Einstiegsgehalt als Diplom Übersetzerin
Thread poster: Addl123
Addl123
Local time: 11:33
Oct 13, 2011

Hallo Liebe Foren-Gemeinde,


ich bitte es zu entschuldigen, falls es so aussieht, als hätte ich die Suche nicht verwendet, es ist nur so, dass ich doch gerne ganz konkrete Antworten für meine Fall hätte, sollte dies möglich sein.

Es geht um eine Bekannte, die eine Praktikumsstelle in einem Übersetzungsbüro hat. Hier gibt es die Aussicht auf eine Festanstellung. Nun ist es aber etwas schwierig, die Gehaltsvorstellungen zu beziffern. Hier mal ein Paar relevante Daten:

- Diplom Übersetzerin (Uni)
- hatte ein Paar Semester Rechtswissenschaften studiert
- Wird bald vereidigt (Wird vom Unternehmen durchgeführt)
- Übersetzt De/En/Fr (Von allen in alle Sprachen)
- Erfahrung im Dolmetschen (Hauptsächlich ins Französische) (Jedoch nicht Berufsmäßig, sondern Ehrenamtlich, dafür aber sehr Regelmäßig seit ~5 Jahren)
- Französisch Muttersprache
- Keine Relevante Berufserfahrung (Kurze Anstellung in Zeitarbeit, ein Praktikum)
- Arbeitsort in Großstadt in Südwestdeutschland
- Unternehmen mit ~20 Mitarbeitern (aber vielen Externen Partnern)

Sie konnte sich jetzt endlich mal beweisen und hat schon zeigen dürfen, dass sie besonders für Übersetzungen ins Französische höchste Qualität liefert. Ende des Studiums war letztes Jahr. Es sollte gesagt sein, dass sie den Job unbedingt möchte/braucht und deshalb zeimlich niedrig in die Verhandlungen einsteigen wollte.

Nun war ich der Meinung, sie sollte sich nicht verschenken und mindestens mal 2300€ Brutto monatlich ansetzen (minus evtl. 10% bei Verhandlung). Immerhin hat sie ja studiert, und kann auch vereidigt werden (ist ja nicht üblich, oder?). Sie wollte 1800€ verlangen, was ich aber doch recht wenig finde, auch als Einstiegsgehalt.

Was könnt Ihr dazu sagen? Wie sieht hier die Praxis aus? Ich kann mir vorstellen, dass Übersetzer aus anderen Staaten weniger kosten etc, aber man kann doch jemandem, der Studiert hat, nicht so wenig Geld zahlen, dass er u.U. zur ARGE rennen muss zum aufstocken?

Sollte die Vereidigung bis zur Anstellung noch nicht stehen, wie viel Unterschied würde das machen?

Leider sind die Gehaltsvergleiche im Internet sehr ungenau, und da werden weder Sprachen noch vereidigung noch sonst etwas berücksichtigt.


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Jerzy Czopik  Identity Verified
Germany
Local time: 11:33
Member (2003)
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+ ...
Schwer zu beziffern.... Oct 13, 2011

Addl123 wrote:
...
- Übersetzt De/En/Fr (Von allen in alle Sprachen)
...
- Erfahrung im Dolmetschen (Hauptsächlich ins Französische) (Jedoch nicht Berufsmäßig, sondern Ehrenamtlich, dafür aber sehr Regelmäßig seit ~5 Jahren)
- Französisch Muttersprache
- Keine Relevante Berufserfahrung (Kurze Anstellung in Zeitarbeit, ein Praktikum)
...


Allerdings sind die von mir oben übrig gelassenen Punkte gegensätzlich.
Keine Berufserfahrung, Französisch als Muttersprache und dabei wird die Behauptung aufgestellt, Englisch ins Deutsche oder umgekehrt zu übersetzen?
Und das kaum ein Jahr nach abgeschlossenem Studium?
Tut mir leid, ich möchte nun wirklich nicht überheblich wirken, aber das ist etwas übermütig!
Ohne wirklich jemanden auf die Füße treten zu wollen, aber...
In DE hängen sich fast alle auf der Forderung der Muttersprachlichkeit im Zieltext auf. Ich lebe hier seit 25 Jahren, habe mein Studium in DE abgeschlossen, arbeite seit 21 Jahren als Übersetzer und habe manchmal Probleme, die Abnehmer davon zu überzeugen, dass ich ins Deutsche übersetzen könnte.

