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Honorarberechnung auf Zeilenbasis
Thread poster: Arturo Mannino

Maria Tsang  Identity Verified
Local time: 07:08
German to French
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Erfahrungswerte Sep 11, 2009

Marinus Vesseur wrote:
Aber wie soll man seinen Kunden denn ein verbindliches Angebot unterbreiten?


Das weiß man ja ungefähr, um wieviel % im Durchschnitt die Zielsprache länger oder kürzer ausfällt als die Ausgangssprache. Damit rechnen die Agenturen (oder man rechnet das selbst, wenn man einen fixen Pauschalpreis offeriert). Dann wird der eine Text vielleicht etwas länger und der nächste etwas kürzer als vorhergesagt, aber in Summe kommt man eben auf den Durchschnitt.


 
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Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 08:08
Member (2003)
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Kein Problem Sep 12, 2009

Wenn ich die Zeichenzahl weiß, kann ich im Kopf rechnen, wie viel Zeilen bei mir herauskommen. Dann natürlich spielt es eine Rolle, ob der Text viel Arbeit machen wird oder wenig und natürlich lohnt es sich auch, eine Analyse durchzuführen, damit man weiß, ob im TM mehr oder weniger vorliegt. Dem Kunden dann eine psychologisch ansprechende Zahl als Angebot vorzulegen, ist dann leicht.
Bei Stammkunden ist alles sowieso klar, die wissen, dass Finnisch mindestens 10 % kürzer ist als De
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Wenn ich die Zeichenzahl weiß, kann ich im Kopf rechnen, wie viel Zeilen bei mir herauskommen. Dann natürlich spielt es eine Rolle, ob der Text viel Arbeit machen wird oder wenig und natürlich lohnt es sich auch, eine Analyse durchzuführen, damit man weiß, ob im TM mehr oder weniger vorliegt. Dem Kunden dann eine psychologisch ansprechende Zahl als Angebot vorzulegen, ist dann leicht.
Bei Stammkunden ist alles sowieso klar, die wissen, dass Finnisch mindestens 10 % kürzer ist als Deutsch.
Bei Finnisch als Ausgangssprache macht es gar keinen Sinn, Wortpreise vorzuschlagen. Die Zahlen sind zu abschreckend und man erhält meist keine Antwort auf sein Angebot.

Gruß
Heinrich
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René Stranz-Nikitin  Identity Verified
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Die Karre in den Dreck! Sep 17, 2009

DSC wrote:

Heinrich Pesch wrote:

Wortpreise werden aufgrund des Ausgangstextes berechnet. English ca. 8 Wörter pro Normzeile, Deutsch ca. 7 Wörter pro Normzeile.
Zeilenpreise werden aufgrund des Zieltextes berechnet. Es hängt also davon ab, wie voluminös oder knapp der Übersetzer übersetzt. Je mehr du schreibst, desto mehr erhältst du. Bei Zeilenpreisen gelten auch die leider heute üblichen Trados-Abschläge nicht, also alles was du übersetzt wird bezahlt!

Wenn du 55 000 Zeichen Englisch ins Deutsche übersetzt, gibt es 60 000 - 65 000 Zeichen, also die Zeilenzahl steigt von 1000 auf 1100 - 1200.

8 Wörter Englisch = 1,1-1,2 Zeilen Deutsch. Wenn du für 1 Wort 7 Cent bekommst, sind das 0,56 Euro. Also wäre ein Zeilenpreis von 0,55 Euro sehr günstig, denn du produzierst ja mehr als 1 Zeile. Somit ist der Zeilenpreis von 0,55 10-20 Prozent günstiger als der Wortpreis von 0,07.

Gruß
Heinrich


Hallo Heinrich,

da möchte ich doch mal energisch widersprechen.

Ja man kann bei Zeilenpreisen auch auf den Zieltext abrechnen. Muss man aber nicht und ist heute auch nicht mehr so üblich wie vielleicht noch vor ein paar Jahren.

Und die Abschläge für den Einsatz von Translation Memorys sind keine Abschläge auf den Preis, sondern sollten den reduzierten Aufwand bei der Anfertigung einer Übersetzung widerspiegeln. Wer sich ein bisschen im Markt umtut wird dabei natürlich auch feststellen, dass dies auch bei Zeielnpreisen möglich und üblich ist.

