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K├Ânig Kunde - wie weit darf das gehen?
Thread poster: Sonja Tomaskovic
Sonja Tomaskovic  Identity Verified
Germany
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Nov 27, 2002

Hallo,



gestern habe ich mit meinem Mann, der in der EDV t├Ątig ist, ├╝ber dieses Posting im Forum gesprochen:

http://www.proz.com/?sp=bb/viewtopic&topic=6583&forum=27&10



Dabei hatten wir eine beinahe hitzige Diskussion dar├╝ber, ob ich wirklich jeden Wunsch, den ein Kunde ├Ąu├čert, sei er auch noch so schwachsinnig (der Wunsch... nat├╝rlich), erf├╝llen muss.



Mein Mann meinte, dass er dies tun w├╝rde. Zwar w├╝rde er den Kunden schon fragen, weshalb er diese oder jene ├änderung haben m├Âchte, aber bekanntlicherweise w├╝rden ja viele Wege zum Ziel f├╝hren, und so lange hinten rauskommt was geplant war, soll es ihm egal sein. Der Kunde zahlt ja daf├╝r.



Nun sehe ich die Sache aber ein bi├čchen anders.

Was, wenn ein Kunde auf mich als ├ťbersetzerin zukommt und sagt, dass er gerne alle Umlaute als oe, ae, ue etc. geschrieben haben m├Âchte?



Soll ich dann einfach sagen \"Klar, gerne. Wie w├Ąr\'s denn, wenn wir dazu noch alle Kommas in Punkte umwandeln?\"



Ich mag ja so eine Bitte von einem Kunden noch akzeptieren, wenn dieser sagt, dass er sich bewusst ist, wie falsch seine Forderung eigentlich ist, er dies aber aus diesen und jenen Gr├╝nden trotzdem fordern muss.



Was mache ich nun mit einem Kunden, der aber total davon ├╝berzeugt ist, dass er im Recht ist und ich nicht? Soll ich - wohlwissend wie falsch es ist - diese \"Korrektur\" durchf├╝hren und mein Maul halten?



Und inwiefern geh├Âren solche falschen ├änderungen eigentlich zum Job eines ├ťbersetzers? Ist es nicht eigentlich unsere Pflicht, gegen solche ├änderungen zu protestieren?

Es war ja schlie├člich der Wunsch des Kunden, eine ├ťbersetzung zu erhalten, die korrekt ist. (Zumindest m├Âchte man das annehmen!)



Bin gespannt auf Eure Antworten!



Gru├č,



Sonja





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xxxTService  Identity Verified
Local time: 01:37
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Da gibt's keine Patentl├Âsung... Nov 27, 2002

Aloha...



Nicht falsch verstehen; die ├╝beraus klugen Belehrungen aus den USA stammten nicht von einem Kunden, sondern von einem ├ťbersetzerkollegen, der mir tats├Ąchlich weismachen wollte, dass man deutsche Texte gef├Ąlligst wie eMail-Adressen zu schreiben H@TTE.

Das ist nat├╝rlich vollendeter Bl├Âdsinn hinter dem wohl eher die Erkenntnis stand, etliche Jahre fehlerhaft gearbeitet zu haben. Und ehe der Mensch das Rauchen aufgibt, versucht er lieber den Autor eines Berichtes ├╝ber die Gefahren des Rauchens zum Schweigen zu bringen... )



Aber zum Thema: Da kommt\'s auf die eigene Einstellung an. Ich w├╝rde klipp und klar sagen, dass ich gerne auf W├╝nsche eingehe, nicht aber bewusst falsche ├ťbersetzungen abgebe.

Zum Beispiel wurde ich vor einigen Monaten von einem gro├čen Telekommunikationsunternehmen darum gebeten, in Brosch├╝ren wieder die gute, alte Rechtschreibung zu verwenden. Es fiel mir schwer - aber ich hab\'s gemacht.

