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Wettbewerbsfähig ohne Rabattstaffel?
Thread poster: Aniello Scognamiglio

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
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Sep 10, 2007

Hallo, liebe KollegInnen!

Die Kardinalfrage, die ich stellen möchte ist: Sind professionelle Übersetzer (hier: professionell = Vollzeit) überhaupt noch wettbewerbsfähig, wenn sie grundsätzlich *keinen* Rabatt auf "repetitions", "matches" usw. geben? Ich gehöre zu dieser Gattung, daher auch meine Frage.

Mich interessiert - keine Sorge, mir geht es nicht darum zu erfahren, wer welche Preise verlangt - wie ihr mit dem Thema umgeht. Lasst ihr euch auf Trados-Rabatte ein (Trados ist nur ein Beispiel, ich hätte auch ein anderes CAT-Tool nennen können) oder nicht? Falls ihr Rabattstaffeln anbietet: Wo zieht ihr die Grenzen?

Auf eure Erfahrungen und Meinungen bin ich gespannt und danke euch im voraus für eure Zeit!

Viele Grüße, Aniello


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
Member (2003)
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Da gibt es IMHO eine recht einfache Antwort Sep 10, 2007

Nicht das zählt, wie die Abrechnung aussieht, sondern das, was am Ende herauskommt.
Um das zu verdeutlichen: IMHO ist es viel besser, dem Kunden einen hohen Wortpreis und Rabatt "unterzujubeln" (und auch psychologisch wirksamer, vor allem in De), als mit niedrigerem Preis den Markt kaputt zu machen. Wichtig ist doch nur, was mir am Ende des Tages oder besser Monats bleibt. Und darauf arbeite ich - ich setze mir mit einfachsten Mittel eine Tabelle auf (Excel), die mir die gewichteten Wortzahlen aus der Analyse berechnet und daraus den Gesamtpreis macht. So verkaufe ich meine Übersertungen am liebsten - zu einem fixen Pauschalpreis.
Rabatt an sich ist nichts schlimmes. Gehe ich zum Autohaus (Erfahrung von letzter Woche), will ich doch so viel Rabatt wie möglich. Selbst wenn mir die Verkäuferin am Telefon sagt, dass die Grenze erreicht wurde, versuche ich dann vor dem Unterschreiben im persönlichen Gespräch doch noch das eine odere andere herauszuholen. Deutschland ist nach dem Fall des Rabattgesetzes von einer Verhandlungswüste zu einem fast Orientbasar entwickelt, zumindest in manchen Bereichen. Dass die Übersetzungen nicht davon ausgeschlossen sind, merken wir täglich. Unsere Aufgabe ist es nun, unsere Produkte intern so zu kalkulieren, dass sich der Verkauf genauso lohnt, wie der Verkauf von beispielsweise Möbeln mit sagenhaftem 40%-Rabatt. Dabei kann man doch sicher sein, dass das Möbelhaus auch mit dem "sagengaften" Rabatt sein Gewinn macht. Zu diesem Thema (Möbelkauf und Rabatte) kursiert doch sogar irgendwo ein Buch, geschrieben vom ehemaligen Möbelverkäufer.

Fazit für mich war, ist und wir sein: Was am Ende herauskommt, ist wichtig. Wenn ich meinen Stundensatz durchsetzen kann, wird der Kunde sogar für 100% matches oder Wiederholungen oder was auch immer nichts bezahlen müssen, wenn es ihn glücklich macht. So lange das für mich einen vernünftigen Stundensatz bedeutet, lasse ich mich darauf ein.
Es gibt Fälle, bei denen die Analyseergebnisse so gestaltet sein können, dass ein für 100% matches nichts (0) und für den den Rest 100% (voll) zahlender Kunde trotz vermeintlichen Gewins die Übersetzung wesentlich teurer einkauft, als würde er sich auf die üblichen Rabatte einlassen.
Das Argument, dass ich ohne Rabatt mehr verdienen könnte, zieht nur dann, wenn der Kunde das akzeptiert. Kommt er aber und stänkert wegen zu hohem Wort-/Zeilenpreis, kann ich ihn nur dann halten, wenn ich den Wortpreis senke. Märchen über super Qualität ziehen gegen harte Geldargumente nicht mehr. Um wie viel werde ich dann meinen Wortpreis senken? 10% für den Anfang? Und was, wenn der Kunde wieder kommt und wieder niedrigeren Wortpreis zahlen will? Nochmals 10%? Ist es doch nicht besser dann dem Kunden von Vorne herein einen hohen Wortpreis (meinetwegen sogar höher als der, den man sonst ohne Rabatte hätte berechnet) mit schöner Rabattstaffel zu versüßen?

