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Immer noch Streit um die Rechtschreibung?
Thread poster: Charlotte Blank
Charlotte Blank  Identity Verified
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Oct 8, 2003

aus der Süddeutschen Zeitung, 8.10.03:

Das Urteil von Frankfurt

Die Rechtschreibreform hat bis auf weiteres die parallele Zirkulation von „daß“ und „dass“, „rau“ und rauh“ etc. eingeführt. Zur Buchmesse hat der abgeebbte Streit erneut Wellen geschlagen. Von Lothar Müller



Die Buchmesse hat ihre Tore geöffnet, Verträge werden gemacht, das Maul wird sich zerredet. Beides gehört zusammen. Seit alters her vergleicht man die Worte mit den Münzen: weil beide unablässig zirkulieren, und vielleicht auch, weil beiden nicht immer der aufgeprägte Wert innewohnt.

Es gibt aber trotz aller schönen Reden, in denen sich die Allgemeinheit und Universalität von Geld und Sprache ineinander spiegeln, einen wichtigen Unterschied: die Währungsumstellung. In Deutschland gilt seit dem 1.1.2002 der Euro, die schöne Übergangszeit der noch ungewohnten Begegnungen von alten und neuen Münzen in einer Hand ist vorbei.

In der Schriftsprache der Deutschen ist zum 1. August 1998 die neue Rechtschreibung in Kraft getreten, aber nach wie vor werden auf dem Buchmarkt die Worte in alter und neuer Währung den weißen Seiten aufgeprägt.

Die Rechtschreibreform hat bis auf weiteres die parallele Zirkulation von „daß“ und „dass“, „rau“ und rauh“ etc. eingeführt. Der Pulverdampf des Streites über die Einzelheiten wie das Ganze hatte sich in jüngster Zeit ein wenig verzogen. Schreibweisen und Interpunktionen zirkulierten eher unaufgeregt parallel, in ermattet friedlicher Koexistenz.

Gelegentlich las man Plädoyers für die alte in neuer Rechtschreibung. Umgekehrt seltener. Zwar herrscht in den Schulbüchern und der Kinder- und Jugendliteratur nahezu unumschränkt die neue Rechtschreibung, aber die alte hält laut einer Umfrage der zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung bei den Sachbüchern etwa 30, bei der Belletristik nahezu 50 Prozent.

Nun ist die Frankfurter Buchmesse zum Anlass für eine Erneuerung der Bataille geworden. Zum ersten Mal haben deutsche und internationale Autoren gemeinsam für die alte Rechtschreibung plädiert, und nicht nur das: Die Unterzeichner des Aufrufs, darunter Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, György Konrád, Siegfried Lenz, Adolf Muschg, Patrick Süskind, Harry Mulisch und Martin Walser, fordern ihre Kollegen in aller Welt auf, bei Verhandlungen über die deutschsprachigen Ausgaben ihrer Bücher „auf der bewährten deutschen Orthographie zu bestehen“.

Die neuen Regeln seien „minderwertig“ und erschwerten den „präzisen sprachlichen Ausdruck“. Damit ist diesem Text das Urteil gesprochen.


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Von Nägeln und Köpfen... Oct 8, 2003

Charlotte Blank wrote:
Die neuen Regeln seien „minderwertig“ und erschwerten den „präzisen sprachlichen Ausdruck“. Damit ist diesem Text das Urteil gesprochen.


Danke, wie wohltuend. Liegt die Liste irgendwo zum Unterschreiben aus?


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Steffen Pollex  Identity Verified
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ich halte das auch von Anfang an für Schwachsinn Oct 8, 2003

Aber es ist ja hierzulande heute Mode, alles zu "reformieren", auch wenn dabei bloß höhere Kosten und fortwährendes Chaos herauskommen.

Kann mich Klaus nur anschließen.