Ob die Staffeln gerechtfertigt sind oder auch nicht ist dabei natürlich ein ganz anderes Thema, hat aber auch keinen Bezug zur Mengeneinheit bei der Abrechnung.

Viele Grüße
Hans


Hallo Hans,

mit Zeilenpreisen nach Ausgangstext reiten wir die Karre nur unnütz in den Dreck. So sieht meine Meinung aus.

Mir sind solche Fragebögen mit Zeilenpreis nach Ausgangstext in letzter Zeit auch begegnet und ich finde diese Neuheit einfach widerlich. Mit einem potenziellen Kunden, der meine gelieferte Probeübersetzung sehr positiv bewertet hat, habe ich mich deshalb in den letzten Wochen verstritten, weil er nicht begreifen wollte, dass Zeilenpreise nach Ausgangstext bei mir höher sein müssen als Zeilenpreise nach Zieltext. Ähnlich wie bei den Wortpreisen nach Ausgangstext trägt hier der Übersetzer das gesamte Risiko von Mehraufwand z. B. bei großem Anteil von Abkürzungen, die recherchiert und ausgeschrieben werden müssen, usw. usf. Außerdem muss natürlich der Umstand eingerechnet werden, dass der Zieltext in meinen Kombinationen z. B. im Schnitt um das 1,25fache länger ist als der Ausgangstext.

Die Abrechnung mit Zeilenpreis/Zieltext gab uns einen gewissen Schutz vor den Trados-Staffelungen. Zeilenpreis/Ausgangstext macht es wieder ein Stück wahrscheinlicher, dass unser Beruf noch mehr von Spekulanten beherrscht wird. Wenn sich tatsächlich viel wiederholt, gebe ich den Rabatt freiwillig, nicht weil mir jemand die Pistole auf die Brust setzt.

(Sarkasmus an)

Na schönen Dank auch für die Neuerung!

(Sarkasmus aus)

Herzliche Grüße

René Stranz-Nikitin
www.uersn.de


 

Paul Daubreu (X)
Local time: 07:08
French to German
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... und den Nagel auf den Kopf getroffen! Sep 17, 2009

René Stranz-Nikitin wrote:

Die Abrechnung mit Zeilenpreis/Zieltext gab uns einen gewissen Schutz vor den Trados-Staffelungen. Zeilenpreis/Ausgangstext macht es wieder ein Stück wahrscheinlicher, dass unser Beruf noch mehr von Spekulanten beherrscht wird. Wenn sich tatsächlich viel wiederholt, gebe ich den Rabatt freiwillig, nicht weil mir jemand die Pistole auf die Brust setzt.


Der von "normalen" Agenturen (also keine Revolverhelden!) berechnete Koeffizient liegt bei 1,33 für DE>FR. Und wenn ich nach ZT bezahlt werde, empfinde ich auch nicht die geringste Versuchung, Sätze in die Länge zu ziehen, um nur einige Cents oder Euros herauszuschinden.


 

RWSTranslation
Germany
Local time: 07:08
Member (2007)
German to English
+ ...
Zieltext / Quielltext Sep 17, 2009

Hallo,

aus unserer Sicht ist ein Vorteil der Quelltextabrechnung u.a. auch die Verbindlichkeit und die Arbeitsersparnis. Wenn ich auf Quelltextbasis abrechne, kann ich den Preis verbindlich vorab vereinbaren und muss nicht nachher noch einmal eine neue Mengenermittlung durchführen.

Außerdem entspricht die Quelltextzeilenabrechnung natürlich auch der Wortabrechnung, die ja auch auf den Quelltext zählt und nicht auf die Anzahl der Worte in der Zielsprache.

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Hallo,

aus unserer Sicht ist ein Vorteil der Quelltextabrechnung u.a. auch die Verbindlichkeit und die Arbeitsersparnis. Wenn ich auf Quelltextbasis abrechne, kann ich den Preis verbindlich vorab vereinbaren und muss nicht nachher noch einmal eine neue Mengenermittlung durchführen.

