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Soll das hier ein Witz sein?
Thread poster: Rolf Klischewski, M.A.

Rolf Klischewski, M.A.  Identity Verified
Local time: 17:15
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+ ...
Oct 23, 2002

We want to increase our database of translators. We are looking for English into German and German into English translators. The rate we pay is $0.04 per target word. If you agree with this rate and you want to be added to our database send your CV (including expertise)to Zagatti@yahoo.com, try not to send attachments

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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 17:15
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Nicht aufregen Oct 23, 2002

Es gibt Übersetzer (und andere Berufsgruppen ) in aller Herren Länder, die sich für diesen Preis im Sprachenpaar EN-DE versuchen. Wäre ich an ihrer Stelle, täte ich möglicherweise dasselbe. Die Qualität ist bekannt (auch den Auftraggebern) und wird in Kauf genommen. Das ist nicht unser Markt, wo berührt uns das?

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Gideon van Zoest
Local time: 17:15
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Nur etwas für Verrückte und Toren Oct 23, 2002

Ich konnte es ebenfalls kaum fassen, als ich diesen Aufruf las, konnte mich dann nicht zurückhalten, und habe der Firma geschrieben, ob sie denn überhaupt meinen, dass sie bei dem Wahnsinnsbetrag noch irgend einen Verrückten finden würden, der sich auf so etwas einlässt. Ich vermute mal, dass dies eine der wenigsten Reaktionen sein dürfte, die dieses Unternehmen empfangen hat.

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langnet  Identity Verified
Italy
Local time: 17:15
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Mal abgesehen... Oct 23, 2002

von der betreffenden Anzeige, die mir ziemlich eindeutig (unseriös) vorkommt (Mailadresse von Yahoo, keine weiteren Angaben, kein eingeschriebener ProZ-User usw.,) und die eigentlich auch keines weiteren Kommentars bedarf, möchte ich trotzdem mal eine \"Lanze brechen\" für die Kollegen, die Jobs zu Dumping-Tarifen annehmen bzw. gezwungen sind, zu solchen arbeiten zu müssen...



[quote]

On 2002-10-23 17:10, dinnye wrote:

Es gibt Übersetzer (und andere Berufsgruppen ) in aller Herren Länder,...



Ganz genau. Es gibt viele Kollegen, die ihren Sitz nicht in Westeuropa oder in den USA, sondern in Ländern haben, in denen auch andere ausgebildete Fachleute nur einen Bruchteil von dem verdienen, was normalerweise \"bei uns\" so üblich ist. Und für die ist ein Wortpreis von 0.04 USD möglicherweise sehr viel, und sie verdienen vielleicht 2 oder 3 Mal soviel wie bei den \"landesüblich\" gezahlten Tarifen. Ich denke da z.B. an viele Länder Osteuropas (vor kurzem gab es da einen \"thread\", der die polnischen Dolmetscher-Kollegen betraf), an Indien (bekanntermaßen ein High-Tech-Land im IT-Bereich) oder andere Länder der \"sogenannten\" Dritten Welt, wo Englisch Verkehrssprache ist und von der \"Intelligentia\" fließend beherrscht wird.

Im übrigen reicht bloß der Blick in einige südeuropäische (EG-)Länder, in denen Tarife gezahlt werden, bei denen die meisten Kollegen nur mit den Schultern zucken würden (wobei hier natürlich auch wieder das Argument der Qualität greift, absolut). Hohe regionale Arbeitslosenquoten, die durchaus mit denen in Ostdeutschland vergleichbar und oftmals sogar noch höher sind, wirken sich in einem Preisdiktat aus, dem sich die wenigsten entziehen können. Da gilt dann nur noch \"Friß Vogel oder stirb\", d.h. Arbeit jeder Art wird zu einer Art \"Gnadenakt\", und die meisten sind froh, überhaupt Arbeit zu haben, egal wie schlecht bezahlt die dann ist. Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bzw. eine derart gute soziale Absicherung gibt es, abgesehen von den skandinavischen Ländern und den Niederlanden, nämlich in der bekannten Form nur in Deutschland. Was würdet ihr an Stelle dieser Menschen tun??!! Für einen Hungerlohn arbeiten oder lieber gar nicht?

