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English to German translations [PRO] Art/Literary - Poetry & Literature
English term or phrase:draw somebody unaware
aus dem bekannten Gedicht "Because" aus der Gedichtsammlung Love Songs (1917) von Sara Teasdale (1884-1933), http://www.gutenberg.org/cache/epub/442/pg442.html. Die Stelle lautet vollständig:
"OH, because you never tried
To bow my will or break my pride,
And nothing of the cave-man made
You want to keep me half afraid,
Nor ever with a conquering air
You thought to draw me unaware --
Take me, for I love you more
Than I ever loved before.
..."
Mir ist nicht klar, ob gemeint ist, dass der Adressat:
1) versucht, sie zu überrumpeln und in eine Beziehung zu ziehen
2) versucht sie unbemerkt zu zeichnen
3) oder etwas ganz anderes?
"unaware" ist mir im Zusammenhang mit "draw" unbekannt und kann ja sowohl bedeuten, dass sie nichts mitbekommt oder dass sie im Zustand der Unwissenheit ist. "Draw" hat leider auch so viele Bedeutungen. Wer weiß mehr?
Es wäre sehr schön, hier etwas Orientierung zu bekommen.
Noch einmal vielen Dank, Werner. Vor ein paar Tagen hatte ich schon mal Deine Antwort als hilfreichste ausgewählt, aber manchmal klappt es bei mir einfach nicht im ersten Anlauf, scheint's. Ist mir schon ein paar Mal passiert. 4 KudoZ points were awarded for this answer
Warum sie für die Aufgabe, die sie sucht, einen Mann braucht, könnte wohl an der Zeit liegen, in der sie lebte.
@ Werner
für mich ist das Gedicht mehr als eine Liebesgeschichte - - ich muss allerdings eingestehen, dass Männer-anhimmelnde Heroinen nicht so mein Ding sind, und das lenkt sicherlich auch meine Interpretation. Schönen Abend noch allesamt. Mir hat es auch Spaß gemacht!
Wer er ist, ob er sie will oder nicht will, ob sie ihn letztendlich kriegt, oder ob es ihn überhaupt gibt, ist, m. E. nach, gar nicht mal das leitende Thema. Die Sprecherin im Gedicht überlegt sich, wie sie erobert werden möchte od. wie ihr idealer Mann sie erobern könnte, ohne dass sie sich als eine Besiegte fühlen muss. In sechs von den insgesamt acht Zeilen der ersten Strophe spricht sie davon, wie sie nicht in Besitz genommen werden will. Und dass es um Besitz geht, wird durch das Wort „Master“ unterstrichen. Das wesentliche Leitbild in der zweiten Strophe ist Freiheit – ihre Freiheit, welche sie nur freiwillig aufgeben will. Vier Worte - - „untrammeled“, „dreams“, „mind“ und „wind“ - - geben dem Nachdruck. Sie sieht sich als einen freien Geist, und ist gleichzeitig auf der Suche nach jemandem, der ihr den Weg zeigen kann. Der Vergleich zu Wind ist diesbezüglich besonders ausdrucksstark: zu viel Freiheit deutet auf Ziellosigkeit hin. Wind kann viel Schaden anrichten; man kann ihn aber auch nutzbar machen.
... einmal das bewiesen habe, was ich allen meinen Deutschlehrern, allen Literaturkritikern usw. vorgeworfen habe, nämlich dass jede Interpretation zumindest quantitativ zu einem Vielfachen des Originals ... (anschwillt? - gefällt mir nicht) .... sucht mal das passende Verb.
Wie wäre es damit: ... jede Interpretation sich zu einem Vielfachen des Originals verselbstständigt. Damit bin ich jetzt zufrieden und kann mich verabschieden. Was sagen die ProZ-Regeln - darf man soviel plaudern?
PS.: Sebastians Beitrag von 0018 Uhr war bei diesem Beitrag noch nicht auf dem Bildschirm - wir waren de facto gleichzeitig.
