Explanation: Ich fasse meinen Standpunkt [vgl. die hitzige Diskussion ;-)] nochmals zusammen:
Der Rezensent kritisiert nicht den Stil der Autorin als „tushery“ (und hier bin ich mit Michél nicht einer Meinung, kann mich aber irren), sondern stellt (vorerst ohne Wertung) fest, dass hier eine Autorin des 21. Jh. einen im 19 Jh. als "tushery" geschmähten Schreibstil bewusst als Stilmittel einsetzt.
Dabei müssen zwei Ebenen unterschieden werden:
a) die Ebene der Rezension, die Begriff „tushery“ in Anführungszeichen setzt und dazu verwendet, ein von der Autorin bewusst eingesetztes Stilmittel zu beschreiben
b) die literaturhistorische Ebene des Begriffs „tushery“ und seiner Konnotationen
Ich würde den Begriff auch im ZT in Englisch belassen, ergänzt um eine Anmerkung des Übersetzers, weil es sich um einen kulturspezifischen Ausdruck handelt,
- der auch im englischen AT in Anführungszeichen steht
- der von einem englischsprachigen Autor geprägt worden mit dessen Namen eng verknüpft ist
- für den es im Deutschen kein exaktes Äquivalent gibt), ergänzt um eine Anmerkung des Übersetzers.
Die bisherigen Übersetzungsvorschläge eignen sich mMn für die im AT folgende Erklärung des Begriffs, nicht jedoch für dessen Übersetzung. Allenfalls könnte man sich für eine Umschreibung unter Verwendung des englischen Begriffs entscheiden, so in etwa: […] durch die gezielte Verwendung eines von altertümlichen Ausdrücken durchsetzten Stils (in Anlehnung an die von R.L. Stevenson im 19. Jh als „tushery“ verunglimpfte Schreibweise).
Der Ausdruck „tushery“ stammt von R.L. Stevenson, bezog sich ursprünglich auf den populärhistorischen Roman "Ivanhoe", hat eine negative Konnotation und ist auch im Englischen wenig gebräuchlich http://tinyurl.com/yg8nacu
Die Insistenz der Diskussion, oder besser: die Insistenz der Diskutanten, ist auf die Freude am Diskutieren zurückzuführen. Die Ihnen ja offensichtlich auch nicht abzusprechen ist. In diesem Sinne: Danke für den wertvollen Hinweis!
Zustimmung zu Anjas Vorschlag. Zur Frage Missbilligung oder nicht: Wäre ja nicht das erste Mal, dass ein ursprünglich abfälliger Ausdruck zur neutralen Stilbezeichnung wird - siehe z.B. Gotik, Barock, Manierismus. Verstehe daher die Insistenz der Diskussion nicht.
@Michél. Das meinte ich mit aneinander vorbei reden: Nein, ich behaupte NICHT, dass der Rezensent "tushery" zur wertfreien Bezeichnung eines Stils verwendet, sondern einzig, dass er die bewusste Verwendung einer "mit altertümlichen Ausdrücken beladenen Schreibweise, die Stevenson als 'tushery' bezeichnet hätte" seitens der Autorin feststellt und ihren Text unter diesem Aspekt beleuchtet. Ob ihm dieses Stilmittel missfällt oder nicht, geht aus dem kurzen Textausschnitt, der uns hier vorliegt, nicht hervor.
So spannend die Diskussion ist – ich muss mich nun leider ausklinken... she ihije lecha jom naim! PS: "die endgültige Betonung der einzig richtigen Übersetzung" und confidence level 5 finde ich gelinde gesagt befremdlich für eine nicht-technische Übersetzung...
@ Anja: Ani lo maskim! Leider erreichen wir keine Einigung. Du behauptest, der Rezensent verwende "tushery" zwecks wertfreier Bezeichnung eines Stils, der im deutschen am treffendsten mit "Archaismus" bezeichnet ist. Ich hingegen bestehe darauf, dass "tushery" nicht wertfrei verwendet werden kann. Laut etymologischem Wörterbuch leitet sich das Wort "tushery" von "tush" ab, einem englischen Ausruf, der Missbilligung zum Ausdruck bringen soll. Willst Du also wirklich daran festhalten, man könne "tushery" wertfrei verwenden? Wenn Du für die Beibehaltung des Wortes "tushery" plädierst, legst Du Dich nolens volens darauf fest, dass der Rezensent seine Missbilligung zum Ausdruck bringt. Und tatsächlich drückt der Rezensent, wenn er es benutzt, Missbilligung aus - nolens volens. Nu, ma at choschevet?
