Zeilenpreis nach "Matches" klassifizieren
Thread poster: Jonas_Je
Jonas_Je
Local time: 01:42
English to German
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Apr 9, 2008

Hallo,

ich habe eine Frage zur Angabe meines Zeilenpreises gegenüber einer Agentur. Im auszufüllenden Fragebogen wird nicht nur nach meinem allgemeinen Zeilenpreis gefragt, sondern eine deutliche Differenzierung vorgenommen. Ich soll meine Preise für "Matches" in Trados angeben, das sieht dann so aus:

100% – Match
95 – 99% Match
85 – 94% Match
75 – 84% Match
50 – 74% Match
No Match

Ich soll dann hinter jeder Match-Art meinen Preis nennen. Nun gut, bei "No Match" dürfte das wohl der Zeilenpreis sein, den ich mir üblicherweise vorstelle. Bei den anderen Matches ist das so eine Sache. So habe ich bislang nie mit Agenturen verhandelt. Kann mir jemand sagen, wie es beispielsweise mit Wiederholungen à la 100% Match aussieht? Ich weiß nicht, welche Preise dafür üblich sind. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben, welche Abstufungen sinnvoll wären, sofern das überhaupt so einfach beurteilt werden kann. Nehmen wir mal an, "No Match" wäre bei mir 0,80 Euro, was wäre dann in den anderen Kategorien sinnvoll, damit ich einen vernünftigen Gesamtpreis erzielen kann?

Zusätzliche Frage: Wenn ich aus dem Quelltext eine Zeile übernehme, wie zum Beispiel eine Adresse, an der keine Änderung vorzunehmen ist, müsste dies doch trotzdem normal berechnet werden, oder?

Vielen Dank!


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Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 02:42
Member (2003)
Finnish to German
+ ...
Erst mal aif Wortpreise umrechnen Apr 10, 2008

Lieber Kollege,
falls du also bisher 80 Cent für eine Normalzeile berechnet hast, solltest du dir ausrechnen, wieviel im Durchschnitt ein Wort der Ausgangssprache gekostet hat. Bei solchen Aufträgen, bei denen Trados o. ä. vorausgesetzt wird, muss man den Wortpreis angeben.
Falls die Ausgangssprache Englisch ist, kann man wohl davon ausgehen, dass 8 Wörter in eine Normzeile passen. Daraus erhältst du den Wortpreis von 0,10 Euro.
Weil aber diese Trados-Kunden Preisnachlässe aufgrund der Analyse "verlangen", musst du erstmal den Wortpreis anheben, sonst erleidest du Einbußen.
In deinem Fall wäre wohl eine Zuschlag von 20 % angebracht, das bedeutet einen Wortpreis von 0,12 Euro.
Falls der Kunde das nicht zahlen will, teile ihm mit, dass er alternativ deinen Zeilenpreis von 80 Cent ohne Nachlässe zahlen und seine Analyse vergessen soll. Das Hin- und Herschicken von TMs bedeutet für den Übersetzer einen deutlichen Arbeitsanstieg.

Von diesen 12 Cent pro Wort kannst du dann prozentuale Ermäßigungen vereinbaren, also z.B. so, dass für 90-99 % Match 30 % des Wortpreises gelten. In der Regel sind diese Anteile ziemlich gering, der Hauptteil des Textes ist entweder 100% oder 0 %, also völlig im TM enthalten oder gar nicht. Falls der Kunde will, dass du die 100 % Match-Segmente auf Richtigkeit kontrollierst, musst du dafür auch einen Betrag festlegen.

Ob die Kalkulation richtig ist, musst du in der Praxis überprüfen. Schließlich sollen Trados-Kunden mindestens so viel bezahlen wie Kunden, denen es Wurscht ist, wie du die Übersetzung machst. Trados und andere Übersetzungsumgebungen sparen auf der Kundenseite immens viel Arbeit ein, bringen dem Übersetzer aber nur Verlust, weil der Kunde alte Übersetzungen immer wieder neu verwenden kann, wenn in Dokumenten Änderungen vorgenommen werden.
Übersetzungsumgebungen wie Trados, Wordfast etc. sind nur dann nützlich, wenn der Übersetzer sie einsetzt, aber dem Kunden nur den Zieltext überlässt.

Gruß
Heinrich


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RWSTranslation
Germany
Local time: 01:42
Member (2007)
German to English
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Wortpreis ??? // Kalkulation Apr 10, 2008

Heinrich Pesch wrote:

...., solltest du dir ausrechnen, wieviel im Durchschnitt ein Wort der Ausgangssprache gekostet hat. ....


Hallo,

was hat die Staffel mit Wortpreisen zu tun ? Ich zumindest sehe da keinen direkten Zusammenhang.

Auch die folgende Kalkulation kann ich so nicht wirklich nachvollziehen.

Bei allen Angeboten die man abgibt, sollte man versuchen den Aufwand möglichst genau abzuschätzen um dann seine Preise zu vereinbaren.

