AB wann lohnt sich Umsatzsteuer abzuführen?
Thread poster: Andrea Garfield-Barkworth

Andrea Garfield-Barkworth  Identity Verified
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Jan 11, 2010

Letztes Jahr habe ich kein Umsatzsteuer abgeführt aber eine Kollegin rät mich immer wieder dies jetzt zu machen, da es steuerliche Vorteile beim absetzen von Wirtschaftsgüter bei der Steuererklärung bringen soll.

Ich habe letztes Jahr schon einen neuen Monitor und Laptop gekauft, PC und Scanner sind nur 2 Jahre alt und somit denke ich nicht das ich dieses Jahr viel Hardware kaufen werdet, ausser einen neuen Drucker. Software muss ich wahrscheinlich noch kaufen aber ab wann lohnt sich es wirklich Umsatzsteuer freiwillig abzuführen? Ich denke, mich für den nächsten fünf Jahren mit Papierkram zu beschäftigen, wäre viel zu lästig.

Wer von euch führt Umsatzsteuer freiwillig ab und was sind die Vor- und Nachteile?


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Alexander Heyne
Germany
Local time: 11:35
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Lohnt sich schon Jan 12, 2010

Ich nehme an, du hast bis jetzt die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen, nach der du den Kunden keine Umsatzsteuer berechnest.

Wenn du Firmen als Kunden hast, lohnt es sich schon, wenn du auf diese Regelung verzichtest. Es wirkt einfach professioneller, wenn man im Geschäftsverkehr eine USt-ID-Nr. aufweisen kann, v.a. weil ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung auf der Rechnung dem Kunden sagt, dass der Umsatz nicht sehr groß sein kann. Und wenn du irgendwann über eine bestimmte Umsatzschwelle pro Jahr kommst (kann momentan gar nicht sagen wie viel) wirst du automatisch umsatzsteuerpflichtig, evtl. auch für Aufträge, für die du gar keine USt. eingenommen hast. Aus diesem Grund habe ich von Anfang an auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet und es nicht bereut. Die Abführung der eingenommen Steuern (anfangs monatlich) ans Finanzamt elektronisch per Elster-Formular ist eigentlich schnell erledigt, wenn man einmal die Bogen raus hat. Ob man evtl. sogar USt. wiederbekommt hängt davon ab, wie viel Umsatzsteuer man im jeweiligen Zeitraum eingenommen und wieviel man selbst für Bestellungen bezahlt hat. Wenn du dir einen Computer kaufst, musst du in jedem Fall USt. bezahlen und als Kleinunternehmer bekommst du diesen Betrag auch nicht wieder.

Nur wenn man viele Privatkunden (Verbraucher) hat, wird es für die halt teurer, weil zum Preis nochmal die Ust. hinzu kommt. Unternehmen macht es dagegen nichts aus, wenn du USt. berechnest, weil sie diese genauso verrechnen können wie du.

Viele Grüße,
Alex

Für alle rechtlichen Angaben keine Gewähr.


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Rox-Edling
Germany
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Die Grenze liegt... Jan 12, 2010

...bei 17.500 Euro pro Jahr, ist also wirklich sehr niedrig.

Wenn man unter 6000 Euro Umsatzsteuer jährlich bleibt (also Inlandsumsatz < ca. 30.000 Euro), dann muss man nach dem ersten oder zweiten Jahr nur noch alle 3 Monate bis zum 10. des übernächsten Monats abführen (mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen). Man sollte diese Fristverlängerung auf jeden Fall zusätzlich "offiziell" beantragen (die einzelnen Abteilungen des Finanzamts sind leider nicht immer optimal koordiniert)

Viele Grüße

Torsten


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Christian Schneider  Identity Verified
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Eitelkeit, am Anfang verzichtbar. Jan 12, 2010

Alexander Heyne wrote:
Es wirkt einfach professioneller, wenn man im Geschäftsverkehr eine USt-ID-Nr. aufweisen kann, v.a. weil ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung auf der Rechnung dem Kunden sagt, dass der Umsatz nicht sehr groß sein kann.


Die Frage ist halt, ob diese Eitelkeit die doch nicht unbeträchtliche Mehrarbeit rechtfertigt. Im Vorliegenden Fall wäre ich geneigt zu sagen: Nein.

