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Jahresendfrust
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xxx xxx
Local time: 07:49
Jan 5, 2004

Liebe Kollegen,

zunächst einmal möchte ich Euch für das neue Jahr viele gute Kunden und auch ansonsten alles Gute wünschen und Euch für die viele Unterstützung, die ich von Euch im letzten Jahr bekommen habe, herzlich danken.

Am Jahresende zieht man ja üblicherweise ein wenig Bilanz (wer könnte sich dem entziehen?) und fasst gute Vorsätze oder setzt sich zumindest bestimmte Ziele für das neue Jahr.

Vor meiner Jahresendbilanz war ich ja recht guten Mutes. Nachdem ich im Frühjahr meine Familienpause beendet hatte, machte ich mich an die Arbeit, mich auf dem Markt zu positionieren und einen guten Kundenstamm aufzubauen. Bald stellte ich fest, dass ich mit Aufträgen von Übersetzungsbüros allein kein Auskommen finden würde, und so machte ich mich, mit Erfolg, würde ich sagen, an die Suche nach Direktkunden.

Inzwischen habe ich des öfteren mehr zu tun, als ich allein bewältigen kann oder Anfragen für Aufträge, die ich prinzipiell "outsource", weil sie entweder keine Übersetzungen ins Deutsche sind, oder absolut nicht in meine Fachgebiete fallen.

Natürlich habe ich nicht dauernd einen zu erledigenden Auftrag vor mir, aber man braucht ja auch einmal Zeit für Verwaltungsaufgaben, Nachbereitung der angefertigten Übersetzungen oder die eigene Fortbildung. Bevor ich mich jedenfalls zu langweilen beginne, kommt in der Regel ein neuer Auftrag hinein, und für die Beantwortung von KudoZ-Fragen habe ich meist auch keine Zeit mehr.

Anscheinend könnte ich also zufrieden sein, was ich nach einem halben Jahr erreicht habe.
Aber meine Bilanz hat entmutigende Ergebnisse zu Tage gefördert:

Da ich auf der Suche nach Richtlinien war, welche Zeilenpreise ich im neuen Jahr "anpeilen" sollte, stieß ich auf:

1. den neuen Gesetzentwurf für die Entschädigung von Übersetzern, die für die Gerichte tätig sind. Ab nächstem Juli soll ein Mindestpreis von 1,25 Euro pro Zeile gelten, während der BDÜ sogar 2 Euro pro Normzeile für einfache Texte fordert. Da
letzterer Preis weit über dem liegt, was ich bisher als durchsetzbaren Direktkundenpreis vermutete, habe ich mich also gefragt, ob ich etwa Dumpingpreise anbiete?

2. ein Skript mit dem Titel "Welchen Zeilenpreis nehmen Sie denn? Betrachtungen und Anregungen zur Preiskalkulation von Dipl.-Volkswirt Andreas W. Schiemenz" auf den Seiten des BDÜ. Nach Durcharbeit dieses Skripts ergab sich für mich, dass ich eigentlich erst ab einem durchschnittlichen Normzeilenpreis von 5,73 Euro auf meine Kosten komme.

3. diverse Übersetzer-Homepages mit Richtpreisen, die eine essentielle Erhöhung meiner Preise nicht angeraten erscheinen lassen.

Mit diesem schwerverdaulichen Wissen im Magen habe ich am Wochenende einen 30-Seiten-Job zu Ende gebracht, den ich zugegebenermaßen über die Feiertage sträflich vernachlässigt habe. Doch obwohl der Auftrag absolut in mein Fachgebiet fiel und mehrere andere Aufträge fortsetzte, die ich in den letzten Monaten bearbeitet habe, so dass ich optimal eingearbeitet war, und ich außerdem sehr unter Zeitdruck stand und deshalb viel disziplinierter arbeitete, als ich das sonst tue, konnte ich meine übliche Übersetzungsgeschwindigkeit nur um 58% steigern.

Abgesehen davon, dass ich ein solches Arbeitstempo auf die Dauer nicht durchhalten kann (könnt Ihr jeden Tag stundenlang wie die Wahnsinnigen auf die Tastatur einhämmern?), würde dieses die Rentabilitätsgrenze für meine Arbeit nur auf durchschnittlich 3,60 Euro pro Normzeile senken, was mir immer noch ein absolut utopischer Wert zu sein scheint (zumindest für so wenig exotische Sprachkombinationen, wie ich sie habe).