Außerdem entspricht die Quelltextzeilenabrechnung natürlich auch der Wortabrechnung, die ja auch auf den Quelltext zählt und nicht auf die Anzahl der Worte in der Zielsprache.

Im Übrigen bin ich bei der Festlegung von Mengeneinheiten relativ leidenschaftslos.
Am Ende sollte immer der Aufwand mit dem Preis in einer vernüftigen Beziehung stehen. Ob das nun über Zeilen, Worte, Zeichen oder Byte gezält wird, ist dann doch nebensächlich, wenn die Basis: Preis = Aufwand eingehalten wird.

Aufwand meint übrigens die Kombination aus Arbeitszeit und Ressourceneinsatz, genau wie bei jedem anderen produzierendem Gewerbe auch.

Viele Grüße

Hans

[Bearbeitet am 2009-09-17 13:25 GMT]
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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Das Honorar schaut traurig in den Spiegel Sep 17, 2009

Sorry, Arturo und KollegInnen,

ich will niemandem zu nahe treten und wundere mich fast ein wenig, dass sich noch keiner zum Preisniveau geäußert hat: Die genannten Honorare sind extrem niedrig, geradezu ein Witz.
Ob Wort oder Zeile, ich kann dir nur empfehlen, die Preise um mindestens 50 % oder mehr zu erhöhen. Das entspräche einem durchschnittlich erzielbaren Niveau. Bei diesem Kunden dürfte der Zug allerdings abgefahren sein.

Nur zu!

Aniello


 

Ralf Lemster  Identity Verified
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Auch Kunden können rechnen Sep 17, 2009

René,
Sorry, aber das verstehe ich nicht:


mit Zeilenpreisen nach Ausgangstext reiten wir die Karre nur unnütz in den Dreck. So sieht meine Meinung aus.

Eine bestimmte Quotierungskonvention kann eigentlich nur dann zum Problem werden, wenn man sich verrechnet - letztendlich ist ohnehin nur der Ertrag pro eingesetzter Zeiteinheit (Stunde, Tag, ...) relevant.

Mit einem potenziellen Kunden, der meine gelieferte Probeübersetzung sehr positiv bewertet hat, habe ich mich deshalb in den letzten Wochen verstritten, weil er nicht begreifen wollte, dass Zeilenpreise nach Ausgangstext bei mir höher sein müssen als Zeilenpreise nach Zieltext.

Hast Du's ihm erklärt?

Ähnlich wie bei den Wortpreisen nach Ausgangstext trägt hier der Übersetzer das gesamte Risiko von Mehraufwand z. B. bei großem Anteil von Abkürzungen, die recherchiert und ausgeschrieben werden müssen, usw. usf.

Aus meiner Sicht ist das aber ein durchaus beherrschbares Risiko.

Außerdem muss natürlich der Umstand eingerechnet werden, dass der Zieltext in meinen Kombinationen z. B. im Schnitt um das 1,25fache länger ist als der Ausgangstext.

Klar musst Du das einkalkulieren.

Die Abrechnung mit Zeilenpreis/Zieltext gab uns einen gewissen Schutz vor den Trados-Staffelungen.

Hier verstehe ich Dich wirklich nicht mehr - wovor muss man sich da "schützen"? Auch hier ist die Quotierungskonvention ein Transmissionsmechanismus - letztlich musst Du zusehen, dass Du einen bestimmten Ertrag pro Stunde bzw. Tag erreichst.

Zeilenpreis/Ausgangstext macht es wieder ein Stück wahrscheinlicher, dass unser Beruf noch mehr von Spekulanten beherrscht wird.

Kannst Du das stichhaltig begründen? Oder geht's einfach drum, "Dampf abzulassen" (was die Substanz dieser Aussage aber nicht stärkt)?

Wenn sich tatsächlich viel wiederholt, gebe ich den Rabatt freiwillig, nicht weil mir jemand die Pistole auf die Brust setzt.

Völlig einverstanden! Als Unternehmer bestimmst Du den Preis, den Du für Deine angebotene Leistung verlangst. Das erfordert natürlich auch, konsequent "nein" zu sagen, wenn ein potenzieller Kunde die (Schreckschuss-)Pistole herausholt.

