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Umfangreiches Projekt - Will der Kunde ein Mengenrabatt? Hilfe!
Thread poster: Johanna González

Johanna González  Identity Verified
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Feb 28, 2012

Liebe Kollegen,

ich habe eine Angebotsanfrage, die mir Kopfzerbrechen bereitet.

Es geht um ca. 60 000 Wörter (für die Wortzählung wurde ein ähnliches Projekt herangezogen, da für dieses der Ausgangstext anscheinend noch nicht vollständig verfügbar ist) und die Umschlagzeit ist auch vernünftig. Mit solchen Projekten hatte ich hauptsächlich in meiner Projektmanagerzeit Erfahrung, der Ablauf und die Kostenrechnung waren mir immer klar: Ausgangstext analysieren, Anzahl der Wörter/Zeichen/Normzeilen ermitteln, Ergebnis mal Übersetzungs- und Lektoratskosten plus DTP usw., Kostenvoranschlag schicken - Kunde nimmt den Preis an oder nicht, Ende der Geschichte - große Diskussionen gab es kaum.

Nun stehe ich als Freiberuflerin mit knapp einem Jahr Erfahrung auf dem deutschen Markt (das größte einzelne Projekt, an dem ich selbstständig gearbeitet habe, hatte 15 000 Wörter (ca. 35 Arbeitsstunden)) vor folgender Situation:

- Ich komme (noch) nicht an den Ausgangstext heran. Ich habe soeben eine E-Mail geschrieben, ob es möglich wäre, den zu bekommen, falls er schon verfügbar ist, was ich aber wegen folgender Aussagen bezweifle:

"Die genaue Wortzahl ist naturgemäß an dieser Stelle nicht anzugeben. [...] Sie müssen davon ausgehen, dass wir uns an der obigen Wortanzahl +/- 10 Prozent orientieren"

Ok - hier würde ich sagen, es wird erst einmal eingeschätzt wie viel es kosten könnte, dann wird der genaue Preis berechnet und die Rechnung dementsprechend ausgestellt.

- Folgende Aussage:

"Auch erwarten wir bei diesem Umfang keine 1:1 Berechnung (also pro Wort €0,10)"

Soll ich darunter verstehen, dass der Kunde so etwas wie ein Mengenrabatt erwartet? Ich habe doch keine Größenvorteile bei einer größeren Wortanzahl...

Also:
- Berechnung pro Stunde vorschlagen (wobei der geschätzte Endpreis sich nicht sehr verändert)?
- Staffelpreise für Matches anbieten (aber wenn man vom Referenzausgangstext ausgeht, wird der zu übersetzende Text wird wenige 100%-Matches usw. aufweisen = Preis verändert sich dann nur sehr geringfügig - so etwas macht meiner Meinung nach (wenn überhaupt) eher bei technischen, hochrepetitiven Texten Sinn)
- Auf Wort bzw. Zeilenpreis bestehen?

Er gibt auch an, dass es 120 Seiten sind - aber ich rechne nur ungern mit Seitenpreisen, wenn ich den Ausgangstext nicht sehen kann...

Was meint ihr denn so?


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Sigrid Andersen  Identity Verified
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Lieferzeit in diesem Zusammenhang wichtig Feb 28, 2012

Für mich ist bei Großprojekten immer die Lieferzeit sehr wichtig. Der springende Punkt ist: Bin ich noch in der Lage, meinen festen Kunden während der Abwicklung dieses Großprojektes zur Verfügung zu stehen, sodass dies tatsächlich finanziell sehr rentabel ist, oder erwartet der Kunde, der das Großprojekt in Auftrag gibt, dass ichausschließlich für dieses Projekt zur Verfügung stehe, was manchmal sogar mit finanziellen Nachteilen verbunden ist.
Im ersteren Fall gebe ich tatsächlich normalerweise einen Mengenrabatt bzw. einen Komplettpreis für das Gesamtprojekt. Wichtig ist, dabei genau anzugeben, dass dieser Preis nur für dieses Projekt gültig ist, mit der angegebenen Wortzahl +/-10%.
In deinem Fall würde ich dann 60.000+10% rechnen und dann mal deinen Wortpreis-20% oder was auch immer dir angemessen erscheint.
Im letzteren Fall würde ich gar keinen Rabatt geben, im Gegenteil würde ich einen kleinen Zuschlag drauflegen und die Summe als Gesamtpreis vorschlagen, da ich ja anderen Kunden eventuell absagen müsste und ich riskiere, diese als langfristige Kunden zu verlieren.
Hoffe, das hilft ein wenig!


