Bezahlung nach Stunden / Stundenpreise?
Thread poster: VeronikaM
Feb 4, 2012

Hallo,
ich habe vor einiger Zeit schon einmal hier geschrieben als ich auf der Suche nach geeigneten Wortpreise war, da ich gerade am Anfang meiner Freiberuflichkeit stehe...
Das mit den Wortpreisen habe ich jetzt geklärt. Nun will die Agentur aber auch Stundenpreise, weil sie meinten, dass es in seltenen Fällen auch einmal vorkommen kann, dass sie nach Stunden abrechnen und deshalb sollte der Stundenpreis auch mit in die Datenbank eingetragen werden.
In welchem Rahmen sollte sich ein solcher Stundenpreis bewegen? Ist 20€ zu wenig?

Ich hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt

Viele Grüße!


 

Regina Seelos  Identity Verified
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Das Doppelte Feb 6, 2012

Hallo Veronik,

eher mindestens das Doppelte. Alles andere ist zu wenig, um wirtschaftlich arbeiten zu können und Gewinn zu erzielen.

Es gibt im Internet, glaube ich, ein paar Rechenbeispiele, z. B. auf der Seite des BDÜ.

Aber eigentlich solltest du einfach mal schauen, was du so in der Stunde mit Übersetzen nach Zeile oder Wort verdienst. Dann sollte es ungefähr dasselbe sein.

Viele Grüße
Regina


 

xxxhazmatgerman
Local time: 07:35
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Ihr Feb 6, 2012

Stundensatz, so Sie davon leben wollen und nicht nur anderweitig versorgt einen Zeitvertreib suchen, ist relativ leicht zu berechnen.
1. Opportunitätskostenprinzip: Was können Sie in der gesamten Zeit (inkl. Rüstzeit, Abwicklung und anteiliger Buchhaltung) mit anderen Tätigkeiten verdienen? Das ist das Minimum.
2. Aufwand: Welche direkten und indirekten Kosten fallen an auf Basis ihrer Wochenarbeitszeit (Lebenshaltung, Büro, Mieten, Versicherung, Rente, Mann, Kinder) pro Stunde an. Zuzüglich Steuer und sonstige Sozialabgaben, auf Stundenbasis. Zuzüglich Gewinnerwartung (da sonst Nullsummenspiel). Das ist ihr Zielwert.

In beiden Fällen werden sie, bei ehrlicher Rechnung, Regina Seelos' Aussage bestätigt finden. Ihren Steuerberater sollten Sie allerdings auch mal fragen; der wird eine viel deutlichere Meinung haben.

Ich kann jedoch nicht nachvollziehen, welchen aus Ihrer Sicht rechtfertigbaren Grund es geben sollte, warum ein potentieller Auftraggeber sowohl Zeit- als auch Stückpreise wissen soll. Wenn der konkrete Auftrag vorliegt, muß ohnehin neu anhand der Textsorte und Umstände gerechnet werden. Ist ihm der Stückpreis (Wortpreis) bekannt erübrigt sich weitere Offenlegung Ihrer Betriebskennzahlen.

Gruß


[Edited at 2012-02-06 19:39 GMT]


 

VeronikaM
TOPIC STARTER
Preise für Agentur Feb 7, 2012

Es geht um die Arbeit für eine Agentur.
Ich glaube nicht, dass ich denen 40€ oder mehr vorschlagen kann... Für Endkunden natürlich schon, aber für Agenturen?
Aber zu wenig will ich eben auch nicht verlangen, deshalb frage ich ja hier.
Das mit dem Rechnen ist etwas schwierig: Ich mache das momentan nur nebenberuflich (Neben meinem Studium) und habe eigentlich momentan keine weiteren Kosten.
Aber das wird ja auch nicht für immer so bleiben und ich will auch meine Leistungen nicht zu billig anbieten aus Rücksicht auf Leute, die eben noch andere Kosten haben (das wird wohl die Mehrheit der anderen Übersetzer sein).
Auf einer anderen Seite, ich weiß den Link jetzt nicht mehr auswendig, habe ich gefunden, dass man von Agenturen etwa 30€ verlangen sollte und nie unter 25 gehen sollte.
Was meint ihr? Ist das vertretbar?