Gerne würde ich mir jedem dieses Thema während der Dortmunder Konferenz an Beispielen konkreter Analyseergebnisse diskutieren.
Und um eines doch noch klar zu stellen: Das alles soll nicht heißen, dass ich jetzt zu jedem Kunden renne und ihm Rabatte aufs Auge drücke. Ganz im Gegenteil - bei manchen Kunden sind Rabatte nicht nötig, da sie gar nichts über CAT wissen. Rabatte nur dann, wenn sie ausdrücklich verlangt werden oder aus meiner Sicht sinnvoll erscheinen, um den Kunden zu binden.

Jerzy


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
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"Gewichtung" statt "Rabatt" Sep 10, 2007

Hallo Aniello,
aus meiner Sicht zeigt die Diskussion um "Rabatte" im Zusammenhang mit der aufwandsbezogenen Gewichtung von Textmengen ein grundsätzliches Missverständnis. Letztendlich ist der Preis pro Wort oder Zeile nur eine Messgröße - entscheidend ist das erzielte Einkommen pro gearbeiteter Zeiteinheit.


Die Kardinalfrage, die ich stellen möchte ist: Sind professionelle Übersetzer (hier: professionell = Vollzeit) überhaupt noch wettbewerbsfähig, wenn sie grundsätzlich *keinen* Rabatt auf "repetitions", "matches" usw. geben? Ich gehöre zu dieser Gattung, daher auch meine Frage.

Möglich, aber aus meiner Sicht beraubt man sich damit zusätzlicher Geschäftschancen. Aufträge, bei denen ich eine Gewichtung (auf Basis der Analyse mit Trados) vornehme, gehören zu den profitabelsten.

Mich interessiert - keine Sorge, mir geht es nicht darum zu erfahren, wer welche Preise verlangt - wie ihr mit dem Thema umgeht. Lasst ihr euch auf Trados-Rabatte ein (Trados ist nur ein Beispiel, ich hätte auch ein anderes CAT-Tool nennen können) oder nicht? Falls ihr Rabattstaffeln anbietet: Wo zieht ihr die Grenzen?

Das Thema der Übernahme fremder TMs stellt sich für mich nicht, da ich praktisch ausschließlich für Direktkunden arbeite - aber ich beschäftige mich natürlich aus der umgekehrten Sicht damit, da ich im Verhältnis zu den Freiberuflern in meinem Netzwerk durchaus Gewichtungen einsetze. Dabei scheint es keine Probleme zu geben, was natürlich auch voraussetzt, dass bei der Projektkalkulation nicht "der letzte Cent ausgequetscht" wird, um die Gewichtungen erforderlichenfalls im Projektverlauf an den Aufwand angleichen zu können.

Um Konkurrenzfähigkeit und Profitabilität im Gleichgewicht zu halten, muss man aber seine eigenen betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen kennen - einige der wichtigsten "Stellschrauben" sind hierbei:

- die Qualität des gelieferten Referenzmaterials (meistens in Form von TMs),
- der Produktivitätsgewinn durch Einsatz von CAT & Referenzmaterial, und
- der Grad der Weitergabe des Produktivitätsgewinns.

Einfach ausgedrückt kann der Einsatz eines Werkzeugs (wie z.B. CAT-Software) profitabel sein, wenn ich durch Weitergabe eines Teils der Produktivitätszuwächse konkurrenzfähig bleibe, diese aber eben nicht vollständig weitergebe. Wenn ich aber Fragen im Forum lese, bei denen man sich Preise, Gewichtungen o.ä. von anderen "vorsagen" lässt, habe ich durchaus Zweifel bezüglich der Kenntnis der eigenen Kostenstrukturen und Ertragsziele. Daran ist aber nicht die Software Schuld...

Gruß Ralf


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
Member (2003)
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Gewichtung Sep 10, 2007

Eben, dass ist das passende Wort.
Jerzy wrote:
...
ich setze mir mit einfachsten Mittel eine Tabelle auf (Excel), die mir die gewichteten Wortzahlen aus der Analyse berechnet und daraus den Gesamtpreis macht.