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Torsten Haeusler  Identity Verified
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Auslastung berücksichtigen Feb 28, 2012

Ich würde in diesem Fall berücksichtigen, wie wichtig Dir Kunde und Auftrag sind und wie Deine allgemeine Auslastung ist. Wenn Du eher weniger ausgelastet bist, würde ich auf alle Fälle einen Rabatt von 10 % bei diesem Umfang anbieten. Ich gehe davon aus, dass der Kunde das erwartet. Du hast bei so einem Großauftrag ja auf alle Fälle den Vorteil, dass Du Dich einige Wochen nicht um andere Aufträge bemühen musst. Aber wichtig ist natürlich auch die Lieferzeit und ob Du Aufträge anderer wichtiger Kunden trotzdem noch berücksichtigen kannst. Wenn der Termin sehr eng sein sollte, wäre vielleicht auch ein kombiniertes Angebot möglich - 10 % Rabatt bei etwas längerer Lieferzeit.
Viele Grüße
Torsten


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Johanna González  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Ja, die Lieferzeit ist auch so eine Sache... Feb 28, 2012

Ja, die Lieferzeit ist auf jeden Fall auch so eine Sache - ich studiere ja MA Konferenzdolmetschen und muss meine Arbeitszeiten dementsprechend meinen Vorlesungen anpassen. Da kommt es schon mal vor, dass ich von 9-16 Uhr Dolmetschübungen habe und danach noch 5-6 Stunden am PC sitze und übersetze, wenn es nötig ist... deswegen hatte ich bisher immer Aufträge von bis zu 5000 Wörter während der Vorlesungszeit.

Zum zeitlichen Rahmen muss ich mir auf jeden Fall weitere Infos beschaffen. Fragen über Fragen, ich hoffe ich nerve den Kunden nicht... aber da muss er jetzt durch.

Und bei der Preiskalkulation ist also euren Antworten nach ein Mengenrabatt also vollkommen legitim - schon mal vielen Dank für eure Hilfe!

Weitere Meinungen sind natürlich stets willkommen


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Wozu denn ein Mengenrabatt? Feb 28, 2012

Ich noch nie einen Mengenrabatt gegeben, weder für 60.000 Wörter noch für 160.000.
Solange du vorher keine Coupons oder Geschenkgutscheine verteilt hast, kann kein Mensch von dir irgendwelche Rabatte erwarten. Rabatte sind NICHT Industriestandard, auch wenn das immer gerne von Agenturseite bei Anfängern ausprobiert wird.
Bevor du dich auch nur entfernt auf irgendwelche Preisfeilscherei einlässt, solltest du zuerst den Text sehen. Da der Ausgangstext noch nicht vorliegt, hast du es am Ende noch mit hastig fertiggeschriebenem Text zu tun, der womöglich noch von Fehlern wimmelt. Und dann stehst du da, mit allen großzügig versprochenen Rabatten und Preisnachlässen für Matches und Konsorten.

LG,
Nicole


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Endre Both  Identity Verified
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Risikoabwälzung? Feb 28, 2012

Johanna González wrote:

"Auch erwarten wir bei diesem Umfang keine 1:1 Berechnung (also pro Wort €0,10)"

(...)

Was meint ihr denn so?


Das kann dir zwar der Kunde am besten erklären. Auf den ersten Blick scheint mir, dass dein Auftraggeber dem Endkunden einen Fixpreis anbieten will (oder muss), und das Risiko der Textmengenstreuung (erfahrungsgemäß werden ja solche Projekte gerne länger als prognostiziert) gerne auf dich abwälzen möchte, indem du eben nicht nach Textmenge kalkulierst, sondern anhand der unvollständigen Vorabdaten auf einen Festpreis eingehst. Eine Berechnung nach Zeit ist da natürlich noch unberechenbarer für den Kunden, das meint er also mit Sicherheit nicht...