Da ich die Zeilenpreise wohl nicht weiter anheben kann, sehe ich aber nur zwei Möglichkeiten:

Entweder muss ich meine Produktivität entscheidend steigern, aber wie????

Oder ich räume das Feld und sehe ein, dass ich mit Übersetzungen nie auf einen grünen Zweig komme.

Deshalb meine Frage an Euch "alte Hasen", die Ihr immer behauptet, dass Ihr mit Übersetzen wirklich gut verdient, wie macht Ihr das? Oder: Was würdet Ihr mir raten?

Ich könnte wirklich Anregungen gebrauchen, wie ich meinen Jahresendfrust in Jahresstartlust verwandle

Herzliche Grüße

Diane




[Edited at 2004-01-05 20:02]


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Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
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Eher wird der NZ-Preis wohl sinken... Jan 6, 2004

Theoretisch kann man natürlich allerlei berechnen, die Basis für solche Berechnungen ist natürlich das erwünschte Jahreseinkommen. Sicher könnte auch deine Frisöse sich vornehmen, 2004 so an die hunderttausend Euro zu verdienen und dir dann demnächst eine Rechnung über 200 Euro pro Besuch vorlegen. Vielleicht schlechtes Beispiel.
Im allgeminen haben die Leute übertriebene Vorstellung davon, was der Nachbar verdient. Ich selbst habe im vergangenen Jahr das Einkommen meiner früheren Berufs erreicht, brauche aber nicht früh aufstehen, arbeite zu Hause, habe nichts mit stinkenden Chemikalien oder stänkernden Kollegen zu tun, arbeite wann es mir passt, fahre in Urlaub wann ich will usw.
Also bin ich mit meinem Zeilenpreis von ca. 1,20 Euro bestens zufrieden.
Zufrieden sein ist auch eine Kunst, die man erlernen sollte.
Aber der Fortschritt und die Konkurrenz drücken natürlich auf die Preise. Das ist in allen Berufen so. Wir Translatoren haben den Vorteil, dass man unsere Tätigkeit nicht den Mädchen aus der chinesischen Provinz überlassen kann.


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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
Local time: 07:49
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+ ...
Zitierte hohe Zeilenpreise unrealistisch Jan 6, 2004

Hallo Diane,

erst einmal auch ein frohes und erfolgreiches 2004.

Diane Keller wrote:
...
Da ich auf der Suche nach Richtlinien war, welche Zeilenpreise ich im neuen Jahr "anpeilen" sollte, stieß ich auf:

1. den neuen Gesetzentwurf für die Entschädigung von Übersetzern, die für die Gerichte tätig sind. Ab nächstem Juli soll ein Mindestpreis von 1,25 Euro pro Zeile gelten, während der BDÜ sogar 2 Euro pro Normzeile für einfache Texte fordert. Da
letzterer Preis weit über dem liegt, was ich bisher als durchsetzbaren Direktkundenpreis vermutete, habe ich mich also gefragt, ob ich etwa Dumpingpreise anbiete?


Nein, die 2 Euro sind m.E. eindeutig als (relativ unrealistische) Maximalforderung des BDÜ zu betrachten, die im Markt allenfalls für Direktkunden-Übersetzungen hohen und höchsten Schwierigkeitsgrades durchsetzbar erscheint.


2. ein Skript mit dem Titel "Welchen Zeilenpreis nehmen Sie denn? Betrachtungen und Anregungen zur Preiskalkulation von Dipl.-Volkswirt Andreas W. Schiemenz" auf den Seiten des BDÜ. Nach Durcharbeit dieses Skripts ergab sich für mich, dass ich eigentlich erst ab einem durchschnittlichen Normzeilenpreis von 5,73 Euro auf meine Kosten komme.


Ich kann mir nicht helfen (auch wenn ich selbst als Freiberufler noch keineswegs ein "alter Hase" bin, da ich auch erst im Oktober 2003 den Sprung gewagt habe), aber irgendwo muss da ein Denk- oder Rechenfehler drin sein. Was für eine exorbitante Kostenstruktur musst Du denn haben, um erst bei EUR 5,73 Durchschnittspreis (!!!) in die Gewinnzone zu kommen? Normalerweise haben wir doch gerade in unserem Beruf die Möglichkeit, mit relativ niedrigen Kosten zu kalkulieren (zumindest als freiberufliche EinzelkämpferInnen - in Agenturen/Büros mag das etwas anders aussehen).