Nur weil der durchschnittliche IQ der Bevölkerung sinkt (wenn man der Pisa-Studie glauben soll), sollte man nicht anspruchsloser werden und versuchen, dies durch größere Primitivität der Sprache zu bekämpfen (genauer gesagt zu vertuschen. Das ist genau der diametral falsche Weg(das hat nicht Klaus gesagt, sondern ich ).

Andere Länder erkennen das komischerweise und kümmern sich um die Bildung, anstatt die Sprache zu versimpeln.

[Edited at 2003-10-08 21:30]


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Maureen Holm, J.D., LL.M.
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Tja, und was wird gerade aus Kalifornien, dem sog. "La-La-Land"? Oct 9, 2003

Steffen Pollex wrote:

Aber es ist ja hierzulande heute Mode, alles zu "reformieren", auch wenn dabei bloß höhere Kosten und fortwährendes Chaos herauskommen.

Kann mich Klaus nur anschließen.

Nur weil der durchschnittliche IQ der Bevölkerung sinkt (wenn man der Pisa-Studie glauben soll), sollte man nicht anspruchsloser werden und versuchen, dies durch größere Primitivität der Sprache zu bekämpfen (genauer gesagt zu vertuschen. Das ist genau der diametral falsche Weg(das hat nicht Klaus gesagt, sondern ich ).

Andere Länder erkennen das komischerweise und kümmern sich um die Bildung, anstatt die Sprache zu versimpeln.

[Edited at 2003-10-08 21:30]


Der Wind weht aus dem Westen will man behaupten, und es "progress", gar "democracy" heissen. Zwei Nobel Preise für New York University Professoren diese Woche. Wir nehmen uns zusammen und halten den Blöden-Wind nach wie vor noch auf.



[Edited at 2003-10-09 07:50]

[Edited at 2003-10-09 07:51]

[Edited at 2003-10-09 07:53]

[Edited at 2003-10-09 07:54]


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Das wird sich bald ändern... Oct 9, 2003

Vermutlich gibt es denmächst auch ein Nobelpreis für Body-Building. Der könnte dann an die Westküste gehen...

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Maureen Holm, J.D., LL.M.
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Body-Building Oct 9, 2003

Klaus Herrmann wrote:

Vermutlich gibt es denmächst auch ein Nobelpreis für Body-Building. Der könnte dann an die Westküste gehen...


Ach, Mensch. Der kann nicht einmal gescheit Deutsch, geschweige.....


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Steffen Walter  Identity Verified
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Da hast Du wohl recht, Maureen... Oct 9, 2003


Ach, Mensch. Der kann nicht einmal gescheit Deutsch, geschweige.....


"Hasta la vista, Baby" ist so ziemlich das einzige, was er noch stolperfrei hinkriegt Ein sehr "aussagekräftiges" Wahlprogramm...


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Heinrich Pesch  Identity Verified
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Erinnert mich an 1980/81 Oct 9, 2003

Danals schrieben sich auch alle die Finger wund über den dämlichen Filmstar Ronald Reagen, der einfach nicht das Zeug zum Politiker habe.
Alle diese naseweisen Intellektuellen scheitern doch automatisch, wenn sie politische Verantwortung tragen sollen. Charisma ist wichtiger als gescheit quatschen können. Gebt Arnold eine Chance!


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Michaela Müller
Germany
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Was ist denn mit "no politics"? Oct 9, 2003

Steffen Walter wrote:


Ach, Mensch. Der kann nicht einmal gescheit Deutsch, geschweige.....


"Hasta la vista, Baby" ist so ziemlich das einzige, was er noch stolperfrei hinkriegt Ein sehr "aussagekräftiges" Wahlprogramm...


Komisch - als es um irgendwelche Kommentare zum Irak-Krieg ging, schritten die Moderatoren sofort ein. Und das hier ist keine Politik??? Grübel, grübel...


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
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Recht hast du... Oct 9, 2003

...aber ich bin halt nicht immer und pausenlos online.

Ich würde daher alle bitten, wieder zum eigentlichen Punkt (=neue Rechtschreibung) zurückzukehren - ansonsten müsste ich den Thread sperren oder löschen.

