Neue Entscheidung des BGH
Thread poster: Derek Gill Franßen

Derek Gill Franßen  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Oct 7, 2009

Der BGH hat heute eine (weitere) Entscheidung zum Honorar literarischer Übersetzern gefällt:
http://www.jur-blog.de/arbeitsrecht-und-it/rechtsanwalt/2009-10/bgh-uebersetzerhonorare-berechnung-der-erfolgsbeteiligung-und-das-ende-der-seitenpreise/

Hier wird die Entscheidung erscheinen, wenn der BGH soweit ist:
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2009&Sort=3&anz=207&pos=0&nr=49464&linked=urt&Blank=1&file=dokument.pdf




[Edited at 2009-10-07 14:59 GMT]


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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Vielen Dank, Derek... Oct 7, 2009

...für diesen überaus interessanten und auch wichtigen Hinweis!

Ich selbst habe in der Vergangenheit nämlich schon genau solche Urheberrechte ohne viel Zaudern abgetreten, allerdings "nur" für Comics; immerhin gab es im Vertrag seinerzeit auch einen Passus hinsichtlich einer Erfolgsbeteiligung.

Wenn ich aber aktuell z. B. an die viel gerühmte Übertragung von "Infinite Jest" ins Deutsche denke, tja, da werden solche Urteile erst richtig interessant für die betreffenden Übersetzer. - Einfach gut zu wissen...

LG
Katrin


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Monika Elisabeth Sieger  Identity Verified
United Kingdom
Local time: 15:19
Member (2009)
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Danke Derek Oct 7, 2009

Vielen Dank für das Enstellen dieses Urteils.
Das ist von großer Bedeutung für alle übersetzer, denn zumindest weist es nun den Weg für alle anderen Fälle.
Auch juristische Übersetzungen sollten darunter fallen! Vor allem wenn ganze Lehrbüher oder Abhandlungen geschrieben und übersetzt werden.

[Edited at 2009-10-07 15:44 GMT]


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Ulrich Leininger  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Interessant in der Tat Oct 8, 2009

Solche Urteile zeigen mir immer wieder, wie wenig ich das deutsche Recht verstehe. Man kann einen Preis vereinbaren, den Vertrag unterschreiben und dann nach getaner Arbeit doch finden, dass es zu wenig war? Nichts gegen mehr Geld für Übersetzer. Wenn man mit der Bezahlung nicht einverstanden ist, gibt es aber doch eine einfachere Lösung: einfach nicht einwilligen und anderen die Gelegenheit überlassen. Ich glaube auch nicht, dass mit solchen Urteilen freiberuflichen Übersetzern unbedingt ein Gefallen getan wird: Wenn ich nun ein Buch mit voraussichtlich hoher Auflage übersetzen wollte, dann würde ich mich lieber an eine Übersetzungsfirma wenden, bei der das Gericht vermutlich unterstellen wird, dass sie in der Lage ist zu entscheiden, was sie tun will und was nicht - und die 0,4%/0,8% Umsatzbeteiligung auf diese Weise umgehen.

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Katrin Hollberg  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Die Rechnung geht aber nicht immer auf Oct 8, 2009

Ulrich Leininger wrote:
Man kann einen Preis vereinbaren, den Vertrag unterschreiben und dann nach getaner Arbeit doch finden, dass es zu wenig war?

Natürlich ein berechtigter Einwand.

Ulrich Leininger wrote:
Wenn ich nun ein Buch mit voraussichtlich hoher Auflage übersetzen wollte, dann würde ich mich lieber an eine Übersetzungsfirma wenden, bei der das Gericht vermutlich unterstellen wird, dass sie in der Lage ist zu entscheiden, was sie tun will und was nicht - und die 0,4%/0,8% Umsatzbeteiligung auf diese Weise umgehen.

Das passiert in der Praxis ja auch (Ich kenne übrigens Verlage, die "Outsourcing" nicht nur in puncto Übersetzungstätigkeiten betreiben), aber diese Werke werden vermutlich nicht gerade die verkaufsstärksten?!? (Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster - Gegenbeispiele herzlich willkommen).
Zumindest merkt man m.E. einem (literarischen) Werk qualitativ an, wenn es nur billig und schnell schnell übersetzt/zusammengeschustert wurde.

Für das Beispiel, das ich oben angeführt habe, hat der Übersetzer eine mehrjährige Übersetzungstätigkeit, Herzblut investiert und sich tief in die sehr eigene Sprache des US-Autors "eingegraben", was sich offensichtlich in der dt. Übersetzungsfassung widerspiegelt. Soweit ich der Presse entnehmen konnte, war seine Bezahlung aber nicht gerade fürstlich. Ob er eine Umsatzbeteiligung erhält, entzieht sich meiner Kenntnis. Genau für solche Fälle halte ich "neue Tendenzen" für zukunftsweisend, weil sie einfach besseren Verhandlungsspielraum bieten. Wie der individuelle Übersetzer mit solchen Maßgaben in Vertragsverhandlungen geht, das ist natürlich eine andere Angelegenheit.


