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Hauptverhandlung im Gericht
Thread poster: volodate
volodate
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Sep 26, 2007

Hallo allerseits!

Ich habe eine Frage: Nächste Woche muss ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einer Hauptverhandlung im Gericht dolmetschen. Wie läuft die ganze Prozedur ab? Was muss man da berücksichtigen? Danke in voraus!

[Bearbeitet am 2007-09-26 13:46]


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Sybille  Identity Verified
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Hauptverhandlung bei Gericht Sep 26, 2007

Hallo, volodate

Eine gute Vorbereitung gehört dazu, um sich einigermaßen sicher zu fühlen.
Ich habe mir dazu erstens Wörter aus dem Wörterbuch herausgesucht , die vorkommen könnten (das Gebiet zu kennen, auf dem man dolmetschen muss, ist von großem Vorteil: Familienrecht, Verkehrsrecht.....). Stellen Sie sich einfach vor, was dort gesprochen/verhandelt werden könnte und schreiben Sie sich die Wörter auf.
Zweitens, versuchen Sie, den Richter zu erreichen (anrufen beim Gericht und fragen, welcher Richter bei der Verhandlung dabei sein wird). Erklären Sie ihm, dass Sie der Dolmetscher sind und sich vorbereiten möchten, damit die Verhandlung reibungslos vonstatten geht und bitten Sie ihn darum, Ihnen die Kopie der Anklage (oder oder ein ähnliches Dokument) zu schicken.
Der Richter ist auch daran interessiert, dass eine solche zweisprachige Verhandlung ohne Probleme verläuft.
Das arbeiten Sie dann vorher durch und sind somit gut gerüstet für die Verhandlung.
Falls der Richter oder der Angeklagte eventuell zu schnell sprechen, haben Sie auch das Recht, um eine Wiederholung des Gesprochenen oder langsameres Sprechen zu bitten.

Viel Erfolg

Sybille


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IP-Chemist
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Weiter denken, um Überraschungen zu vermeiden. Sep 27, 2007

Sybille wrote:
Das arbeiten Sie dann vorher durch und sind somit gut gerüstet für die Verhandlung.


Personen ohne entsprechende Kenntnisse, insbesondere einer Amtssprache, sind im Gegensatz zu Richtern und Anwälten keine Fachleute, die sich regelmäßig mit einer lediglichen Übersetzung begnügen. Ein Dolmetscher zu Gericht muss deshalb auch Sachverhalte verständlich und kurz erklären können. Das Gericht zieht auch bei einer gewissen Toleranz ungern Verhandlungen in die Länge. Demnach ist es vorteilhaft, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, welche Sachverhalte problematisch oder erklärungsbedürftig werden könnten und wie man diese Sachverhalte zweckmäßigerweise erklärt. Das ist wichtig, damit Sie als Dolmetscher während der Verhandlung in Ruhe arbeiten können. Einerseits machen Sie sich nicht selbst nervös, da keine unerwarteten Fragen eines Nichtfachmannes aufkommen, die spontan erklärt werden müssten. Andererseits werden Sie nicht nervös gemacht, da kein Fachmann sich erkundigt, wieso Ihre Erklärungen so lange dauern. Es kann vorkommen, dass der Nichtfachmann Sie trotzdem nicht gleich versteht. Von Ihrer Seite tragen Sie aber mit der Vorgehensweise von Sybille und den obigen weiterführenden Gedanken sehr viel dazu bei.


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volodate
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TOPIC STARTER
Danke und noch einige Fragen! Sep 27, 2007

Vielen Dank für die Hinweise!
Ich mache mir trotzdem sehr viele Gedanken, weil es mein erster Einsatz in Gericht ist... Wo muss ich mich hinsetzen oder wo muss ich stehen? Muss man da konsekutiv, simultan dolmetschen oder wird Flüsterdolmetschen bevorzugt?


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jokerman
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sitzen und flüstern Sep 27, 2007

Während der Verhandlung wird gesessen - bis auf wenige Ausnahmen: die erste ist wenn der Richter in den Gerichtssaal kommt, dann sollten alle Anwesenden aufstehen und stehen bleiben bis er sie zum Hinsetzen auffordert. Dies kann noch vor der Ankündigung der Verhandlungssache durch den Richter geschehen oder aber erst danach - in der Praxis scheint es da keine festen Regeln zu geben. In der Praxis verzichten aber auch einige Richter auf das gesamte 'Aufstehen-Prozedere' und sagen sofort beim Betreten des Gerichtsaals 'bitte bleiben Sie sitzen' o.Ä. Achten Sie jedenfalls am besten auf das Verhalten anderer Aktueure, insbesondere des Staatsanwalts (es ist ein Strafverfahren, nehme ich an) und verhalten Sie sich entsprechend.