@Michél: lo nachon ;-)! Der Rezensent beschreibt mMn vorerst ohne Wertung die Verwendung von "tushery" als Stilmittel aus der Feder einer Autorin des 21. Jh. Gut möglich, dass sein Urteil aus der weiteren Rezension hervorgeht, nicht jedoch aus dem uns vorliegenden Kontext. (Ich find's übrigens auch herrlich, in diesen Räumen mal wieder über Literatur diskutieren zu dürfen.)
@Anja: Einer noch! Ich weiß, dass Du nichts anderes behauptet hast. Doch diese Deine Behauptung widerspricht Deiner anderen Meinung, nämlich dass der Rezensent kein Urteil habe abgeben wollen. Wenn Potter gezielt "Archaismus" einsetzt, und ein Rezensent diesen "Archaismus" mit Stevenson als "tushery" bezeichnet, dann kann er es, sofern er sich der negativen Konnotation dieses Wortes bewusst ist, nur als Verunglimpfung gemeint haben. Und nur dann ist auch die Beibehaltung der Wortform "tushery" gerechtfertigt - andernfalls käme ausschließlich das Wort "Archaismus" in Frage. Nachon?
@Anja: Ich bemerke, dass es in Neuseeland bereits nach Mitternacht ist. Wir sollten Melanie selbst entscheiden und dann schlafen gehen lassen (wenn sie das nicht schon längst getan hat). Es war jedenfalls sehr schön, hier einmal über Literarisches zu diskutieren - das kommt auf dieser Platform leider nur selten vor. Bleibt mir nur noch die endgültige Betonung der einzig richtigen Übersetzung in dem hier gegebenen Kontext: "Archaismus" :-D
@Anja: Ich folge Deinem Argument. Doch muss ich nochmals darauf hinweisen, dass "tushery" kein "Stil" des 19. Jahrhunderts ist, sondern der verunglimpfende Ausdruck für eine verbreitete Tendenz in Romanen des 19. Jahrhunderts, einen inflationären Gebrauch von Archaismen zu machen. Der von Potter verwandte "Stil" ist "Archaismus" - die "Bewertung" dieses Stils im 19. Jh. durch Stevenson ist "tushery". Das ist die entscheidende Nuance.
@Michél. Nochmals: Wenn eine Autorin des 21. Jh. absichtlich in einem Stil schreibt, der Ende des 19. Jh. in Literatenkreisen als "tushery" bezeichnet wurde (und vom Rezensenten als solcher erkannt wird), so wird ebendieser einst verunglimpfte Stil zum Stilmittel. Das meinte ich mit den zwei Ebenen.
Eine "gezielte Verwendung von "tushery"" kann es gar nicht geben, weil "tushery" kein Stilmittel ist, sondern eine abschätzige Bezeichnung FÜR ein Stilmittel.
Ja, wir reden aneinander vorbei. Nochmal von vorne: Das Wort "tushery" ist ein Derogativ. Die Verwendung dieses Wortes in einer Beschreibung eines literarischen Stils kann also entweder nur negativ gemeint sein, oder aber fälschlicherweise verwendet. Als "nicht negativ gemeinte" - sprich: neutrale - Analyse käme nur der Begriff "Archaismus" in Frage. Warum dann "tushery" beibehalten?
@Michél: Wir reden aneinander vorbei ;-).
1. Das Urteil des Rezensenten ist nicht negativ, er analysiert bloß die gezielte Verwendung von "tushery" durch die Autorin.
2. Für die Beibehaltung des englischen Ausdrucks spricht, dass er bereits im Original in Anführungszeichen steht und eng mit dem Namen eines Autors (Stevenson) verknüpft ist. Diese Assoziation geht bei einer Übersetzung verloren. Die Übersetzungsvorschläge eignen sich mMn für die im AT folgende Erklärung des Begriffs, nicht für dessen Übersetzung.
@Anja: Stimmt, der Gebrauch des Worts "disruption" weist auf ein negatives Urteil hin. Doch wenn wir uns für diese Lesart entscheiden, besteht dennoch kein Grund, den englischen Begriff stehen zu lassen. Ich plädiere für: "archaischer Sprachgebrauch"!
@Michél: Das war er mMn, sonst würde er kaum von disrupted/disturbed sprechen. Zudem: Er bewertet ja nicht negativ, er analysiert. Aber letztlich spielt das gar keine Rolle, es geht ja hier nur darum, ob tushery übersetzt werden soll/darf oder nicht. Meine Meinung: nein (s.u.).