Zu Deiner Eingangsfrage:
http://www.gehalts-check.de/gehaltsfuehrer/gehalt-office/berufe/bg_10/GR_228/ANFANG.HTM (wird für BAY mit 32.800 EUR brutto Jahresgehalt angegeben)
http://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Dipl-Uebersetzer-Dipl-Uebersetzerin.html (für BAY von 1500 bis 3400 monatlich)
Und auf unserem Konkurrenzportal fand ich noch folgendes Zitat:
RE: Wie hoch ist das Gehalt angestellter Übersetzer in Deutschland ?

Hallo Barbara,

lt. Focus (http://www.focus.de/wissen/campus/wirtschaft-erfahrungen-fern-der-heimat_aid_311131.html) liegt das Gehalt für fest angestellte Übersetzer zwischen 2350 und 4000 Euro brutto. Gehälter werden normalerweise brutto verhandelt, der Steuersatz richtet sich nach der Höhe des Einkommens. (Lohnsteuertabellen kann man recht gut googeln, um einen Anhaltspunkt zu bekommen).

Zusätzliche Monatsgehälter gibt es, wobei der Trend wohl eher dahin geht, diese nicht mehr zu zahlen. Oftmals werden auch freiwillige Zusatzeistungen vereinbart, die nur dann gezahlt werden, wenn es der Firma gutgeht.

Die Krankenkassenbeiträge richten sich nach der gewählten Krankenkasse, wobei der Arbeitgeber die Hälfte übernimmt. Ein zusätzlicher Betrag in Höhe von 0,9 % ist vom Arbeitnehmer zu zahlen. Dazu kommen noch die Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungen. Ich glaube, die Zahlen bei Wikipedia sind recht aktuell. http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnnebenkosten#Aktuelle_Zahlen

Katharina Loos


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Addl123
Local time: 11:33
TOPIC STARTER
Wie man es nimmt Oct 13, 2011

Hallo Jerzy,

vielen lieben Dank für die Antwort. Die leicht zu findenden Seiten kenne ich natürlich. Es geht aber ja auch stark um das Einstiegsgehalt als solches. Ich habe hier auf konkrete Beispiele gehofft. Durchschnittsgehalt und Einstiegsgehalt sind doch recht unterschiedliche Dinge (Je nach Branche). Anderswo lese ich davon, dass viele mit 1700€ anfangen.

Die Einschätzung, dass sie von alle in alle Sprachen übersetzt habe ich nur angegeben, da ich einige ihrer Übersetzungen kenne (Alles ehrenamtlich), und sie m.E. besser Deutsch spricht als so mancher Muttersprachler, wobei sie natürlich einen Akzent hat. Sie kann sich in allen drei Sprachen sehr gut ausdrücken. Ob sie dann in diesen Sprachen arbeitet weiß ich nicht, sie sagte nur mal sie arbeitet im Rahmen ihres Praktikums "in allen drei Sprachen", und, wie gesagt, ich kenne ihre Übersetzungen (auch ins Deutsche), und die sind gut bis sehr gut.

Deutsch lernt sie schon seit 1997, ist aber durch 2 abgebrochene Studiengänge (Germanistik, Rechtswissenschaften) erst 2010 mit ihrem Bildungsweg fertig geworden. Dass das u.U. nicht so toll aussieht möchte ich jetzt mal unbeachtet lassen.

Ich bin sehr dankbar für jede konkrete und echte Zahl, die genannt wird.


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Thomas Rühl  Identity Verified
Germany
Local time: 11:33
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Da gilt es zu unterscheiden... Oct 14, 2011

...bei den Einstiegsgehältern. Meinen Erfahrungen nach (die weitestgehend auf - wenn auch recht fundiertem - Hörensagen basieren) gilt der Bereich bis 1800 Euro eher für Projektmanager, während festangestellte Übersetzer in Übersetzungsbüros (nicht Unternehmen!) locker über die 2000 klettern. Wobei es da auch verschiedene Modelle gibt, bspw. kenne ich jemanden, der einiges unter 2000 Euro als "Grundgehalt" verdient, aber dann quasi anteilig an seinen Übersetzungen beteiligt wird und so schon einiges über 2000 Euro kommt. 2200 bis 2300 Euro halte ich daher insgesamt schon für einen plausiblen Gesprächseinstieg.

