Kunde im Ausland und Mehrwertsteuer
Thread poster: Gianfranco Zecchino

Gianfranco Zecchino  Identity Verified
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Jul 8, 2003

Hallo allerseits,

mein Name ist Gianfranco und ich bin noch ein Einsteiger in der Übersetzungsbranche.
Ich wurde heute zum ersten Mal von einem potentiellen Kunden aus Italien kontaktiert, dem ich morgen eine Antwort geben sollte. Da ich aber in Deutschland lebe, gibt es wahrscheinlich Regelungen über Mehrwertsteuer usw., die beachtet werden sollten. Bis jetzt habe ich leider keine Erfahrung damit.
Da ich bisher nur gelegentlich als Übersetzer gearbeitet habe, mußte ich mich noch nicht beim Finanzamt als Freiberufler anmelden.
Wie läuft die Sache zwischen dem Übersetzer (in Deutschland) und dem Kunden (in einem anderen EU-Staat, in meinen Fall Italien)? Muß ich auf der Rechnung nur den Netto-Betrag schreiben?
Da ich keine Mehrwertsteuer vom Kunden verlangen kann, muß er trotzdem in Italien Steuern bezahlen, ohne etwas absetzen zu können? Sollte ich vielleicht ihm etwas als "Ausgleich" geben (Rabatt o.ä.), damit dieser Nachteil ihm nicht zu "schwer" ist?
Ich hoffe, jemand kann mir helfen und mir einen kurzen Überblick (am liebsten bis morgen) geben.
Letztes Detail: mein Hauptwohnsitz ist offiziell in Italien, ich wohne und arbeite in Deutschland.
Ich bedanke mich für Eure Hilfe.

Gianfranco Zecchino


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RWSTranslation
Germany
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keine MwSt Jul 8, 2003

Hallo,

ohne echter Experte zu sein (ggf. also z.B. mal beim Finanzamt oder Steuerberater anfragen) würde ich davon ausgehen, daß die Rechnung ohne MwSt. ausgestellt werden kann. Für den italienischen Kunden bedeutet dies, daß er genau wie von einem anderen Übersetzer die Rechnung erhält. Bei "professionellen" Übersetzern, d.h. Übersetzern deren Umsatz so hoch liegt, daß die Kleinunternehmerregelung zur Befreiung der MwSt. nicht mehr zutrifft, erhält der italienische Kunde eine Rechnung ohne MwSt. wenn der italienische Kunde über eine EG Umsatzsteuer Identnummer verfügt. Falls nicht erhält er die Rechnung mit MwSt. und kann die dort enthaltene MwSt dann wahrscheinlich genau wie in Deutschland als Vorsteuer geltend machen, d.h. er bekommt diese MwSt vom Finanzamt erstattet.

Hans


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Gabriele Gileno Infeld  Identity Verified
Austria
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Ricevuta con ritenuta d'acconto Jul 8, 2003

Ciao,

Wenn Du einen Wohnsitz in Italien hast kannst Du einfach eine "ricevuta con ritenuta d'acconto (20 %)" ausstellen. Die "ritenuta" wird dann von der Agentur nach der Bezahlung am 15. des Folgemonats gezahlt. Wichtig dabei ist, dass Du jährlich nicht eine gewisse Summe überschreitest. Wenn Du viel und ständig mit der Agentur zusammenarbeitest, wird sie sicherlich von Dir verlangen, dass Du eine Partita IVA aufmachst, denn es wäre dann nicht mehr eine "prestazione occassionale", sondern eine "collaborazione continuata" für welche die Sozialversicherung abzuführen ist.