In (Nord-)Italien z.B. gibt es Ingenieure, die für ein Einstiegsgehalt von ca. 900-1000 Euro netto arbeiten und froh sind, überhaupt den Einstieg gefunden zu haben. Ich glaube, jedem deutschen Jung-Ingenieur würde hier der Bissen im Halse stecken bleiben...



[quote]

...die sich für diesen Preis im Sprachenpaar EN-DE versuchen. Wäre ich an ihrer Stelle, täte ich möglicherweise dasselbe.



Ich täte mit Sicherheit genau dasselbe, wenn ich dadurch die Chance hätte, trotz mieser Tarife im internationalen Vergleich, für meine Verhältnisse gut zu leben.

Das \"sich versuchen...\" stört mich jedoch ein klein wenig..

Ich kenne eine amerikanische Kollegin, die mit einem Inder (Ingenieur) verheiratet ist, in Bombay lebt und eine (sprachlich-technische) Superausbildung an einer renommierten amerikanischen Hochschule genossen hat. Ihr Deutsch ist einwandfrei, ihre Übersetzungen sind qualitativ sehr gut, und eine über 15-jährige Erfahrung hat sie auch. Dennoch ist sie \"gezwungen\", aus Standortgründen zu sehr niedrigen Tarifen zu arbeiten; zu großem Teil ist - neben der Qualität - dies der Hauptgrund für ihre amerikanischen Kunden, sich ihre Dokumentationen von ihr übersetzen zu lassen. Diese Kollegin \"versucht\" sich bestimmt nicht in DE-EN, aber für sie ist es schwer wenn nicht unmöglich, die \"üblichen\" Tarife herauszuholen. Für einen niedrigen Tarif zu arbeiten, sagt nicht unbedingt automatisch auch aus, daß man als Übersetzer wenig taugt. Es kommt sehr auf die persönliche Situation an. Russische Nuklearingenieure, die eigentlich international immer einen sehr guten Ruf genossen haben, bekommen - wenn sie überhaupt bezahlt werden - auch nur einen Bruchteil dessen, was z.B. ihre US-amerikanischen Kollegen verdienen...



Quote:


Die Qualität ist bekannt (auch den Auftraggebern) und wird in Kauf genommen.



Das stimmt einerseits absolut, und ich kann dies persönlich nur bestätigen, andererseites darf man aber eben auch die soziale, wirtschaftliche und standortbezogene Situation der einzelnen Übersetzer nicht vergessen. Es gibt Superübersetzer, die absolut mies bezahlt werden, nur weil sie im \"falschen\" Land leben. Dagegen gibt es viele schlechte Übersetzer, die \"viel\" verdienen, nur weil sie im \"richtigen\" Land leben.

Ich finde, man darf einfach nicht so leichtfertig pauschalisieren. Persönlich bin ich dankbar dafür, daß ich nicht \"gezwungen\" bin, Jobs für Dumping-Tarife annehmen zu müssen, weil mich der \"liebe Gott\" standortmäßig privilegiert hat.





Das ist nicht unser Markt, wo berührt uns das?



Richtig, das ist zu unserem ganz großen Glück nicht UNSER Markt, aber es berüht mich persönlich schon etwas, weil es eben irgendwie eine Ungerechtigkeit darstellt, und ich hasse Ungerechtigkeiten...



Eine weitere dieser \"Ungerechtigkeiten\" ist z.B. auch, daß man in unserem Beruf überhaupt nicht gewürdigt wird. Übersetzen kann, der Überzeugung vieler nach, halt jeder, der eine Fremdsprache erlernt hat oder Muttersprachler ist.

Persönlich finde ich da eine Analogie zur PISA-Studie )))))

Im Ernst, auf der einen Seite ist man halt kein \"Techniker\" (und wird als solches nicht für voll genommen), auf der anderen Seite interessiert es die \"Techniker\" aber kein Stück, ob man schlechtes von gutem Deutsch unterscheiden kann... Meiner Ansicht nach ist letzteres eine \"Begabung\", die man nicht einfach so auf der Schule oder der Uni lernen kann, sondern, wenn überhaupt, nur aus Liebe zur Sprache und zur Literatur. Aber das ist ein ganz anderes Thema... )))



Vielleicht sollten wir überhaupt mal eine Initiative starten, um das \"Ansehen\" des Fachübersetzers zu verbesseren, die (potentiellen) Kunden aufzuklären und dadurch vielleicht auch die Situation unserer guten, aber leider unterbezahlten Kollegen zu verbessern? ProZ.com wäre vielleicht der richtige Ort für die Verbreitung von Grundsatzinformationen, schließlich sind diese Seiten ja wohl anscheindend \"Nummer eins\" im Internet.



