)
French to German
+ ...
Sep 15, 2002

http://www.proz.com/kudoz/271510



Da ich die Reaktionen der Kollegen mit Erstaunen festgestellt habe, m├Âchte ich hier prinzipiell die Frage stellen, wie Ihr unsere Freiheit als ├ťbersetzer hinsichtlich der politischen Korrektheit empfindet.

Ich war sehr erstaunt ├╝ber die H├Ąufung von disagrees unter meiner ├ťbersetzung. Und nicht weil sie falsch war, sondern weil viele sie als politisch nicht korrekt empfanden, da das Wort \"F├╝hrer\" im Deutschen anscheinend immer noch tabuisiert ist.

Vor Monaten habe ich solche Reaktionen erlebt, als ich mir erlaubt hatte, eine in meinen Augen in unserer westlichen Welt nicht unmoralische Frage (I want to have sex with you) zu ├╝bersetzen.

Damit wir uns richtig verstehen, mir geht es wirklich nicht um die disagrees unter meiner Antwort. Sondern viel mehr darum, m├╝ssen wir uns von solchen politischen ├ťberlegungen bei unserer t├Ąglichen Arbeit leiten lassen oder nicht.

Merkw├╝digerweise hatte ich letzte Woche den Ausdruck \"F├╝hrer auf dem Gebiet der Technologie XXX\" in einem dt. Text, den ich ins Fr. ├╝bersetzen sollte. Mir ist das Tabu-Wort nicht mal aufgefallen.

Es ist eine prinzipielle Frage, ich f├Ąnde es sch├Ân, wenn jeder versuchte, darauf nach besten Wissen und Gewissen zu antworten; das Thema scheint anscheinend immer noch hochbrisant zu sein, deswegen w├Ąren sachliche Argumente zweckdienlich. Ich hoffe damit, nicht eine Lawine von Emotionen in Gang zu setzen.

Mein Standpunkt ist der der absoluten Neutralit├Ąt, sprich, ich versuche, einen Text so genau wie m├Âglich zu ├╝bersetzen, und will mich dabei weder von politischen noch von moralischen Gedanken leiten lassen (und da meine hochtechnischen Texte per se nicht amoralisch sind, stellt sich mir nie die Frage, ob ich eine Arbeit annehmen sollte oder nicht; was in anderen F├Ąllen vielleicht ein Aspekt w├Ąre).


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Ulrike Lieder  Identity Verified
Local time: 04:57
English to German
+ ...
Warum historisch/politisch belastete Termini verwenden, wenn es gute Alternativen gibt Sep 15, 2002

Manchmal l├Ąsst sich das Wort \"F├╝hrer\" nicht vermeiden. Aber ich finde es wenig sinnvoll, historisch/politisch belastete Termini zu verwenden, wenn es (wie in diesem Beispiel) gute Alternativen gibt. Man sollte ein gewisses Fingerspitzengef├╝hl durchaus walten lassen, das hat absolut nichts mit \"Freiheit der ├ťbersetzer\" zu tun. Gewisse Termini sollte man, auch (oder vielleicht gerade) als ├ťbersetzer, meiden, wenn es denn m├Âglich ist -- Sie k├Ânnen ja ├╝berhaupt nicht voraussehen, wie das Zielpublikum reagieren wird. (Wenn Sie ├╝berhaupt wissen, wer das Zielpublikum ist.)



Meines Erachtens ist, um bei diesem Beispiel zu bleiben, eine leichte Umformulierung wie \"f├╝hrend auf diesem Gebiet\" stilistisch besser, wenn nicht sogar aussagekr├Ąftiger. Und historische Altlasten werden vermieden. Das, meine ich, wollten die Kollegen mit ihren \"disagrees\" zum Ausdruck bringen.



Jede Sprache hat tabuisierte W├Ârter (ich denke z.B. an \"nigger\" im AE), und ein guter ├ťbersetzer sollte, so finde ich jedenfalls, versuchen, solche belasteten W├Ârter nach M├Âglichkeit zu meiden, insbesondere dann, wenn gute Alternativen verf├╝gbar sind. (Wenn es um die Pointe eines Witzes geht, dann ist es eine andere Sache, aber das war ja hier ganz klar nicht der Fall.)



