Frage bzgl. Krankenversicherungsmöglichkeiten für freiberufliche Übersetzer/innen
Thread poster: jykim
jykim

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Oct 10, 2010

Liebes Proz-Forum,

heute wende ich mich bzgl. einer Frage zur Krankenversicherungsmöglichkeit für uns freiberufliche Übersetzer bei euch. Ich bin derzeit (noch) freiwillig gesetzlich versichert, aufgrund der Höhe der Beiträge (das soll keineswegs arrogant klingen!) überlege ich, zu den Privaten zu wechseln. Da ich nicht sonderlich bewandert bin und mir div. Versicherungsmakler nur scharf auf die Provision zu sein scheinen, dachte ich mir, mich einmal in der Community zu erkundigen: Wie seid ihr versichert? Gibt es unter euch privat versicherte, sprich in der PKV?

Ich mache mir sorgen, dass ich, noch bin ich jung, günstig mich versichern lassen kann, sollten aber einmal die guten Einkünfte ausfallen (alt, krank...) und die Beiträge für die PKW exorbitant steigen (so wie ja überall Panik gemacht wird), dann habe ich Angst, mir die Beiträge nicht mehr leisten zu können. Besteht überhaupt die Möglichkeit, wieder aus einer privaten Kasse rauszukommen, ohne in einen sozialversicherungspflichtigen Job zu wechseln? Was sind mögliche Nachteile der PKV, was Vorteile? Welche Kassen und Tarife sind für unseren Job empfehlenswert?

Danke im Voraus und Grüße (-:


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Joachim Dietlicher MSc (BDÜ)  Identity Verified
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ein paar Gedanken Oct 10, 2010

jykim wrote:

Ich mache mir sorgen, dass ich, noch bin ich jung, günstig mich versichern lassen kann, sollten aber einmal die guten Einkünfte ausfallen (alt, krank...) und die Beiträge für die PKW exorbitant steigen (so wie ja überall Panik gemacht wird), dann habe ich Angst, mir die Beiträge nicht mehr leisten zu können.


Hallo jykim,

genau deswegen bin ich auch noch in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Beispiel eines heute 60-jährigen Bekannten, der sich 1980 selbständig gemacht hatte und mittlerweile das Sechsfache (!) an Versicherungsbeitrag für die PKV bezahlen muss, hatte mich am meisten geschockt.

Ich habe auch von einem anderen Bekannten gehört, dass dieser nun (kurz vor Renteneintritt) sehr mit den hohen Beiträgen zu kämpfen hat.

Besteht überhaupt die Möglichkeit, wieder aus einer privaten Kasse rauszukommen, ohne in einen sozialversicherungspflichtigen Job zu wechseln? Was sind mögliche Nachteile der PKV, was Vorteile?


Es soll wohl über einen "Umweg" gehen. Zum Beispiel das eigene Geschäft schließen, und nach ein paar Wochen unter neuem Namen wieder aufmachen.

Mögliche Nachteile der PKV:

* keine (kostenlose) Mitversicherung von Familienangehörigen

Mögliche Vorteile der PKV:

* ganz sicher eine Behandlung mit besseren Mitteln (weiß ich von einem Freund, der lange im Gesundheitswesen tätig war -> Beispiel: es werden besser verträgliche Narkosemittel verwendet, wenn man in der PKV ist)

* keine Wartezeiten beim Arzt

Es gibt sicher noch weitere Vor- und Nachteile, die oben sind nur die, die mir grade auf die Schnelle eingefallen sind.

Gruß

Joachim


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Jerzy Czopik  Identity Verified
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Ohne einen Wertungsversuch Oct 10, 2010

Aktuelle Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung sind die aus meiner Sicht mittlerweile unkalkulierbaren Beitragsrisiken bei gleichzeitig immer weiter reduzierten Leistungen.
Wenn man sich privat versichert, schließt man mit der Versicherung einen Vertrag ab, der nur im Rahmen der allgemeinen Geschäftsbedigungen (die sehr strenger staatlichen Kontrolle unterliegen) abgeändert werden kann. Natürlich kann der Beitrag steigen - das wird der aber in der GKV auch tun, aber die Leistungen können nicht ohne weiteres gekürzt werden. Die GKV macht dagegen inzwischen was sie will und streicht Leistungen wo es nur geht.
Außerdem ist man als Selbständiger bei der GKV ein "gedulterer" Fremder, denn prinzipiell ist die GKV nicht für Selbständige zwingend - man ist eben "freiwillig versichert". Je nach Kasse landet man dann schnell beim Höchstsatz und muss sich darauf verlassen, dass die Beitragsbemessungsgrenze nicht aufgehoben wird. Wäre sie das, würden wir den Prozentbeitrag vom tatsächlichen Brutto bezahlen, und das kann bei gut gehendem Geschäft ein Vielfaches des PKV-Beitrags schnell ausmachen. Denn die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 3.750 EUR brutto - ergibt einen Beutrag von 558,75 EUR (nach meinem Kenntnisstand). Wenn dein Einkommen darunter liegt, wird die GKV natürlich weniger berechnen. Aber wenn du in diese Regionen kommst (und ich gebe zu bedenken, dass dies gar nicht so viel ist wie es im ersten Augeblick zu sein scheint), kann die GKV immens teuer sein. Es sei denn, über dich ist die gesamte Familie versichert - dann hat PKV keine Chance dagegen. Ansonsten würde ich mich wirklich bei unabhängigen Beratern oder im zweifel bei zwei-drei PKV-Anbietern durchfragen.
Letztendlich muss es jeder für sich wissen - ob privat oder GKV.