Nur war mir bisher nicht in den Sinn gekommen, von Preisgewichtung zu sprechen. Das ist aber der bessere Begriff hierfür, keine Frage.

Jerzy


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Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 10:16
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Heute eher seltener Sep 10, 2007

Von meiner Sicht aus gehört die Frage schon eher zum alten Eisen. In letzter Zeit erhalte ich nur selten Angebote, die von mir eine Gewichtungsstaffel erfragen.
Manchmal hat man ja ein schlechtes Gewissen, wenn man sieht, dass z. B. 30 Prozent des Textes 100 % Treffer sind (im eigenen TM), der Kunde aber alles voll bezahlt. Allerdings in Tränen bin ich noch nicht ausgebrochen.
Die Staffelung muss so vorgenommen werden, dass am Ende der gleiche Preis herauskommt wie bei Projekten ohne Staffelung. Denn mit CAT arbeiten wir ja praktisch immer, egal wie abgerechnet wird.

Gruß
Heinrich


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Charlotte Blank  Identity Verified
Local time: 09:16
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Berechnung nach CAT-Aufstellung vom Auftraggeber... Sep 10, 2007

Von einem meiner Hauptkunden (einem Übersetzungsbüro) bekomme ich seit neuestem immer mal zusammen mit der PO eine CAT-Aufstellung, aus der die jeweiligen Anteile hervorgehen und nach der er den Endpreis berechnet. Bisher habe ich ihm noch keine Rechnung für diese Aufträge geschickt (er will sie nur einmal monatlich), aber ich werde mich wohl nicht auf seine Austellung einlassen, sondern die Übersetzung wie üblich voll abrechnen - mal sehen, was passiert...

Charlotte


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Heike Behl, Ph.D.  Identity Verified
Local time: 00:16
Member (2003)
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Geringeres Einkommen ohne Sep 10, 2007

Es kommt natürlich auch auf die Spezialgebiete an; in Gebieten mit wenig Wiederholungen ist es wohl nicht unebdingt erforderlich.

Bei IT oder anderen Bereichen, in denen Handbücher und Gebrauchsanweisungen häufig aktualisiert werden, ist eine Preisgewichtung oftmals unerlässlich, weil die ständigen Update-Projekte, bei denen von Version zu Version oftmals nur minimale Änderungen implementiert werden, ansonsten für den Endkunden finanziell nicht tragbar wären. Dies konnte ich in den letzten beiden Jahren bei einem Großkunden deutlich feststellen, da die Auftragszahl und der Auftragsumfang erheblich abgenommen haben, obwohl es dem Unternehmen an sich nicht schlecht geht, aber scheinbar ein bisschen mehr auf das Geld geschaut werden muss (und das trotz CAT-Gewichtung). Gegen Quartalsende, wenn noch Geld im Topf ist, kommen dann immer ein paar Anfragen.

Ich habe einen direkten Kunden im IT-Bereich, der kein CAT-Tool verlangt (und demnach auch voll zahlt), dafür bekomme ich dort für Handbücher nur die neuen Abschnitte. Dieser reduzierte Kontext ist natürlich auch nicht ideal, aber ohne CAT die einzige Möglichkeit für den Kunden, die Kosten der Lokalisierung in X Sprachen in einem tragbaren Rahmen zu halten. Würde dieser Kunde ein CAT-Tool benutzen, die vollständigen Texte aktualisieren lassen und eine Preisgewichtung benutzen, würde ich als Übersetzer dabei in jedem Fall mehr Geld verdienen. Der Mehrwert-Nutzen für den Kunden wäre dabei einheitliche Terminologie/Überschriften etc.
Also eine Win-Win-Situation.

Die meisten Großkunden in diesen Bereichen sind sich jedoch der Vorteile von CAT voll bewusst (und damit meine ich in jedem Fall auch die nicht-finanziellen Vorteile) und verlangen CAT-Tools. Wenn da eine Agentur oder ein Übersetzer nicht mit CAT-Tools arbeitet, sind derartige Jobs weg. Keine Frage.

