Der Übersetzungsmarkt in zehn Jahren – ein Ausblick
Thread poster: Aniello Scognamiglio

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Dec 23, 2008

Hallo!

"Interessanter Artikel", dachte ich nach wenigen Zeilen, bis ich auf diesen Absatz stieß und feststellen musste, dass Frau Hager Werbung für ihr eigenes Unternehmen (ein Übersetzungsbüro!) betreibt:

Ich zitiere:
"Dadurch würde die Kooperation zwischen Unternehmen und Freiberuflern vermutlich abnehmen und die Kooperation mit Übersetzungsbüros zunehmen, da nur letztere die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für große Projekte anbieten. Daher wird es zukünftig für Unternehmen entscheidend sein, mit einem Übersetzungsbüro zusammen zu arbeiten, das möglichst viele Sprachkombinationen und ein möglichst großes Technikspektrum anbietet."
Zitat Ende.

Da lehnt sich Frau Hager für meine Begriffe etwas zu weit aus dem Fenster.

An anderer Stelle widerspricht sie sich. Einerseits beklagt sie den zunehmenden Übersetzermangel, andererseits empfiehlt sie Unternehmen, sich mit MT zu befassen. Einerseits würden Übersetzer händeringend gesucht, andererseits bräuchte man diese in Zukunft noch als Kontrollinstanz.

Ich zitiere:
"Doch auch in der Zukunft wird der Mensch noch als Kontrollinstanz benötigt werden."
Zitat Ende."

Noch ein Zitat:
"In Bezug auf MT wird sich der Aufgabenbereich des Übersetzers mehr auf die Nachbearbeitung verlagern. Bereits heute arbeiten speziell ausgebildete Korrektoren mit MT. Ihre Arbeit unterscheidet sich grundlegend von reinen Übersetzungs- oder Editierungsaufgaben. Jedoch kann dieser Ansatz nur erfolgreich sein, wenn er von allen Seiten angenommen und anerkannt wird, nicht nur von den Übersetzern, sondern auch von den Kunden."
Zitat Ende.

Mehr Nachbearbeitung? Von allen Seiten angenommen? In erster Linie entscheidet der Übersetzer selbst, welche Tätigkeit er ausübt. Dass bereits heute in verschiedenen Bereichen "automatisiert" wird, ist nichts Neues. Ich hätte mir mehr Differenzierung und weniger Pauschalisierung gewünscht.

Der ganze Artikel:
http://www.tekom.de/index_neu.jsp?url=/servlet/ControllerGUI?action=voll&id=2623

An dieser Stelle möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen, Kunden und potenziellen Kunden, ein paar ruhige Tage und ein gutes neues Jahr wünschen!

Aniello Scognamiglio


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KSL Berlin  Identity Verified
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Immer wieder der gleiche Quatsch Dec 23, 2008

Auf Englisch nennt man so was ein "puff piece". Die Aussagen sind nichts Neues, in vielen Fällen kaum plausibel und allgemein relativ inhaltsleer. Da hat Frau Hager mit der Wiederholung altbekannter Punkte nichts zum Thema beigetragen. Es ist aber gut zu wissen, dass in in Zukunft "noch als Kontrollinstanz benötigt [werde]"

Immer wieder höre/lese ich von kontrollierter Sprache (KS). Aber die Realität ist, der Mensch kann seine Triebe zu Abweichung/Chaos/Individualität selten beherrscheb, ob für Gut oder Böse. Einer meiner beliebtesten Kunden erzählt mir seit 2002 oder so wie dieses Konzept bald alles ändern wird und dass die Handbücher bald weitgehend maschinell vorbereitet werden, auch ganz neue. Ohne wiederholten Inhalte gilt das aber bis heute noch als Pfeifentraum. Und diese Woche habe ich genau die gleichen Behauptungen (bezgl. KS) für die Webseiten eines rennomierten Unternehmens für technische Doku übersetzt, wo ich aber in den eigentlichen Instanzen der Handbücher von dieser Firma bisher kaum KS feststellen kann. (Immerhin schreibt man dort überdurchschnittlich gut, das ist wenigstens etwas.)

