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Über Fallstricke bei einer integrativen Betrachtung
Inhalt
1 Einleitung
2 Eine Politik der Anerkennung
2.1 Frauen, Umwelt und internationale Verhandlungen
2.2 Gender Mainstreaming und Gender Impact Assessment
3 Überwindung der Geschlechterkategorien
3.1 Explizite und implizite Geschlechterverhältnisse
3.2 Geschlechterverhältnisse und Klimaschutz in Entwicklungsländern
4 Fazit und Ausblick
1 Einleitung
Ist ein Thema erst dann bedeutsam, wenn es in Fachpublikationen und Wissenschaftlichen Debatten auftaucht? Dann dürfte das Thema ‚Gender und Klimawandel’ gemessen an den wenigen Publikationen, die explizit zum Thema vorliegen, nicht besonders relevant sein. Grund für die geringe Zahl an wissenschaftlichen Beiträgen könnte sowohl die Komplexität der Klimathematik sein als auch der Anspruch, Geschlechterfragen als Querschnittsaufgabe zu berücksichtigen. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass zahlreiche Arbeiten vorliegen, die für das Thema Gender, Klimawandel und Klimapolitik durchaus sehr relevant sind, wenngleich dies häufig nicht explizit im Titel ausgewiesen ist.
Die allgemeine Beschreibung zu den Folgen des Klimawandels lautet wie folgt: Verschiedene Länder, Regionen, Bevölkerungen und gesellschaftliche Gruppen sind auf unterschiedliche Weise von den Folgen globaler Erwärmung wie Stürmen, Dürren oder Überschwemmungen betroffen. Was für die Auswirkungen des Klimawandels gilt, gilt ebenso für seine Ursachen, die sich weltweit höchst unterschiedlich verteilen. Die Unterschiede in der Verursachung und Betroffenheit werden am stärksten im Vergleich zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industriestaaten deutlich. Letztere tragen eine ungleich größere Verantwortung für den Ausstoß klimaschädlicher Gase während v. a. arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern durch geringere Anpassungskapazitäten am stärksten mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert sind. Aber auch innerhalb von Gesellschaften gibt es deutliche Ungleichgewichte bei der Anpassung an klimabedingte Schäden. Die Komplexität wird außerdem durch den Faktor Zeit erhöht: Heutige CO2-Emissionen wirken sich erst in nicht exakt vorhersehbarer Zukunft aus. Ferner sind bei der Analyse der politischen Regulation des Klimaproblems die Nationalstaaten in Wechselwirkung mit dem internationalen Klimaregime und die Rolle anderer, an der Klimadebatte beteiligter Akteure wie NGOs, die Lobbyverbände der Industrie und die Wissenschaft, sowie die Frage nach den politischen wie ökonomischen Instrumenten zentral.
Wird die ohnehin komplexe Bearbeitung von Fragestellungen zum Klimawandel durch die Integration des Leitbilds der Geschlechtergerechtigkeit zusätzlich erschwert?
Der Anspruch, Gender- und Umweltthemen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Relevanz transdisziplinär zu bearbeiten, erfordert eine Überwindung disziplinärer Grenzen. Solange aber die Themen Gender und Klima als zwei voneinander getrennte Bezugssysteme begriffen werden, wird die disziplinübergreifende Bearbeitung zusätzlich erschwert. Im vorliegenden Diskussionspapier soll dieser Argumentation nachgegangen werden. Es wird diskutiert, inwieweit eine Genderanalyse beim Thema Klimawandel und Klimapolitik integrativ möglich und sogar notwendig ist, um wirksame Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu entwickeln. Dabei soll auf Fallstricke verwiesen werden, die sich bei der Gegenüberstellung von Geschlechterkategorien im Klimadiskurs verbergen. Am Beispiel von Ressourcennutzung in Entwicklungsländern wird deutlich gemacht, dass die impliziten (strukturell symbolischen, konstruierten) Geschlechterverhältnisse
nur unzureichend Berücksichtigung erfahren. Deren Integration ist aber, so wird argumentiert, grundlegende Voraussetzung für die Analyse der Geschlechterverhältnisse und für eine gehaltvolle Debatte über Gender und Klimawandel.
Der Begriff Gender ist zunächst als Ausdruck einer Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen in der Gesellschaft zu verstehen. Dabei nimmt die Genderforschung eine Perspektive ein, die sich zur androzentristischen, d. h. einer männlich-verallgemeinerten Perspektive abgrenzt. Gender meint das soziale Geschlecht, nicht das biologische. Weil Gender gesellschaftlich konstruiertist, ist es auch beeinflussbar und veränderbar. Deshalb geht es innerhalb der Genderforschung nicht allein um geschlechtsspezifische Unterschiede, sondern um die Beziehungen und Verhältnisse der Geschlechter zueinander, die von der Gesellschaft geprägt sind und so in die Frauen- und Geschlechterforschung, wissenschaftliche Definitionen, Konzepte und Methoden eingehen. Anstelle von bipolarer Gegenüberstellung von Mann und Frau, wird Geschlecht als Konstruktion durch die soziale Wirklichkeit verstanden (Schultz 2001). Die wissenschaftliche Gender-Debatte ist dabei zwar stark mit politischen Zielen nach Gleichberechtigung verknüpft, sie darf aber nicht mit Frauen- und Genderpolitik gleichgesetzt werden.