Gruß Ralf


 

René Stranz-Nikitin  Identity Verified
Czech Republic
Local time: 07:08
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Das denke ich auch, es ist nur leider kein Thema mehr. Sep 17, 2009

Aniello Scognamiglio wrote:

Sorry, Arturo und KollegInnen,

ich will niemandem zu nahe treten und wundere mich fast ein wenig, dass sich noch keiner zum Preisniveau geäußert hat: Die genannten Honorare sind extrem niedrig, geradezu ein Witz.
Ob Wort oder Zeile, ich kann dir nur empfehlen, die Preise um mindestens 50 % oder mehr zu erhöhen. Das entspräche einem durchschnittlich erzielbaren Niveau. Bei diesem Kunden dürfte der Zug allerdings abgefahren sein.

Nur zu!

Aniello


Das ist natürlich auch genau mein Reden, aber da in den (von Agentureigentümern dominierten) Diskussionen hier meistens irreführende Preisangaben gemacht werden, habe ich das nicht weiter kommentiert. Bin davon einfach schon abgestumpft.

René


 

René Stranz-Nikitin  Identity Verified
Czech Republic
Local time: 07:08
Czech to German
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Endlich ist Ralf wieder da! Hier meine Antworten zur in den Dreck gezerrten Karre. Sep 17, 2009

Ralf Lemster wrote:

René,
Sorry, aber das verstehe ich nicht:


mit Zeilenpreisen nach Ausgangstext reiten wir die Karre nur unnütz in den Dreck. So sieht meine Meinung aus.

Eine bestimmte Quotierungskonvention kann eigentlich nur dann zum Problem werden, wenn man sich verrechnet - letztendlich ist ohnehin nur der Ertrag pro eingesetzter Zeiteinheit (Stunde, Tag, ...) relevant.


... solange die Agenturen nicht einfach den Umstand ignorieren, dass Zeilenpreis/Ausgangstext nicht gleich Zeilenpreis/Zieltext sein kann. Sie versuchen es aber zu ignorieren und da hört der Spaß dann halt auf. Ich fühle mich mit so billigen Tricks einfach unwürdig behandelt. Was denken die denn? Dass man einen Übersetzer so primitiv austricksen kann? Auf diese Weise wäre ich mindestens um 1/5 meines Realhonorars beklaut (wenn da jemand einfach Zeile/Zieltext mit Zeile/Ausgangstext verwechselt).

Mit einem potenziellen Kunden, der meine gelieferte Probeübersetzung sehr positiv bewertet hat, habe ich mich deshalb in den letzten Wochen verstritten, weil er nicht begreifen wollte, dass Zeilenpreise nach Ausgangstext bei mir höher sein müssen als Zeilenpreise nach Zieltext.

Hast Du's ihm erklärt?


Na logisch! Was denkst Du denn?

Ähnlich wie bei den Wortpreisen nach Ausgangstext trägt hier der Übersetzer das gesamte Risiko von Mehraufwand z. B. bei großem Anteil von Abkürzungen, die recherchiert und ausgeschrieben werden müssen, usw. usf.

Aus meiner Sicht ist das aber ein durchaus beherrschbares Risiko.


Wenn Du den Preis pro Auftrag jedes Mal neu verhandelst, mag das ja sein. Das bindet Dich aber in Deiner Freizeit recht stark an den heimischen Rechner und eine befriedigende und effiziente Zusammenarbeit mit Stammagenturkunden ist so nicht möglich. Außerdem brauche ich Dir doch bestimmt nicht zu erklären, dass die meisten Agenturen den Preis zu Beginn der Zusammenarbeit in ihren Fragebogen eingetragen bekommen wollen, und das war's dann. Schickt Dir die Agentur dann bei vereinbartem Zeilenpreis nach Ausgangstext (oder Wortpreis nach Ausgangstext) einen Sack voll Abkürzungen, kannst Du als Übersetzer nur noch ablehnen. (Sarkasmus an) Wirklich effizient! (Sarkasmus aus)

Meine Frau und ich haben eine kleine Tochter und wir sind mit ihr oft im Freien. Auf meinem Nokia Kommunikator machen sich OCRs wirklich ziemlich schlecht, Überprüfungen von Trados-Analysen noch schlechter . Würde ich auf den Spielplatz jedes Mal ein Notebook mitnehmen, würden mich die Kinder bestimmt irgendwann fragen, warum ich im Sandkasten mit dem Ding in der Hand wie ein Zombie aussehe...

Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb die Deutschen im europäischen Vergleich so wenig Kinder haben... Du siehst also, dass die "tolle Initiative" Zeilenpreis/Ausgangstext nicht nur hässlich, sondern auch noch kinder- und familienfeindlich ist.

Die Abrechnung mit Zeilenpreis/Zieltext gab uns einen gewissen Schutz vor den Trados-Staffelungen.

Hier verstehe ich Dich wirklich nicht mehr - wovor muss man sich da "schützen"? Auch hier ist die Quotierungskonvention ein Transmissionsmechanismus - letztlich musst Du zusehen, dass Du einen bestimmten Ertrag pro Stunde bzw. Tag erreichst.


Was ist denn daran so schwer zu verstehen? Die Zeilenzahl im Ausgangstext steht vor Auftragsvergabe genauso fest wie die Wortzahl im Ausgangstext. Erzwungene prozentuale Rabatte anhand der Trados-Analysen lassen sich da von den Spekulanten genauso anwenden wie bei Abrechnung nach Worten im Ausgangstext (das wollte mit mir in den letzten Jahren übrigens eine Agentur bei der Abrechnung auf der Basis von EU-Normseiten machen).

Bei Abrechnung nach Zieltext ist der Spekulant jedoch unsicher, wer von den zwei konkurrierenden Übersetzern nach Ablieferung der Übersetzung denn nun um 1 Euro billiger sein wird, was in seinem Hirn dann ein klitzekleines Bisschen Platz für Qualitätsbewusstsein freimachen könnte (solange er nicht völlig zu den Antihelden der Übersetzungsindustrie gehört).

Deshalb bedeutet Abrechnung nach Ausgangstext, dass die Karre in den Dreck gezerrt wird. War das jetzt verständlich genug?

Zeilenpreis/Ausgangstext macht es wieder ein Stück wahrscheinlicher, dass unser Beruf noch mehr von Spekulanten beherrscht wird.

Kannst Du das stichhaltig begründen? Oder geht's einfach drum, "Dampf abzulassen" (was die Substanz dieser Aussage aber nicht stärkt)?


Siehe meine vorstehende Antwort.

Wenn sich tatsächlich viel wiederholt, gebe ich den Rabatt freiwillig, nicht weil mir jemand die Pistole auf die Brust setzt.

Völlig einverstanden! Als Unternehmer bestimmst Du den Preis, den Du für Deine angebotene Leistung verlangst. Das erfordert natürlich auch, konsequent "nein" zu sagen, wenn ein potenzieller Kunde die (Schreckschuss-)Pistole herausholt.

Gruß Ralf


Ja genau, das war ja zumindest ein versöhnliches Schlusswort.

Liebe Grüße

René Stranz-Nikitin
www.uersn.de

[Edited at 2009-09-17 18:13 GMT]


 

Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 07:08
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+ ...
Verhandlungen sind Unternehmersache Sep 17, 2009

René,

Endlich ist Ralf wieder da!

Das hätte ich Dir fast abgenommen - aber nach dem vorhergehenden Pauschalangriff gegen "Agentureigentümer" kannst Du das ruhig stecken lassen (wie viele siehst Du in diesem Thread?). Ich habe kein Problem mit einer sachlichen Diskussion - wenn's aber so polemisch wird, beschränke ich mich auf das Wesentliche. Daher das Folgende auch in aller Kürze.



... solange die Agenturen nicht einfach den Umstand ignorieren, dass Zeilenpreis/Ausgangstext nicht gleich Zeilenpreis/Zieltext sein kann. Sie versuchen es aber zu ignorieren und da hört der Spaß dann halt auf. Ich fühle mich mit so billigen Tricks einfach unwürdig behandelt. Was denken die denn? Dass man einen Übersetzer so primitiv austricksen kann? Auf diese Weise wäre ich mindestens um 1/5 meines Realhonorars beklaut (wenn da jemand einfach Zeile/Zieltext mit Zeile/Ausgangstext verwechselt).

