Preis festlegen
Thread poster: Nicole Zieger

Nicole Zieger
Local time: 16:14
French to German
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Jun 28, 2011

Hallo,

ich bin gerade dabei mich als Übersetzerin selbstständig zu machen und tue mir ein bisschen schwer damit einen Wortpreis festzulegen. Nachdem ich am Anfang meiner Karriere bin, denke ich, dass man sich als "Anfänger" nicht zu viel einbilden. Andererseits muss ma auch ernstgenommen werden und der Preis trägt ein bisschen dazu bei. Außerdem frage ich mich inwiefern man seinen Preis erhöhen kann, wenn man mehr Erfahrung als Übersetzer hat. Verrechnet man einem Übersetzungsbüro mit dem man zusammenarbeitet übrigens den gleichen Preis wie einem Endkunden?

Vielen Dank im Voraus!


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Sarah Silva  Identity Verified
United Kingdom
Local time: 15:14
Member (2008)
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Wortpreis/Zeilenpreis Jun 29, 2011

Hallo Nicole,

Persönlich bevorzuge ich auch einen Wortpreis aber viele Agenturen (besonders in Dtld) benötigen einen Zeilenpreis. Eine Normzeile = 55 Zeichen inkl. Leerzeichen. Man kann einen Zeilenpreis mit einem Dokument in Word oder ähnliche Programme berrechnen.
Sie werden hier in vielen Foren sehen, dass "Anfängerpreise" nicht zu empfehlen sind - besser einen vernünftigen Preis geben, dass Sie für Ihre Arbeit benötigen - benutzen Sie dabei ProZ 'rate calculator'.
Es ist ziemlich schwer (aber sicherlich nicht unmöglich!) Ihre Preise mit den Kunden später zu erhöhen - einfacher hier wäre neue Kunden zu erwerben mit denen Sie am Anfang einen höheren Preis mitteilen können.
Letztlich Endkunden bezahlen viel mehr als Übersetzungsbüros aber man hat auch mehr Arbeit (Übersetzung, Besprechungen, Korrekturlesung usw.) Übersetzungsbüros schlagen 30% oder wahrscheinlich mehr auf Ihre Preis.

Ich hoffe, diese Info hat ein bisschen geholfen - bin mich sicher, dass Sie auch weitere Info von anderen erfahrenen ÜbersetzerInnen bekommen werden.

Viel Glück
Sarah


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Schtroumpf
Local time: 16:14
German to French
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Preis-Leistungs-Verhältnis Jun 30, 2011

Hallo Nicole, zunächst würde ich Ihnen dringend empfehlen, Ihre Kommunikation auf das allerhöchst mögliche Niveau zu schrauben, damit Sie glaubwürdig sind und dementsprechend einigermaßen vernünftige Preise fordern können. Regionale Varianten wie "ich tue mir schwer" sollten unbedingt vermieden werden, sonst denkt jeder, dass Sie das Schriftdeutsch oder die Unterscheidung Dativ/Akkusativ nicht beherrschen

Zum angesprochenen Thema gibt es im Forum bereits zahllose gute Beiträge, die man mit etwas Suchen auch finden kann.

Aber es wäre wohl auch eine gute Idee, ein paar Treffen oder Seminare des örtlichen Übersetzerverbandes zu besuchen und dort ein paar Tipps "einzuheimsen". Der Austausch über die Preisgestaltung ist und bleibt ein relativ vertrauliches Thema. Daher wird leichter darüber gesprochen als geschrieben...