Ich muss auch sagen, dass das von Ihnen zitierte Beispiel, \"F├╝hrer auf dem Gebiet der Technologie XXX\", sich eher wie eine etwas missratene ├ťbersetzung anh├Ârt, auf jeden Fall ist es keine besonders idiomatische Wendung. Das aber nur ganz nebenbei.





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Hans-Henning Judek  Identity Verified
Local time: 20:57
German to English
+ ...
Auch nach 57 Jahren noch ein gewisser M├╝ff... Sep 16, 2002

Ja, es ist wahr, das so handliche Wort \"F├╝hrer\" (Reisef├╝hrer, Lokomotivf├╝hrer...) hat wegen Adolf leider immer noch einen gewissen Stallgeruch, obwohl ich es eignetlich inzwischen albern finde. Man stelle sich einmal vor, man wollte die W├Ârter \"leader\" oder \"guide\" aus dem englischen Wortschatz streichen.



Ich versuche daher meistens, diesen Begriff m├Âglichst elegant zu umschiffen. Am liebsten ist mir dabei die \"f├╝hrende Stellung\" (z.B.eines Unternehmens). Tabu ist der \"F├╝hrer\" mit Sicherheit bei allen politischen Texten


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Lydia Molea  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
English to German
+ ...
Generell stimme ich Ulrike zu Sep 16, 2002

Es ist nun mal so, dass viele immer noch an Hitler denken, wenn sie F├╝hrer h├Âren, es hat sich ja sogar in anderen Sprachen eingeb├╝rgert. Das Wort ist nunmal belegt, das hat nichts mit unserer Stilfreiheit zu tun.

Sch├Âne Gr├╝├če

Lydia


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
English to German
+ ...
Freiheit vs. Pragmatismus Sep 16, 2002

Grunds├Ątzlich finde ich die \"PC\"-Diskussion oftmals auch ziemlich anstrengend. Dessen ungeachtet ist es aber eine Tatsache, dass der Begriff \"F├╝hrer\" historisch belastet ist. Und wenn\'s eine gute alternative Formulierung gibt, braucht man sich den Stress nicht zu geben, denke ich.

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Uwe Kirmse  Identity Verified
Local time: 13:57
Polish to German
+ ...
zwei verschiedene Fragen Sep 16, 2002

Ich denke, Genevi├Ęve wirft hier zwei verschiedene Fragen auf, erstens die Frage nach \"political correctness\" (├╝bersetze ich bewusst nicht) und zum anderen nach der m├Âglichst getreuen ├ťbersetzung, auch wenn sich beides ├╝berschneidet.

Nun ist zwar \"F├╝hrer\" im Gegensatz zu \"Zigeuner\" und \"Kr├╝ppel\" kein typisches Beispiel f├╝r political correctness (\"nigger\" ├╝brigens auch nicht, da das Wort schon ziemlich als Schimpfwort belastet ist), aber gewisse Analogien sind schon vorhanden. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass \"F├╝hrer\" nur im Deutschen belastet ist, in manchen anderen Sprachen sagt man sogar \"F├╝hrer\", wenn es um Hitler geht, wogegen die urspr├╝ngliche Bedeutung des Wortes durch andere Begriffe (z.B. im Engl. \"leader\") abgedeckt wird. Leider ist der F├╝hrerkult um Hitler in Deutschland nie ganz verschwunden und hat auch heute noch mehr oder weniger offene Anh├Ąnger. Somit w├╝rde ich nicht sagen, es ist ja soundsoviel Jahre her und w├╝rde das Wort vermeiden. Bei der ├ťbersetzung sollte man dann schon ├╝berlegen, ob diese Firma, wenn sie aus Deutschland w├Ąre, sich in einem deutschen Text als \"F├╝hrer auf dem Gebiet der Technologie XXX\" bezeichnen w├╝rde. Vermutlich w├╝rden die Verfasser, ohne das Wort \"F├╝hrer\" auch nur zu erw├Ągen, ausweichen auf \"das f├╝hrende Unternehmen\" oder in anderem Zusammenhang \"Marktf├╝hrer\". Und hier ├╝berschneiden sich die zwei Fragen dann tats├Ąchlich - es ist nicht nur eine Frage von \"political correctness\", das Wort zu vermeiden, die ├ťbersetzung erh├Ąlt auch einen anderen Klang und geht ein wenig an dem vorbei, was im urspr├╝nglichen Text stand. Andereseits bin ich selbst ein entschiedener Gegner der \"political correctness\". Ich halte es da eher mit Sch├Ąuble, der sich selbst ├Âffentlich einen Kr├╝ppel genannt hat, oder mit dem Zigeuner, der in einer Unterhaltung mit mir das Wort \"Zigeuner\" v├Âllig zwanglos gebraucht hat. (Man stelle sich nur den politisch korrekten Satz f├╝r \"Da stehen zehn Zigeuner.\" vor. - \"Da stehen zehn Sinti und Roma oder Sinti oder Roma.\")