Ansonsten wird nur aufgestanden wenn ein Zeuge oder der Dolmetscher vereidigt werden. Falls Sie also nicht vereidigt sind, wird der Richter Sie im Gerichtssaal vereidigen, dazu gibt es kleine eine offizielle Prozedur, Sie stehen auf, er liest Ihnen den entsprechenden Text vor und Sie heben die rechte Hand und sagen 'Ich schwöre'. Dann setzen Sie sich wieder. Auch hier gilt: in der Praxis wird nach meiner Erfahrung häufig auf das Formelle verzichtet und sie bekräftigen den Schwur einfach im Sitzen. Wenn der Richter lieber möchte dass aufgestanden wird, wird er Sie und wahrscheinlich auch die anderen Anwesenden dazu schon auffordern und sehr wahrscheinlich auch selbst aufstehen. Wenn Sie beeidigt sind, entfällt das Ganze natürlich, dann müssen Sie es nur erklären, der Richter diktiert dann ins Protokoll 'Der Dolmetscher beruft sich auf seinen geleisteten Eid' o.Ä. Theoretisch könnte er Sie dann auch auffordern, ihm Ihre Bestallungsurkunde zu zeigen, das passiert allerdings in der Praxis nach meiner ERfahrung äußerst selten.

Aufgestandfen wird auch beim Verlesen des Urteils, zuvor wird normelerweise eine Pause einberaumt, die gewöhnlich zwischen 20 Minuten und 2 Stunden dauert (kann aber auch kürzer/länger sein). Ob Sie in der Pause im Saal bleiben oder in die Kaffeeteria/Raucherecke/Bibliothek etc. gehen, hängt meistens auch vom Richter ab - das wird er dann auch schon sagen.

Ansonsten fallen mir spontan keine Fälle ein, wo aufgestanden wird.

Sie sitzen dabei bevorzugterweise direkt neben dem Angeklagten/Betroffenen der die Sprachmittlung benötigt. Ich setze mich am liebsten so hin, dass ich *nicht* zwischen dem Richter und dem Angeklagten sitze, sondern so neben den Angeklagten/Betroffenen dass ich die 'Luftlinie' zwischen ihm und dem Richter nicht durchkreuze. Eine feste Regel scheint es in der Praxis jedoch nicht zu geben, wichtig ist natürlich dass Sie direkt neben bzw. evtl auch dicht hinter dem Angeklagten sitzen. Falls der Angeklagte einen Anwalt hat, achten Sie also darauf dass dieser nicht zwischen Ihnen und dem Angeklagten/Betroffenen sitzt.

Flüsterdolmetschen ist die übliche Form.

Hoffe das hilft

grüße,

igor


[Bearbeitet am 2007-09-27 08:46]

[Bearbeitet am 2007-09-27 08:47]


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IP-Chemist
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Nachtrag Sep 27, 2007

http://www.adue-nord.de/archiv/gerichtsdolmetschen.pdf

Dieses Dokument bietet eine Basisinformation und eine Telefonnummer, unter der weiterführende Information möglich sein sollte.


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Sybille  Identity Verified
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Zur Frag: Konsekutiv-, Silmultan- oder Flüsterdolmetschen Sep 27, 2007

Da ich die Anklage vorher bekommen und durchgearbeitet bzw. übersetzt und mich eigehend damit beschäftigt hatte, konnte ich bei der Verlesung der Anklag simultan dolmetschen (also eben auch laut). Das Simultan-Dolmetschen war ich aber auch schon vorher von Vertrags- und technischen Verhandlungen gwohnt.
Konsekutiv, könnte ich mir auch vorstellen (dann evtl. kurze Notizen machen/Stichwörter aufschreiben). Flüsterdolmetschen ist sicher genausogut möglich.

Nur nicht mit Angst an die Sache ran gehen. Seien Sie überzeugt von sich selbst durch Ihre gute Vorbereitung

Sybille


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