Soviel als \"Wort zum Donnerstag\" )))))))



Claudia

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Rolf Klischewski, M.A.  Identity Verified
Local time: 17:15
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TOPIC STARTER
Schon klar... Oct 23, 2002

Zunächst einmal vielen Dank für Eure Antworten (Claudia: Wow, Du hast eine Menge sehr richtiger und wichtiger Sachen geschrieben!).



Vielleicht hätte ich mir die von Euch angesprochenen Aspekte vor meinem Posting durch den Kopf gehen lassen sollen. Mich hat irritiert, daß jemand für eine Dienstleistung, die EIGENTLICH nur ein deutsch- oder englischsprachiger Muttersprachler erbringen kann, so wenig bezahlen will. Ich denke, die meisten Übersetzer, die diese Sprachpaare haben, werden in Europa und den USA sitzen. Für diese Gebiete sind $ 0,04 m.E. wenig. Allerdings KANN ich mir vorstellen, daß es genug Leute gibt, die solche Angebote mit Kußhand nehmen würden, nur um überhaupt Arbeit zu haben.



Zum Ruf des Übersetzers: ja, da gibt es jede Menge Verbesserungsbedarf. Gut zu wissen, daß Verlage wie etwa Zweitausendeins bei jedem übersetzten Buch auch den Übersetzer herausstellen, nicht nur bei Harry Rowohlt. (C:



In diesem Sinne,



Rolf. (C:


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 17:15
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Kein Witz, eindeutig Oct 24, 2002

Kann mich nur Gideon anschliessen, da ich beide Seiten/Regionen (\"teurer Westen\" und \"billiger Osten\") am eigenen Leib erfahren und täglich vor Augen habe. Alles muss man in Relation zu den Einkommen sehen: hier in Kasachstan beträgt das mtl. Durchschnittseinkommen weniger als USD 100,in Russland und der Rest-GUS ist es ähnlich wenig oder noch weniger. Genauso sieht es eben z.B. in Südostasien aus (guckt euch mal an, zu welchen Preisen z.B. Übersetzungsbüros aus China, Indien oder Korea auch auf PROZ Jobs ausschreiben, für jemanden, der in Westeuropa ansässig ist, natürlich absolut indiskutabel, weil wirtschaftlich nicht überlebensfähig). Das sind also etwa 3-5% von dem, was man in Europa bekommt, wie kann man dann (zumindest von lokalen Auftraggebern) erwarten, mit Übersetzungen \"europäische\" Preise zu erzielen?!

Allerdings sollten die \"verhältnismässig reichen\" Auftraggeber aus dem Westen (auch hier vor Ort) wirklich die Preise wie im Westen zahlen, wenn sie mit der gelieferten Qualität leben können. Deren Dumpingpolitik sollte und muss aktiv bekämpft werden. Ich würde z.B. für Siemens oder solche Giganten, die es sich wirklich leisten können, nie für 2-3 Cent pro Wort arbeiten, bloss weil ich momentan mal meinen Wohnsitz in einem \"Billigland\" habe. Ändert das was an der Qualität meiner Kenntnisse und Arbeitsergebnisse?! Wohl kaum, im Gegenteil müssten die Jungs eher noch was drauflegen für die unmittelbare Vor-Ort-Erfahrung, die ja erst das Salz in der Übersetzungssuppe ausmacht.


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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 17:15
Member (2002)
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Globalisierung und Mindestpreise Oct 24, 2002

Hallo Claudia,



danke für die Einwände. Über die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten dieser Welt bin ich nicht begeistert (ich habe mein Leben je zur Hälfte in einem Industrieland und einem \"Niedriglohnland\" verbracht). Was wir nicht vergessen sollten: Übersetzung dürfte neben IT derjenige Berufsbereich sein, in dem die Globalisierung am meisten fortgeschritten ist und in dem die Ungleichheiten am geringsten sind und fortlaufend zurückgehen.