Sehr viele Übersetzer bringen an, dass die Verwendung eines CAT-Tools/Preisstaffelung auf Kosten des Übersetzers geht und lehnen dies dementsprechend kategorisch ab. Meiner Erfahrung nach verdiene ich grundsätzlich sehr viel Geld durch Projekte mit Preisstaffelung, und der Endkunde spart durch CAT-Tools auch nicht unbedingt Geld (die Cut&Paste-Methode meines Endkunden ist da in jedem Fall sparsamer). Wenn ich beispielsweise für eine Handbuchaktualisierung statt Preisgewichtung meinen Spitzenstundenpreis verlangen würde, würde ich weniger verdienen, weil man dank der Matches/Wiederholungen so viel Zeit spart und trotzdem gut bezahlt wird. Und da sind sich doch alle Übersetzer einig, dass ein Stundenpreis fair ist, oder?

Selbst wenn die in der TM gespeicherte vorherige Übersetzung nicht ganz einwandfrei ist, sind (und sollten) 100% Matches ja nicht umsonst sein. Der Preis dafür entspricht normalerweise einem Korrekturlesepreis, ist also durchaus fair. In Fällen, in denen die TM unter jeder Sau ist, muss eventuell neu verhandelt bzw. der Qualitätsaspekt von Anfang an berücksichtigt werden, wie das ja bei normalen Korrekturleseaufträgen ebenfalls der Fall ist.


Manchmal hat man ja ein schlechtes Gewissen, wenn man sieht, dass z. B. 30 Prozent des Textes 100 % Treffer sind (im eigenen TM), der Kunde aber alles voll bezahlt. Allerdings in Tränen bin ich noch nicht ausgebrochen.


Natürlich freut man sich als Übersetzer über solche Fälle, warum auch nicht. Ich habe allerdings - in extrem seltenen Fällen - Kunden auch schon über die Vorteile von CAT unterrichtet, weil ich der Meinung bin, dass

- der Kunde und ich im selben Boot sitzen: Ich habe nur dann Arbeit von diesem Kunden, wenn er es sich leisten kann, mich zu bezahlen (im Falle von direkten Kunden) oder wenn er selbst wettbewerbsfähig ist/bleibt (Agenturen).

- ich mir Kopfschmerzen und endlose Rückfragen bezüglich in der Vergangenheit verwendeter Terminologie oder die Verwendung alter Handbücher (natürlich nicht aligned) als Referenz erspare. Diese Prozedur ist sehr zeitaufwändig und reduziert dementsprechend meinen umgerechneten Stundenverdienst. (Dies ist auch häufig der Fall bei meinem Endkunden ohne CAT, obwohl ich natürlich meine eigene TM habe.)

- wenn ich dem Kunden gegenüber fair bin (dh. nicht nur allein auf meinen finanziellen Vorteil aus bin), ist er mir gegenüber auch fair. Dies zahlt sich in einem sehr guten Arbeitsverhältnis aus und erleichtert höhere Preisforderungen bei speziellen arbeitsaufwändigeren Projekten, weil der Kunde weiß, dass ich ihn nicht übers Ohr hauen will.

Bei Projekten, bei denen es kaum Matches gibt, sehe ich auch keinen Grund, keine Preisgewichtung anzubieten. Man selbst verdient zwar dadurch vielleicht 5 Euro/Dollar weniger, macht dafür aber den Kunden sehr glücklich, und glückliche Kunden bedeuten Arbeit für mich.

Grenzen ziehe ich, wenn die vom Kunden verlangte Gewichtung meinen Vorstellungen nicht entspricht. Das unterscheidet sich in keiner Weise vom angebotenen Wortpreis ohne Preisgewichtung. Was mir zu niedrig ist, wird einfach nicht akzeptiert. Da ich aber normalerweise mit meinen Stammkunden arbeite, stellt sich dieses Problem nicht.


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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
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+ ...
Das sehe ich auch so... Sep 11, 2007

Alle Vorredner haben sehr schön die Eckpfeiler benannt.

Einen RABATT gewähre ich auch grundsätzlich nicht. Wofür sollte der denn sein? (Zum Beispiel Mengenrabatt, der auch mal irgendwo diskutiert wurde? Och nö! Je mehr Text und Arbeit, desto höher sollte doch auch die Bezahlung für den Übersetzer ausfallen, denn es entsteht ja auch mehr Arbeitsaufwand.)

Unterschiedliche Gewichtungen sind aber bei vielen Texten durchaus maßgeblich; und zwar für beide Seiten. Diese rütteln aus meiner Sicht nicht am persönlich gesteckten Mindestwortpreis/Textsorte, den jeder für sich selbst errechnen muss, um wirtschaftlich zu bleiben. Ergo lehne ich schon einmal alle Aufträge ab, die dies offensichtlich nicht für mich sind.