Danke - Gruß Ralf


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Steffen Walter  Identity Verified
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Belassen wir's dabei - Du hast recht, Ralf Oct 9, 2003


...aber ich bin halt nicht immer und pausenlos online.

Ich würde daher alle bitten, wieder zum eigentlichen Punkt (=neue Rechtschreibung) zurückzukehren - ansonsten müsste ich den Thread sperren oder löschen.


Ist schon ok - habe auch gerade gemerkt, dass die Grenze wohl überschritten war.

Gruß Steffen


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Klappe! Oct 9, 2003

Dieser Beitrag viel der Selbsteditur zum Opfer (da man eigene Beiträge ja noch nicht löschen kann).

[Edited at 2003-10-09 09:53]


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Richard Schneider  Identity Verified
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Es lebe die Rechtschreibreform! Oct 9, 2003

Es ist wirklich bedauerlich, dass durch diese regelmäßig wiederkehrenden "Putschversuche" einer kleinen Clique von Schriftstellern und Professoren im Ausland der Eindruck entsteht, als sei die Reform misslungen, drohe zu scheitern oder werde womöglich wieder rückgängig gemacht.

Lasst euch von diesen verkalkten Elfenbeinturminsassen, die ohne eine Armada von Lektoren und Korrektoren keine einzige
fehlerfreie Seite zu Papier bringen, nicht irremachen. Die Reform ist umgesetzt, das Thema längst erledigt.

Es war zu erwarten, dass sich der Pöbel, der eh schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, gegen alle Neuerungen sperren
würde. Maßlos enttäuscht hat mich aber die Erkenntnis, dass auch Berufssprachler wie zum Beispiel Übersetzer zu den
Fortschrittsverweigerern gehören. Die meisten haben gar nicht begriffen, worum es bei der Reform geht. Und sie sind auch nicht
bereit, sich einmal 30 Minuten ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Außer unqualifiziertem Gemecker à la Alfred Tetzlaff war in den Übersetzerforen in den letzten Jahren nicht viel zu hören.

Seht der Wahrheit ins Gesicht, liebe Kollegen: Ihr werdet alt und wollt euch nicht mehr ändern. Und im Grunde eures Herzens seid ihr erzkonservative Spießer – obwohl ihr euer Kreuzchen brav bei den Grünen oder den Sozis macht.

Das behutsame Reförmchen war ein längst überfälliger Akt der Rechtschreibpflege, der ruhig sehr viel deutlicher hätte ausfallen
können. So etwas sollte man alle 40 Jahre routinemäßig machen. Leider kann man es im reformunfähigen deutschen Sprachraum nur alle 100 Jahre durchsetzen.

Es lebe die gelungene Reform! Es lebe der Fortschritt! Und um Erich zu zitieren: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Euer Richard
www.uepo.de


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Daniel Meier  Identity Verified
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Womit wir wieder beim Thema wären... Oct 9, 2003

und von Glück sagen können, dass Rechtschreibregeln keine Gesetzeskraft haben.
Der Eindruck, dass die Reform nicht ganz so gelungen ist, wird weniger durch diese "Putschversuche", sondern vor allem durch die alltägliche Regelunklarheit und -ungewissheit hervorgerufen und bestätigt. Zurückgenommen wird die Reform wohl kaum, aber mal sehen, was davon sich im wirklichen Sprachgebrauch durchsetzt und damit auch in künftige Rechtschreibregeln eingeht.
Und obwohl ich tatsächlich wohl alt werde und auch erz- (oder eher) konservativ bin, habe ich mich bis auf die Groß-Klein-Klein-Groß-Zusammen-Getrennt-Getrennt-Schreibungen an die neuen Regeln eigentlich schon gewöhnt.
Aber demütigend ist es schon, wenn ich erst in den Duden gucken muss, um mir sprachlich korrekte (nicht eingedeutschte) Spaghetti kochen zu können.