Die Unterschiede zwischen den Arbeitsbedingungen und der Entlohnung eines südostasiatischen und eines westeuropäischen Übersetzers (im gleichen Sprachenpaar) dürften verschwindend sein im Vergleich zur Ungleichheit, die (wiederum auf Arbeitsbedingungen und Entlohnung bezogen) zwischen den Fabrikarbeitern der beiden Regionen herrschen (etwas verallgemeinert, ich weiß).



Dementsprechend kann ich mir außer Übersetzung (und vielleicht Programmierung) keinen Beruf vorstellen, mit dem ich lieber nach Indien (oder in welches Nicht-Industrieland auch immer) übersiedeln würde.

________________





Was mich immer wieder überrascht, ist die ehrliche Verwunderung mancher darüber, dass potentielle Kunden eines Produktes (sei das nun eine Übersetzung, eine Computerfestplatte oder ein Kilo Bananen) für die gleiche Qualität möglichst wenig zahlen möchten. Jeder von uns, in welchem Land der Welt auch immer, gibt einen großen Teil seines Einkommens für Dinge aus, die um mehrere Faktoren teurer wären, wenn alle Arbeiter dieser Welt nach unseren Vorstellungen \"gerecht\" bezahlt würden - trotzdem stören wir uns kaum daran, dass wir für Elektronikprodukte, Textilien und Lebensmittel im historischen Vergleich unglaublich wenig ausgeben.



Wenn wir als Übersetzer in dieser Situation gerade die Käufer von Übersetzungen herauspicken und fordern, sie sollten nicht den Preis zahlen, den der Markt fordert, sondern denjenigen, den wir für fair halten oder den sie sich leisten können (wie legen wir das fest?), ist dafür naiv noch eine der zurückhaltendsten Bezeichnungen.


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Martin Hesse  Identity Verified
Local time: 17:15
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Dumping Oct 24, 2002

Es gibt sogar Super-Übersetzer, die aus persönlichen Gründen in einem Niedriglohnland leben, z.B. weil der Ehepartner dorthin versetzt wurde. Für die sind dann selbst Preise wie die in diesem Beispiel angebotenen interessant. Ich kenne z.B. eine Super-Übersetzerin (deutsche Muttersprachlerin und ausgebildete Übersetzerin in Russland), für die selbst solche Preise annehmbar sind, weil adort auch die Lebenshaltungskosten niedriger sind. Gibt\'s aber nur selten.

Über Dumping-Preise kann man sich zwar wunderbar aufregen, bringt aber nichts. Das Sagen haben die Auftraggeber, und wenn die einmal mit einem schlecht ausgeführten Auftrag abgeschmiert sind, vielleicht sogar in Druck gegeben haben, , passiert denen das auch nicht mehr so schnell. Fürchterlicher noch als Dumping-Preise finde ich, wenn man eigentlich nur Korrektur lesen soll, den Text aber aufgrund der schlechten Ausgangsqualität regelrecht neu übersetzen muss.


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Harry Bornemann  Identity Verified
Mexico
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$0.04 per target word en>de - ist eine Verhandlungsbasis - Oct 24, 2002

In seltenen Glücksfällen ist der Preis machbar: Z. B. wenn bei der Lokalisierung die Texte einfach aus dem Programm extrahiert wurden, gibt es manchmal 60%-80% Duplicates, so dass man mit einer Trados-Staffelung doch noch seinen üblichen Schnitt von $0,09+ machen kann. Das weiß man ja erst nach der Analyse. Allerdings habe ich selber für solche Niedrigpreis-Kunden erst zwei Analysen gemacht (Ergebnis: 30% und 40% Duplicates). Daher musste ich in beiden Fällen die Aufträge ablehnen, wofür die Kunden bzw. Interessenten aber auch Verständis zeigten. Ich werde auch weiterhin solche Analysen machen, da ein Kunde, der mit seiner Preisvorstellung so weit daneben liegt, häufig auch von der Aufwandsschätzung keine Ahnung hat.