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Miriam Neidhardt  Identity Verified
Germany
Local time: 16:14
English to German
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Anfängerpreis? Jul 1, 2011

Ein Anfängerpreis beinhaltet, dass der Kunde mit Fehlern im Text rechnen muss. Wieso sonst sollte der Preis geringer sein als bei einem Profi? Was mich zu der Frage führt: Wieso sollte ein Kunde bewusst einen fehlerhaften Text zu einem niedrigeren Preis einkaufen?
Ich würde empfehlen, einen regulären Preis zu verlangen und deine Texte unbedingt von einem Profi Korrektur lesen zu lassen. So lieferst du einen Text ab, mit dem der Kunde zufrieden sein kann, und du selbst lernst dazu, z. B. wo im Deutschen ein Komma hingehört. Mit der Zeit werden die nötigen Korrekturen weniger und du kannst mehr vom Wort- oder Zeilenpreis für dich behalten, und all das, ohne die Preise beim Kunden erhöhen zu müssen! Genial, oder?

Gruß, Miriam


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Sarah Swift  Identity Verified
Local time: 16:14
German to English
Als Anfänger zahlt man auch so genug Lehrgeld Jul 1, 2011

...weil man - wie von Miriam vorgeschlagen - mehr als sonst auf einem Korrektor angewiesen ist,

...oder weil man schlicht und ergreifend langsamer als ein Vollprofi arbeitet: man braucht mehr Zeit für Recherchen, man wendet mehr Zeit für die eigentliche Formulierung des Zieltexts auf, man wird aus der Bahn geworfen, wenn ein Kunde eine Lieferung in einem Format verlangt, mit der man bisher noch nichts zu tun hatte.

Anfängerpreise sind dann gerechtfertigt, wenn nach Stunden bezahlt wird. Die Arbeit, die ein Neuling in sechs Stunden gemacht hat ist nicht doppelt so viel Wert wie die Arbeit, die ein Vollprofi in drei Stunden erledigt.

Ansonsten zählt aber die Qualität des Outputs. Der Kunde soll ganz normale Preise bezahlen, wenn nach Zeichen, Wörtern, Zeilen, oder Seiten abgerechnet wird. Schließlich hat man auch in unserer Branche gewisse Investionskosten am Anfang, die irgendwie wieder reingeholt werden müssen.

Mit "normalen Preisen" meine ich Preisen, die das Expertenwissen des Übersetzers in dem jeweiligen Sachgebiet fair wiederspiegeln. Ein studierter Ingenieur, der neuerdings technische Dokumentation übersetzt, kann sicherlich mehr für seine Übersetzungen auf diesem Gebiet verlangen als ein Übersetzer, der ebenfalls neu in der Branche ist und nicht mit dem gleichen Fachwissen punkten kann.

Deswegen:
Auch am Anfang soll man selbstbewußt auftreten und auf Augenhöhe mit Kunden verhandeln. Gleichzeitig soll man aber seine Spezialgebiete ausbauen und vertiefen. Je besser eine Übersetzung mit meinen Spezialgebieten übereinstimmt, desto schneller und besser kann ich sie machen und desto mehr verdiene ich dabei. (Nebenbei: Fachliche Fortbildung ist nicht zuletzt auch als Baustein in einer Akquisestrategie sinnvoll. Auf Fortbildungsveranstaltungen, Messen usw. lernt man, wie die Leute in bestimmten Branchen ticken, und man hat Gelegenheit, den einen oder anderen Auftraggeber auch persönlich kennenzulernen. Mit diesem Wissen gelingt es dann zunehmend, sich von den Übersetzern abzusetzen, die ähnliche Leistungen anbieten, aber mit weniger Branchen- bzw. Fachwissen punkten können.

Fazit: Am Anfang soll man im Regelfall - es gibt sicherlich Ausnahmen - Preise verlangen, die sich an den Durchschnittspreisen orientieren, die seriöse Übersetzer verlangen. (Für Deutschland kann man da sicherlich die Ergebnisse von den BDÜ-Honorarumfragen heranziehen.) Später kann man dann - langsam (!) - teurer werden (Inflationsausgleich +X). Aber der zunehmender Verdienst kommt nicht in erster Linie dadurch zustande, dass man später mehr verlangt, sondern davon, dass man mit zunehmender Erfahrung und zunehmender Spezialisierung mehr schafft.