Am einfachsten wäre dies, wenn man einfach einen Stundensatz angeben könnte und dann am Ende nach der benötigten Zeit abrechnet.

Leider wollen viele Auftraggeber aber vorher wissen, was sie nachher bezahlen müssen. Daher versucht man den zu erwartenden Aufwand auf andere Mengeneinheiten und Kalkulationsschemen abzubilden.

Letzlich stellt sich also die Frage, wieviel schneller kannst Du Übersetzen, wenn ein Text zum Teil in einem Translation Memory enthalten ist. Hierbei ist die Behauptung, dass entweder 100% Matches oder 0 % Matches die Mehrheit sind nicht richtig. Die Aufteilung der Matches in der Staffel hängt von vielen Faktoren ab (z.B. Größe des Memorys, Art der Dokumente, Schreibstil der Redakteure, ....).

Auch haben wir bei unseren Statistiken eher 9 - 10 Wort je Zeile in englischen Texten ermittelt (wobei sich aber schon die Frage stellt wie lang denn eine Zeile ist.) Auch hier wird jedoch die Textsorte einen nicht unerheblichen Einfluss haben. In deutschen Texten sind es im Übrigen nur 7 - 8 Worte/Zeile, wobei man als kleine Faustregel sagen kann: Je weniger Worte ein Text je Zeile hat, desto schwieriger ist er zu übersetzen. (d.h. auf Wortbasis kalkulierte Texte sind umso billiger zu übersetzen, je schwerer sie sind.) (für deutsche Texte)

Ich empfehle daher sich zu überlegen, welchen Stundensatz man anstrebt und dann bei jedem Auftrag den realen Stundensatz zu ermitteln. Nach kurzer Zeit wirst Du dann ziemlich genau einschätzen können, welche mengenorientierten Preise dem jeweiligen Stundensatz entsprechen.

Viele Grüße

Hans


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Emmanuelle Riffault  Identity Verified
Germany
Local time: 01:42
Member (2004)
German to French
+ ...
keine Pflicht Apr 11, 2008

Hallo,
ich denke auch, dass diese Aufteilung mit einem Zeilenpreis sehr wohl vereinbar ist.

Außerdem bin ich der Meinung, dass die Tatsache, dass ein Kunde eine solche Aufteilung in einem Formular angibst, keinen dazu zwingt, Preise nach dieser Aufteilung anzubieten. Das Thema "Nachlass oder kein Nachlass für Wiederholungen" wurde in etlichen Foren diskutiert, ich komme also nicht noch mal darauf zurück. Aber zum 1. Kontakt mit einem potentiellen Kunden gehört auch ein Stück Verhandlung und Darstellung der eigenen Preise, Umfang der Dienstleistung usw.

Es ist vielleicht auch möglich, einen Kompromiss zu finden. Wenn du unbedingt nach "Matches" berechnen willst/musst, gibt es auch folgende Option: Alles zwischen 0% und 95% (ist nur ein Beispiel) gilt als Neuübersetzung und wird zum normalen vollen Zeilenpreis berechnet. Der Rest (96-100%) wird als Korrekturlesen angesehen (1/2 oder 1/3 des normalen Zeilenpreises... auch nur als Beispiel).

Emmanuelle


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Jonas_Je
Local time: 01:42
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TOPIC STARTER
Ich werde deutliche Abstufungen vornehmen Apr 11, 2008

Ich bedanke mich für die Antworten! Es geht übrigens, nur der Vollständigkeit halber, um Zeilen zu je 55 Zeichen inklusive Leerzeichen.

Mir scheint, dass diese Festlegung des Preises nach Matches nicht allzu häufig vorkommt. Es wäre sinnvoll, wenn ich einerseits Preise für die einzelnen Matches nenne, die dazu führen, dass die Agentur mir auch Aufträge übermittelt und andererseits durch eine solche Staffelung nicht Gefahr laufe, schlechter bezahlt zu werden, als es bei einem möglicherweise niedrigeren, aber dafür einheitlichen Zeilenpreis der Fall wäre. Gleichzeitig sollte eine gewisse Transparenz gewährleistet sein.

Tendenziell werde ich bei "No match" einen etwas höheren Zeilenpreis ansetzen, als es bei einem einheitlichen Zeilenpreis der Fall wäre, für die Bereiche danach leichte Abstufungen vornehmen und dafür bei reinen Wiederholungen deutlich heruntergehen.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass es wieder einmal eine Agentur ist, die dem Kunden keine Preise auf der Homepage nennt. Mir scheint, dass auf Preis-Beispiele auch in der Hoffnung verzichtet wird, dass die Übersetzer, die keine Orientierung vorfinden, einen unnötig niedrigen Zeilenpreis vorschlagen. Wenn ich wüsste, dass die Agentur ihren Kunden relativ hohe Preise berechnet, würde ich als freier Mitarbeiter dementsprechend meine Ansprüche auch erhöhen, aber so bleibt ein Fragezeichen.


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