Ich habe jetzt schon etliche TRADOS-Aufträge gehabt, aber genauso viele (wenn nicht in letzter Zeit sogar wieder mehr-siehe Heinrich- Aufträge, bei denen gar kein CAT-Tool zum Einsatz kommt/kommen kann (aufgrund der Originalvorlage). Ein paar Mal musste ich schon freundlichst darauf hinweisen, dass der Text doch arg viele Wiederholungen enthält, bzw. anderweitig teilübersetzt wurde, denn sonst kann ich nicht guten Gewissens die volle Rechnung aufsetzen, ohne vorher zumindest darauf hingewiesen zu haben. Also das passiert AUCH sehr häufig.

Unterm Strich muss vor allem der Zeiteinsatz in Relation zur Bezahlung stehen. - Das ist noch wichtiger als der eigentliche Wortpreis, finde ich mittlerweile.

Heike Behl, Ph.D. wrote:
Grenzen ziehe ich, wenn die vom Kunden verlangte Gewichtung meinen Vorstellungen nicht entspricht. Das unterscheidet sich in keiner Weise vom angebotenen Wortpreis ohne Preisgewichtung. Was mir zu niedrig ist, wird einfach nicht akzeptiert. Da ich aber normalerweise mit meinen Stammkunden arbeite, stellt sich dieses Problem nicht.


Genau!


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
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TOPIC STARTER
Vielen herzlichen Dank... Sep 11, 2007

für die vielen interessanten Beiträge!!!

Ich werde asap auf die einzelnen Aspekte eingehen. Bitte habt etwas Geduld.

Schönen Abend, Aniello


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Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 00:16
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+ ...
Okay, hier spricht ein CAT-Anfenger (der Tippfehler ist Absicht) Sep 12, 2007

Seit kurzem arbeite ich mit SDL und Workbench. Ja, das ist nett. Rabatte?

Wälz auf Boden vor Lachen.

Die sogenannten Repetitions im Quelltext müssen erst mal recherchiert, entwickelt und in gutes Deutsch gebracht werden, bevor die wieder abrufbar sind.

Die sogenannten 100%-Matches, kicher. Ich arbeite gerade an einer Webseite, die zum Teil aus unendlichen Preislisten und Maßangaben besteht. Pre-translated? Scherz. Teutonen schreiben Maßangaben, Zahlen und Daten anders. Alles muss überarbeitet werden.

Ist zudem eigentlich jemandem klar, dass wir unbezahlte Layoutarbeit machen? Mit Rabatt? Hahaha!

Wettbewerbsfähig? Ei, freilich!

Man muss nicht auf alles hören, was uns Trados-Marketingheimer und Konsorten erzählen.

Solange ich wann immer es mir passt nach Europa mit Hotel und allem hopsen kann, nur um mit Kollegen ein Bier trinken zu können und ohne drauf sparen zu müssen, finde ich Übersetzerarbeit ohne CAT verflixt wettbewerbsfähig.

Ah, das tat gut.

Danke für's Zuhören (Lesen).

Ganz viele liebe Grüße,

Nicole


Edit: Die CAT-Dinger waren Kundenwunsch und die Software wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Sobald ich eine technische Frage habe, schreiben die Kunden einen halben Roman als Tech-Support, damit die Übersetzer problemlos mit den Programmen umgehen können. Eigentlich nett.


[Edited at 2007-09-12 02:08]

Zweiter Edit:

So. Ich habe mir recherche-technisch was abgebrochen und ein feines TM wurde entwickelt. Bin ich jetzt austauschbar? Wobei wir wieder bei Aniellos Frage sind.

[Edited at 2007-09-12 02:15]


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
Member (2003)
Polish to German
+ ...
Tippfehler können mit Hilfe von CAT auch vermieden werden Sep 12, 2007

Nicole Schnell wrote:

Seit kurzem arbeite ich mit SDL und Workbench. Ja, das ist nett. Rabatte?

Wälz auf Boden vor Lachen.

Die sogenannten Repetitions im Quelltext müssen erst mal recherchiert, entwickelt und in gutes Deutsch gebracht werden, bevor die wieder abrufbar sind.