Es gibt solche wie Frau Hager, die die Übersetzungsbranche allgemein als Wachstumsbranche für die Zukunft bezeichnen, und generell teile ich diese Meinung. Allerdings sehe ich die Einzelheiten ganz anders: die Visionen Ihresgleichen sind von einer Welt, die für mich uninteressant ist, eine übergenormte, programmierbare Mechanismuswelt in der wir kleine Robotor unsere definierten Rollen zu spielen haben, nicht mehr. Und manche hier glauben auch, dass diese horrende Zukunft auf uns zu kommt - jede Woche oder so muss ich Online-Blödsinn über die schlechter werdenden Chancen für Übersetzer auf dem Markt lesen. Na ja, das ist vielleicht doch nicht so blödsinnig für diejenigen, die ihre Arbeit roboterartig und kunstlos ausführen, aber vielleicht werden solche Leute von ihrer undankbaren Arbeit befreit und können etwas nützlicher machen, wie Kinderpflege oder Gartenarbeit. Ich meine das nicht als Beleidigung - ich finde beide Aktivitäten meistens spannender als gute Übersetzungen. Aber dass kreative Übersetzungen - worunter auch verdammt viele technische Übersetzungen zu verstehen sind - überhaupt produktiv maschinell vorzubereiten sind, ist mehr als lächerlich. Selbst für Handbücher würde ich angesichts der sehr strengen rechtlichen Anforderungen auch mit KS diesen Weg nur mit größter Vorsicht geniessen. Kosten senken wird das wohl kaum, wenn jede Variante nach Rechtssicherheit zu prüfen ist - da stecken die wirklich hohen Kosten.

[Edited at 2008-12-23 16:50 GMT]


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Terry Gilman  Identity Verified
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Danke für die Zeitersparnis - besonders in diesen Tagen Dec 23, 2008

Ich hatte mir den Artikel vorgemerkt für "später" (aber nach dem "Redaktionsleitfaden")

Frohe Festtage!
Terry


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Marinus Vesseur  Identity Verified
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Des Pudels Kern Dec 23, 2008

Danke Kevin, da hast du den Nagel auf dem Kopf getroffen.

Eine Nacharbeitungstätigkeit, wie in dem Artikel beschrieben, wäre doch schlimmer als der ödeste Buchhalterjob. Wenn es so käme, würde sich doch kaum noch jemand zum Übersetzerberuf verleiten lassen. Hier wird die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Kevin Lossner wrote:

...die Visionen Ihresgleichen sind von einer Welt, die für mich uninteressant ist, eine übergenormte, programmierbare Mechanismuswelt in der wir kleine Robotor unsere definierten Rollen zu spielen haben, nicht mehr. ...


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xxxwonita
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Übersetzer wie die Piloten? Dec 23, 2008

Mittlerweile sind die Flugzeuge so gut, dass sie meistens alleine fliegen. Unter idealen Bedingungen schaffen die Maschinen sogar, selber zu starten und zu landen, ohne dass die Piloten was dazu tun.
Vielleicht sieht Frau Hager unseren Beruf wie den von den Piloten. Dann darf sie sich nicht weigern, uns entsprechend zu vergüten.


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KSL Berlin  Identity Verified
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Be careful what you wish for.... Dec 23, 2008

Bin Tiede wrote:
Vielleicht sieht Frau Hager unseren Beruf wie den von den Piloten. Dann darf sie sich nicht weigern, uns entsprechend zu vergüten.


Bei den Billigfliegern werden Piloten z.T. wie Putzfrauen vergütet, um die 20.000 € brutto pro Jahr oder so, wenn ich mich richtig daran erinnere. Na ja, es gibt Billigübersetzer, die bereits etwa das Gleiche verdienen, aber auch die "Lufthansa-Übersetzer", die das in einem guten Monat schaffen. Also ist der Vergleich vielleicht doch nicht verkehrt....


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Der Vergleich hinkt Dec 23, 2008

Bin Tiede wrote:

Mittlerweile sind die Flugzeuge so gut, dass sie meistens alleine fliegen. Unter idealen Bedingungen schaffen die Maschinen sogar, selber zu starten und zu landen, ohne dass die Piloten was dazu tun.
Vielleicht sieht Frau Hager unseren Beruf wie den von den Piloten. Dann darf sie sich nicht weigern, uns entsprechend zu vergüten.


Nichts ist komplexer als Sprache. Der Vergleich mit der Fliegerei hinkt.
Außerdem werden wir nicht von Fr. H. vergütet. Ich für meinen Teil verhandele mit meinen Geschäftspartnern. Kann es sein, dass du Passagierflugzeuge mit Drohnen verwechselst?


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