*Wo* - die Präposition passt einfach immer
Thread poster: Carolin Haase

Carolin Haase  Identity Verified
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Oct 6, 2010

Liebe Kollegen,

gerade lektoriere ich eine Übersetzung, die ich im Grunde völlig neu schreiben muss, was eine Menge Arbeit bedeutet. Und nein, ich bin nicht überempfindlich und stelle meinen Schreibstil über den des Übersetzers. Viele Passagen sind schlichtweg falsch verstanden und daher falsch übersetzt und stilistisch unangemessen. Wie z. B. die Präposition *wo*. Der Übersetzer weiß offenbar nicht, dass es auch "in dem" oder "an der" usw. heißen kann. Dass jetzt auch schon Übersetzer in der sprachlichen Wo-Falle sind, überrascht mich schon. Ich muss mich allerdigs auch öfter am Riemen reißen, um nicht zu sagen "...weil ich hab Hunger".

Wie geht es euch damit? Pflegt ihr den konventionellen Sprachgebrauch oder geht ihr mit der Zeit?

Neugierige Grüße
Carolin


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Erik Freitag  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
Member (2006)
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Sprache pflegen Oct 6, 2010

Liebe Carolin,

ich habe jetzt noch nicht ganz klar vor Augen, wie in dem von Dir genannten Beispiel "wo" verwendet wird, aber mal ganz grundsätzlich:

Ich bemühe mich, nicht "mit der Zeit zu gehen" (zumindest solange nicht besondere Gründe dies verlangen, zum Beispiel wenn ausdrücklich ein bestimmtes Sprachregister übertragen werden soll). Es reicht, wenn diejenigen allen sprachlichen Neuerungen hinterherlaufen, die es nicht besser wissen. Wer soll denn einen korrekten Sprachgebrauch pflegen, wenn nicht wir, die wir professionell schreiben? Wo soll Otto Normalbürger denn mit korrekter Sprache in Kontakt kommen, wenn sogar die, die es besser wissen sollten, sich schlampig ausdrücken?

Ich habe mal mit einem Bekannten einen Streit ausgefochten, der in eine ähnliche Kerbe haut: Ich neige bedauerlicherweise tatsächlich manchmal zu einer gewissen Besserwisserei und korrigiere mir nahestehender Mitmenschen Sprachgebrauch bisweilen ungefragt. Besonders intensiv habe ich dies eine zeitlang jenem Freund zugemutet, der seine Brötchen als Grundschullehrer verdient. Sein Gegenargument war das in diesem Zusammenhang stets bemühte "So sprechen die Menschen nun mal!" oder "Sprache verändert sich eben!" Mein Gegenargument hieß dann stets: Von wem sollen denn die armen Kinder Besseres lernen, wenn nicht von ihren Lehrern? Wenn sie sich in ihrem späteren Leben für eine andere Ausdrucksweise entscheiden, bitte sehr! Aber man darf ihnen doch nicht den Weg verbauen, indem man ihnen eine korrekte (vielleicht sogar schöne?) Ausdrucksweise gar nicht erst abverlangt oder zumindest als Alternative vorlebt.

Sprachliches Laisser-faire hat seinen Platz im Leben, aber nicht bei professionellen Textproduzenten.

Gruß,
Erik

PS: Als Nebenbemerkung sei noch gesagt, dass selbstverständlich auch wenn ich schreibe allerlei Kritikwürdiges zu Papier gebracht wird. Entscheidend ist jedoch die unterschiedliche Wertung.



[Bearbeitet am 2010-10-06 12:30 GMT]


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Simone Linke  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
Member (2009)
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"Wozu?" Oct 6, 2010

Ich kann den Unmut gut nachvollziehen, wobei ich es aber mit anderen Übersetzern oder Autoren noch nicht so erlebt habe, sondern eher mit Kunden oder "normalen" Menschen.

