Geistiges Eigentum an der Übersetzung
Thread poster: MichaB
MichaB
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Apr 1, 2008

Hallo!

Kann man in einer Rechnung das geistige Eigentum an einer Übersetzung (bis zur vollständigen Bezahlung) geltend machen und (falls der Auftraggeber die Zahlung verweigert) z.B. die Veröffentlichung untersagen?

Wie sieht das aus rechtlicher Sicht aus? Andere Branchen machen so etwas ja auch!

Bruß

Micha


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xxxwonita
China
Local time: 06:58
Das Gleiche interessiert mich auch Apr 1, 2008

Zahlungserinnerungen, Mahnungen, Nachfragen scheinen dem Kunden gleichgültig zu sein. Dann müssen wir als Übersetzer den "pain point" des Kunden finden, der zu sofortiger Zahlung führt.

Leider stehen einige unserer Kollegen moralisch so hoch, dass sie mich schämen lassen, dass ich mit solchen Gedanken spiele. Mehr dazu:www.proz.com/topic/100979




[Edited at 2008-04-01 19:45]


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xxxhazmatgerman
Local time: 10:58
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Durchsetzzbarkeit Apr 2, 2008

Sehr geehrte Kollegen,
m.E. kann man sicher das geistige Eigentum an einer Übersetzung, das einer eigenständigen geistigen Leistung gesetzlich zuerkannt ist, geltend machen. Daß allerdings die Androhung einer Versagung der Nutzungsrechte (Veröffentlichung ist ja nicht unbedingt die vorgesehene Nutzung) sinnvoll ist, falls man keine realistische Durchsetzungsoption hat, bezweifle ich. Und eine erkennbar leere Drohung bewirkt idR das Gegenteil; vom wahrscheinlichen Ende der Geschäftsbeziehung zu schweigen. Dies nur als Hinweis, was man bedenken sollte. Falls natürlich umfangreiche noch unbezahlte Leistungen erbracht wurden, deren Nutzung effektiv kontrolliert werden kann, ist diese Option eher realistisch.
Gruß


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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 10:58
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+ ...
Das ist wirklich eine sehr gute Frage! Apr 2, 2008

Eigentumsvorbehalt und Urheberrecht
a) Die Übersetzung bleibt bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum des Übersetzers.

b) Der Übersetzer behält das Urheberrecht an der Übersetzung.

Soweit mir bekannt, trifft Punkt a) grundsätzlich zu, vielleicht entfällt dieser Sachverhalt nur einigen Personen gelegentlich, wenn es ans Bezahlen geht (;-))...Dieser Satz gehört jedoch m. E. bereits in die jeweils geltenden AGBs, die im Idealfall von beiden Seiten gelesen und anerkannt werden, IM IDEALFALL...Wenn du allerdings das Gefühl hast, du fühlst dich allzu oft um deine Bezahlung gebracht, dann kann es sicherlich auch nichts schaden, wenn du diesen einen Satz gerade mit in deinen Rechnungstext aufnimmst...Zahlbar bis...Die Übersetzung...blabla...
(Das sind dann deine AGBs nochmal auf den Punkt gebracht, wenn du so möchtest)

Dies alles natürlich immer in der Hoffnung, dass der Satz eine Signalwirkung beim Leser erzeugt. Wirklich unseriöse Auftraggeber wird auch das nicht kümmern, fürchte ich.

Eine Veröffentlichung kannst du (behaupte ich hier mal frech) in gewissen Fällen untersagen, vor allem wenn du nicht einmal dafür bezahlt worden bist. Streng genommen muss man sich jedes Mal auch deine Genehmigung zur Veröffentlichung einholen. Dies obliegt dem Punkt b). Veröffentlicht werden kann erst, wenn du dein Urheberrecht abgetreten hast, bzw. dein Einverständnis gegeben hast. (So kenne ich es aus der Zusammenarbeit mit Verlagen).
Aber bei so vielen anderen Auftragsvarianten und zwischengeschalteten Parteien (wie z.B. Unternehmen - Übersetzungsbüro - Übersetzer) wird hier ganz klar ein Minenfeld / bisweilen eine rechtliche Grauzone betreten.
Das scheint mir branchenimmanent zu sein.

Ich muss gestehen, dass ich selbst bislang auf Punkt b) nicht gepocht habe, auch wenn ich wusste, dass die Texte für eine Veröffentlichung im Internet bestimmt waren. Ich denke, das ist auch gar nicht so praktikabel bei jedem kleinen Auftrag. Ansonsten habe ich hierfür einen ordentlichen Vertrag unterschrieben, in dem das geregelt stand. (Verlagsbeispiel)

Offensichtlich ticke ich etwas anders. Für mich liegt eigentlich näher, bei Nichtzahlung dann auch irgendwann eine offizielle Mahnung für eine bereits geleistete Übersetzung abzuschicken, denn ich vermute, für die Verhinderung einer Veröffentlichung müsste ich ja doch einen Rechtsanwalt einschalten, was es noch komplizierter macht. - Bislang musste ich sowas nie in Erwägung ziehen.