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Rolf Kern  Identity Verified
Switzerland
Local time: 16:14
English to German
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Meine Erfahrung Jul 3, 2011

Wenn man für eine Übersetzungsagentur arbeitet, dann setzt diese auf jeden Fall den Preis fest. Wenn man da eine Preisforderung äussert, macht man die Rechnung ohne den Wirt. Hier gilt das Prinzip "take it or leave it".
Wenn man für Endkunden arbeitet, kann man etwa 180% des von den Agenturen bezahlten Preises in Rechnung stellen.


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Laurent KRAULAND  Identity Verified
France
Local time: 16:14
French to German
+ ...
Halb so schlimm Jul 4, 2011

Rolf Kern wrote:

Wenn man für eine Übersetzungsagentur arbeitet, dann setzt diese auf jeden Fall den Preis fest. Wenn man da eine Preisforderung äussert, macht man die Rechnung ohne den Wirt. Hier gilt das Prinzip "take it or leave it".
(...)


Halb so schlimm, ich habe das auch schon einmal gemacht. Wenn die Agentur exakt den Übersetzer findet, den sie braucht, dann bezahlt sie auch seinen Preis.


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Rolf Kern  Identity Verified
Switzerland
Local time: 16:14
English to German
+ ...
Kann sein Jul 4, 2011

Laurent KRAULAND wrote:

Halb so schlimm, ich habe das auch schon einmal gemacht. Wenn die Agentur exakt den Übersetzer findet, den sie braucht, dann bezahlt sie auch seinen Preis.


Das ist aber ein an den Haaren herbeigezogener, seltener Sonderfall, wenn die Agentur irgendwie in die Klemme geraten ist. Wenn natürlich der verlangte Preis sowieso (vielleicht zufällig) dem Tarif der Agentur entspricht, dann ist es klar, dass es so läuft.

[Bearbeitet am 2011-07-04 19:29 GMT]


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Marinus Vesseur  Identity Verified
Canada
Local time: 07:14
English to Dutch
+ ...
Die Tarife sind beweglich, in beiden Richtungen Jul 4, 2011

Kann ich bestätigen. Gerade momentan, in der Urlaubszeit, geht auf einmal auch 15 Cent pro Wort für Niederländisch. Wer nicht immer wieder mal frech mehr fordert (freundlich aber bestimmt), wird jahrelang auf einem niedrigen Tarifniveau feststecken bleiben.

Laurent KRAULAND wrote:

Halb so schlimm, ich habe das auch schon einmal gemacht. Wenn die Agentur exakt den Übersetzer findet, den sie braucht, dann bezahlt sie auch seinen Preis.


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Laurent KRAULAND  Identity Verified
France
Local time: 16:14
French to German
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Nicht unbedingt... Jul 5, 2011

Rolf Kern wrote:

Laurent KRAULAND wrote:

Halb so schlimm, ich habe das auch schon einmal gemacht. Wenn die Agentur exakt den Übersetzer findet, den sie braucht, dann bezahlt sie auch seinen Preis.


Das ist aber ein an den Haaren herbeigezogener, seltener Sonderfall, wenn die Agentur irgendwie in die Klemme geraten ist. Wenn natürlich der verlangte Preis sowieso (vielleicht zufällig) dem Tarif der Agentur entspricht, dann ist es klar, dass es so läuft.

[Bearbeitet am 2011-07-04 19:29 GMT]


Nicht unbedingt, Rolf.

Auch Agenturen, die in der Klemme sitzen, werden nicht unbedingt einen höheren Preis bezahlen. Spezialisierte Agenturen hingegen haben in der Regel keine Bedenken, den Übersetzer "über Norm" zu entgelten.

Das ist eben auch ein Aspekt des freien Marktes.