[Bearbeitet am 2009-10-08 06:51 GMT]


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Laurent KRAULAND  Identity Verified
France
Local time: 16:19
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In der Tat, sehr interessant... Oct 8, 2009

Ulrich Leininger wrote:

Solche Urteile zeigen mir immer wieder, wie wenig ich das deutsche Recht verstehe. Man kann einen Preis vereinbaren, den Vertrag unterschreiben und dann nach getaner Arbeit doch finden, dass es zu wenig war? Nichts gegen mehr Geld für Übersetzer. Wenn man mit der Bezahlung nicht einverstanden ist, gibt es aber doch eine einfachere Lösung: einfach nicht einwilligen und anderen die Gelegenheit überlassen.


Hallo Ulrich,
ich verstehe u. U. deutsches Recht genau so wenig wie Du, denke aber dass im Fall eines Falles der schwächeren Partei immer noch ein Hintertürchen offen stehen soll, falls sie sich nach reiflicher Überlegung "übers Ohr gehauen" fühlt, was hier allem Anschein nach der Fall gewesen ist.
Ob uns als Freiberuflern mit diesem Urteil auf irgendeiner Art geholfen wird, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Edit: vielen Dank für die Information, Derek!

[Edited at 2009-10-08 14:38 GMT]


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Anil Gidwani  Identity Verified
India
Local time: 20:49
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Sehr interessant Oct 8, 2009

Hallo Derek,

Vielen Dank für die Verbindung!

Dieses Thema habe ich auch in den Englischen Forumen erwähnt (http://www.proz.com/forum/money_matters/141512-payment_in_stages.html) . Übersetzer sollen grundsätzlich einen Anspruch auf angemessene Vergütung in Form einer prozentualen Beteiligung am Erlös in jeder Branche haben. Die Arbeit, daß wir erledigen, leistet einen großeren Beitrag zu jedem Projekt als, zum Beispiel, die Arbeit eines Finanziers, jedoch wird dieser viel besser vergütet.



[Edited at 2009-10-08 19:44 GMT]

[Edited at 2009-10-09 08:12 GMT]


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Ulrich Leininger  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Zwei verschiedene Fragen Oct 9, 2009

Erstens, sollten Übersetzer, die für die Übersetzung eines Buchs viel Arbeit und Talent investieren, ordentlich bezahlt werden? Klares ja. Zweitens, sollte man ihnen die Fähigkeit zugestehen, eigenverantwortlich Verträge zu unterzeichnen? Ebenfalls klares ja. Keine Sympathie für die Klägerin von meiner Seite. Vielleicht gab es ja einen anderen Übersetzer, der nicht nur besser, sondern auch ehrlich und professionell genug war, um von vornherein eine Umsatzbeteiligung zu fordern, der jedoch von der vermeintlich billigeren Klägerin über den Preis ausgestochen wurde? Wenn sie eine professionelle Übersetzerin ist, wird sie wohl auch in der Lage gewesen sein, den Arbeitsaufwand einzuschätzen; gerissen genug, bis vor den BGH zu ziehen, war sie jedenfalls. Laurent: Ist es wirklich genug, sich da über Ohr gehauen zu "fühlen"?

Anil: Das Argument, ein Übersetzer leiste einen größeren Beitrag als ein Finanzier, verstehe ich nicht ganz. Unsere Arbeit mag kreativer sein, aber was bedeutet das? Finanziers, Juristen etc. werden ja (auch) gerade deswegen gut bezahlt, weil ihre Arbeit sehr langweilig sein kann, und dafür nicht jeder ein Leben hingeben möchte.

Ich finde, auf einem freien Markt mit Gerechtigkeit zu argumentieren, führt bei Betrachtung der Konsequenzen meist zu nichts. Legt man etwa gesetzlich eine Midestbezahlung für Übersetzer fest, wird Einsteigern das Leben erschwert, da sie dann weniger gut über den Preis konkurrieren können. Oder Kunden weichen von Freiberuflern auf fest angestellte Übersetzer oder Firmen aus. Actio = Reactio. (Ich oute mich hier also als Gläubiger der Gerechtigkeit des Marktes; auch wenn ich nicht unbedingt eine längere politische Diskussion entzünden wollte.)

Nichts gegen Umsatzbeteiligungen - aber wer eine will, soll sie vereinbaren.


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Ulrich Leininger  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Zugegeben: Oct 9, 2009

0,4% werden den Verlag auch nicht unbedingt in den Ruin treiben...

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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
Germany
Local time: 16:19
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Tropfen auf den heißen Stein Oct 9, 2009

Ich frage mich:
Wenn Literaturübersetzer für Peanuts arbeiten "müssen", warum tun sie es dann TROTZDEM?

Bitte auf die Schreibweise von "müssen" und "trotzdem" achten.

Vermutlich wird es soooo viele Antworten wie Übersetzer geben...


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British Diana
Germany
Local time: 16:19
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Ist der Anspruch auf Prozente vererbbar? Oct 9, 2009

Wer kennt sich aus:
Vor lange Zeit hat mein Vater ein Buch vom Französischn ins Englische übersetzt. Ich erinnere mich, dass er erzählt hat, er habe mit dem Verlag eine prozentuelle Beteiligung ausgehandelt. Er fand es viel spannender, am Erfolg des Buches beteiligt zu werden, als nur einmal bezahlt zu werden.
Nun ist er seit 1972 tot, aber das Buch wird immer noch verkauft und sogar in einer Neuauflage (entdeckte ich beim Googeln).
Daher meine Frage: Erlischt der Anspruch beim Tod des Übersetzers oder wird er etwa vererbt?
Diana


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