Das andere ist die Frage der absoluten \"Neutralit├Ąt, sprich, ich versuche, einen Text so genau wie m├Âglich zu ├╝bersetzen\" (Zitat G.v.L.). Als These ist das auf jeden Fall richtig, zur konkreten Umsetzung habe ich schon im Fall \"F├╝hrer\" etwas geschrieben. Wort f├╝r Wort ist nicht immer so genau wie m├Âglich. Der gesamte Sinn und Stil des Ausgangstextes sollte erhalten bleiben. Ist dieser politisch extrem korrekt, werde ich auch als Gegner der correctness die entsprechenden Ausdr├╝cke gebrauchen. Wenn aber im Ausgangstext der entsprechende Ausdruck f├╝r Zigeuner steht, werde ich es so ├╝bersetzen und den Satz nicht wie oben gezeigt ummodeln. In die ├ťbersetzung sollte man auf keinen Fall eigene ├ťberzeugungen einflie├čen lassen. Aus einer neonazistischen Hetzschrift einen politisch korrekten Text zu machen, d├╝rfte nicht nur schwer werden, sondern den Sinn entstellen. Eine andere Frage ist es, dass ich solche ├ťbersetzungen ablehnen w├╝rde, es sei denn, Auftraggeber ist die Staatsanwaltschaft.



Also Fazit: exakt aber nicht w├Ârtlich ├╝bersetzen und eigene Moralvorstellungen au├čen vor lassen, wenn man den Auftrag einmal angenommen hat.


[ This Message was edited by: on 2002-09-16 07:57 ]


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Hans G. Liepert  Identity Verified
Switzerland
Local time: 13:57
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Und was ist mit Marktf├╝hrer, Spielf├╝hrer usw.? Alle belastet? Sep 16, 2002

[quote]

On 2002-09-15 23:59, uel wrote:

Manchmal l├Ąsst sich das Wort \"F├╝hrer\" nicht vermeiden. Aber ich finde es wenig sinnvoll, historisch/politisch belastete Termini zu verwenden, wenn es (wie in diesem Beispiel) gute Alternativen gibt.


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Hans G. Liepert  Identity Verified
Switzerland
Local time: 13:57
English to German
+ ...
political correctnes Sep 16, 2002

So ganz lehnst Du sie aber doch nicht ab, oder? Nazistische Schm├Ąhschriften willst Du nicht ├╝bersetzen (kommunistische, liberale, baskische, christlich-soziale schon?). Wer entscheidet, was ein Pamphlet ist? Du? Dein politischer Gegner? Die ber├╝hmte schweigende Mehrheit (davon x% f├╝r den F├╝hrer)?

├ťbersetzen ist eine v├Âllig neutrale T├Ątigkeit und Ulrike hat Recht, wenn sie sich hier nicht vorschreiben l├Ą├čt, welche belasteten oder unbelasteten W├Ârter sie verwendet. ├ťber die Qualit├Ąt der ├ťbersetzung in diesem Fall l├Ąsst sich streiten, nicht ├╝ber die Freiheit der ├ťbersetzerin, so und nicht anders zu ├╝bersetzen.