 

Tatjana Dujmic  Identity Verified
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Betriebswirtschaftliche Herangehensweise Feb 7, 2012

hazmatgerman wrote:

2. Aufwand: Welche direkten und indirekten Kosten fallen an auf Basis ihrer Wochenarbeitszeit (Lebenshaltung, Büro, Mieten, Versicherung, Rente, Mann, Kinder) pro Stunde an. Zuzüglich Steuer und sonstige Sozialabgaben, auf Stundenbasis. Zuzüglich Gewinnerwartung (da sonst Nullsummenspiel). Das ist ihr Zielwert.



[Edited at 2012-02-06 19:39 GMT]


Das ist m.E. der einzig richtige Weg.

Sie müssen denken wie ein Unternehmer, d.h. welche Kosten habe ich, damit ich mein Produkt (in diesem Fall die Übersetzung oder sonstige Dienstleistung) herstellen kann?

Also im ersten Schritt alle - ALLE! - Kosten zusammenstellen, die pro Jahr insgesamt anfallen, wie schon oben vom Kollegen erwähnt. Tage und Stunden ermitteln, die man pro Jahr arbeiten kann und will. Ganz wichtig hierbei: beachten, dass man nicht immer 100%ig ausgelastet ist (Leerlauf, Administration, Werbung)! Dann die ermittelten Kosten in Relation setzen zu den möglichen produktiven Stunden.
Somit wissen Sie, welchen Stundensatz Sie erzielen müssen, um Ihre Kosten zu decken und das sollte der Mindeststundensatz sein. Denn alles, was darunter liegt, führt in die Verlustzone und somit nicht dahin, wo Sie hin wollen.

EUR 20 ist nicht diskussionswürdig, davon kann kein Mensch leben, der auch noch Versicherungen, Steuern etc. zu zahlen hat. Das bekommen Sie ja schon an der VHS als Dozent nebenher (und dort sogar steuerfrei!).
Ich behaupte, dass man in Deutschland unter EUR 50 nicht vernünftig leben kann, das wäre m.E. das Minimum (das JVEG setzt ja auch EUR 55 an).

Ich hoffe, das hilft Ihnen ein wenig weiter.

Viele Grüße

Tatjana Dujmic

P.S. Am 23.02. halte ich dazu in Freiburg ein Seminar (finden Sie auf der BDÜ-Seite unter Seminare). Wenn Sie BDÜ-Mitglied sind: dort kann man unter MeinBDÜ ein kostenloses Webinar herunterladen, das genau diese Grundlagen behandelt.


 

Kaiya J. Diannen  Identity Verified
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Member (2008)
German to English
Doch Feb 7, 2012

VeronikaM wrote:
Es geht um die Arbeit für eine Agentur. Ich glaube nicht, dass ich denen 40€ oder mehr vorschlagen kann...

Stimmt einfach nicht. Wenn man gute Arbeit leistet, hat eine *gute* Agentur Verständnis dafür, dass man so einen Stundenpreis in Rechnung stellt.


 

Nicole Schnell  Identity Verified
United States
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English to German
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Typische Anfängerfehler Feb 7, 2012

VeronikaM wrote:

Es geht um die Arbeit für eine Agentur.


Zuerst mal ganz groß geschrieben: Für eine Agentur zu arbeiten bedeutet keinesfalls geringere Preise. Im Gegenteil. Der Vorteil der Zusammenarbeit mit einer Agentur ist, dass diese dem Übersetzer eine Unmenge unbezahlter Verwaltungs- und Abrechnungsarbeit vom Hals hält, und das rechnet sich gewaltig.