Das wird auch in der Analyse berücksichtigt. Repetition bedeutet aber auch wirklich, dass der einmal ausgearbeitete, recherchierte und ach so ausgeputzte Text dann nur noch vom Programm automatisch eingesetzt wird und ich nur Däumchen drehen kann. Wenn ich dafür dem Kunden einen gewichteten Wortpreis berechne und die Gewichtung zu meinem Arbeitsaufwand passt, sehe ich dem gelassen entgegen


Die sogenannten 100%-Matches, kicher. Ich arbeite gerade an einer Webseite, die zum Teil aus unendlichen Preislisten und Maßangaben besteht. Pre-translated? Scherz. Teutonen schreiben Maßangaben, Zahlen und Daten anders. Alles muss überarbeitet werden.

Nu, wenn es SDL Trados ist, dann rechnet es die Maßangaben von Feet in Meter schon alleine um. Passt auch die Schreibweise der Zahlen an, sofern sie in Textsegmenten vorkommen. Zahlen, die "nackig", also nur als Zahlen da stehen, werden natürlich nicht berücksichtigt. Da greift aber auch die Gewichtung nicht ein, denn sie werden ebenfalls nicht gezählt. Ist also Frage der Vereinbarung zwischen mir und meinem Kunden, wer die bearbeitet und wie dies gezahlt wird. Hat mit CAT im Allgemeinen gar nichts zu tun.


Ist zudem eigentlich jemandem klar, dass wir unbezahlte Layoutarbeit machen? Mit Rabatt? Hahaha!

Wieso denn das? Mache ich Layout, ist mein Wortpreis anders. Außerdem berechne ich meine Aufträge nach anderer Basis: Übersetung wird gestaffelt, dh. mit gewichteten Wortzahlen berechnen. Korrrekturlesung oder Layout haben anderen Wortpreis - da gibt es keine Gewichtung. Layout von 1000 Wörtern oder Layout von 10000 Wörtern mit 90% Wiederholungen sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Und dem Kunden ist es doch klar. Mache ich aber nur die Übersetzung eines getaggten Textes, mache ich damit nicht gleich das Layout. Dass ich dabei helfe, das Layout zu behalten, ist eine andere Sache. Habe ich darin jedoch 90% Wiederholungen, reduziert sich meine investierte Zeit entsprechend. Von dieser Zeitersparnis kann ich dem Kunden einen Teil zurückgeben.

Wettbewerbsfähig? Ei, freilich!

Freilich, aber ja. Die Zukunft ist CAT, egal wie man das sieht. Formate werden nicht einfacher, und Geld zu verschwenden hat ja auch niemand.

Man muss nicht auf alles hören, was uns Trados-Marketingheimer und Konsorten erzählen.

Selbstverständlich nicht. Darum geht es doch gar nicht. Die können mir erzählen, was die wollen. Gäbe es keine Vorteile für mich, würde ich nicht so viel Zeit daran verschwenden, die Tools bestmöglich einzusetzen. Denn das Lernen der Benutzung dieser Tools kostet num Mal Zeit. Aber erst dann, wenn man die Dinger richtig einsetzt, kommt das Ergebnis heraus, welches man erwartet.

Solange ich wann immer es mir passt nach Europa mit Hotel und allem hopsen kann, nur um mit Kollegen ein Bier trinken zu können und ohne drauf sparen zu müssen, finde ich Übersetzerarbeit ohne CAT verflixt wettbewerbsfähig.

Hat auch niemand das Gegenteil behauptet. Wettbewerbsfähig ohne CAT ja, aber mit CAT wettbewerbsfähiger, das ist der kleine aber feine Unterchied.


...
Edit: Die CAT-Dinger waren Kundenwunsch und die Software wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Sobald ich eine technische Frage habe, schreiben die Kunden einen halben Roman als Tech-Support, damit die Übersetzer problemlos mit den Programmen umgehen können. Eigentlich nett.

Klar ist das nett. Immerhin ist Computer unser Werkzeug. So darf der Kunde es doch von uns erwartet, dass wir mit diesem Werkzeug umgehen können. Oder würdest Du einen Handwerker ins Haus lassen, der vorher die Bedienung seiner Bohrmaschine von Dir erklärt lassen will? Eher nicht. Wenn ich zum Autohändler mit meinem Wagen fahre, gehe ich davon aus, dass die Mechaniker dort auch mit den darin verbauten elektronischen Nettigkeiten klar kommen. Punkt. Ich erkläre denen das nicht. Auch zahle ich ihnen (direkt, selbstverständllich, indirekt schon) den Preis für Schulungen dafür nicht. Das mssen die schon selbst in die Hand nehmen. Leider (bitte nicht prsönlich nehmen) scheinen sehr viele hier auf ProZ das zu vekennen. Der Übersetzerberuf ist ein teils technischer Beruf geworden, weil wir mit Medien umzugehen haben, die ein wenig technisches Verständnis fordern. Ist so. Ist aber nicht nur in diesem Beruf so.