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langnet  Identity Verified
Italy
Local time: 17:15
Member (2002)
Italian to German
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Harry hat... Oct 24, 2002

noch einen weiteren Aspekt angesprochen. Manchmal kann es durchaus Aufträge geben, bei denen trotz absolut schlechtem Wortpreis noch ein guter Schnitt herausgeholt werden kann, weil der Kunde den gesamten Text veranschlagt, und nicht nach \"100%-Matches\" \"95-75%-Matches\" usw...

Ich denke aber, daß ist eher selten (wenn nicht sogar die absolute Ausnahme...)

Ich wollte das (bzw. mein) Thema aber nochmal aufgreifen, und das Augenmerk mal von den sogenannten \"Billiglohnländern\" weg- und auf einen \"EG-europäisch real existierenden\" Sachverhalt hinlenken...

In meiner ersten Antwort hatte ich ja \"einige südeuropäische EG-Länder\" angesprochen.

Es geht konkret um ein bestimmtes \"südeuropäisches\" EG-Land, und da ganz präzis um eine bestimmte Region bzw. einen bestimmten lokalen \"Markt\", die/der nicht unbedingt mit dem Rest des Landes vergleichbar ist... (IST sie/er nicht!)

Das Ganze ist strikt unter dem Vorbehalt der \"Kirchturmsichtweise\" zu betrachten und gibt nur meine ganz persönlichen Erfahrungen und Ansichten wider...

In jedem Fall: es existieren auf regionaler Ebene bestimmte wirtschaftliche und kaufmännische Usancen, die sich im Laufe der Jahrzehnte \"einfach so\" eingebürgert haben, ob es einem paßt oder nicht (mir paßt es überhaupt gar nicht ).

Es gibt in der Stadt, in der ich seit über 10 Jahren als \"Ausländerin\" lebe, seit etwas über einem Jahrhundert einen weltweit präsenten Großkonzern. Die spezifische wirtschaftliche Situation in dieser Region, in der ich lebe, bedingt, daß die Tarife von eben diesem Großkonzern - dem einzigen, noch verbliebenen Großkonzern in diesem Land -

bestimmt werden; die überaus erbarmungslose Konkurrenz der Übersetzungsbüros

hier am Ort bewirkt ein übriges (in diesem Fall ist dann auch die Qualität

dementsprechend, das kann ich nur unterschreiben!). Die Tarife, die hier vor

Ort bezahlt werden, liegen unter dem, was angeblich in bestimmten Ländern Osteuropas üblich sein soll...

Ich weiß z.B. aus verläßlicher Quelle, daß Übersetzer, die in ihren

Angeboten schreiben, ihre Tarife entsprächen denen des nationalen Verbands der Fachübersetzer und Dolmetscher, absolut keine Chance haben. Soviel bezahlt keine Firma vor Ort, das ist leider Tatsache und nicht zu ändern. Entweder, man paßt sich an (oder man sucht sich seine Kunden anderswo, was ich persönlich getan habe) oder ist so gut wie arbeitslos.

Leider haben viele Kollegen hier vor Ort nicht die Wahl und müssen wohl oder übel

für einen \"Hungerlohn\" arbeiten. Das gilt auch für Übersetzer, die eine

entsprechende Fachausbildung besitzen.

Die Fachausbildung interessiert hier

vor Ort nämlich leider keinen Menschen (weil sie nämlich nicht gewürdigt wird!) - das, was interessiert, ist einzig und allein der

Preis... Je niedriger, desto besser. Und wenn das Ergebnis absoluter Müll

ist, wen stört es... Das Geschäft macht sowieso, wer die besten Beziehungen besitzt,

nicht, wer am besten arbeitet.

Ein Beispiel: Ende letzten Jahres habe ich

die Betriebsanleitung für ein Autoradio korrigiert.