Welche Rolle die Beeidigung beim Gehalt spielen soll, ist mir etwas schleierhaft: Dem AG entstehen doch dadurch keine wirklichen Kosten, die er vom Gehalt abziehen sollte. Vielmehr ist es doch eine Qualifikationsmaßnahme des Mitarbeiters und damit eine langfristige Investition. Ich weiß zwar nicht, wie viel genau eine Beeidigung in BaWü oder Hessen (nehme ich mal an) kostet, aber es wird wohl ein ziemlich kleiner dreistelliger Betrag sein.


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erika rubinstein  Identity Verified
Local time: 11:33
Member (2011)
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+ ...
Vereidigung Oct 14, 2011

Addl123 wrote:


- Wird bald vereidigt (Wird vom Unternehmen durchgeführt)



Wie kann ein Unternehmen vereidigen?


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Addl123
Local time: 11:33
TOPIC STARTER
Vereidigung "durch" Unternehmen Oct 14, 2011

erika rubinstein wrote:

Addl123 wrote:


- Wird bald vereidigt (Wird vom Unternehmen durchgeführt)



Wie kann ein Unternehmen vereidigen?


Ich bin leider kein sprachbegabter Übersetzer. Vielleicht ist es korrekter zu sagen, dass sich das Unternehmen um die Formalitäten kümmert, oder dass das Unternehmen das finanziert (weiß ich selbst nicht). Tatsache ist, das Unternehmen organisiert das.


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Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 11:33
Member (2007)
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+ ...
Links zu Zeitungsartikeln Oct 16, 2011

Die Angestellten von Übersetzungsbüros (Projektmanager und Übersetzer) verdienen im Durchschnitt weniger als angestellte Übersetzer außerhalb der Sprachenbranche, weil deren Gehalt aus den Übersetzungshonoraren finanziert werden muss.

Die Aussichten auf Lohnerhöhungen und einen Aufstieg innerhalb des Übersetzungsbüros sind wegen der extrem flachen Hierarchien gering. Deswegen ist die Mitarbeiterfluktuation recht hoch. Die meisten machen das nur drei bis fünf Jahre. Das ist auch der Grund dafür, dass Projektmanager in der Regel sehr jung sind.

Als Berufseinstieg ist die Tätigkeit als angestellter Projektmanager oder Übersetzer in einem Übersetzungsbüro aber zu empfehlen.

Vielleicht können die unter der folgenden Adresse zusammengestellten Zeitungsartikel eine Orientierung hinsichtlich der Verdienstmöglichkeiten bieten:

http://www.uebersetzerportal.de/dossiers/verdienst.htm

Hier noch einige weitere Artikel:

http://uepo.de/2008/10/07/gehaltsentwicklung-bei-angestellten-ubersetzern-und-dolmetschern/

http://uepo.de/2011/03/30/gender-pay-gap-auch-in-typischen-frauenbranchen-wie-dem-ubersetzen/

http://uepo.de/2011/03/05/studie-zu-einstiegsgehaltern-sprach-und-kulturwissenschaften-im-unteren-drittel/


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Max Chernov
Russian Federation
Local time: 13:33
Russian to German
+ ...
Dossiers, Dossiers... Oct 16, 2011

Zum letzten Beitrag von Richard Schneider:

Naja, das ist gewiss so auch bei uns, aber... Man muß leider zugeben, dass es hier noch drastischer geht mit den Gehältern von diplomierten Übersetzern. Ein kleines Beispiel: als ich meine Uni vor 13 Jahren abschloss, waren wir noch hochmutig, jung, unerfahren und hochnasig. Damals pflegte man zu sagen: naja, "ich werd' nie eine Übersetzung machen, wenn man mir weniger als...(da folgte eine Zahl mit dem Währungszeichen: US-Dollar oder sogar (damals noch eine Seltenheit) Euro vorschlägt". Es sind mehrere Jahre vergangen, ich wurde bestimmt älter und erfahrener, aber jetzt werde ich mich bestimmt sehr freuen, wenn man mir für 'ne Übersetzung einen europäischen Preis vorschlägt. Das bedeutet also, ich ziehe teuere Aufträge vor, für 300 Rubel (etwa 10 US-Dollar) oder mehr, aber ich mache die Übersetzungen auch für 200 Rubel (etwa 6-7 US-Dollar oder 4-5 Euro je Seite). Die Schlussfolgerung: man kann natürlich träumen, aber das Leben bringt eigene Korrektionen, die zuerst als hart erscheinen und empfunden werden...


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