- Ich wünsche mir zu diesem interessanten Thema noch ein paar weitere Meinungen und juristische Infos von fundierter Seite ...) - Grüße


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MichaB
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TOPIC STARTER
Mahnung Apr 3, 2008

Hallo!

ABGs? Habt ihr etwa so etwas? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie die auszusehen haben!

Es scheint so, dass die meisten Übersetzer "Angst" haben, eine Manung zu schicken oder, wenn die Rechnung nach längerer Zeit immer noch nicht bezahlt ist, sogar ein gerichtliches Mahnverfahren (also mit Anwalt und Co) zu starten. Warum? Aus Sorge, dass sie danach keine weiteren Aufträge mehr bekommen, weil das Vertrauensverhältnis (oder was auch immer) zwischen Auftraggeber und Übersetzer ruiniert ist. Ganz klar: Das Vertrauen IST ruiniert, aber auf meiner Seite! Wenn jemand nach 10 Wochen nicht bezahlt
(siehe: www.proz.com/topic/100979), dann kann natürlich nicht davon ausgegangen werden, dass ich den Klienten als vertrauenswürdig einstufe. Es mag Einzelfälle geben, in denen es aus welchen Gründen auch immer zum Zahlungsverzug seitens des Kunden kommt (Feiertage, Urlaub, Krankheit), und wenn ein Kunde eigentlich immer pünktlich gezahlt hat, ist es natürlich absolut unangebracht, sofort mit dem Anwalt zu drohen, wenn die Bezalung mal auf sich warten lässt. Wenn aber die Übersetzer insgesamt sich solch ein Verhalten gefallen lassen, dann ist es nicht verwunderlich, dass Kunden mit der Bezahlung immer länger warten. Ganz klar: Mahnnung (Erinnerungsschreiben) schicken, die am Anfang ja noch ganz freundlich klingen kann, und wenn dann noch nicht einmal eine Antwort kommt, mit Anwalt. Auf eine Mahnung einfach nicht zu antworten, ist m.E. eine absolute Frechheit, die man sich nicht gefallen lassen sollte.

Mahnen sollte man auf jeden Fall auch bei kleineren Beträgen!!
Von diesen Kunden will ich dann sowieso keine weiteren Aufträge erhalten!

Wie das mit dem geistigen Eigentum aussieht, wenn zwischen Auftrageber und Übersetzer noch eine Agentur zwischengeschaltet ist, da habe ich natürlich keine Ahnung. Vielleicht gibt es hier ja ein paar juristisch bewanderte Leute, die da mal was zu sagen können!

Gruß
Micha


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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 10:58
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+ ...
Mahnverfahren geht erstmal problemlos OHNE Anwalt! Apr 3, 2008

Hallo Micha,

klar: mahnen sollte man natürlich immer, anstatt "edel zu verzichten", wäre ja noch schöner.
Ich höre aus deiner Verärgerung heraus, dass du offensichtlich schon erfolglos -ohne Reaktion- gemahnt hast. Dann ist die nächste Phase angesagt:

nur hierzu:
einen Mahnbescheid kannst du laut Info schon im Schreibwarenladen kaufen und ihn ohne Anwalt beim Amtsgericht einreichen! Am einfachsten ist vorab ein Anruf für nähere Infos bei dem für dich zuständigen Amtsgericht. Bei einem Streitwert von bis 600 EUR kostet ein Mahnbescheid 18 EUR. Aber nicht vergessen, beim Forderungsbetrag die Gebühren für den Mahnbescheid zu addieren.

Dannach gilt es, ein Weilchen Geduld zu haben, und dann bekommst du irgendwann (1-2 Monate) Post vom Amt, worin dir mitgeteilt wird, wie es weitergeht.

Der Schuldner hat dann 3 Möglichkeiten:

1. Er bezahlt - Sache erledigt
2. Er legt Widerspruch ein - Formular dafür ist auf der Rückseite vom Mahnbescheid
3. Er reagiert gar nicht (Stillschweigen) - dann kannst du den Vollsteckungsbescheid beantragen, nachdem die ihm gesetzte Frist abgelaufen ist (Kostet dich dann aber auch wieder was)

Das sind so die Schritte, die man mir mal mitgeteilt hat. Soweit kam es bei mir allerdings noch nie. Hierzu gibt es m.E. auch schon diverse Forenbeiträge.

P.S.: AGBs habe ich - zu meiner Schande - immer noch nicht auf meiner Homepage stehen, bastele aber schon seit geraumer Zeit mal daran, wenn ich Zeit habe. Es gibt sehr viele gute Vorlagen, die man sich dann immer auf seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann/sollte. Damit das aber auch eine gewisse Signalwirkung beim Kunden erzielt, müsste man diesen Text jedem neuen Kunden gleich zu Beginn mitschicken, sodass dieser sich hierzu äußern kann. Wie gesagt: das ist der Idealfall, wie er in der Praxis oft nicht läuft, weil der Markt so unüberschaubar ist. Wenn du so viele schlechte Erfahrungen gemacht hast, würde ich mich damit unbedingt mehr befassen, denn dann wirst du dir auch gleich selbst klarer darüber, was dir für deinen Geschäftsablauf wirklich von Bedeutung und dir persönlich sehr wichtig ist.

[Bearbeitet am 2008-04-03 13:21]


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