Referenzen - Auskunft mit Adresse?
Thread poster: Nils Kohlmann

Nils Kohlmann  Identity Verified
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Jul 24, 2011

Hallo allerseits,

ich habe seit Neuestem Kontakt mit einer Übersetzungsagentur im Ausland, die mich für juristische Übersetzungen buchen möchte.
Als Referenz reichen ihr Lebenslauf, Universitätsdiplom und Hinweis auf die eigene Homepage aber nicht aus, sie möchte vielmehr Name, Adresse und Telefonnummer von früheren Auftraggebern haben, damit, wie sie sagt, sich die Stelle, die den Auftrag ausgeschrieben hat und wiederum ihr Kunde ist, bei diesen über meine Arbeit erkundigen kann.
Das Ganze geht mir etwas zu weit. Abgesehen davon, dass Diplom und zehnjährige Berufserfahrung eigentlich für sich sprechen sollten, bin ich auch nicht gewillt, so leichtfertig die Telefonnummern anderer Leute weiterzugeben - ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich das nach Datenschutzbestimmungen überhaupt darf - und überhaupt sind bzw. waren das ja immerhin meine Kunden.

Wie seht ihr das?

Viele Grüße


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Geneviève von Levetzow  Identity Verified
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Nur mit Ihrem Einverständnis - wenn überhaupt Jul 24, 2011

Hallo Nils,

bei einem solchen sensiblen Gebiet finde ich es doch ein wenig unverschämt. Möchte denn der neue Kunde, dass seine Daten so ohne weiteres weiter gegeben werden?

Wenn Du Dich darauf einlässt, nur mit dem Einverständnis Deiner früheren Kunden.

LG

Geneviève


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Nils Kohlmann  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Das scheint mir auch so Jul 24, 2011

Hallo Geneviève,

obskur ist dieses hartnäckige Nachfragen in jedem Fall.
Dass sich eine Agentur vergewissern will, mit wem sie zusammenarbeitet, ist verständlich. Bei der Angabe einschlägiger Referenzen sollte ein Grundvertrauen m.E. aber schon vorhanden sein. Ich wollte jedenfalls nicht, dass jemand hinter meinem Rücken Erkundigungen bei Stelle XY über mich einzieht.


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LegalTrans D  Identity Verified
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Das klingt nach Kundenfang Jul 24, 2011

Nils Kohlmann wrote:

... sie möchte vielmehr Name, Adresse und Telefonnummer von früheren Auftraggebern haben, damit, wie sie sagt, sich die Stelle, die den Auftrag ausgeschrieben hat und wiederum ihr Kunde ist, bei diesen über meine Arbeit erkundigen kann.


Für mich sieht das eher so aus, dass sich die neue Agentur Deine Kunden wegfangen will, Nils. Neue Masche, muss man sich merken! Sie haben dann ja alle Infos, die sie brauchen: die von Dir gelieferten Kundendaten und Deine Preise. So können sie locker auf Kundenfang marschieren. Wenn sie dann noch ein paar Übersetzer überzeugen, Kundenadressen preiszugeben, dann ist das vielleicht ein sehr einträgliches Spiel.

Ich stimme Dir vollinhaltlich zu: Diplom, Berufserfahrung und einige andere Angaben sollten genügen.


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Marina Steinbach  Identity Verified
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Angabe von Referenzen Jul 24, 2011

Bei Bewerbungen musste ich schon öfters persönliche und/oder berufliche Referenzen angeben, die dann kontaktiert wurden. Das mag einem Europäer unverschämt erscheinen, ist aber z. B. in den Vereinigten Staaten durchaus üblich.

Herzliche Grüße aus Florida!