Da ich die Zeilenpreise wohl nicht weiter anheben kann, sehe ich aber nur zwei Möglichkeiten:

Entweder muss ich meine Produktivität entscheidend steigern, aber wie????

Oder ich räume das Feld und sehe ein, dass ich mit Übersetzungen nie auf einen grünen Zweig komme.

Deshalb meine Frage an Euch "alte Hasen", die Ihr immer behauptet, dass Ihr mit Übersetzen wirklich gut verdient, wie macht Ihr das? Oder: Was würdet Ihr mir raten?


Folgendes: Lass Dich nicht von abstrakten Berechnungen irre machen, sondern stelle konkret für Dich fest, ob mit Deinen erwirtschafteten Erträgen nach Abzug aller Aufwendungen genug übrigbleibt, um Deinen Lebensstandard - und sicher auch den Deiner Familie - zu halten oder sogar zu erhöhen und ggf. noch etwas für die alten Tage beiseite zu legen. (Aber das hast Du ja sicher schon bei der Bestandsaufnahme für 2003 getan.) Davon hängt dann auch ab, ob und inwieweit Du überhaupt Deine Produktivität erhöhen solltest. Davon ausgehend kannst Du für Dich dann auch Umsatzziele für das neue Jahr definieren (eine moderate Steigerung des Volumens dürfte da sicher drin sein, da Du ja 2003 erst begonnen hast). Signifikante Preiserhöhungen erscheinen mir sowieso nur bei Stammkunden mit hohem regelmäßigem Auftragsvolumen durchsetzbar, die Du von Deiner Qualität überzeugt hast. Bei solchen Kunden würde ich versuchen, jährlich die Preise ganz moderat anzuheben.

Im übrigen zeigt Hans' Beispiel, zu welchem Monats- bzw. Jahreseinkommen die genannten Berechnungen führen. Wiederum: Für einen "normalen" Freiberufler erscheint das absolut utopisch.

Viele Grüße
Steffen

[Edited at 2004-01-06 13:01]


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Local time: 07:49
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Weitere abstrakte Rechnungen Jan 6, 2004

DSC wrote:

Hallo,

bei uns bewältigen die Übersetzer durchschnittlich ohne besonderen Termindruck (inkl. Kaffee-, Zigaretten- und Quatschpausen) ca. 250 Zeilen am Tag.

Das Bedeutet dann 250 * 5,73 EUR = 1.432,50 EUR / Tag und bei ca. 20 Arbeitstagen im Monat = 28.650 EUR / Monat.

Dieses Einkommen erreichen nicht mal die meisten Manager in Grossunternehmen.

Vielleicht war die Kalkulation denn doch nicht so passend, oder ? Hat der Kollege vielleicht die massiv goldene Tastatur mit einkalkuliert ?

Viele Grüße

Hans


Ich sehe, ich muss die Berechnungsgrundlagen offenlegen

1. Der Autor des Skripts geht davon aus, dass ein freiberuflicher Übersetzer ca. 70% Kosten hat (von Fixkosten wie Anteil des Arbeitszimmers an der Miete oder den Kosten eines Hauses, Telefongrundgebühr und Berufshaftpflichtversicherung über einmalige Sonderanschaffungen bis monatlich anfallende, variable Kosten wie Telefoneinheiten und Büromaterial)

2. Der Autor geht von dem Erfahrungswert aus, dass ein freiberuflicher Übersetzer nur 70% seiner Arbeitszeit produktiv ist, die restliche Zeit geht für Telefonate, Angebote, Rechnungen, Verwaltungsaufgaben, Steuererklärungen, Wege zur Bank oder Post drauf. D.h. von einem normalen 8-Stunden-Arbeitstag bleiben 5,6 Stunden für das eigentliche Übersetzen.

3. Der Autor geht von einer 5-Tage-Woche aus (wie Du auch), was 261 Arbeitstage pro Jahr macht (vielleicht dieses Jahr 262, wegen des Schaltjahres). Davon wäre der Urlaub, auf den ein Übersetzer auch Anspruch hat, abzuziehen (20 Arbeitstage) und (Katastrophe!) 5 Krankentage, macht insgesamt 236 Arbeitstage. Auf 12 Monate umgerechnet, sind das 19,7 Arbeitstage pro Monat.