Ich glaube nicht, dass ich denen 40€ oder mehr vorschlagen kann... Für Endkunden natürlich schon, aber für Agenturen?


Stimmt. Denn unter 50€ steigt kein Akademiker aus dem Bett. Agenturen kaufen Ihr Fachwissen ein, nicht Ihre Anwesenheit oder Ihre Kaffeekochkünste, sonst könnten die Agenturen den Job doch locker selbst machen, oder?

habe eigentlich momentan keine weiteren Kosten.


Und wen genau geht das was an? Soweit ich weiß, wird bei Gehaltsverhandlungen auch nicht das Einkommen des Ehepartners erörtert. Stellen Sie sich mal dieses Szenario vor:
Personalchef: "Ich sehe, Ihre Frau verdient 66.000 im Jahr, unter Berücksichtigung Ihrer Lebenshaltungskosten freuen wir uns, Ihnen daher einen angemessenen Stundenlohn von zweifünfundsiebzig* Euro anbieten zu können, Herr Prof. Dr. Dr. Schmidt."


* € 2,75

[Edited at 2012-02-07 22:53 GMT]


 

Bernd Müller
Germany
Local time: 07:35
German to Romanian
+ ...
Honorarliste von 2011 vom BDÜ Feb 8, 2012

Soweit ich mich erinnnere, gibt es diese Veröffentlichung- ggf. etwas anderer Titel! Dürfte doch recht repräsentativ sein!

Ansonsten- auch meine Meinung:

- min. 40,- €/ Stunde, wenn NULL Vorbereitungszeit anfällt
- falls Vorbereitungszeit nicht extra bezahlt wird, min. 50,- € (bei Dolmetrschen, z.B.)

Sich darunter verkaufen macht nur die Ü-Büros reich, mist aber NIE kostendeckend!

Bzgl.:
VeronikaM wrote:

Es geht um die Arbeit für eine Agentur.
Ich glaube nicht, dass ich denen 40€ oder mehr vorschlagen kann... Für Endkunden natürlich schon, aber für Agenturen?


FALSCH!
Für solche Agenturen einfach nicht arbeiten!
Genauso sollte man nicht für Agenturen arbeiten, die unter min. ca. 0,80 - 0,90 € / Normzeile, für einfache Texte, zahlen wollen. Bei Fachtexten- beträchtlich mehr, min. 1,00 - 1,20 €/ Z.

Wer billiger arbeitet, verdirbt nicht nur die Marktpreise- aber er kommt, mit Recherchieren, Kosten für PC, WöBü, Lehrgänge, Software etc. wohl kaum über einen "Raumpflegerinnen" (altdeutsch: Putzfrauen-)- Lohn hinaus!

[Bearbeitet am 2012-02-08 08:33 GMT]


 

Heike Steffens  Identity Verified
Local time: 07:35
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Agentur- vs. Endkundenpreise Feb 8, 2012

VeronikaM wrote:

Es geht um die Arbeit für eine Agentur.
Ich glaube nicht, dass ich denen 40€ oder mehr vorschlagen kann... Für Endkunden natürlich schon, aber für Agenturen?


Das kann ich auch nicht bestätigen. Es gibt gute, seriöse Agenturen, die durchaus 40 € und darüber zahlen.
Das ist auch nicht der Preis, den ich einem Endkunden in Rechnung stelle - der liegt nochmals deutlich darüber.

Ich halte es für einen großen Fehler, wenn man meint, als "Anfänger" unter Preis arbeiten zu müssen. Einerseits dürfte es im Laufe der Zeit sehr schwierig werden, höhere Preise beim selben Kunden durchzusetzen und andererseits macht man den Markt kaputt mit sog. Anfängerpreisen, die nichts anderes sind als Dumpingpreise. Meine Meinung.

LG
Heike


 

Williamson  Identity Verified
United Kingdom
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Sonstige Profis Feb 8, 2012

Wieviel fragen dein Arzt, dein Rechtsanwalt, dein Klempner....

 


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