Ich weiß, welches Büro vor Ort die Übersetzung angefertigt hat, und zu welchen

Tarifen (ca. 10 EURO pro Normseite!!!). Das besagte Büro war bei diesen Preisen (natürlich!) weder in der Lage, einen Muttersprachler für die Übersetzung zu finden, noch einen nicht-muttersprachlichen, aber qualifizierten Fachübersetzer, noch eine adäquate \"Qualitätskontrolle\" (wie sollten sie auch!) zu bieten. Die \"Qualitätskontrolle\" bei diesem Büro bestand lediglich darin, daß der

übersetzte Text von einer Person ohne jegliche Sprachkenntnisse auf fehlende

Zahlen, Abkürzungen, Akronyme usw. überprüft wurde.

Das Ergebnis war katastrophal und wurde von der deutschen Niederlassung besagten Konzerns massiv und zu Recht bemängelt. Daraufhin habe ich das Ganze - plus der Betriebsanleitung eines Navigationssystems (ein ähnliches Desaster) - zur Korrektur bekommen und mich dafür entsprechend bezahlen lassen.

In jedem Fall, die Korrektur dieser 2.

Betriebsanleitung brauchte ich dann nicht mehr zu machen, ich war einfach zu

teuer, und ich weiß auch nicht, wer es dann erledigt hat.

Lange Rede, kurzer Sinn: dies war nicht das erste Mal, daß so etwas mit dem

besagten Übersetzungsbüro passierte, das in \"Fachkreisen\" allgemein \"berühmt-berüchtigt\" ist (außerdem funktioniert der kollegiale \"Buschfunk\" hier übrigens SEHR gut... ). Dennoch sind sie immer noch im Geschäft und werden auch das nächste Mal den Auftrag bekommen, weil sie einfach dermaßen gute Beziehungen - und niedrige Preise - haben, daß alles andere unwichtig ist. In dem Land, in dem ich lebe oder vielmehr in der spezifischen Region (ich täte dem Land sonst unrecht), d.h. vor allem hier am Ort zählen leider nicht die Leistung und die Qualität, es zählen nur gute Beziehungen (System \"Seilschaften\" bzw. \"Vetternwirtschaft\") und ein möglichst niedriger Preis. Ich habe mich

als \"Deutsche\" sehr daran gewöhnen müssen, mir war das alles vollkommen unbekannt!

Aber das System kann man leider nicht ändern, das wäre wie gegen Windmühlenflügel ankämpfen...

Zum Glück habe ich meine Kunden in Deutschland und muß mich nicht \"ausbeuten\"

lassen.

Dennoch muß ich sagen, daß an diesem spezifischen Ort die Regeln der \"freien Marktwirtschaft\" (davon abgesehen, im gesamten Land weitgehende Regeln der Demokratie!!! - politische Diskussionen aber besser und gerne an einem anderen Orte -, man möge es mir nachsehen, aber das dies ist nun einmal meine Meinung!) nur bessere Makulatur sind.

Einige Versuche der \"rationalen\" Erklärung, die natürlich rein subjektiver Natur sind und nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben; Dieser ist, daß allgemein keinerlei Wert auf die eigene - gute und

korrekte - Sprache gelegt wird (es gibt z.B. kein grammatikalisches Standardwerk wie im Deutschen oder Englischen!).

Es gibt aber eine wirklich phantastische Literatur, die - mit einigen ganz wenigen Ausnahmen - in Europa, ausgenommen unter \"Fachleuten\", nahezu unbekannt ist, eben weil sie (das ist meine Ansicht) im eigenen Land überhaupt gar nicht gebührend gewürdigt wird (eigentlich eine Schande!). Die allgemeine Einstellung zur eigenen Sprache (weshalb in diesem Fall gerade die Kollegen, die eine Liebe zu ihrer Sprache verbindet, ganz besonders zu würdigen und zu bewerten sind!) überträgt sich dann hundertfach auf die zur Fremdsprache - und zwangläufig auf die \"Figur\" des Übersetzers. Wie oft habe ich hören müssen \"Hauptsache, die Deutschen verstehen es...\" (ergo: Hauptsache, billig...) und wie oft habe ich gesagt \"eine korrekte und stilistisch gute Sprache trägt aber zur positiven Image-Bildung bei...\"

Keine Frage, dies ist ein Thema, über das man jahrelang diskutieren könnte, ich weiß auch nur zu gut, was für ein \"Deutsch\" so manche \"studierte\" Ingenieure schreiben, aber trotz aller Dinge, die im Argen liegen, ist \"bei uns\" die Sprache (leider?) immer noch ein recht ausgeprägter \"sozialer Indikator\".