4. Da ich davon ausgehe, dass Deinen (angestellten?) Übersetzern die in Punkt 2 genannte Verwaltungsarbeit weitestgehend erspart bleibt, schaffen sie offensichtlich an einem 8-Stunden-Tag 31,25 Zeilen pro Stunde.

Deine Rechnung müsste also aufgrund der Punkte 2-4 so aussehen:

31,25 * 5,6*5,73 EUR = 1.002,75 EUR / Tag und bei ca. 19,7 Arbeitstagen im Monat = 19.754 EUR / Monat

Davon laut Punkt 1: 70% Kosten: 13827 Euro/Monat

Gewinn: 5927 Euro vor Steuern, davon 50% Steuern, Abgaben, Krankenversicherung u.ä.: 2963,5 „ausgezahlt“.

Der Knackpunkt ist hier vielleicht tatsächlich die von Dir angesprochene, „goldene Tastatur“, d.h. die Frage, ob wirklich 70% der Einnahmen für berufsbedingte Ausgaben draufgehen. Zumindest bei einem wirklich hohen Zeilenpreis kann man wohl davon ausgehen, dass 70% ein wenig viel ist. Und vielleicht sind es am Ende keine ganzen 50% Abzüge.

Rechnen wir aber mal mit den von Heinrich Pesch angesprochenen 1,20 Euro:

31,25 * 5,6*1,2 EUR = 210 EUR / Tag und bei ca. 19,7 Arbeitstagen im Monat = 4137 EUR / Monat

Davon, laut Punkt 1, 70% Kosten: 2895,9 Euro/Monat

Gewinn: 1241,1 Euro vor Steuern, davon 40% Steuern, Abgaben, Krankenversicherung u.ä.: 744,66 „ausgezahlt“.

Vor Steuern und Abgaben sind das, umgerechnet auf eine Arbeitsstunde (8*19,7 = 157,6 im Monat): 7,88 Euro pro Stunde (eine Haushaltshilfe bekommt schon mehr!)

Bleibt die Frage nach der Höhe der jährlichen Kosten, die ich nicht so ganz beurteilen kann, da ich dieses Jahr zum ersten Mal eine richtige Einnahmen-Überschussrechnung für das Finanzamt erstellen lassen muss und noch keine Ahnung habe, auf welchen Betrag sich Strom, Heizung und andere Kosten des Hauses belaufen, daher habe ich mich auf die Prozentangabe in dem Skript gestützt.

Fazit: Nur, wenn so gut wie gar keine Kosten abzuziehen wären, würde ein Zeilenpreis von 1,2 Euro zu einem Gehalt nach Steuern und Abgaben führen, dass ich für angemessen hielte.

Sagen wir also 1,20 = 30%, also 70% Kosten = 1,60, daraus folgt ein durchschnitllich zu erzielender Zeilenpreis von 4 Euro.

Bei dem umgekehrten Verhältnis: 70% Gewinn und 30% Kosten = 0,51 Euro, erhält man einen Durchschnittspreis von 1,71 Euro.

So weit, so möglicherweise noch erzielbar

Aber ich muss zugeben, dass ich keine 31,25 Zeilen pro Stunde schaffe.
Bei 30 Zeilen müsste man schon 1,78 Euro verlangen, bei 25 Zeilen 2,14 Euro.

OK, daraus folgt also, dass außer an dem Zeilenpreis an 3 Schrauben gedreht werden kann:

1. Kostenreduktion
2. Geschwindigkeitssteigerung
3. Überstunden

Also Karten auf den Tisch: wie machst Ihr es? Arbeitet Ihr grundsätzlich mehr als 8 Stunden täglich? Wieviel Zeilen schafft Ihr durchschnittlich in einer Stunde?

Liebe Grüße

Diane



[Edited at 2004-01-09 05:48]


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RWSTranslation
Germany
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Berechnungsgrundlage Jan 6, 2004

Hallo Diane,

ich denke, dass der pauschale Ansatz von 70 % oder 50 % oder x % Kosten nicht praktikabel ist.