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
English to German
+ ...
Vorsicht... Sep 16, 2002

...besonders bei dieser Thematik sind Schlussfolgerungen mitunter brisant.

Quote:


On 2002-09-16 08:23, HGL wrote:

So ganz lehnst Du sie aber doch nicht ab, oder? Nazistische Schm├Ąhschriften willst Du nicht ├╝bersetzen (kommunistische, liberale, baskische, christlich-soziale schon?).


Ich denke, Uwes Kommentar bezog sich aus dem Kontext heraus auf Neonazi-Material.


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
Member (2002)
English to German
+ ...
Hat das wirklich mit Freiheit zu tun? Sep 16, 2002

Als ich das Argument mit dem Unternehmen aus dem Bereich Navigation gelesen habe, war ich erstaunt, da├č es deutsche Unternehmen gibt, die derart unsensibel sind. Das Wort ist belastet und wird es auch bleiben, solange es in Deutschland Str├Âmungen gibt, die verhindern, da├č sich das M├Ąntelchen der Geschichte ├╝ber dieses Wort senkt.



Sicher, eine ├ťbersetzung soll genau sein, aber die Genauigkeit liegt nicht in den Worten, sondern im Sinn. Und der l├Ą├čt sich mit weniger anst├Â├čigen Formulierungen ohne jeden Verlust an Genauigkeit wiedergeben.



Ich kann auch nicht sehen, wo da der Maulkorb oder eine Einschr├Ąnkung der Meinungsfreiheit liegt. Die Frage ist eigentlich eher, ob man dieses Wort wieder salonf├Ąhig machen sollte. Vermutlich w├╝rde niemand von uns auf den Gedanken kommen, seinen Sohn Adolf zu nennen. Ist das eine Einschr├Ąnkung der Meinungsfreiheit?



Letzlich l├Ąuft das f├╝r mich auf die politische (und, wenn ich mich an die Regeln f├╝r diese Forum korrekt erinnere, hier nicht zu f├╝hrende) Debatte hinaus, ob denn jetzt nicht mal Schluss mit dem kollektiven schlechten Gewissen sein mu├č. Diese Frage mu├č jeder f├╝r sich entscheiden, darf sich dann aber nicht wundern, wenn Andere diese Frage f├╝r sich anders beantworten und dementsprechend reagieren. Wobei ich das v├Âllig neutral meine - es ist eben eine pers├Ânliche Entscheidung.

[ This Message was edited by: on 2002-09-16 10:50 ]


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Uwe Kirmse  Identity Verified
Local time: 13:57
Polish to German
+ ...
Was soll denn das? Sep 16, 2002

Quote:


On 2002-09-16 08:23, HGL wrote:

So ganz lehnst Du sie aber doch nicht ab, oder? Nazistische Schm├Ąhschriften willst Du nicht ├╝bersetzen (kommunistische, liberale, baskische, christlich-soziale schon?).


Polemik um der Polemik willen? Befasse dich einmal mit einfacher Logik. Die Aussage, dass ich XXX ablehne, l├Ąsst nicht den Schluss zu, dass ich ZZZ und YYY nicht ablehne. Ein Beispiel bleibt eben nur ein Beispiel.



Quote:
Wer entscheidet, was ein Pamphlet ist? Du? Dein politischer Gegner? Die ber├╝hmte schweigende Mehrheit (davon x% f├╝r den F├╝hrer)?
Was ich ablehne, entscheide eindeutig ich. Es mag Kriterien geben, die als Entscheidungshilfe dienen (z.B. das Strafgesetzbuch, da ich durch meine ├ťbersetzung keine Straftaten f├Ârdern m├Âchte), aber nur ich entscheide und ├╝brigens nicht dar├╝ber, was ein Pamphlet ist, sondern dar├╝ber, ob ich es mache oder nicht.