Ich habe am Anfang dadurch keine Nachteile empfunden.
Es gibt viele Dinge die weitaus werbewirksamer sind als eine USt-ID.
Und über die magische Grenze komt man ohnehin schneller als einem lieb ist.

Die UST-Pflicht beginnt im Übrigen erst im darauffolgenden Jahr, nachdem der Umsatz 17.500 EUR überschritten hat, sofern nicht 50.000 EUR erreicht wurden. Im nächsten Jahr werde ich definitiv nicht drum herumkommen, aber dieses Jahr spare ich mir noch die Arbeit und kümmere mich um meine Kunden statt ums Finanzamt.


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svenfrade  Identity Verified
Germany
Local time: 11:35
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Mit Christian ... Jan 13, 2010

Die Grenze von 17.500 Euro gilt nur im ersten Jahr, danach sind es 50.000 Euro, womit es sich m.E. doch ganz gut leben lässt.

Ich persönlich habe bisher nicht den Eindruck gewonnen, dass mir aus der Tatsache, dass ich "Kleinunternehmerin" bin, irgendein Nachteil entstanden wäre, und ich werde peinlich genau darauf achten, die Grenze von 50.000 Euro nicht zu überschreiten, denn ich verbringen meine Zeit lieber mit meiner eigentlichen Tätigkeit - dem Übersetzen - anstatt mit Steuer- und Verwaltungsangelegenheiten.
Das ist aber natürlich eine ganz persönliche Entscheidung.


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Alexander Heyne
Germany
Local time: 11:35
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+ ...
Mehrarbeit hält sich in Grenzen Jan 13, 2010

Christian Schneider wrote:

Die Frage ist halt, ob diese Eitelkeit die doch nicht unbeträchtliche Mehrarbeit rechtfertigt. Im Vorliegenden Fall wäre ich geneigt zu sagen.


Das ist es ja gerade: Das viele glauben, das wäre ein Riesenaufwand. Ist es aber nicht, mit ein wenig Planung vorneweg. Die Abrechnung über Elster jeden Monat ist in einer halben Stunde erledigt, vorausgesetzt, man führt einigermaßen klar Buch über seine Aufträge und Bestellungen, was man ja sowieso machen sollte. Und irgendwann muss man sie dann nur noch alle drei Monate machen.

Ich bin auch noch nicht allzu lange als Freiberufler tätig, und mir war von Anfang an klar, dass ich die Umsatzgrenze irgendwann schon gern überschreiten möchte. Ist es nicht besser, sich gleich am Anfang in die Materie einzuarbeiten (die so schwierig nun auch wieder nicht ist), und die entsprechenden Buchhaltungsabläufe einzuüben, wenn man noch die Zeit dafür hat?

Und die USt.-ID-Nummer dient europaweit als Legitimation, dass man ernstzunehmender Geschäftspartner ist.

Mir lag es natürlich fern, irgendjemandem vorzuschreiben, wie er als Unternehmer auftreten will, ich habe nur meine Beweggründe dargelegt, warum ich es so gemacht habe und nicht anders. Denn genau das war die Frage.

Das als Eitelkeit zu bezeichnen ist dann aber vielleicht doch ein wenig stark.


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chloes
Local time: 11:35
nachteile der umsatzsteuer für freie journalisten? Jan 14, 2010

hallo zusammen,

eine kurze, speziellere nachfrage:
anscheinend empfiehlt es sich für freie journalisten freiwillig für die umsatzsteuer (7%) zu optieren, denn sie können diese einfach in rechnung stellen und müssen dann davon nur 2,2 % ans finanzamt abführen, haben also durchaus einen finanziellen vorteil.

ich frage mich nun, wo für mich ein nachteil entstehen könnte. ich habe mich im internet ein bisschen durchgelesen, und ich meine verstanden zu haben, dass man vor allem bei größeren anschaffungen nachteile hat. wieso denn eigentlich? etwa, weil man die für die anschaffung gezahlte umsatzsteuer nicht mehr absetzen kann...?
und gibt es weitere nachteile?

hat man einmal für die ust-zahlung optiert, ist man ja außerdem fünf jahre an sie gebunden. inwiefern kann mir das denn zum verhängnis werden?

sorry für diese unbedarftheit, ich kenn' mich echt nicht aus!
vielen dank!
best

chloes


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xxxEric Hahn  Identity Verified
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Mehr Schein als Sein Jan 28, 2010

Alexander Heyne wrote:

Und die USt.-ID-Nummer dient europaweit als Legitimation, dass man ernstzunehmender Geschäftspartner ist.