Leute, speziell Werner und Annett, alle Ehre euren Kommentaren, das war wirklich eine überdurchschnittlich interessante und tiefgehende Diskussion, die super zum Proz.com-Rubriktitel "Kudoz" passte. Das muss ich mal loswerden. Unter Kudoz läuft viel Gutes, aber das hier liegt deutlich darüber und ich möchte mich ganz herzlich bedanken.
Habe ich Deine Ergänzung 17.49 Uhr schon abgearbeitet? Zu nor - da sagen wir doch mit verschiedenen Worten das Gleiche, das ist aber das Entscheidende. Du sagst, never - nothing - nor gehören der Rhetorik wegen zusammen, ich betone, dass man die Zeile davor (wegen des nor) dazu nehmen muss.
Und wer ist unaware (=naiv, unvorbereitet) - never you thought to draw me unaware? Sprachlich-logisch wäre das in der Tat nicht eindeutig - He is unaware when drawing her / She is unaware when he draws her. Aber vom Ganzen habe ich an 1. nie gedacht - natürlich kann nur er sie in ihrem Zustand naiv und unvorbereitet überrumpeln. Außerdem (die anderen mal weghören - ich glaube ich verrate ein Geheimnis) glaube ich nicht, dass ein Mann eine Frau normalerweise unaware (naiv, ohne zu planen) überrumpelt - ich unterstelle ihm, dass er Situation und Gelegenheit erkennt und planmäßig handelt. Also unaware eindeutig bei ihr!
Es könnte auch der (viel) Ältere sein, der sich entweder dieses Verhältnis nicht zutraut, oder der sie sogar durch Ignorieren vor seiner Liebe zu ihr (die sie ihm unterstellt) schützen will. Um 17.19 Uhr schrieb ich: Es kann ein Verhältnis sein wie Schülerin zu Lehrer, Studentin zu Professor, oder langjähriger Nachbar, guter Freund des größeren Bruders. Oder sogar Faust-und-Gretchen-Motiv?
Oder eben einfach ein schüchterner Märchenprinz.
Oder, woran wir heute kaum noch denken, ein großer Standesunterschied. Er ist Angehöriger des Adels, der junge Gutsherr oder irgend so jemand, und sie ist eben ... eine junge Frau, ein Mädchen, die ihn begehrt, und sie begegnen sich täglich? Und damit bringt sie sich ihm mental dar.
Wir wissen auch nicht, ob ihn dieses Gedicht erreicht, oder ob sie es bestenfalls in den Badezimmerspiegel spricht.
Falls ich irgendwelche Indizien übersehen haben sollte, weist mich darauf hin. Aber für mich ist, wenn auch nicht alles, vieles offen.
Im übrigen möchte ich gerne anmerken, dass mir das hier viel Spaß gemacht hat.
PS.: Ein derartiges Denken, wenn auch nicht Ausformulieren, könnte ich mir sogar bei vielen Mädchen von heute vorstellen.
ich glaube auch nicht, dass es ihr um ein sexuelles Verhältnis geht. Sie sorgt sich doch viel mehr um ihre Seele; und die ist es auch, die sie ihm ausdrücklich zum Geschenk macht. Körperliche Unschuld ist ihr wichtig, erklärt sie ihm/uns, weil es die Seele unbehelligt lässt - - man hört ja schon ein „untrampled“ [nicht zertrampelt] mit dem „untrammeled“. Trotzdem die Betonung auf grenzenloser od. unbeschränkter Freiheit liegt.
Auch sollte man das lyrische Ich nicht mit dem Autor verwechseln, es könnte viel verloren gehen . . . :-)
Werner, das ist tatsächlich Arbeit für Geld. Es kommt zwar nicht groß raus, erscheint aber in einem Konzertprogrammheft zweispaltig englisch-deutsch. Durch den Konzertbetrieb mit seinen kurzfristigen Terminen stehe ich aber hier zu sehr unter Zeitdruck, um wirklich das aus den Gedichten rauszuholen, was man unter normalen Umständen könnte. Und privat - privat übersetze ich Gedichte eher selten, aber auch, ja.