Bezüge zwischen Gender und Klimawandel im weitesten Sinne lassen sich zunächst einmal zu den Themenfeldern ‚Gender- und Umweltforschung’ (Schultz / Weller 1995; Schultz 2001), aber auch im Zusammenhang mit Untersuchungen zu internationaler Politik, Globalisierung (Klingebiel / Randeria 1998; Prügl / Meyer 1999; Bistuer 2001; Lenz 2002) und Entwicklungspolitik (Aithal 1995; Joekes et al. 1996) herstellen. Dabei sind auch Partizipationsansätze an verschiedener Stelle relevant (Gapp 1998; Rodenberg 1998; Knothe2001; Rodenberg 2001). Darüber hinaus lassen sich aus der Einstellungsforschung Erkenntnisse ableiten, die auch für die Klimaforschung grundlegend sind (Grunenberg / Kuckartz 2003).
Im anschließenden Kapitel wird auf die formalpolitische Rahmensetzung der Gender- und Klimathematik eingegangen. Es werden die wichtigsten internationalen Konferenzen auf ihren integrativen Gender- und Klimabezug hin beleuchtet und die Gleichstellungsinstrumente Gender Mainstreaming und Gender Impact Assessment vorgestellt. In Kapitel 3 geht es dann um die Fallstricke bei einer integrativen Betrachtung von Gender und Klimawandel und -politik.
Remainder of text available on request | Translation - English Gender, climate change and climate change policies
Hidden traps in an integrative approach
Contents
1 Introduction
2 A politics of recognition
2.1 Women, the environment and international negotiations
2.2 Gender Mainstreaming and Gender Impact Assessment
3 Beyond binary gender categories
3.1 Explicit and implicit gender relations
3.2 Gender relations and climate protection in developing
countries
4 Summary and conclusions
1 Introduction
Is a topic only of importance when it begins to appear in academic journals and scientific debates? If so, it could be inferred from the fact that there are very few published articles explicitly focusing on ‘gender and climate change’ that this topic was not particularly relevant. This lack of scientific contributions could be attributed to the complexity of climate science as well as to the need to mainstream gender issues. It must not, however, be overlooked that a number of papers exist that are extremely relevant for ‘gender, climate change and climate change policies’, even if this is not explicitly indicated in the title.
The general description of the consequences of climate change comprises the following elements: various countries, regions, populations and social groups are affected in different way by the consequences of global warming such as storms, droughts or floods. The effects of climate change, as well as its causes, differ greatly throughout the world. The differences in cause and effect are most evident when comparing developing, fast-developing and industrial countries. The latter bear a disproportionately large responsibility for the emission of gases that are harmful to the environment, whereas poor population groups particularly in developing countries are the most affected by the consequences of climate change as a result of their weak capacity for adaptation. But there are also clear inequalities within societies with respect to adaptation to damage caused by climate change. Time is another factor which makes the situation even more complex: current CO2 emissions will not have an effect until a time in the near future which cannot be accurately predicted. Furthermore, a dialogue between nation-states and international climate governing bodies is central to the analysis of the political regulation of climate problems. This is also true of the role of others involved in the climate change debate such as NGOs, industry lobby groups and scientists, as well as the question of political and economic instruments.
Will the existing complexity of dealing with climate change issues be further compounded by the integration of the gender justice model?
The need for an interdisciplinary approach to gender and environmental issues, which is rooted in its social relevance, calls for researchers to transcend disciplinary boundaries. However, as long as gender issues and climate change continue to be understood as two distinct reference systems, work spanning these disciplines will be further hampered, which is an argument addressed in this paper. With a view to developing effective climate protection measures, it is discussed to what extent it is possible, and even necessary, to integrate a gender analysis into climate change issues and policies. Reference is also made to hidden traps in the analysis of gender categories within the climate debate. The use of resources in developing countries is taken as an example to illustrate how implicit (structurally symbolic or constructed) gender relations receive insufficient consideration. However, it is argued that an integrative approach is essential for an analysis of gender relations and for a meaningful debate on gender and climate change.
The term gender is to be understood, in this context, as resulting from theoretical discussion on the roles of men and women in society. Within this framework, gender studies adopts a perspective which is in opposition to an androcentric, that is, a generalizing, male-centred perspective. Gender refers to social, as opposed to biological sex. Because gender is socially constructed, it is not a fixed category and can be changed. Therefore, gender studies is not solely concerned with differences between men and women but rather with the relations and relationships between them that are constructed by society. Research within the fields of women's studies and gender studies then analyses these social constructions by means of scientific definitions, concepts and methods. Replacing the binary opposition of man and woman, gender is understood as a construction of social reality (Schultz 2001). Although the academic gender debate is closely tied to political goals of equality, it must not be equated with feminist or gender politics.
In English the term 'gender' is also used in rhetoric dealing with the position and treatment of men and women in society, i.e. when, strictly speaking, the term 'sex' would be correct. For example ‘gender-equality’, ‘gender-justice’, 'gender gap', etc. The term gender is used throughout this paper in accordance with the two, albeit contradictory, uses.
Relations between gender and climate change in the widest sense can be predominantly established within the field of 'gender and environmental research’ (Schultz / Weller 1995; Schultz 2001), but also in connection with research into international politics, globalisation (Klingebiel / Randeria 1998; Prügl / Meyer 1999; Bistuer 2001; Lenz 2002) and development politics (Aithal 1995; Joekes et al. 1996). Involvement in different areas is therefore relevant to research in this area (Gapp 1998; Rodenberg 1998; Knothe2001; Rodenberg 2001). Knowledge gained from attitude research is also of fundamental importance to climate change research (Grunenberg / Kuckartz 2003).
The following chapter addresses the formal political framework of gender and climate change. The most important international conferences and their relevance to the integration of gender and climate change are highlighted, and the instruments aiming to promote equality, Gender Mainstreaming and the Gender Impact Assessment, are introduced. Chapter 3 then focuses on hidden traps in an integrative approach to gender and climate change policies.
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