Allerdings wurde ich vor wenigen Tagen darum gebeten, eine Webseite pr├╝fzulesen und quasi \"abzunehmen\", die dutzende von falsch getrennten W├Ârtern enthielt. Da rebellierte ich.



Wenn ich wei├č, dass etwas definitiv falsch ist, mache ich\'s nicht. Auch wenn ich dabei einen Auftrag oder gar Kunden verlieren sollte. Ich wei├č auch, dass man sich eine solche Einstellung heutzutage eigentlich nicht erlauben kann - aber ich erlaube es mir, weil mir meine Sprache wichtiger als mein Geld ist. Allerdings versuche ich den Kunden zuvor zu ├╝berzeugen. Erst wenn alle Stricke rei├čen, lehne ich den Auftrag ab.



Es gibt kaum noch Leute, denen ihre Sprache wichtig ist - obwohl sie das einzige ist, was sie haben, um sich Anderen ├╝berhaupt mitteilen zu k├Ânnen.

Und ich m├Âchte nicht dazu beitragen, dass wir weiterhin miteinander sprechen, aber uns dabei immer weniger zu sagen haben.



Es ist - wie so vieles - Geschmackssache.



J├Ârn. Mit \"├Â\".


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Karl Apsel  Identity Verified
Ireland
Local time: 00:37
Member (2001)
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+ ...
es kommt drauf an ... Nov 27, 2002

Ich denke, es kommt darauf an, was der Kunde genau m├Âchte...



Sollen Umlaute durch oe, ae etc. ersetzt werden, w├╝rde ich ihn darauf hinweisen, da├č das so nicht ├╝blich bzw. f├╝r den allgemeinen Sprachgebrauch falsch ist. Sollte er trotzdem darauf bestehen, dann bekommt er halt was er m├Âchte.



- Vielleicht kann er halt nur oe, ue etc erkennen und kann mit ├Ą, ├╝, ├ nichts anfangen ... (nur mal als Beispiel); oder die ├ťbersetzung wird zur Datenverarbeitung ben├Âtigt.



Weigern w├╝rde ich mich, wenn der Kunde erwartet, da├č ich \"Katze\" mit \"dog\" ├╝bersetze. Diese ├ťbersetzung ist schlicht und ergreifend falsch und das geht aus zweierlei Gr├╝nden nicht:

1) der Text wird verf├Ąlscht - wobei man sich fragen mu├č, warum der Kunde ein Interesse daran hat, den Text zu verf├Ąlschen



und



2) eine Falsch├╝bersetzung (vor allem mit verf├Ąlschtem Inhalt) f├Ąllt letztlich auf den ├ťbersetzer zur├╝ck und kann - mal abgesehen vom Reputationsschaden - auch juristische Folgen haben.

[ This Message was edited by: on 2002-11-28 01:12 ]


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xxxMarc P  Identity Verified
Local time: 01:37
German to English
+ ...
Die richtige Einstellung! Nov 27, 2002

>>Sollen Umlaute durch oe, ae etc. ersetzt werden, w├╝rde ich ihn darauf hinweisen, da├č das so nicht ├╝blich bzw. f├╝r den allgemeinen Sprachgebrauch falsch ist. Sollte er trotzdem darauf bestehen, dann bekommt er halt was er m├Âchte.

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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 01:37
Member (2002)
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Ein Anh├Ąnger des Absolutismus Nov 27, 2002

Ich kann Marc nur beipflichten: wenn man nur sprachliche Gesichtspunkte betrachtet (und ethische Fragen, die nat├╝rlich in jedem Beruf vorkommen, ausklammert), bekommt der Kunde von mir alles, was ich zu leisten im Stande bin. Dazu geh├Âren auch falsche Texte .



Gef├Ąllt mir etwas nicht, mache ich den Kunden darauf aufmerksam (schriftlich!), und damit sehe ich meine Zust├Ąndigkeit auch schon ersch├Âpft.



