Berechung kopierbarer Passagen
Thread poster: Stendhal

Stendhal  Identity Verified
Local time: 04:21
English to German
+ ...
May 24, 2011

Hallo,

ich habe folgendes Problem:

Wenn ich merke, dass ich in zwei Dokumenten identische Passagen habe, die ich hinüberkopieren kann, dann berechne ich meinem direkten Kunden bei der Endabrechnung einen Preisnachlass oder setze gleich eine für ihn etwas günstigere Pauschale an. Ich verfüge nicht über Trados, das sei dazu gesagt. Ich muss sagen, dass ich mich anderenfalls ziemlich schlecht fühlen würde, weil ich ja die eigentliche Arbeit der Übersetzung nicht erbracht habe, sondern stellenweise nur die wesentlich weniger zeitaufwendige Kopierleistung.

Nun war eine Kollegin völlig verdutzt darüber, da sie auch diese Kopierleistung ganz normal abrechnen würde, das sei so üblich und das würde auch so bezahlt.

Wie seht Ihr das?

Herzlichen Dank für Euere Antworten!


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David Wright  Identity Verified
Austria
Local time: 04:21
German to English
+ ...
It's exactly what I do as well May 24, 2011

I think your colleague is being dishonest. I have also found that customers tend to come back to me when they are aware of my pricing policy here.

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Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 19:21
English to German
+ ...
Kopieren nur nach Rücksprache mit dem Kunden May 24, 2011

Oft ist das gar nicht erwünscht. Ich gebe für solche Textwiederholungen daher keinen automatischen Preisnachlass und habe dabei ganz gewiss kein schlechtes Gewissen oder das Gefühl, den Kunden "über das Ohr zu hauen". Auch bei Direktkunden darf man davon ausgehen, dass sie die Texte gelesen haben, die sie zur Übersetzung schicken.

Was einerseits als gewissenhaft, fair und nett interpretiert werden kann (wer spart nicht gerne Geld), kann andererseits auch als Unsicherheit ausgelegt werden.

Ich kann nur von meiner Perspektive aus sprechen - in meinem Fachgebiet Werbung und PR sind Wiederholungen meist unerwünscht. Auch wenn der Autor in Eile oder aus Faulheit den Text einer neuen Broschüre, eines neuen Artikels oder eines Magazins passagenweise aus Textfragmenten vom Vorjahr zusammengestoppelt hat, heißt das nicht, dass ich das stur nachvollziehen soll.


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Stendhal  Identity Verified
Local time: 04:21
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
Danke! May 24, 2011

@ David

Danke für die Antwort!
Ich denke halt auch, dass ein Kunde lieber auf jemanden zurück kommt, der ihm mitunter entgegenkommt.

@ Nicole

Ebenfalls danke!
Konkret handelt es sich hier um Angebote, Verträge, Leistungsverzeichnisse etc., d.h. Texte, in denen zum guten Teil ganz bewußt diese Wiederholungen verwendet werden. Insofern würde es auch nicht unbedingt Sinn machen, hier ganze Passagen erneut zu übersetzen. Im Bereich Werbung und PR verstehe ich aber Deine Vorgehensweise und finde sie auch nachvollziehbar.
Ich informiere meinen Kunden dann auch selbst darüber, dass in den genannten Fällen Wiederholungen vorliegen, d.h. selbst wenn ich diese Information vom ihm nicht erhalten hatte. Ist das nun dumm von mir oder eher besonders korrekt?


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Michael Wetzel  Identity Verified
Germany
Local time: 04:21
German to English
Kunde kauft Übersetzung und nicht Übersetzen/Kopieren May 25, 2011

Hallo,
ich gehe immer davon aus, dass der Kunde grundsätzlich für das Ergebnis unserer Arbeit und nicht für unsere Arbeitszeit bezahlt. Daher halte ich es auf keinen Fall für grundsätzlich "unehrlich", Geld für Leistungen zu verlangen, die weniger Zeit in Anspruch nehmen. (Oder bezahlt dein Kunde immer mehr für Stellen die unerwartet viel Zeit in Anspruch nehmen?)
Der Kunde zahlt nicht für deine Kopierleistung oder übersetzerische Leistung, sondern für deine Übersetzung: Der Wert deiner Arbeit ist unabhängig von deinem Zeitaufwand.