Quote:
├ťbersetzen ist eine v├Âllig neutrale T├Ątigkeit und Ulrike hat Recht, wenn sie sich hier nicht vorschreiben l├Ą├čt, welche belasteten oder unbelasteten W├Ârter sie verwendet. ├ťber die Qualit├Ąt der ├ťbersetzung in diesem Fall l├Ąsst sich streiten, nicht ├╝ber die Freiheit der ├ťbersetzerin, so und nicht anders zu ├╝bersetzen.

1. Es ist auch Freiheit des ├ťbersetzers, einen Auftrag abzulehnen.

2. Es ist nicht Freiheit des ├ťbersetzers, ein Ergebnis vorzulegen, das dem Ausgangstext nicht entspricht. Wo F├╝hrer stehen muss, da soll es stehen, aber in dem Zusammenhang wie bei G.v.L. ist das Wort im Deutschen nicht ├╝blich und l├Ąsst sich nicht damit begr├╝nden, dass es die w├Ârtliche ├ťbersetzung ist.


[ This Message was edited by: on 2002-09-16 11:37 ]

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OlafK
United Kingdom
Local time: 12:57
English to German
+ ...
Was ist eine genaue ├ťbersetzung? Sep 16, 2002

Wenn man unbedacht ein Tabuwort in einen Marketing-Text einbringt, wird damit der Sinn verzerrt. Auch wenn es sich um eine w├Ârtliche ├ťbersetzung handelt, ist sie nicht genau oder korrekt.

Man kann auch nicht im Alleingang ein Wort enttabuisieren. Warum auch, wenn es anders geht? Wenn der Kunde die ├ťbersetzung sieht, st├Â├čt er sich vielleicht an dem Wort \"F├╝hrer\", selbst wenn er kein Deutsch versteht, da das Wort Eingang in viele Sprachen gefunden hat.

Es gibt eine ganze Reihe von W├Ârten, die seit der Nazizeit mit einem Tabu belegt sind. Im Englischen kann man z.B. von \"mixed race marriages\" sprechen, ohne sich viel dabei zu denken. Eine w├Ârtliche ├ťbersetzung w├Ąre katastrophal, selbst eine \"Mischehe\" geht m.E. nicht. Wer ins Deutsche ├╝bersetzt, muss die besonderen Gegebenheiten der Zielsprache ber├╝cksichtigen, um eine gute Arbeit abzuliefern. Das hat mit PC nichts zu tun, sondern mit Sprachgef├╝hl und, wie schon jemand sagte, Pragmatismus.

Komposita wie \"Reisef├╝hrer\" sind deshalb nicht negativ belegt, weil ein Muttersprachler das Wort als Ganzes aufnimmt und die Bestandteile ├╝bersieht. Leute, die Deutsch als Fremdprache lernen, finden z.B. \"Brustwarzen\" fies und \"Handschuhe\" lustig. Bei Muttersprachlern erzeugen diese W├Ârter andere Bilder als bei Deutschsch├╝lern. Aber das Wort \"F├╝hrer\" erzeugt weltweit nur ein Bild, das eines Mannes mit einem kleinen Schn├Ąuzer, deshalb ist es als ├ťbersetzung f├╝r \"leader\" auch falsch.


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xxxTService  Identity Verified
Local time: 13:57
English to German
Die Zielgruppe / der Kunde entscheidet. Sep 17, 2002

Erst gestern hatte ich so einen \"Fall\": In einer englischen Verkaufsbrosch├╝re fand sich die ├ťberschrift \"Leaders chose leaders\".

Ich habe mir mit \"F├╝hrungspers├Ânlichkeiten w├Ąhlen F├╝hrungspers├Ânlichkeiten\" aus der Klemme geholfen.

Dabei stand eine einzige ├ťberlegung im Vordergrund: Was will der Kunde mit seiner Brosch├╝re erreichen, und was sollte ich ├╝bersetzen, um diesem Ziel zu entsprechen ?



├ťbersetze ich \"F├╝hrer\", so muss ich damit rechnen, dass die Brosch├╝re negativ ankommt, so exakt die ├ťbersetzung auch w├Ąre. Und damit w├Ąre dem Kunden - und langfristig auch mir selbst - nicht gedient.