Die Frage ist, ob der Rezensent sich der negativen Konnotation des Begriffs "tushery" bewusst war. Die Tatsache, dass er/sie selbst ihn als "bewussten" Einsatz von Archaismen beschreibt, weist doch darauf hin, dass er/sie eher von einem rhetorischen Stilmittel ausgegangen ist, also eine neutrale Beschreibung ohne Bewertung. Es wäre interessant zu wissen, wie Bewertung der Erzählung insgesamt ausfällt.
Einverstanden mit Michél, was die objektive Beschreibung des Stils angeht. Es gibt hier aber zwei Ebenen: Zum einen die neutrale Beschreibung, zum andern die Verwendung des negativ konnotierten Ausdrucks "tushery" in diesem Zusammenhang. Offenbar verwendet der/die rezensierte Autor/die Autorin "tushery" bewusst als verfremdendes Stilmittel. Dafür spricht "the surface of xxx's narrative is [...] disrupted by "tushery", [...] and is further disturbed [...]".
Es handelt sich bei dem Text doch offensichtlich um eine (neutral) Beschreibung eines literarischen Stils. Deshalb scheint der Begriff "tushery" in seiner negativen Bedeutung an dieser Stelle unpassend. Für "Archaismus" spricht außerdem der Hinweis auf "deliberate overuse" - also doch rhetorisches Stilmitte.
Wenn "tushery" schon im AT in Anführungszeichen steht, würde ich das auch im ZT in Englisch belassen, umso mehr, als es sich um einen Ausdruck handelt, der von einem Autor geprägt worden ist. Dann müsste man allerdings im dt. Text eine Erklärung hinzufügen, im Stil von "ein von R.L. Stevenson geprägter Ausdruck für x".
Richtig: "Archaismus" ist ein rhetorisches Stilmittel. Richtig ist auch, dass Stevenson den Begriff "tushery" zur Verunglimpfung eines bestimmten literarischen Stils gebraucht hat. Solch ein Urteil schließt jedoch nicht aus, dass der verunglimpfte Autor die Archaismen tatsächlich als rhetorisches Mittel, will heißen, bewusst, eingesetzt hat. Deshalb: Kontext vonnöten.
Quote:
The surface of xxx’s narrative is similarly disrupted by “tushery”, deliberate overuse of archaisms, and is further disturbed by verses from the widespread ballad of ...
The expression 'tushery' is acutally followed by an explanation. Is there a German word for tushery?
resp.: mit archaischen/veralteten/altmodischen Ausdrücken gespickte Schreibe
Der Ausdruck stammt von R.L. Stevenson, bezog sich ursprünglich auf den populärhistorischen Roman "Ivanhoe" und ist auch im Englischen wenig gebräuchlich http://tinyurl.com/yg8nacu
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schwülstiger archaischer Stil
Explanation: Wo kommt den der Begriff vor?
erika rubinstein Germany Local time: 10:39 Native speaker of: Russian PRO pts in category: 15
Explanation: Archaismus: der gezielte Einsatz von Archaismen, von altmodischen Wörtern
-------------------------------------------------- Note added at 10 Min. (2009-10-29 09:44:16 GMT) --------------------------------------------------
"Archaismus" is the German technical term in rhetoric and/or literary theory for the "deliverate overuse of archaisms".
Michél Dallaserra Germany Local time: 10:39 Specializes in field Native speaker of: German, English
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"tushery" [+ Erklärung + literaturhist. Einordnung/Anm. d. Übers]
Explanation: Ich fasse meinen Standpunkt [vgl. die hitzige Diskussion ;-)] nochmals zusammen:
Der Rezensent kritisiert nicht den Stil der Autorin als „tushery“ (und hier bin ich mit Michél nicht einer Meinung, kann mich aber irren), sondern stellt (vorerst ohne Wertung) fest, dass hier eine Autorin des 21. Jh. einen im 19 Jh. als "tushery" geschmähten Schreibstil bewusst als Stilmittel einsetzt.
Dabei müssen zwei Ebenen unterschieden werden:
a) die Ebene der Rezension, die Begriff „tushery“ in Anführungszeichen setzt und dazu verwendet, ein von der Autorin bewusst eingesetztes Stilmittel zu beschreiben
b) die literaturhistorische Ebene des Begriffs „tushery“ und seiner Konnotationen
Ich würde den Begriff auch im ZT in Englisch belassen, ergänzt um eine Anmerkung des Übersetzers, weil es sich um einen kulturspezifischen Ausdruck handelt,
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Der Ausdruck „tushery“ stammt von R.L. Stevenson, bezog sich ursprünglich auf den populärhistorischen Roman "Ivanhoe", hat eine negative Konnotation und ist auch im Englischen wenig gebräuchlich http://tinyurl.com/yg8nacu
Anja Cohen Switzerland Local time: 10:39 Specializes in field Native speaker of: German PRO pts in category: 39
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