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Übersetzen für Nicht-Rechteinhaber
Thread poster: Claudia Wening

Claudia Wening
Local time: 09:12
English to German
+ ...
Nov 28, 2007

Ich weiß ja, dass Rechtsfragen eigentlich bei einem Anwalt besser aufgehoben sind, aber vielleicht hat einer von Euch ja zufälligerweise Erfahrung mit sowas:
Darf ein Übersetzer für eine Privatperson ein Werk, an dem die Person nicht die Rechte hält, zu deren privatem Gebrauch übersetzen und sich dafür bezahlen lassen? Oder verletzt das das Urheberrecht?

Grüße,
Claudia


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Wolfgang Jörissen  Identity Verified
Belize
Member
Dutch to German
+ ...
Vom Gefühl her: ja Nov 28, 2007

Ich bin natürlich kein Experte, aber wenn ich ein Buch kaufe, dann habe ich in meinen eigenen vier Wänden das Recht, damit zu machen, was ich will. Ich darf es lesen, beiseite legen, als Wackelsicherung unterm Tisch verwenden, verbrennen (naja...) und auch im privaten Rahmen an andere Privatpersonen ausleihen und es ihnen somit zugänglich machen. Ich denke, dass es sich mit der Übersetzung nicht anders verhält. Solange diese den privaten Rahmen nicht verlässt, sondern lediglich dazu dient, um mir - dem Besitzer - das Werk zugänglich zu machen, dann erscheint mir das nicht nur legitim, sondern durchaus auch im Sinne des Urhebers.

Aber ich bin gespannt, was die Experten dazu sagen.


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Matthias Quaschning-Kirsch  Identity Verified
Germany
Local time: 09:12
Member (2006)
Swedish to German
+ ...
Erweiterung der Frage Nov 28, 2007

Die Frage würde ich gern erweitern. Zu Weihnachten bekommen gute Freunde und noch ein paar andere von mir ein wenig exotische Literatur, die garantiert keiner von denen kennt, in deutscher Übersetzung, und zwar als Hörbuch mit einer Einleitung von mir. Beipackzettel und CD versehe ich regelmäßig mit dem Vermerk "Nur für den privaten Gebrauch" und der dringenden Bitte, sich unbedingt an diese Vorgabe zu halten. Bisher ist auch noch nie was schief gegangen.

Diese Art von Geschenk macht mir Freude, es hat etwas Persönliches, ich kann dabei meinen Leidenschaften frönen, und es findet auch viel Anklang. Aber natürlich frage ich mich auch immer wieder, worauf ich mich damit im Ernstfall einlasse. Weiß es jemand?

Gruß
Matthias


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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 09:12
Japanese to German
+ ...
Zu dem Thema... Nov 28, 2007

Claudia Wening wrote:
Darf ein Übersetzer für eine Privatperson ein Werk, an dem die Person nicht die Rechte hält, zu deren privatem Gebrauch übersetzen und sich dafür bezahlen lassen? Oder verletzt das das Urheberrecht?

Expertin bin ich auch keine...
Wie Wolfgang und Matthias es schon anschaulich ausdrücken: Wenn das Werk in den eigenen "vier Wänden bleibt" ist es wirklich "wurscht"... aber du solltest diese Privatperson sehr gut kennen und einschätzen können.

Beispiel aus der Praxis:
Ich bekam z. B. einmal eine Anfrage bzgl. Manga-Übersetzung, angeblich für eine Privatperson, die mir ihre wahre Identität aber auch nicht richtig nennen wollte. Nach weiterem Nachbohren hat sich die Person verplappert...sie wolle es eingescannt auf dem Rechner Freunden zur Verfügung stellen...natürlich "nur zu Privatzwecken" - Alarmglocke auf Rot, denn gerade bei den Mangas/den jap. Comics kursieren unheimlich viele sog. Scanlations im Internet, oftmals parallel an den abgeschlossenen Verträgen zwischen Autor/Verlag/Übersetzer vorbei, allein schon aufgrund des extrem unübersichtlichen Marktes. Viele müssen dann auf Drängen des Verlages oder auch aus eigenem Antrieb und der Angst, haftbar gemacht werden zu können, das erstellte Werk wieder offline nehmen, wenn die "eigene private Übersetzung" mit der gleichzeitig laufenden "offiziellen" Übersetzung/bzw. dem Erscheinen des Titels kollidiert. - Nur mal so als abstruses Beispiel, das aber gar nicht so selten zu sein schein.

Fertigst du daher eine Übersetzung ohne vertragsrechtliche Absicherung an, hast du es einfach nicht mehr in der Hand, was hinterher damit passieren kann. Streng gesehen werden somit auf jeden Fall auch Urheberrechte verletzt.
Bei Bezahlung/kommerzieller Nutzung gehen automatisch meine Alarmglocken an...