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jykim

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Genau das sind meine Überlegungen... Oct 10, 2010

Hallo!

Genau das ist meine Überlegung. Der Höchstsatz der GKV entspräche ja quasi beinahe einer Art zusätzlicher Miete in dieser Höhe. Wie ist es denn bei den Privaten: hier werden doch nun Standard- und Basistarife angeboten, die i.H. nicht den Höchstsatz der GKV überschreiten dürfen und im Alter, aufgrund der Altersrücklagen, wahrscheinlich darunterliegen werden.

Das Argument von Jerzy überzeugt mich: die GKV kürzt nach Lust und Laune die Leistungen, erhöht die Beiträge - ings. sind doch hier die Steigerungen höher als bei den PKV aufgrund der Tatsache, wie auch hier Jerzy meinte, dass tatsächlich nur Beiträge steigen, allerdings die Leistungen nicht gekürzt werden. Was könnten aber noch weitere Argumente pro, contra PKV/GKV sein....


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Jerzy Czopik  Identity Verified
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Pro GKV: Familienversicherung Oct 10, 2010

Und das ohne wenn und aber.
Das war bei mir der Fall - so lange meine Frau und Tochter mitversichert waren, fand ich das ganze noch irgendwie OK. Wir hatten eine Zusatz-PKV und das war eigentlich ganz gut so. Bis vor kurem eben. Dann fing aber auch unsere ansonsten hervorragende Krankenkasse die Leistungen zu kürzen. Und wenn schon TKK (Techniker) damit anfängt, dann muss es wirklich nicht gut um das Gesundheitssystem stehen.
Nun bin ich aus vielen Gründen privat versichert. Meine Tochter musste sich selbts versichern, meine Frau ist nun freiwillig bei der GKV. Damit zahlt jeder von uns einen Beitrag - daher habe ich es nicht eingesehen, immer den Höchstsatz zahlen zu dürfen und der Willkür (sorry, aber so fühlt man sich in dem Moment) des Gesetzgebers ausgeliefert zu sein. Und dann noch Stimmen zu hören, dass man ohnehin BEVORZUGT behandelt wäre, ist doch mein Beitrag nicht mehr 14,9% meines Einkommens, sondern weniger. Das ist doch ungerecht, würde so mancher sagen - dachte ich mir im Endeffekt auch und bin zu den Privaten gewechselt. Irgendwann war es dann mit meiner Solidarität vorbei.
Nun kommt doch eine Wertung, aber nach 20 Jahren Selbständigkeit habe ich wirklich nicht das Gefühl, dass Selbständige in diesem Land in irgendeiner Weise bevorzugt oder besser behandelt werden. Ganz im Gegenteil, wir dürfen jede "Reform" indem mitmachen, dass wir mehr zahlen, Entlastungen werden immer für andere gefunden.


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Michele Johnson  Identity Verified
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Contra PKV: Risikobeurteilung/Gesundheitscheck Oct 10, 2010

Bin sehr glücklich mit der PKV, aber man darf auch nicht vergessen, dass bei ihr ganz eindeutig eine Risikobeurteilung stattfindet. Das hängt vom Alter, Geschlecht, Beruf, usw. ab und unterscheidet sich von Gesellschaft zu Gesellschaft. Manchmal wird eine Arztuntersuchung verlangt, meist werden die Arztbesuche der letzten XX Jahren abgefragt, es gibt Risikozuschläge bei Übergewicht, Rauchen, Allergien, usw. Man kann aus gesundheitlichen Gründen sogar ganz abgelehnt werden, was bei der GKV nicht möglich ist, soweit ich weiss.

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Simona R
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Bei DEBEKA privat versichert Oct 11, 2010

Hallo,
ich bin bei der Debeka privat versichert und bin bisher damit zufrieden. Der Monatsbeistrag beträgt bei mir EUR 400 (keine Chefbehandlung, kein Einzelzimmer), der Selbstbehalt ebenfalls EUR 400. Wenn man im Laufe des Jahres überhaupt keine Rechnungen einreicht, bekommt man im September des darauffolgenden Jahres 3 Monatsbeiträge rückerstattet, was nicht wenig ist. Minuspunkt: auch die kleinste Vorerkrankung kann teuer werden, was aber vemutlich bei allen PKV der Fall ist. Beispiel: wegen eines Bandscheibenvorfalls, der übrigens schnell und erfolgreich behandelt werden konnte, darf ich vermutlich mein Leben lang ein Risikozuschlag von 30% zahlen. Das ist wiederum nicht wenig. Soweit ich weiß, werden Allergiker ebenfalls hart "bestraft".