[Edited at 2003-10-09 20:07]


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Steffen Walter  Identity Verified
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Reform versus Deform(ation) Oct 10, 2003


Es ist wirklich bedauerlich, dass durch diese regelmäßig wiederkehrenden "Putschversuche" einer kleinen Clique von Schriftstellern und Professoren im Ausland der Eindruck entsteht, als sei die Reform misslungen, drohe zu scheitern oder werde womöglich wieder rückgängig gemacht.
...
Die Reform ist umgesetzt, das Thema längst erledigt.


Hallo Richard, ich merke wohl, dass Du in Deinem Beitrag eine sicher gewollte, etwas provokante Position einnimmst. Aber: Dass die Reform (Deform?) eben noch lange nicht in der Praxis um-/durchgesetzt ist, ist schlicht eine Tatsache - ein hochsignifikanter (siehe frühere hier veröffentlichte Beiträge) Teil der Bevölkerung bedient sich weiterhin der alten Regeln. Das ist alles andere als eine Minderheit von "Putschisten", sondern eine eher still opponierende Gruppe.


Maßlos enttäuscht hat mich aber die Erkenntnis, dass auch Berufssprachler wie zum Beispiel Übersetzer zu den
Fortschrittsverweigerern gehören. Die meisten haben gar nicht begriffen, worum es bei der Reform geht.


Meinst Du das tatsächlich ernst? Um was geht es also Deiner Meinung nach bei der Reform? (Die beabsichtigte Vereinfachung der Regeln leistet die Reform gerade nicht.)

Meines Erachtens sind die meisten geäußerten Bedenken nicht so sehr mit Fortschrittsverweigerung gleichzusetzen (obwohl es diese Fraktion sicher auch gibt und immer geben wird) als mit der zutreffenden Feststellung, dass durch die Reform alte Ambiguitäten oder unlogische Regeln durch neue Unzulänglichkeiten ersetzt und so neue Verwirrungen erzeugt wurden. Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist dafür ein schlagendes Beispiel - hier fallen nicht wegzudiskutierende Nuancen der deutschen Sprache (Achtung Klassiker: allein stehend vs alleinstehend) dem Reförmchen zum Opfer.


Und sie sind auch nicht
bereit, sich einmal 30 Minuten ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Außer unqualifiziertem Gemecker à la Alfred Tetzlaff war in den Übersetzerforen in den letzten Jahren nicht viel zu hören.


So so, Übersetzer haben sich also nur "unqualifiziert" geäußert? Hoffentlich haust Du mich jetzt nicht in dieselbe Pfanne...


Seht der Wahrheit ins Gesicht, liebe Kollegen: Ihr werdet alt und wollt euch nicht mehr ändern. Und im Grunde eures Herzens seid ihr erzkonservative Spießer – obwohl ihr euer Kreuzchen brav bei den Grünen oder den Sozis macht.


Hört, hört - beißende Polemik! Wo machst Du eigentlich Dein Kreuzchen? (Sorry, politische Frage - nächster Punkt...)


Das behutsame Reförmchen war ein längst überfälliger Akt der Rechtschreibpflege, der ruhig sehr viel deutlicher hätte ausfallen können.


Endlich ein Punkt, in dem ich Dir zustimme, allerdings mit einer winzigen Änderung: Das Reförmchen hätte mit einem ***eindeutigeren und fundierteren*** Regelwerk durchgezogen werden sollen. Aber halb steckengebliebene Reformen sind ja in Deutschland nichts Neues.


So etwas sollte man alle 40 Jahre routinemäßig machen. Leider kann man es im reformunfähigen deutschen Sprachraum nur alle 100 Jahre durchsetzen.


Aber ob sich (von oben verordnete) Routine mit einer lebenden, sich in der tagtäglichen Verwendung weiterentwickelnden Sprache verträgt?


Es lebe die gelungene Reform! Es lebe der Fortschritt! Und um Erich zu zitieren: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!


Wie war das noch mal (Achtung Kalauer!): Gestern standen wir einen Schritt vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter.

Steffen


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