Ich denke, um die Qualität eines Übersetzers würdigen zu können, reicht es nicht nur aus, sein Fachwissen zu beurteilen, sondern es muß vor allem auch sein sprachliches und stilistisches Vermögen bzw. \"Repertoire\" zur Bewertung herangezogen werden. Und das ist eben keine \"Selbstverständlichkeit\" wie die meisten meinen, sondern eine Leistung , die, sagen wir mal, jahrelang \"trainiert\" werden muß wie eine Sportart oder das Klavierspiel - nämlich durch Lesen (und zwar nicht nur der Bild-Zeitung - ich habe mir mit 5 Jahren mehr oder weniger das Lesen selber beigebracht, weil es mich genervt hat, daß meine Mutter mit dem Geschichten-Vorlesen immer dann aufgehört hat, wenn es am spannendsten war und ich wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht ) ), Literatur sowie Interesse und Liebe zur Sprache (den Aspekt der \"Begabung\" einmal ausgeschlossen). Nur bedenkt dies kaum jemand, im Gegensatz eben zum Sport oder zur musischen \"Veranlagung\". Sprache ist als Kommunikationsform halt allen gemein, und da ist es schwer, bestimmte Leistungen zu erkennen und anzuerkennen.



Sorry an alle, ich bin mal wieder von Hindenburg auf Preiselbeeren gekommen, aber mir haben so einige Sachen schon seit geraumer Zeit auf dem Magen gelegen (dem geht es jetzt übrigens bedeutend besser)

Und wo könnte ich meinen \"Frust\" besser los werden als bei Euch Kollegen...?!!



Grüße



Claudia



[ This Message was edited by: on 2002-10-24 23:23 ]


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Uwe Kirmse  Identity Verified
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Korrektur und Dumping Oct 25, 2002

Quote:


On 2002-10-24 07:36, M. Hesse wrote:

...Fürchterlicher noch als Dumping-Preise finde ich, wenn man eigentlich nur Korrektur lesen soll, den Text aber aufgrund der schlechten Ausgangsqualität regelrecht neu übersetzen muss.

Und aus diesem Grund lehne ich Korrektur meistens von vornherein ab, es sei denn, die Übersetzung stammt von jemandem, den ich gut kenne und von dem ich weiß, dass man nicht neu übersetzen muss.

Letztens erhielt ich ein Angebot von einer polnischen Niederlassung einer internationalen Anwaltskanzlei. Übersetzungen zu Zeilenpreisen, die in Deutschland schwer zu bekommen sind und Beglaubigungen zu Preisen, die deutlich unter den polnischen liegen, dann aber gleich 20 Dokumente auf einmal, wobei ich den Eindruck hatte, sie wollten mir die Originale nicht einmal zusenden. Nachdem ich die Preise für die Übersetzungen (von denen ich schon fast gedacht hatte, dass sie nur Appetit machen sollen, gegessen wird etwas anderes) akzeptiert und zu den Beglaubigungen angemerkt hatte, ich müsste erst einmal ein Beispiel sehen, ob das überhaupt beglaubigt werden kann, außerdem bräuchte ich die Originale und würde mindestens den in Polen üblichen Preis nehmen, habe ich nie wieder von ihnen gehört. Offenbar haben sie einen in Deutschland beeidigten Übersetzer gefunden.

Soviel zu Korrekturlesen und zu Dumpingpreisen. Es gibt eine Region, die nicht in einem bestimmten Land liegt, in der man jeden Auftrag zu Dumpingpreisen an den Mann bringen kann - das Internet. Wir können uns zwar darüber aufregen, mehr aber auch nicht.

[ This Message was edited by: on 2002-10-25 08:27 ]

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Uwe Kirmse  Identity Verified
Local time: 17:15
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Zagatti Oct 25, 2002

Quote:


On 2002-10-23 14:54, Eldritch wrote:

....Zagatti@yahoo.com...



Google bringt folgendes Suchergebnis für die Mailadresse:



http://www.tcrlist.com/myweb/_disc4/00000038.htm

[ This Message was edited by: on 2002-10-25 08:26 ]

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