Daher solltest du gründlich abwiegeln, ob du wirklich gut einschätzen kannst, was hinterher mit dieser Arbeit passieren wird, in welche Hände sie im Extremfall gelangen kann und wem sie von Nutzen ist. Nur als Denkanstoß
Grüße
Katrin


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Martin Wenzel
Germany
Local time: 09:12
English to German
+ ...
Nicht ohne die Zustimmung des Authors... Nov 28, 2007

Auch ich bin kein "legal expert", aber sobald ein Buch durch Copy Right geschützt ist, darf es nicht ohne Zustimmung des Authors vervielfältigt oder kopiert werden, und das Übersetzen ist ja auch eine Art der Vervielfältigung...nur in einer anderen Sprache...

"Zu Privatzwecken" ist zwar eindeutig juristisch definiert, aber bei einer mündlichen Vereinbarung steht sein Wort gegen Dein Wort.

Falls der Auftraggeber entgegen seiner Zusicherung, das "Werk" nur für Privatzwecke zu benutzen, irgendetwas Dummes damit anfängt, hängst Du mit drin.

Mitgegangen, mitgehangen -- Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste...

Ich kenne ein anderes Beispiel aus der Praxis. Computer-Verkäufer installiert MS Programme auf verschiedenen Computern und schenkt diese Programme seinen Kunden. Der Kunde hat einen Computer-Crash und da er ja die Original-CD nie erhalten hat, wendet er sich sogleich an Microsoft, den Rest kannst Du Dir ja wohl denken. Der Computerverkäufer musste für jedes installierte Programm die Original-Lizenz kaufen und außerdem eine hohe Konventionalstrafe. Resultat: Pleite.

Worin liegt eigentlich das Problem??? Der Auftraggeber kann ja den Urheber oder Verlag fragen, ob er eine Übersetzung zu Privatzwecken anfertigen darf und Dir dann dieses Dokument zu Deiner Absicherung zuschicken, in der Regel kostet das nichts.

Mein Vater hat ein Buch drucken lassen und von verschiedenen Verlagen die Rechte für einige Kurzgeschichten eingeholt, meistens hat der Verlag nichts dafür verlangt.


Martin


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Claudia Krysztofiak  Identity Verified
Germany
Local time: 09:12
English to German
+ ...
Einfach mal beim Verlag anfragen? Nov 28, 2007

Martin Wenzel wrote:

Auch ich bin kein "legal expert", aber sobald ein Buch durch Copy Right geschützt ist, darf es nicht ohne Zustimmung des Authors vervielfältigt oder kopiert werden, und das Übersetzen ist ja auch eine Art der Vervielfältigung...nur in einer anderen Sprache...


Ich denke auch in dieser Richtung Martin. Nur dass meistens die Rechteverwertung beim Verlag liegt und insofern die Zustimmung des Verlages erforderlich ist.
Hier kommt hinzu, dass in diesem Fall der Übersetzer Geld mit einem fremden Werk verdient. Das ist nochmal was anderes, als mal eben schnell ein Gefallen für einen Freund, oder die Hobby-Harry-Potter-Übersetzung, die wir im Forum diskutiert haben.


Worin liegt eigentlich das Problem??? Der Auftraggeber kann ja den Urheber oder Verlag fragen, ob er eine Übersetzung zu Privatzwecken anfertigen darf und Dir dann dieses Dokument zu Deiner Absicherung zuschicken, in der Regel kostet das nichts.

Mein Vater hat ein Buch drucken lassen und von verschiedenen Verlagen die Rechte für einige Kurzgeschichten eingeholt, meistens hat der Verlag nichts dafür verlangt.

Martin



Ich habe auch schon öfter für auszugsweise Übersetzungen bei Verlagen angefragt und bisher immer eine zustimmende Antwort bekommen. Die Harry-Potter-Hobby-Übersetzer haben z.B. auch mit Einverständnis des Verlages gearbeitet.


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Claudia Wening
Local time: 09:12
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TOPIC STARTER
Danke für Eure Antworten Nov 29, 2007

Zuerst dachte ich auch wie Wolfgang: Warum sollte das nicht erlaubt sein. Aber dann kamen mir die gleichen Bedenken, die Claudia anführt: Aber ich als Übersetzer würde doch dann etwas an dem fremden Werk verdienen. Will das Urheberrecht nicht genau das verhindern? Aber ich war mir unsicher.
Deshalb habe ich dann die Frage hier gepostet. Vielen lieben Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, zu antworten. Ich habe mich nach gründlichem Nachdenken dann entschieden, den Auftrag lieber abzulehnen.

@Katrin
Ich finde Dein Beispiel gar nicht so abstrus. Im Spielebereich gibt es Ähnliches. Diese Fan-Übersetzungen sind dort - von den wenigen Fällen, wo die Fans mit Zustimmung der Rechteinhaber übersetzen, abgesehen - ebenfalls nicht allzu gern gesehen. Wohl allein schon deshalb, weil zumindest ein klein wenig kriminelle Energie nötig ist, um die Schwierigkeiten, überhaupt an die Textdateien heranzukommen, zu überwinden - in der Regel muss dazu das Spiel gehackt werden ...



Euch allen nochmals Danke!

Claudia


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