Mich st├Ârt es ziemlich, dass bestimmte W├Ârter mittlerweile - teils durch Unkenntnis - einen gewissen Schimpfwortcharakter angenommen haben. Als Beispiele nenne ich nur \"Itaka\" (\"ITAlienischer KAmerad\"), \"Kanake\" (\"Mensch\"), \"Neger\" (\"Schwarzer\"), \"Polak\" (\"Pole\").

Wie ich diese W├Ârter privat einsetze, ist meine Sache.

Aber sobald ich eine kleine Verantwortung f├╝r Erfolg oder Nichterfolg einer ├ťbersetzung zu tragen habe, sehe ich zu, dass meine ├ťbersetzung sowohl dem Original als auch der Intention des Kunden entspricht.



Dann passt\'s meistens.


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Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
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+ ...
Leaders choose leaders Sep 17, 2002

Hallo TService,

mir w├Ąre Deine Wahl (F├╝hrungspers├Ânlichkeiten) f├╝r eine Verkaufsbrosch├╝re viel zu sperrig, obwohl sie nat├╝rlich korrekt ist.

In solchen F├Ąllen regt sich in mir immer der PR-Berater, der schon zahllose Brosch├╝ren getextet hat.



Ich w├Ąre ganz vom Original weggegangen (PR-Berater d├╝rfen das )

und h├Ątte (vorausgesetzt, es handelt sich um den Prospekt einer Premiummarke) sowas getextet wie:

\"Chefs nehmen nur das Beste\"



Durch meine PR-Ausbildung bin ich allerdings f├╝r alle Zeiten als klassischer ├ťbersetzer (wie man das an den Unis lernt) verloren. Das Original spielt f├╝r mich bei Marketingtexten nur die Rolle einer Inhalts- und Intentionsvorlage, die ich im Bereich Marketing meist v├Âllig losgel├Âst vom \"wording\" des Originals in der Zielsprache - und zwar streng nach der Absicht des Verfassers und den Anforderungen der Zielgruppe - neu erschaffe.

Bei technischen Texten ist das nat├╝tlich etwas Anderes.



Nat├╝rlich muss ein Text IMMER korrekt ├╝bersetzt werden. Es fragt sich nur, welche Kriterien man f├╝r wichtiger h├Ąlt. Bei mir kommt jedenfalls stets die angesprochene Zielgruppe zuerst, dann die Absicht des Verfassers und zum Schlu├č - ganz weit hinten - der exakte Wortlaut des Originals. Insofern muss ich auch meist garnicht jedes einzelne Wort eines Textes mit allen Kontextnuancen verstehen (was ohnehin niemand kann). Was ich aber immer wissen muss, ist: Wer soll das lesen und was beabsichtigt der Verfasser mit dem Text?



├ťbersetzer sind eben keine Texter. Vielleicht werden Texter auch deshalb besser bezahlt...

F├╝r das Erstellen von PR-Texten sind jedenfalls 100 Euro pro DIN A4-Seite schon eher die untere Grenze. Ist das Original ein englischer Text, macht das f├╝r mich auch keinen Unterschied und wird auch nicht berechnet.



ACHTUNG! Stilistische Macken und Rechtschreibfehler sind zur allgemeinen Belustigung in diesen Text eingef├╝gt. Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten!



Kollegialer Gruss aus dem Rheinland


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 13:57
Member (2002)
English to German
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Guter Punkt, Herbert Sep 18, 2002

Quote:


On 2002-09-17 18:53, Fipke wrote:

Das Original spielt f├╝r mich bei Marketingtexten nur die Rolle einer Inhalts- und Intentionsvorlage, die ich im Bereich Marketing meist v├Âllig losgel├Âst vom \"wording\" des Originals in der Zielsprache - und zwar streng nach der Absicht des Verfassers und den Anforderungen der Zielgruppe - neu erschaffe.





Intentionsvorlage - das ist genau des Pudels Kern. Das Wort muss ich mir merken.

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