Allerdings handelst du im konkreten Fall wahrscheinlich richtig. Da will man den Kunden behalten, und jeder geht sinnvolle Kompromisse ein, um langfristig mehr Geld zu verdienen. Es ist nur dann was Falsches daran, wenn du die Kopierarbeit gratis machst, oder die Honorare dadurch so gering werden, dass die Aufträge nicht mehr interessant sind. In dem Fall könntest du dem Kunden zweisprachige Textbausteine anbieten oder ihn auf sie aufmerksam machen, damit man aus einer unproduktiven Situation rauskommt.

Schöne Grüße
Michael


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Schtroumpf
Local time: 04:21
German to French
+ ...
Gesunder Menschenverstand May 27, 2011

Die Honorare, die wir bekommen, sind bei manchen Kunden ganz angemessen, bei einigen aber unterhalb dessen, was wir von uns aus als Akademiker berechnen würden, wenn der Markt von uns regiert würde.

Bei niedrigen Honoraren lass ich mich selten noch weiter herunterhandeln. Bei gut zahlenden Kunden, die mich auf die Tatsache aufmerksam machen, dass Sachen doppelt vorkommen, mache ich einen reduzierten Preis für diese Passagen aus - aber nie und nimmer zum Nulltarif.

Bei juristischen Übersetzungen, von denen ich inzwischen ziemlich viel hab, ist es ein positives Qualitätsmerkmal, gleich lautende Textstellen auch gleich übersetzt zu bekommen. Und die Sucherei nach dem Vorläufer lass ich mir in jedem Fall bezahlen. Zum Hintergrund, diese juristischen Texte sind oft nur PDF und nicht CAT-fähig, ich such also "von Hand".


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Laurawue -
Germany
Local time: 04:21
Russian to German
+ ...
Ich gehe genauso vor wie Stendhal Jun 2, 2011

Bei technischen Übersetzungen kommt es oft vor, dass bestimmte Sätze, sogar Absätze zu 100% identisch sind. Z.B. habe ich vor kurzem 10 Dateien - technische Datenblätter übersetzt, da gab es zum Schluß immer einen großen Absatz Herstellererklärung, die ich natürlich von Datei zu Datei kopiert habe und dem Kunden nur 1 Mal in Rechnung gestellt habe. Das ist fair und wird auch von Kunden sehr geschätzt.

Bei anderen Texten, wie z.B, Verträge von der gleichen Firma, bei denen sich ganze Absätze und Klausel sich wiederholen, berechne ich 30% für die Wiederholugen, wenn ich diese Stellen aufmerksam lesen und überprüfen muss, ob wirklich alles identisch ist.

zu Michael: das stimmt, dass der Kunde fürs Ergebnis zahlt, die Preise bilden sich aber auf Grund der dafür nötigen Arbeitszeit, oder nicht? ist es nicht in jeder Branche so? Natürlich kommen noch ein paar Faktoren dazu.


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holzner
Local time: 04:21
Spanish to German
+ ...
Stimmt schon, aber... Jul 7, 2011

Laurawue - wrote:

das stimmt, dass der Kunde fürs Ergebnis zahlt, die Preise bilden sich aber auf Grund der dafür nötigen Arbeitszeit, oder nicht? ist es nicht in jeder Branche so? Natürlich kommen noch ein paar Faktoren dazu.




Wir Übersetzer werden aber in der Regel nicht nach Stunden, sondern anhand eines meist zuvor vereinbarten Fixpreises entlohnt. Ergeben sich im Laufe der Arbeit einige Erleichterungen - schön. Aber das muss dem Kunden, der diesen Text verfasst hat, doch ebenfalls klar sein - er wird diese Passagen ja auch kopiert und nicht rein zufällig im selben Wortlaut zwei Mal geschrieben haben. Und wie Michael bereits völlig richtig gesagt hat, bekomme ich ja auch nicht mehr Geld, wenn ich mit einem Terminus oder einem ganzen Satz unvorhergesehen einen übermäßigen Rechercheaufwand habe. Zudem beinhalten diese "paar Faktoren", auf die sich Laurawue bezieht, auch die nicht gerade unbedeutende Investition in ein CAT-Tool, das das Aufspüren von doppelten Segmenten erst möglich bzw. vernünftig durchführbar macht.

Am besten, gleich bei der Auftragsvergabe einen Preis oder zumindest die Verrechnungsmodalitäten genau festlegen, dann gibt es später keine Diskussionen.


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