Gabriele


DSC wrote:

Hallo,

ohne echter Experte zu sein (ggf. also z.B. mal beim Finanzamt oder Steuerberater anfragen) würde ich davon ausgehen, daß die Rechnung ohne MwSt. ausgestellt werden kann. Für den italienischen Kunden bedeutet dies, daß er genau wie von einem anderen Übersetzer die Rechnung erhält. Bei "professionellen" Übersetzern, d.h. Übersetzern deren Umsatz so hoch liegt, daß die Kleinunternehmerregelung zur Befreiung der MwSt. nicht mehr zutrifft, erhält der italienische Kunde eine Rechnung ohne MwSt. wenn der italienische Kunde über eine EG Umsatzsteuer Identnummer verfügt. Falls nicht erhält er die Rechnung mit MwSt. und kann die dort enthaltene MwSt dann wahrscheinlich genau wie in Deutschland als Vorsteuer geltend machen, d.h. er bekommt diese MwSt vom Finanzamt erstattet.

Hans


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RWSTranslation
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Anmeldung Finazamt Jul 9, 2003

Gianfranco Zecchino wrote:

...
Da ich bisher nur gelegentlich als Übersetzer gearbeitet habe, mußte ich mich noch nicht beim Finanzamt als Freiberufler anmelden.
...

Letztes Detail: mein Hauptwohnsitz ist offiziell in Italien, ich wohne und arbeite in Deutschland.
....
Gianfranco Zecchino


Hallo,

gestern war es wohl schon etwas spät für mich. Soweit ich weiss, muss man seine Einkünfte da versteuern, wo Sie erzielt werden. Dies bedeutet zum einen, dass man sich auch in Deutschland anmelden muss, wenn man hier lebt und auch als "Gelegenheitsübersetzer" muss man seine Einkünfte beim Finanzamt angeben. Soweit ich weiss reicht es hierfür aus, wenn man bei seiner Steuererklärung die entsprechenden Einkünfte auf einem sicherlich hierfür verfügbaren Formular einträgt. Warnend möchte ich darauf hinweisen, daß wir in den letzten Jahren bei uns regelmäig Prüfungen vom Finanzamt hatten. Hioerbei haben sich die Prüfer dann willkürlich 3 oder 4 Übersetzer aus den von uns beuaftragten Freiberuflern heruasugeuscht und sich alle Daten zu gestellten Rechnungen geben lassen. Wir gehen davon aus, daß diese Daten dann an die jeweiligen Finantämter zur Gegenprüfung weitergeleitet wurden. Sofern man dann seine Einkünfte nicht ordnungsgemäß angegeben hat, wird wahrscheinlich ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet.

Viele Grüße

Hans


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Rod Darby  Identity Verified
Ghana
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Harmonisierung Jul 9, 2003

Gianfranco,

eigentlich sollten die Umsatzsteuergesetze der EU-Länder "harmonisiert" sein: sie sind es offensichtlich nicht.

Bei Leistungen von Unternehmern ist es so, dass es sehr genau darauf ankommt, WO die Leistung ausgeführt wird. Nach dem deutschen Recht ist es grundsätzlich so, dass sog. sonstige Leistungen dort ausgeführt werden, wo der Unternehmer (in diesem Fall: Du) sein Unternehmen betreibt (§ 3a Abs. 1 UStG), ABER bei bestimmten Leistungen - darunter fallen Übersetzungen - enthält § 3a Abs. 3 UStG eine Regelung, wonach die Leistung "abweichend von Abs. 1" dort ausgeführt wird, wo der Empfänger (also Dein Kunde) sein Unternehmen betreibt (wenn er Unternehmer ist). Also nach dem deutschen Recht wird die Leistung in Italien erbracht und unterliegt daher nicht der _deutschen_ Umsatzsteuer (= richtiger Name, "Mehrwertsteuer" sagt nur der Volksmund). Deshalb wäre es schlichtweg falsch, wenn Du sie auf der Rechnung aufführtest. Du würdest die so aufgeführte Steuer zwar nach § 14 Abs. 3 UStG in Deutschland schulden, aber der Kunde in Italien könnte sie nicht wie Vorsteuer absetzen (merke: keine Behörde erstattet die Steuern eines anderen Landes).