Wir sind ja nicht in der Schule, und ich bin nicht des Kunden Lehrer, um ihm etwas vorzuschreiben -- auch das Richtige nicht.



Das bedeutet nat├╝rlich nicht, dass mir anspruchsvolle Auftr├Ąge nicht lieber sind. Wenn ich mal mit Arbeit ├╝bersch├╝ttet bin, werde ich mich sicherlich eher um einen Kunden bem├╝hen, der perfekte Arbeit erwartet, mir aber auch entsprechend vertraut und die n├Âtige Unterst├╝tzung liefert, als um einen, der keine Ahnung von den Randbedingungen einer guten ├ťbersetzung hat und mir wom├Âglich noch hinterher in die Arbeit hineinpfuscht .



Endre

EB Communications


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Klaus Herrmann  Identity Verified
Germany
Local time: 01:37
Member (2002)
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Kunde, K├Ânig, Kuilliotine Nov 27, 2002

Ich sehe es eher wie J├Ârn - irgendwann ist eine Schmerzgrenze erreicht. Ob man die jetzt an Bindestrichen, Umlauten oder eindeutig falschen (und sicherheitsrelevanten) Anweisungen in einer Anleitung festmacht, ist wohl eine Frage des Geschmacks. Ich finde es jedenfalls -f├╝r mich- nicht akzeptabel, etwas abzuliefern, was ich als Schrott bezeichnen w├╝rde, wenn es jemand anders schreibt. Das hat wenig mit Erziehung oder Besserwisserei zu tun:



Quote:


On 2002-11-27 19:02, dinnye wrote:

... bekommt der Kunde von mir alles, was ich zu leisten im Stande bin. Dazu geh├Âren auch falsche Texte .





L├Ą├čt man die moral(apostel)ischen Fragen au├čer Betracht, bleibt doch noch eine interessante praktische Frage ├╝brig - Bist Du genauso effizient darin, falsche Texte zu schreiben wie richtige? Ich meine, gezielt falsch? Ich jedenfalls nicht. Und ein zweiter, ebenfalls rein pragmatischer Grund - wenn man z. B. lange und nur f├╝r fern├Âstliche Unternehmen \"englische\" Texte ins Deutsche ├╝bersetzt, stehen die Chancen sehr gut, dass man beim n├Ąchsten Trip in die USA oder nach England Grinsen erntet. ├ähnliches steht zu bef├╝rchten, wenn man sich zu stark auf Fehler in der eigenen Muttersprache einl├Ą├čt, und da kommen wir dann langsam wieder zu J├Ârns Ansatz.



Quote:


On 2002-11-27 15:12, MarcPrior wrote:

Meine Devise lautet: ich bin des Kunden Anwalt, nicht sein Richter. Ich berate; die Entscheidung, wie er pl├Ądiert, bleibt bei ihm, die Verantwortung daf├╝r ebenfalls. Meinen Rat muss er nicht ber├╝cksichtigen. Nur meine Rechnung.





Sollten Anw├Ąlte nicht das Beste f├╝r Ihre Kunden herausholen? Und, ja, vielleicht tr├Ągt der Kunde die Verantwortung, aber mein Name steht unter der ├ťbersetzung, nicht seiner (bildlich gesprochen). Aber im letzten Punkt sind wir uns auf jeden Fall einig







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xxxMarc P  Identity Verified
Local time: 01:37
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K├Ânig Kunde Nov 28, 2002

>>irgendwann ist eine Schmerzgrenze erreicht. Ob man die jetzt an Bindestrichen, Umlauten oder eindeutig falschen (und sicherheitsrelevanten) Anweisungen in einer Anleitung festmacht, ist wohl eine Frage des Geschmacks.>Ich finde es jedenfalls -f├╝r mich- nicht akzeptabel, etwas abzuliefern, was ich als Schrott bezeichnen w├╝rde, wenn es jemand anders schreibt

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