Hallo, was die Widmung "E." angeht, stehe ich auch auf dem Schlauch. Jedenfalls steht die Widmung ganz am Anfang des Gedichtbands "Love Songs" von 1917 und nicht direkt vor dem Gedicht, um das es hier geht. Es gibt also eventuell gar keinen Zusammenhang zwischen Widmung und Personen des Gedichtes.
Es gab zwar inhaltlich zum Gedicht passend eine unerwiderte Liebe, laut Biografie ein Mann namens John Hall Wheelock, aber der war's wahrscheinlich nicht, es sei denn, er hatte einen mit 'E' beginnenden Spitznamen. Und dann gab es noch den Ehemann Ernst Filsinger, den sie 1914 geheiratet hatte, und ihre langjährige Freundin Eunice Tietjens, um nur ein paar potenzielle Kandidaten ins Spiel zu bringen.
... Wirtschaftler und Technokrat bin, sondern mir auch noch Sensibilität für solch schöne Dinge bewahrt habe. Ist Deine Arbeit eine kleine private Übersetzung dieser verborgenen Schätze, oder wird das groß herauskommen? Halte mich mal auf dem Laufenden!
... habe gerad zwei Stunden meine Kinder unterrichtet und bin wieder am Drücker. Irgendwie korrespondieren deine Erklärungen sehr gut mit dem Fakt, dass die Autorin tatsächlich einen Schwarm hatte, den sie lange angehimmelt, aber nie bekommen hat.
Ich empfinde, dass er sie einfach niemals bemerkte, beachtete, sie aber ihn immer im Auge hatte. Es kann ein Verhältnis sein wie Schülerin zu Lehrer, Studentin zu Professor, oder langjähriger Nachbar, guter Freund des größeren Bruders. Und nun empfindet sie ihn noch als besonders edel und selbstlos, weil sie annimmt, dass sie zwar ihm gefalle, er sich aber ihr nicht genähert habe. Daher kommt der Titel Because = weil / der Grund ist ... WEIL du niemals versucht hast, meinen Willen zu beugen oder meinen Stolz zu brechen, und ... niemals versucht hast, mich unvorbereitet und naiv zu überrumpeln (draw me unaware), nimm mich doch, gerade deshalb empfinde ich Dich als so ... edel und selbstlos ...
Und am Ende des Gedichts:
Und, weil meine Träume noch herrenlos sind wie der Wind,
werde ich Herr und Gebieter zu Dir sagen,
eben, weil Du es niemals von mir verlangt hast.
Das ist eine Ansprache bedingungsloser Liebe und vertrauensvoller Unterwerfung.
Er - hat er sie je wahrgenommen - sie unterstellt es, über ihn wissen wir aus dem Gedicht gar nichts - er möge sie endlich beachten und annehmen, das ist ihr Flehen in diesem Gedicht.
to draw aside (1): pull to one side - The neighbour drew the curtain aside // (2) take somebody on one side to talk quietly or confidentially to him: The captain drew the fast bowler aside to warn him about throwing. // To draw back: It seemed that he drew beack for a moment, alarmed, frightened ... // To draw down: He draw the blinds down to keep out the sunlight .. // To draw in: The Cornuish Riviera (name of a train) drew into Plymouth a few minutes ahead of schedule (A. Christie) // To draw on in 4 Hauptvarianten // To draw up ... // To draw ohne Ergänzung (die ja unseren Vorsilben entspricht) beinhaltet also alles das und ist noch viel kraftvoller.
Ein anderes einsprachiges hat auch to draw = to attract unter 25 Bedeutungen.
To draw ... einfach mit überzeugen oder sogar herumkriegen übersetzen?