Ein grosser Anteil der Kosten sind Fixkosten, d.h. umsatzunabhängig (Arbeitsplatz, Software, ...). Ein weiterer Teil ist in grenzen umsatzabhängig, d.h. Verwaltung Telefon, Porto, .... Hier wird es grosse Unterschiede machen, ob Du als Freiberufler vorwiegend mit wenigen Büros oder grossen Direktkunden arbeitest (Redunktion der Verwaltungsaufwendungen / gleichmässigere Auslastung, hoffentlich sichere und pünktlichere Zahlungseingänge) oder viel mit kleinen Direktkunden zu tun hast.

Du solltest daher Deine Kalkulation schon etwas konkreter an den realen Zahlen orientieren. Ich denke als erstes wäre eine Aufstellung der Fixkosten hilfreich und dann eine Analyse Deiner Auftragsstrukturen. Dabei wirst Du feststellen, dass nicht für alle Kunden der gleiche Zeilenpreis angemessen ist (s.o.). Am Ende kannst Du dann versuchen Deine Kundenstruktur und -preisezu optimieren (durch gezieltes Marketing) und gleichzeitig auch noch versuchen Deine Effizienz zu erhöhen. Wenn dann am Ende immer noch nicht genug übrig bleibt, dann solltest Du vielleicht tatsächlich über andere Einnahmequellen nachdenken, aber erst dann.

Im Übrigen sind die meisten unserer Übersetzer (leider) nicht fest angestellt und verfügen trotzdem teilweise über stattliche Einkommen bei uns. Wobei ich ja auch noch berücksichtigen muss, dass es weitere Auftraggeber gibt. Wenn ich dann auch noch mal bedenke wie oft und wie lange unsere Übersetzer Urlaub machen, kann die finanzielle Situation nicht so dramatisch sein (und wir zahlen beileibe nicht 1,20 EUR / Zeile; das erhalten wir nicht einmal).

Viele Grüße

Hans


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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
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70 % Kosten halte ich für zu hoch Jan 6, 2004

Ohne jetzt allzusehr ins Detail zu gehen, erscheint mir diese Zahl als deutlich zu hoch gegriffen, zumindest wenn Du vom häuslichen Arbeitszimmer aus tätig bist und keine Miete für Büroräume zu zahlen hast.

Ich habe im November 2003 für mich eine Finanz- und Liquiditätsplanung über die nächsten Jahre aufgestellt (für 2004 auf Monatsbasis) und bin meist auf ca. 40-45 % Kosten gekommen, wobei folgende Positionen berücksichtigt sind:

- Telefon/Online
- Büro-/Verbrauchsmaterial
- Büro-/Arbeitszimmereinrichtung (Möblierung)
- Arbeitszimmer anteilig (Strom etc.)
- Wörterbücher und sonstige Fachliteratur
- Software
- Hardware/Peripheriegeräte
- Beitrag Berufsverband
- Berufshaftpflicht
- Fortbildung
- Steuer- und ggf. Rechtsberatung
- PKW
- ÖPNV

Ich denke, damit habe ich so ziemlich alle in Frage kommenden Positionen "erschlagen". Ich arbeite übrigens von zu Hause aus (Arbeitszimmer). Ist das bei Dir genauso, Diane?

Ergänzung: Ich schaffe bei einem vertrauten Fachgebiet/Thema wohl mindestens ca. 50-60 Zeilen (55 Anschläge) pro Stunde (also zwei sog. Normseiten). Dies entspricht etwa 3.000-3.500 Wörtern.

Bei hohem Arbeitsanfall und engem Termin arbeite ich natürlich manchmal deutlich mehr als 8 Stunden täglich - dann kann es auch mal in den Bereich von 12-14 Stunden gehen. Über den Monat gleicht sich das aber i.d.R. annähernd wieder aus.

Steffen

[Edited at 2004-01-06 14:34]


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 07:49
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+ ...
Achtstundentag, Jan 6, 2004

und davon nur f§înf gearbeitet?

F¨¹nftagewoche???

"Anspruch auf Urlaub" als Freiberufler/Unternehmer???

Haha!!!! Wo lebt der denn?

Mehr muss man dazu, glaube ich, gar nicht sagen.