Wenn der Kunde Dir keine Vorschriften macht (Österreich ist da anders), dann lässt Du die Umsatzsteuer einfach weg. Der Kunde bekommt den Nettopreis, der vereinbart wurde (und Du auch), und keiner ist irgendwie geschädigt).

Wegen der Kleinunternehmerregelung und der Erwerbsschwelle kann ich Dir - und anderen Kommentatoren auch - nur empfehlen, einen steuerlichen Berater oder das Finanzamt aufzusuchen.

HTH


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xxx xxx
Local time: 11:20
Wo bist Du bisher steuerpflichtig? Jul 9, 2003

Hallo Gianfranco,

was wichtig ist, ist zu wissen, in welchem Land Du steuerpflichtig bist. Wenn Du bisher deutsche Einkommenssteuer gezahlt hast, dann kannst Du davon ausgehen, daß Du Deine Übersetzungen für die italienischen Kunden als Leistungen, die ins Ausland gehen, betrachten mußt, und kannst und mußt also keine Mehrwertsteuer berechnen.

Machst Du dagegen Deine Einkommensteuererklärung bisher in Italien, hast aber Deinen Hauptaufenthaltsort nicht nur vorübergehend in Deutschland, denke ich, daß Du Deinen Wohnort offiziell ändern müßtest.

Wenn Du Deine Arbeit dagegen nur vorübergehend in Deutschland betreibst, könntest Du in Italien steuerpflichtig sein, und damit auch - je nach Einkommen und italienischer Kleinunternehmerregelung (sofern Italien da eine Regelung vorsieht) "mehrwertsteuerberechtigt" sein.

Um Dir mein Beispiel zu nennen: Ich habe vor ein paar Jahren 1 Jahr lang in England als freiberufliche Übersetzerin gearbeitet (ca 8 Monate in dem einen und 4 Monate in dem anderen Kalenderjahr). Ich behielt meinen deutschen Wohnsitz und mein Bankkonto in Deutschland, über das ich alle Zahlungen abwickelte. Von deutschen Kunden verlangte ich Umsatzsteuer, von englischen hätte ich keine verlangen dürfen (das kam aber nicht vor, da Englisch nicht zu meinen Arbeitssprachen gehört). Die Steuererklärungen in Deutschland waren etwas kompliziert, aber nur, weil mein Mann einen Teil des Jahres in England Einkommenssteuer gezahlt hatte und den anderen Teil des Jahres in Deutschland.

Was die deutsche Kleinunternehmerregelung betrifft, muß man beachten, daß man am Anfang seiner freiberuflichen Übersetzertätigkeit wohl automatisch als Kleinunternehmer gilt und damit gar keine Mehrwertsteuer berechnen darf. Auf den Kleinunternehmerstatus zu verzichten muß beim Finanzamt vorab offiziell erklärt werden und bringt eigentlich nur einem selbst Vorteile, weil man den Vorsteuerabzug in Anspruch nehmen kann.

Für die Kunden ist der Vorteil wohl nicht so ausschlaggebend, die operieren in viel größerem Maßstab, und Übersetzungsbüros, die international arbeiten, sind sowieso gewohnt, die Mehrwertsteuer für aus dem Ausland bezogene Übersetzungen extra abführen zu müssen. Das ist sicher kein Grund, ihnen einen Rabatt zu gewähren. - Schwieriger wird es wohl eher sein, dem Argument "meine spanischen und italienischen Übersetzer arbeiten für... und ich kann meinen Kunden gegenüber schlecht rechtfertigen, warum die Übersetzung eines deutschen Kollegen soviel mehr kostet" ("Original-Ton" eines spanischen Übersetzungsbüros, das mich einmal kontaktiert hat) entgegenzutreten.

Wenn Du auf Nummer Sicher gehen willst, empfehle ich einen Steuerberater. Der spart sicher Nerven

Viel Erfolg mit dem italienischen Kunden!

Diane



PS. Achtung: Wenn der Kunde in Italien allerdings eine Privatperson ist, dann ist alles wieder (fast) ganz anders...

[Edited at 2003-07-09 17:33]


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