Das Verb draw ist hier keine semantische Nullstelle, keine sinnleeres Füllwort, das ist hier das zentrale Verb! Sinn ist herüberziehen, erobern, herumkriegen (deshalb benutze ich möglichst keine zweisprachigen Wörtebücher mehr - sie schieben einen in eine bestimmte Richtung und lassen einer offenen kreativen Interpretation keinen Raum). Mein einsprachiges Wörterbuch hat mit Suffixes etwa 40 Varianten zu to draw. Ich schau mal, was passen könnte.
Danke für die netten Zeilen.
Aber - sie sie sagt folgendes selbst (als Überschrift schrieb ich, dass die Zeile davor dazu gehört) - jetzt also inklusive der Zeile davor:
.. nor ever with a conquering air you thought to draw me unaware ...
Das ist das NOR aus never / nor = weder ... noch.
Das habe ich dann übersetzt mit niemals hast Du mit dem Flair des Eroberers (= mit dem überlegenen Lächeln des Eroberers ..) versucht, mich naiv und unvorbereitet (neue Variante zur Verdeutlichung) herum zu kriegen.
Ich interpretiere das so, dass er sie niemals beachtet hat.
erobern wollte er sie wohl schon, nur halt nicht unbedingt durch Einschüchterungs- oder Überrumpelungstaktik, wenn ich Thayenga richtig verstehe. So würde ich das beim derzeitigen Kenntnisstand auch sehen. Vielen Dank für den interessanten Input; ich hatte schon gehofft, dass sich so eine Diskussion wie die hier entspinnt.
Interessanter Gedanke! Stand für mich eigentlich fest, dass er sie erobern wollte, so sagt sie's ja selbst: 'you thought to draw me'. Aber vielleicht war's ja wirklich nur Wunschdenken ihrerseits? Food for thought . . . .
Vielen Dank für diese Gedanken zum Text mitten am heiligen Sonntag. Ihr habt das "draw" in der Kollokation "draw ... unaware" also als semantische Nullstelle interpretiert, als Füllsel oder reines Hilfsverb, wenn ich das richtig verstehe. Oder hat es noch irgendwelche Reste von Bedeutung hier?
Ich verstehe es so, dass er sich niemals für sie interessierte, niemals daran gedacht hatte, sie zu nehmen / zu überrumpeln.
Ich versuche mal die ganze Textstelle:
... denn Du hast niemals versucht
meinen Willen zu beugen oder meinen Stolz zu brechen,
und nichts, was wir vom Höhlenmenschen noch in uns haben, hat dich je dazu gebracht, mich zu erschrecken und mir Angst zu machen,
niemals hast Du mit dem Flair des Eroberers daran gedacht, mich überrumpeln wollen.
Nimm mich doch endlich !!! denn ich liebe Dich mehr, als ich je jemanden geliebt habe.
So empfinde ich es. Das kann richtig sein, muss es jedoch nicht.
PS.: Doch ich habe es nochmals gelesen, und das ganze Gedicht auch. Das ist so richtig, jetzt bin ich sicher.
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Answers
3 hrs confidence: peer agreement (net): +3
einen Person unvorbereitet und naiv überrumpeln, eine Beziehung einzugehen
Explanation: Eine m.E. denkbare Interpretation. Begründung und Herleitung in Diskussion.
-------------------------------------------------- Note added at 4 Stunden (2010-10-24 15:35:19 GMT) --------------------------------------------------
Bitte Korrektur der Überschrift: natürlich muss es eine Person heißen (ein n zuviel).
Werner Walther Local time: 15:55 Native speaker of: German PRO pts in category: 8
Grading comment
Noch einmal vielen Dank, Werner. Vor ein paar Tagen hatte ich schon mal Deine Antwort als hilfreichste ausgewählt, aber manchmal klappt es bei mir einfach nicht im ersten Anlauf, scheint's. Ist mir schon ein paar Mal passiert.