Du setzt voraus, dass Agenturmitarbeiter die notwendigen Berechnungen grundsätzlich im Griff haben. Diese Einschätzung teile ich nicht.

Wenn Du den Preis pro Auftrag jedes Mal neu verhandelst, mag das ja sein.

Das tue ich auch nicht, behalte mir aber vor, eine abweichende Quotierung abzugeben.

Meine Frau und ich haben eine kleine Tochter und wir sind mit ihr oft im Freien. Auf meinem Nokia Kommunikator machen sich OCRs wirklich ziemlich schlecht, Überprüfungen von Trados-Analysen noch schlechter . Würde ich auf den Spielplatz jedes Mal ein Notebook mitnehmen, würden mich die Kinder bestimmt irgendwann fragen, warum ich im Sandkasten mit dem Ding in der Hand wie ein Zombie aussehe...

Dann musst Du am Rechner sitzen bleiben.
Sorry, aber Du kannst nicht alles haben - wenn Du Dir Freiräume schaffst, die ein Angestellter nicht hat (was für mich einer der wesentlichen Anreize ist, als selbständiger Unternehmer tätig zu sein), musst Du Dich entweder in die Lage versetzen, auch unterwegs operativ tätig zu sein, oder Du verzichtest darauf, immer verfügbar zu sein. Das ist allein Deine Entscheidung - aber von einem Unternehmer erwarte ich schon die grundsätzliche Bereitschaft und Fähigkeit zur Verhandlung.


Deshalb bedeutet Abrechnung nach Ausgangstext, dass die Karre in den Dreck gezerrt wird. War das jetzt verständlich genug?

Ich kann Deiner Argumentation einigermaßen inhaltlich folgen, halte Sie aber für falsch. Kann es sein, dass Du den falschen Kunden nachläufst? Solche Konflikte kann ich in den letzten zehn Jahren an einer Hand abzählen - und ich denke, für die Kollegen, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite, sieht das genau so aus.

Nix für ungut.

Gruß Ralf


 

KSL Berlin  Identity Verified
Portugal
Local time: 06:08
German to English
+ ...
Einfach verrückt Sep 17, 2009

Ralf Lemster scripsit:
Das tue ich auch nicht, behalte mir aber vor, eine abweichende Quotierung abzugeben.


So ist das ganz einfach handzuhaben.

Die ganze Aufregung halte ich für einfach verrückt. Seit wann sind wir machtlose Wesen mit zugeklebten Lippen, die nicht in der Lage sind, sich ganz sachlich in einer Verhandlungssituation zu äußern. Pauschalangriffe auf Agenturen kann ich auch absolut nicht akzeptieren; solche sind für mich ein Zeichen des Unwissens bzw. Wesensschwäche. Für die Großagenturen habe ich auch oft nur Verachtung, insbesondere weil sie zu rigide sind und oft zu geizig sind, ihre Projektmanager ordentlich auszubilden, aber die kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen, die ich als Partner nennen darf, sind völlig in Ordnung. Nicht alle klein- und mittelgroße Agenturen sind begehrenswert, aber wer nicht in der Lage ist, den Dreck zu filtern, hat es auch verdient, schmutziges Wasser zu trinken.

Was Berechnungsmethoden betrifft, bin ich generell geneigt, nach Zeilen im Ausgangstext zu arbeiten, um dem Kunden etwas Sicherheit bzgl. Kosten zu geben. Manche Direktkunden schätzen es sehr, genaue Kostenaussagen im Voraus zu haben, auch wenn diese etwas höher berechnet werden. Das vereinfacht oft interne Genehmigungsprozesse und hilft öfter, punktliche Zahlung zu sichern. Aber nach Zieltext wird auch manchmal berechnet, wenn die Situation das auch verlangt. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kunde Theater gemacht hat, weil ZT-Berechnung von AT-Berechnung abweicht. Vielleicht haben alle nur Angst vor mir und wagen es nicht, mich zu widersprechen, aber ich glaube eher an meine perfekte Überzeugungskraft in Verhandlungen

Wenn ein Kunde eine gewisse Berechnungsmethode haben will, na bitte... aber dann setze ich meine Berechnungstabelle (auf meinem Profil am Reiter "How To" erhältlich) ein bzw. schau auf Frau Muzzis Webseiten (Amtrad), um äquivalente Durchschnittspreise zu berechnen, und schlage einige Prozent darauf, wenn mir das passend scheint. Und wenn irgendein lieber Kerl mir einen Text schickt, wo "und" = "u." und "oder" = "o." usw. dann gibt es eben einen Sonderpreis und für den Kunden keinen schönen. (Das hab' ich mal in einem großen Handbuch gehabt - der Autor war wohl geisteskrank.)