Ich würde jedem, der auf der Suche nach einer passenden Versicherungslösung ist, auf jeden Fall empfehlen, sich von den Fachleuten der Verbraucherschutzzentrale beraten zu lassen.

Simona


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Simona R
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Ärgerlich Oct 11, 2010

Jerzy Czopik wrote:

Nun kommt doch eine Wertung, aber nach 20 Jahren Selbständigkeit habe ich wirklich nicht das Gefühl, dass Selbständige in diesem Land in irgendeiner Weise bevorzugt oder besser behandelt werden. Ganz im Gegenteil, wir dürfen jede "Reform" indem mitmachen, dass wir mehr zahlen, Entlastungen werden immer für andere gefunden.


Das sehe ich ganz genau so und ärgere mich andauernd darüber.

Simona


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RWSTranslation
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Finanztest Oct 11, 2010

Hallo,

von der Stiftung Warentest gibts im Bereich Finanztest immer mal wieder Beiträge zu diesem Thema und auch ein Sonderheft Versicherungen.

(www.test.de)

Ist vielleicht ein Einstieg.

Viele Grüße

Hans


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Woodstock  Identity Verified
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Ich habe einen ganz anderen Weg eingeschlagen Oct 11, 2010

Meine deutschen PVK-Beiträge stiegen auf bis zuletzt fast EUR 800 mtl. (Einzelperson) nach 15 Jahren und waren m.A. viel zu hoch. Außerdem habe ich die Versicherung seltenst in Anspruch genommen. Sie wurde jedes Jahr teurer, und die Beiträge konnten auch nur günstiger werden, in dem man Abstriche bei versch. Leistungen bzw. eine höhere Selbstbeteilung in Kauf nahm. Bei den anderen PKVs sah es ähnlich aus, und eine gesetzliche KV war natürlich kein Thema mehr nachdem ich so viele Jahre privatversichert war.

Nach einer langen Suche nach Alternativen im Internet, habe ich eine gute Lösung in Frankreich gefunden! Diese PKV ist allerdings nur für US-Amerikaner, die einer bestimmten Organisation angehören und in deren "group insurance plan" eintreten. Die Versicherung ist günstiger und erbringt viel mehr Leistungen als eine deutsche PKV. Eine nette Anmerkung: Ich bin überall in der Welt versichert - nur in USA nicht, außer ich mache dort gerade Urlaub mit einer Höchstdauer von 1 Monat.

Also überlege es dir gut, und recherchiere im Internet um herauszufinden, ob es nicht eine bessere Alternative als deutsche Krankenversicherungen für dich gibt.


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svenfrade  Identity Verified
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Meine Entscheidung ... Oct 11, 2010

habe ich vor 3 Jahren zugunsten der GKV getroffen, einerseits, weil ich den Gesundheitscheck als Schnüffelei empfinde (nur meine persönliche Meinung), andererseits, weil hier meine Tochter kostenlos mitversichert ist.

Es gibt übrigens auch bei gesetzlichen Krankenkassen Wahltarife, bei denen man bestimmte Leistungen abwählen kann (z.B. Mutter-Kind-Kuren, Haushaltshilfe, Homöopathie usw.) und dann eine bestimmte Beitragsrückvergütung bekommt.

Bei einigen Krankenkassen besteht auch die Möglichkeit, eine Option zu wählen, die eine Rückerstattung beinhaltet, wenn man innerhalb eines Kalenderjahres nicht beim Arzt war (wobei Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen meines Wissens ausgenommen sind). Sollte man doch einen Arzt aufgesucht haben, passiert nichts, man bekommt eben nur den Bonus nicht. Bei allen GKV-Wahltarifen ist man dann allerdings 3 Jahre an die Kasse gebunden.


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jykim

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Danke für die Antworten, Entscheidung trotzdem schwer... Oct 11, 2010

Hallo!

Zunächst einmal besten Dank für die zahlreichen Antworten.

Ja, in der Tat macht mir am meisten die noch nicht vorhersehbare Steigerung der monatlichen Kosten zu bedenken. Wie ist es denn konkret bei den Basis-/Standardtarifen der Kassen. Hier dürfen die max. doch nur den Höchstsatz der GKV ausmachen? Ist man hier auf der sicheren Seite, oder springt der Satz bei PKV so schnell nach oben. Bei der GKV müsste ich ohnehin den Höchstsatz zahlen..


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