Zweiter Edit:

So. Ich habe mir recherche-technisch was abgebrochen und ein feines TM wurde entwickelt. Bin ich jetzt austauschbar? Wobei wir wieder bei Aniellos Frage sind.

Nein, Du bist nicht austauschbar, und das wissen die meisten Kunden (die guten ohnehin). Das TM alleine wird nie und nimmer eine gute Übersetzung liefern. Siehe Dein eigener Punkt zu Wiederholungen. Dieser gilt uneingschränkt für jeden Satz der Übersetzung.

Jerzy

PS
Komm zu unserer Konferenz nach Dortmund, dort könntest Du vielleicht den einen oder anderen Tipp im Umgang mit den verschiedenen CATs bekommen.

[Edited at 2007-09-12 08:39]


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Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 00:16
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Mein wunder Punkt Sep 12, 2007

Ganz vielen lieben Dank für die Kommentare, Jerzy! Das stimmt positiv.

Was mich während der ca. letzten zwei Jahre gekratzt hat, war die Tatsache, dass mir in den POs automatisch Rabatte abgezogen wurden, ohne dass ich dazu meine Einwilligung gegeben hatte. Das ist, als würde jemand ohne meine Erlaubnis meine Kredit- oder Kontokarte benutzen.

Eigentlich unverschämt. Die Stunden, die ich verbracht habe, die Wortanzahl nachzuberechnen und E-Mails zu schreiben um die POs korrigieren zu lassen, bezahlt mir kein Mensch.

Merkwürdigerweise wurde das immer anstandslos gemacht.

Das nenne ich wettbewerbsfähig und ich frage mich: Warum nicht gleich so?

Gerade kam eine E-Mail rein (Echtzeit):

"Dear Nicole,

What will you charge for repetitions? Making a PO now…"


Da geht es schon wieder los.


Ach, Seufzer. Wie wärs mit 150%, weil ich am Lernen bin, wofür ich eigentlich keine Zeit habe?))


Liebe Grüße,

Nicole



[Edited at 2007-09-12 09:30]


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
Member (2003)
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Leider muss man sich die Zeit für's Lernen nehmen Sep 12, 2007

oder klauen oder wie auch immer.
Dazu gibt es über ProZ preiswerte (wirklich!) Kurse, die Du in Anspruch nehmen könntest.
Würde sicherlich helfen.

Um Dir bei der Antwort auf die gerade (in Echtzeit) gestellte Frage zu helfen:
Wie viel (in % ausgedrückt) Deines Übersetzungs-Wortpreises würdest Du für Korrekturlesen berechen? Setze genau denselben Satz für 100% und Repetitions. Unter Umständen setze den auch für 99-95% match. Wenn der Kunde das akzeptiert, lege aber 10% drauf für die 99-95% matches. Für 94-85% matches würde ich mindestens mit 50% und alles darunter, wenn möglich mit 100% gewichten. Das sind meine Erfahrungswerte.
Die schlechteste Staffelung, die ich bereit bin, zu akzeptieren, ist 20% für Repetitions und 100-95%, 50% für 94-75%, Rest 100%. Dies ist aber schon Notlösung, dann gleich Wortpreis nach oben.

Daher nochmals die Einladung: komm nach Dortmund, dort wird Gelegenheit dazu sein, auch darüber zu reden.

Jerzy


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Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 00:16
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Echtzeit Sep 12, 2007

30% waren prima für die 100% Knopfdruck-Matches, nix Staffelungen, alles voll bezahlt. Sagt die PO.

Richtig gemacht?

Ganz viele liebe Grüße,

Nicole

[Edited at 2007-09-12 10:33]

DANKE, Jerzy!

[Edited at 2007-09-12 10:34]


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 09:16
Member (2003)
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Echtzeit Sep 12, 2007

Soll heißen, Du berechnest 30% der Wörter, die in 100% matches drin stecken und den Rest voll?
Dann herzlichen Glückwunsch, den Auftrag wrist Du mögen.

Jerzy


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