Aber wie Ralf bereits erwähnt hat, ist das A und O eigentlich was ich mit meiner investierten Zeit verdiene, nicht mein Zeilen- oder Wortpreis. Solange ich mein Ziel von € 2,50 pro Stunde bzw. € 250 pro Stunde erreiche, sollte ich zufrieden sein. Ein Auftrag zu € 3 / NZ ist ja weit weniger interessant als einer zu € 1,50 / NZ, wenn ich den zweiten Auftrag viermal schneller übersetzen kann. Mit dem hohen Zeilenpreis anzugeben macht vielleicht Spaß beim Kaffeeklatsch, aber ich habe lieber mehr Geld in der Tasche, um den Kaffee zu bezahlen.

[Edited at 2009-09-18 06:07 GMT]


 

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
Local time: 07:08
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Das ist immer ein Thema! Sep 17, 2009

René Stranz-Nikitin wrote:

Aniello Scognamiglio wrote:

Sorry, Arturo und KollegInnen,

ich will niemandem zu nahe treten und wundere mich fast ein wenig, dass sich noch keiner zum Preisniveau geäußert hat: Die genannten Honorare sind extrem niedrig, geradezu ein Witz.
Ob Wort oder Zeile, ich kann dir nur empfehlen, die Preise um mindestens 50 % oder mehr zu erhöhen. Das entspräche einem durchschnittlich erzielbaren Niveau. Bei diesem Kunden dürfte der Zug allerdings abgefahren sein.

Nur zu!

Aniello


Das ist natürlich auch genau mein Reden, aber da in den (von Agentureigentümern dominierten) Diskussionen hier meistens irreführende Preisangaben gemacht werden, habe ich das nicht weiter kommentiert. Bin davon einfach schon abgestumpft.

René


Preise sind Verhandlungssache. Grundsätzlich legt der Anbieter einer Dienstleistung den Preis fest. Es ist Aufgabe der besser Informierten darauf hinzuweisen, dass Dumpingpreise nicht nur schlecht fürs Bankkonto sind, sondern auch dem allgemeinen Image der Übersetzungsbranche schaden. Viele Übersetzer sollten sich des hohen Stellenwertes ihrer Rolle bewusst sein und entsprechende Honorare durchsetzen. Unterwürfigkeit ist der falsche Weg. Ich bin davon überzeugt, dass Arturo künftig vernünftige Preise verlangen und durchsetzen und sich über erhebliche Umsatzsteigerungen freuen wird.


 

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
Local time: 07:08
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Das ist gut möglich Sep 17, 2009

Ralf Lemster wrote:

Kann es sein, dass Du den falschen Kunden nachläufst?

Gruß Ralf


Das ist eine sehr gute Frage, Ralf. Man könnte auch fragen:
Kann es sein, dass du (René S.) dich in den falschen Märkten bewegst?

Als meine Haare noch so dick wie Stacheldraht waren, dachte ich auch, es gäbe nur einen Markt.
Fataler Irrtum! Gott sei Dank!


 

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
Local time: 07:08
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Bingo! Sep 17, 2009

Kevin Lossner wrote:

Aber wie Ralf bereits erwähnt hat, ist das A und O eigentlich was ich mit meiner investierten Zeit verdiene, nicht mein Zeilen- oder Wortpreis.


So sehe ich das auch, Kevin. Und ob Zeilen-, Wort- oder Festpreis, Ausgangszeile oder Zielzeile, entscheidend ist meine Kalkulation. Meine muss stimmen, aber auch die des Kunden.


 
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Honorarberechnung auf Zeilenbasis

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