Marina


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Thomas Pfann  Identity Verified
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Übliches Vorgehen Jul 24, 2011

Auch wenn ich selbst manchmal aufstöhne, wenn ich wieder einmal um Angabe von Referenzen gebeten werde (oder wieder einmal seitenlange Fragebögen erhalte, auf denen ich haarklein meine Berufserfahrung beschreiben soll), würde ich hier meiner Vorrednerin zustimmen und sagen, dass die Angabe von Referenzen vielerorts einfach eine übliche und durchaus berechtigte Vorgehensweise ist.

Auch hier in Großbritannien ist es völlig normal, nach Referenzen gefragt zu werden - nicht nur als Freiberufler, sondern auch und gerade bei der Bewerbung um eine Festanstellung (und zwar in allen Branchen). Ein vorformuliertes und vielleicht schon vor Jahren verfasstes Referenzschreiben, wie es in Deutschland üblich ist (Arbeitszeugnis), ist hier in GB beispielsweise völlig unnütz, weil die Referenz grundsätzlich vom neuen (potenziellen) Arbeitgeber selbst eingeholt wird. Es geht also immer nur darum, eine Kontaktperson anzugeben, an die sich der potenzielle Arbeitgeber dann selbst wenden kann.

Selbstverständlich gibt man die Kontaktangaben der Referenz nur mit deren Einverständnis weiter. So wird das auch hier angedacht sein. Ich würde daher einfach mal zwei oder drei langjährige Kunden anschreiben und fragen, ob sie bereit wären, als Referenz für mich zu agieren und ob ich ihre E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder Postanschrift zu diesem Zwecke weitergeben dürfte. Das dürfte überhaupt kein Problem sein – und wenn doch, dann wird eben jemand anders gefragt.

Ich selbst habe mich in der Vergangenheit auch schon für frühere Mitarbeiter als Referenz angeben lassen. Meistens habe ich dann einen kurzen Fragebogen oder auch nur eine E-Mail mit ein paar Fragen erhalten. Das ging immer schnell und war nicht weiter tragisch.

Wenn es dir allerdings in deiner konkreten Situation wirklich gegen den Strich geht, Referenzen anzugeben, würde ich das auch klipp und klar so sagen. Dann kann sich die Agentur selbst überlegen, ob sie es trotzdem mit dir probiert oder ob es eben nicht zu einer Zusammenarbeit kommt.


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Laurent KRAULAND  Identity Verified
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So würde ich auch vorgehen... Jul 24, 2011

Thomas Pfann wrote:

(.../...)

Wenn es dir allerdings in deiner konkreten Situation wirklich gegen den Strich geht, Referenzen anzugeben, würde ich das auch klipp und klar so sagen. Dann kann sich die Agentur selbst überlegen, ob sie es trotzdem mit dir probiert oder ob es eben nicht zu einer Zusammenarbeit kommt.


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xxxManticore  Identity Verified

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Es steht Dir frei... Jul 25, 2011

..., die Sache so anzugehen, wie es Dein Kunde haben will oder nicht. It takes two to tango! Die Telefonnummern usw. von Deinen bisherigen Kunden kann jeder herausfinden.

Und übrigens, ein Diplom ist für viele im Ausland nicht wichtig, da sie der Meinung sind, dass dies zwar bescheinigt, dass jemand einen Abschluss hat, aber nicht unbedingt die Fähigkeit. In Deutschland ist das anders, da bedeutet das Diplom, dass man die Fähigkeit hat.

Viele Grüße

Roland


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Cetacea  Identity Verified
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Ganz alte Masche Jul 25, 2011

LegalTrans D wrote:
Für mich sieht das eher so aus, dass sich die neue Agentur Deine Kunden wegfangen will, Nils. Neue Masche, muss man sich merken! Sie haben dann ja alle Infos, die sie brauchen: die von Dir gelieferten Kundendaten und Deine Preise. So können sie locker auf Kundenfang marschieren. Wenn sie dann noch ein paar Übersetzer überzeugen, Kundenadressen preiszugeben, dann ist das vielleicht ein sehr einträgliches Spiel.