Europaweit ? Nur zur Information : In Frankreich liegt die Grenze bei € 32.000.

Warum sollte man nicht auf die Abführung der Umsatzsteuer verzichten, wenn
man davon nichts hat ?


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lisa23
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Ja Jan 28, 2010

Alexander Heyne wrote:

Das ist es ja gerade: ... viele glauben, das wäre ein Riesenaufwand. Ist es aber nicht, mit ein wenig Planung vorneweg. Die Abrechnung über Elster jeden Monat ist in einer halben Stunde erledigt, vorausgesetzt, man führt einigermaßen klar Buch über seine Aufträge und Bestellungen, was man ja sowieso machen sollte.


Sehe ich auch so, ich mache seit bald 17 Jahren diese monatliche Abrechnung, und mit der entsprechenden Software geht das eben auch sehr schnell. Das ist nicht wirklich Mehrarbeit. Und man hat ja keine Nachteile dadurch. Sich nicht dafür zu entscheiden, würde doch nur Sinn ergeben, wenn man NUR und NUR für Privatkunden übersetzt, und das ist doch wohl eher unwahrscheinlich. Man hat immer etwas davon, sobald man für Unternehmen oder Agenturen übersetzt. Ich kann ja dann die ausgegebene Vorsteuer für sämtliche Ausgaben für PC, Software, Fachliteratur und dergleichen verrechnen; alles andere hieße doch, Geld zu verschenken. Oder übersehe ich da einen wesentlichen Punkt??


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xxxVeronikaSti
Local time: 11:35
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Kleinunternehmer mit UstID Jan 28, 2010

Ich habe eine USt ID beantragt, weil eine Agentur (EU, nicht D) für die ich übersetze, die wissen wollte. Später stellte sich dann heraus, dass das ganze doch nicht so entscheidend war.
Allerdings nehme ich trotzdem die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch und weise keine Ust aus, zahle somit auch keine. Ich musste dann wegen der ID pro Forma eine .. schlagmichtot, Umsatzsteuer oder Einkommenssteuererklärung o.ä. machen (ich weiß es nicht mehr) und da kam dann auch heraus, dass ich nichts zahlen muss. Ich habe damals mal mit einem Mitarbeiter des Finanzamtes telefoniert (da hatte ich mich gerade als Freiberufler gemeldet) und der meinte, das würde wohl schon so passen. Das war 2008, die Steuererklärung ist also schon durch.

Und ab dem 2. Jahr gelten wirklich 50.000 Euro Umsatz? Das ist ja super, ich hatte mir schon fast Sorgen um mein Kleinunternehmertum gemacht Absetzen tu ich sowieso nicht viel, bzw. ich setze die Computerteile dann eher als werdender Ingenieur ab, weil CAD-Programme darauf laufen müssen. Für CAT-Tools braucht man keine 400 Euro Grafikkarte, das weiß sogar das Finanzamt


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Andrea Garfield-Barkworth  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Is it just a time advantage? Jan 29, 2010

I am now just wondering exactly what the advantage of "freiwilliges Umsatzsteuer" is, if it is possible to put all the business-related expenses into the tax return in the following year. Surely, the "Umsatzsteuer" is simply that the VAT is returned in the same year as one has bought items rather than waiting for the tax return to be completed. Or is there a hidden financial advantage in doing this? Are the two options in financial terms the same at the end of the day?

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Erik Freitag  Identity Verified
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+ ...
not at all the same Jan 29, 2010

M00nshine wrote:

Are the two options in financial terms the same at the end of the day?


No, not at all. If you are VAT-exempt, you don't charge your customers VAT (which is only relevant for clients who are private individuals, other clients won't care). OTOH, you have to pay VAT (19% in Germany!) on business related expenses, which otherwise you wouldn't (or, more precisely, you would get them back).


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Andrea Garfield-Barkworth  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Thank you efreitag Jan 29, 2010

but is that VAT not somehow returned when you put in your own tax return?

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Erik Freitag  Identity Verified
Germany
Local time: 11:35
Member (2006)
Dutch to German
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only if you aren't VAT exempt Jan 29, 2010

M00nshine wrote:

but is that VAT not somehow returned when you put in your own tax return?


It is returned with your "Umsatzsteuererklärung", but you can't do one when you're VAT exempt.


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