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Christel Zipfel  Identity Verified
Member (2004)
Italian to German
+ ...
Da bin ich ganz anderer Meinung Jul 5, 2011

Rolf Kern wrote:

Wenn man für eine Übersetzungsagentur arbeitet, dann setzt diese auf jeden Fall den Preis fest. Wenn man da eine Preisforderung äussert, macht man die Rechnung ohne den Wirt. Hier gilt das Prinzip "take it or leave it".
Wenn man für Endkunden arbeitet, kann man etwa 180% des von den Agenturen bezahlten Preises in Rechnung stellen.


Wo steht geschrieben, dass die Agentur den Preis festsetzt? Sowas hatte ich noch nie, und es ist höchste Zeit, dass man von so einem Denkschema wegkommt. Im schlimmsten Fall ist ihr mein Preis zu hoch, aber immer bin ich es, die den Preis festsetzt.

Auch die 180% halte ich für überzogen. Ein solcher Aufschlag ist meiner Meinung nach absolut ungerechtfertigt. Natürlich gibt es auch Agenturen - leider -, die 100% oder mehr auf die Preise ihrer Übersetzer aufschlagen, aber das ist wohl eher die Ausnahme, und es kommt natürlich auch und vor allem auf das Preisniveau der Übersetzer an.


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René Stranz-Nikitin  Identity Verified
Czech Republic
Local time: 16:14
Czech to German
+ ...
Der Übersetzer ist der Wirt, nicht der Makler! Jul 5, 2011

Christel Zipfel wrote:

Rolf Kern wrote:

Wenn man für eine Übersetzungsagentur arbeitet, dann setzt diese auf jeden Fall den Preis fest. Wenn man da eine Preisforderung äussert, macht man die Rechnung ohne den Wirt. Hier gilt das Prinzip "take it or leave it".
Wenn man für Endkunden arbeitet, kann man etwa 180% des von den Agenturen bezahlten Preises in Rechnung stellen.


Auch die 180% halte ich für überzogen. Ein solcher Aufschlag ist meiner Meinung nach absolut ungerechtfertigt. Natürlich gibt es auch Agenturen - leider -, die 100% oder mehr auf die Preise ihrer Übersetzer aufschlagen, aber das ist wohl eher die Ausnahme, und es kommt natürlich auch und vor allem auf das Preisniveau der Übersetzer an.


Hallo Christel,

nimm es Rolf doch nicht übel, er lebt in der Schweiz, da herrschen halt solch verkorkste Zustände! Der arme Kerl. Er lebt in einem Klima, wo der Makler alles ist, der Übersetzer nichts.

Aber Spaß beiseite, Ernst komm her: Aus der Schweiz hatte ich mit meinen Preisen (die Ihr ja sicherlich kennt) letztes Jahr einen einzigen Auftrag, davor jahrelang de facto überhaupt nichts (Rückwärtsauktionen haben es mit mir versucht, aber das erachte ich nicht als ernsthafte Zusammenarbeit). Ist das normal? Damit reiht sich die fette Bankenschweiz in meiner Auftraggeberstatistik ganz dicht neben Polen ein!!!

Unterm Strich kommt für mich Folgendes heraus: Es ist eine Frage der Sicht auf die Welt, wer der Wirt ist in unserer Branche. Möchte jemand einzig die Macht des Geldes und Hierarchien artikulieren, wird er in dem Agentureigentümer den Wirt sehen. Möchte jemand, dass der Übersetzer seinen Ausgangstext gut versteht und ihn optimal in die Zielsprache überträgt, wird er eindeutig den Übersetzer als den Wirt erachten. Wenn eine Agentur diesen Übersetzer kennt, ist dem Endkunden geholfen. Die Übersetzung fertigt trotzdem der Übersetzer an.

Oh diese Machtgierigen!

Viel Spaß beim Hierarchieabbau

René Stranz-Nikitin
www.uersn.de

[Edited at 2011-07-05 22:11 GMT]


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Nicole Zieger
Local time: 16:14
French to German
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TOPIC STARTER
DANKE! Jul 6, 2011

Vielen Dank für alle Kommentare!

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