In letzter Zeit scheint es sich auch zu häufen, dass ich dann von Kunden (großen weltbekannten Firmen) Stilführer vorgelegt bekomme, in denen explizit Dinge stehen à la "Bitte unbedingt sparsam mit Bindestrichen umgehen, auch wenns die Sprache so verlangt". Ich kanns ja verstehen, wenn die Herrschaften Angst um ihren Firmennamen haben, aber wenn sich dieses Bindestrichverbot dann auch auf normale Substantive bezieht, da sträuben sich mir die Haare. Da entstehen klare Zweideutigkeiten im Text, das Lesen wird zur Mühe und für die Verständlichkeit des Textes ist das eher kontraproduktiv - und das, obwohl doch besagte Firmen immer so bemüht sind, ihre Kunden in möglichst direkten und klaren Worten zu erreichen. Manche Kunden wollen auch unbedingt ein Komma zwischen Hauptsätzen (wie im Englischen), selbst wenn das dann dazu führt, dass 4-Wort-Sätze durch ein Komma abgetrennt werden (also sowas wie "Schließen Sie das Menü, und fahren Sie fort.") Das stört den Textfluss ebenso.

Doch wenn man versucht, an die Vernunft der Betroffenen zu appellieren, da heißt es dann, nee, die Vorgaben sind nun mal so und das ist unser Stil.
Vielleicht sollte ich dann auch anfangen, Firmen vorzuschreiben, wie sie ihre Produkte zu gestalten haben - offenbar ist es ja bei diesen Firmen in Mode, anderen in ihr Handwerk reinzureden.

Aber auch im Alltag finde ich immer mehr von diesem Laissez-faire, das Erik angesprochen hat. Selbst Bekannte mit sprachwissenschaftlichem Hintergrund scheinen da manchmal nicht mehr in der Lage, die einfachsten englischen Wörter vernünftig deutsch zu sagen (und nein, ich bin da nicht total puristisch.. aber wenn mir jemand mit Sprachstudium erzählt, er hätte grade sein Timesheet für die Stundenabrechnung auf Arbeit ausgefüllt, da wird mir ganz anders).

Nur, wenn man dann mal nachhakt (und leider als besserwisserisch rüberkommt), da kommt dann nur ein laxes "Wozu? Was passiert denn Schlimmes, wenn ich 'weil, ich will jetzt gehen' statt 'weil ich jetzt gehen will' sage?"

Das ist letztendlich das Traurige. Die meisten haben gar kein Gefühl mehr für wortgewaltige Texte/Bücher und halten das Sprachgaga der MTV-Generation schon für das Höchste der Gefühle.


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Sebastian Witte  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
Member (2004)
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Das Volk macht sich halt die Sprache so wie es sich am Besten anfühlt Oct 6, 2010

Nach dem Motto: Wat nicht passt wird passend gemacht.

Man beachte auch die anderen Perlen der Unna-Trilogie, u.a. Bang Boom Bang, den ewigen Klassiker mit der denkwürdigen Zeile "Der Pferd heiss' Horst".

[Edited at 2010-10-06 13:18 GMT]


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
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Nix Neues... Oct 6, 2010

...des wisse die, wo in Hesse wohne, schon lang...


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Erik Freitag  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
Member (2006)
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+ ...
die, die wo Oct 6, 2010

Ralf Lemster wrote:

...des wisse die, wo in Hesse wohne, schon lang...


Nicht "... die, die wo ..."?


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
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die, die wo... Oct 6, 2010

Gude, wie...
efreitag wrote:

Ralf Lemster wrote:

...des wisse die, wo in Hesse wohne, schon lang...


Nicht "... die, die wo ..."?

Ei, die aach.


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René Laszlo  Identity Verified
Germany
Local time: 21:33
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Das sind Gefühle, Oct 7, 2010

wo man nicht beschreiben kann.

... sagte der Klinsmann und ging in die USA.

Sorry fürs OT

[Bearbeitet am 2010-10-07 07:40 GMT]


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xxxOlaf
Local time: 21:33
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Wo ist *keine* Präposition Oct 7, 2010

Ich will ja nicht übermäßig pingelig sein, aber "wo" ist keine Präposition, sondern ein falsch gebrauchtes Relativpronomen (Nota relationis) und auch sonst wird es meiner Meinung allenfalls als Fragewort aber nie als Präposition gebraucht.

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Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 12:33
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Tscha... Oct 7, 2010

Ralf Lemster wrote:

...des wisse die, wo in Hesse wohne, schon lang...







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