Ich bin ganz Deiner Meinung, was den Versuch des Kundenfangs angeht. Allerdings ist die Masche uralt: Die Inhaberin einer meiner Partneragenturen hat mich schon vor zwanzig Jahren vor diesem Vorgehen gewarnt. Ich wollte das damals nicht so recht glauben und wäre prompt auf die Nase gefallen, wenn der betreffende Kunde nicht so loyal gewesen wäre und mich erstens sofort informiert und zweitens trotz meines höheren Preises nicht gewechselt hat. Ich hatte der neuen Agentur nämlich alle Informationen geliefert, die sie brauchte, um sich an meine Kunden heranzumachen: Kontaktperson, Preise, Textart. Daher biete ich in solchen Fällen eine Probeübersetzung an, aber keine Referenzen. Für wen ich sonst noch arbeite, geht einen potenziellen Kunden zudem auch gar nichts an.


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Thayenga  Identity Verified
Germany
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Angaben von Referenzen vs. Datenschutzgesetz Jul 25, 2011

Die Herausgabe persönlicher Kundendaten ist nur mit der vorab eingeholten ausdrücklichen Zustimmung des Kunden/der Kundin möglich, da man sonst ganz schnell mit dem Gesetz in Konflikt kommen und von Kunden haftbar gemacht werden kann. Dabei sind die Gesetze des jeweiligen Landes zu berücksichtigen, was nicht immer einfach ist, da diese weit voneinander abweichen können, z. B. Datenschutzgesetz der US und GB gegenüber denen der BRD.

Die Angabe der E-Mail-Adresse (nach vorheriger Rücksprache) sollte zunächst ausreichen, um dem potentiellen Kunden einen Ansprechpartner zu geben. Alles weitere liegt dann beim "alten" Kunden.

Cetacea wrote:

.... Daher biete ich in solchen Fällen eine Probeübersetzung an, aber keine Referenzen. Für wen ich sonst noch arbeite, geht einen potenziellen Kunden zudem auch gar nichts an.


Dem kann ich nur zustimmen. Eine Probeübersetzung und evtl. zunächst kleinere Aufträge sollten dem neuen Kunden einen aussagekräftigen Überblick über meine Fähigkeiten, Zuverlässigkeit und die Qualität meiner Arbeit geben.

[Edited at 2011-07-25 10:44 GMT]


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LegalTrans D  Identity Verified
Turkey
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Ich habe nichts gegen Referenzen per se... Jul 25, 2011

wurde auch öfter um solche gebeten und habe die Betreffenden angesprochen, ob sie dazu bereit sind. Dann habe ich Name und E-Mail-Adresse der Kontaktperson weitergegeben, mehr nicht. Meist wurden die Referenzen gar nicht bemüht.

Bei mir läuten jedoch die Alarmglocken, wenn jemand alle Angaben bis ins kleinste Detail haben will. Dafür gibt es keine guten Gründe. Vielleicht bin ich übervorsichtig, aber dank dieser Übervorsicht hatte ich in 16 Jahren beispielsweise keinen einzigen Forderungsausfall. Und so will ich es auch Agenturen, die sich auf die leichte Tour Kunden fangen wollen, nicht zu einfach machen.

Aber nur Du kennst alle Details, Nils, und Du musst entscheiden.


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Nils Kohlmann  Identity Verified
Germany
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TOPIC STARTER
Vielleicht gängig, trotzdem eigenartig langwieriger Vorgang Jul 31, 2011

Hallo,

danke für die vielen, auch unterschiedlichen Hinweise, die die Ausgangssituation ganz gut wiedergeben.

Ich habe nun einen alten Kunden, den ich auch persönlich kenne (und der nicht wechseln will), gefragt, ob ich seine Adresse als Referenz angeben könne, und diese vor einer Woche dem Auftraggeber gegeben.

Seitdem habe ich nichts mehr gehört. Von meiner Seite war es das jedenfalls erst mal.

Viele Grüße

[Bearbeitet am 2011-07-31 10:11 GMT]


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