[Edited at 2004-01-06 19:17]


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Johanna Timm, PhD  Identity Verified
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Perspektivenwechsel Jan 6, 2004

Hallo Diane,
Ich hab’ da für mich persönlich eine geniale Lösung gefunden - nämlich radikal die Perspektive zu wechseln! Nach all den verschiedenen Jobs, die ich im Laufe meines Lebens hatte - an der Uni unterrichtet, als Kindergärtnerin gearbeitet, meine eigenen Kinder erzogen (oder auch nicht!) - bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass mir das Übersetzen so irren Spaß macht, dass ich es einfach gegen nichts anderes eintauschen möchte. Ich betrachte es einfach nicht als Arbeit, sondern als Vergnügen - das ich auch noch bezahlt bekomme. Und was mir Spaß macht, das kann ich stunden- und tagelang tun, und zwar ohne mir ständig darüber den Kopf zu zerbrechen,ob der Preis nun wirklich angemessen ist oder nicht. So einfach ist das. Positives Denken!


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Marian Pyritz  Identity Verified
Germany
Local time: 07:49
Member (2004)
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Kosteneffizienz? Jan 6, 2004

Bravo Johanna, Deinen Worten kann ich nur beipflichten! Vor einiger Zeit hat mir der Inhaber eines Übersetzungsbüros fröhlich mitgeteilt, für die Erstellung einer Rechnung würden seine Mitarbeiter nur noch 50 Sekunden benötigen. Klasse! Danach hat er mir aufgezählt, wie viele Übersetzer für ihn arbeiten würden, die unter meinem Zeilenpreis für ihn arbeiten. Spitzenreiter: € 0,43 pro Zeile! Ist das Kosteneffizienz?

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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
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Nicht unbedingt... Jan 6, 2004

Hallo Marian,
Spitzenreiter: € 0,43 pro Zeile! Ist das Kosteneffizienz?


Kann schon sein, dass der Büroinhaber einen niedrigen Einkaufspreis dafür hält... das kann, muss aber nicht effizient sein.

Ich hab' vor ein paar Monaten selbst mal ein Übersetzungsbüro getestet, dass mit seinen Angeboten ca. 40% unter meinem normalen Einkaufspreis liegt ("getestet" bedeutete hierbei eine bezahlte Probeübersetzung). Im Endeffekt war die gelieferte Qualität für mich völlig uninteressant, weil der zur Angleichung an unser Qualitätsniveau erforderliche Arbeitsaufwand die Kostenersparnis deutlich überkompensiert hätte... 43 Cents pro Zeile ist definitiv billig - ob das auch preiswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Gruß Ralf

PS Für die Erstellung einer Standardrechnung brauche ich auch nur 'ne Minute - das ist aber mit einem professionellen Buchhaltungsprogramm wirklich keine schwarze Magie.


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RWSTranslation
Germany
Local time: 07:49
Member (2007)
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Bewerbung erwünscht Jan 7, 2004

Hallo Johanna,

bewirb Dich doch einfach mal bei uns. Gute Leute, die wir dann auch noch bezahlen können (ich weiss wir zahlen nicht die höchsten Preise, aber 43 Cent liegt dann doch weit unter unseren Standards, obwohl machmal wären auch 43 Cent noch zuviel), sind bei uns stets gern gesehen (auch als festangestellte Übersetzer).

Viele Grüße

Hans


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Johanna Timm, PhD  Identity Verified
Canada
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Member (2002)
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Danke... Jan 7, 2004

...für das nette Angebot, aber ich kann über Mangel an (gut bezahlten!) Aufträgen nicht klagen...

[Der Spaß hört für mich bei einem bestimmten Preis natürlich auch auf--ich bin schon wählerisch, so ist das nicht.]

Wie sagte meine Oma immer: "Find a job you love and you'll never work another day in your life."(hat sie allerdings auf Plattdeutsch gesagt):)
Ich bin von leider(?) Natur aus obsessiv: wenn ich stricke, stricke ich stundenlang, wenn ich lese, lege ich das Buch nicht weg, wenn ich Kinder habe, bleibt es nicht bei einem...und wenn ich übersetze, merke ich nicht wie die Zeit vergeht. Der positive und, wohlgemerkt, nicht einkalkulierte Effekt ist dabei, dass eine positive Einstellung nur sehr selten negative Reaktionen hervorruft. Kunden haben lieber mit jemandem zu tun, der seine Arbeit wirklich gerne macht, als mit jemandem, der genervt und gestresst, berechnend und anspruchsvoll wirkt. Und da wären wir wieder bei der Perspektive...
(ha, da wäre meine Oma aber stolz auf mich, wenn sie das noch lesen könnte...)


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