Ich kann aus eigener Erfahrung nur vorschlagen, sich nicht in die Ecke treiben zu lassen (auch wenn das Auftragsvolumen lockt), und insbesondere keine Zusagen zu machen (weder bei der Lieferzeit noch beim Preis), die du u. U. nicht halten kannst oder willst. Wenn der Kunde vernünftig ist, erreicht ihr zusammen eine für beide Seiten akzeptable Lösung, wenn er es nicht ist, wirst du am Ende wünschen, niemals vom Projekt gehört zu haben, denn bei solchen Mammutprojekten treten unweigerlich Schwierigkeiten auf, die schnell zu Magengeschwüren führen können, wenn ein unvernünftiger Kunde sich querstellt.

Habt ihr das Thema Zahlungsmodalitäten schon angeschnitten? Bei solchen Projekten ist das oft ein Stolperstein, wenn man sich als FreiberuflerIn nicht gänzlich dem Auftraggeber ausliefern will.

Endre


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Laura Fenati  Identity Verified
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Keine Rabatte! Feb 28, 2012

Ich gebe nie keine Mengenrabatte aus diesem einzigen, einfachen und wichtigen Grund: ich verkaufe keine Reinigungsmittel oder Waschmaschinen, bwz. Produkte, die auf grossen Mengen auf dem Markt mit einem niedrigeren Preis eingefuehrt werden und auf den Supermarktregalen lang bleiben koennen, unabhaengig von Wochen und Monaten.
Die Uebersetzungen sind eine Geistarbeit, die man im richtigen Moment ausfuehrt und die von Uebersetzern/innen mit derselben Professionalitaet vom Anfang bis zum Ende (10 Worte und 10.000 Worte) gearbeitet werden soll.
Also, kein Grund fuer Rabatte.

Laura
Italien




Nicole Schnell wrote:

Ich noch nie einen Mengenrabatt gegeben, weder für 60.000 Wörter noch für 160.000.
Solange du vorher keine Coupons oder Geschenkgutscheine verteilt hast, kann kein Mensch von dir irgendwelche Rabatte erwarten. Rabatte sind NICHT Industriestandard, auch wenn das immer gerne von Agenturseite bei Anfängern ausprobiert wird.
Bevor du dich auch nur entfernt auf irgendwelche Preisfeilscherei einlässt, solltest du zuerst den Text sehen. Da der Ausgangstext noch nicht vorliegt, hast du es am Ende noch mit hastig fertiggeschriebenem Text zu tun, der womöglich noch von Fehlern wimmelt. Und dann stehst du da, mit allen großzügig versprochenen Rabatten und Preisnachlässen für Matches und Konsorten.

LG,
Nicole


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RWSTranslation
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Mengenrabatte / Berechnungsmethode Feb 28, 2012

Hallo,

Mengenrabatte gibt man, wenn man durch die Größe / Umfang des Auftrags preiswerter / schneller produzieren kann (bspw. weil man weniger Einarbeitungsaufwand hat). Ob dies so ist, musst Du selbst entscheiden.

Wenn Du ein Angebot ohne Sichtung des Quellmaterials abgibt und trotzdem einen Mengenrabatt anbieten willst, kannst Du diesen Rabatt vom Endvolumen abhängig machen. Ggf. auch in mehreren Staffeln (bspw. bei einem Gesamtumfang von x, gibt es y % Rabatt // bei einem Gesamtumfang von x+ gibt es y+ Rabatt). Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier wahrscheinlich unendlich. Ob es Sinn macht, musst Du selbst entscheiden und dabei berücksichtigen, ob Du mit Deinem Angebot den Auftraggeber gewinnen kannst.

Mindestens so spannend ist die Frage, ob Du den Auftrag überhaupt willst. Wenn Du wie geschildert eigentlich erst nach der Arbeit dazu kommst, ihn zu bearbeiten, wird das wohl weder der Qualität noch der Effizienz hilfreich sein. Entgegen aller vorheriger Zusagen wird aber am Ende möglicherweise doch, jeder Tippfehler, jede Auslassung, jedes Verständnisproblem in den Rang einer globalen Krise erhoben.

Also überlege Deine Möglichkeiten, prüfe den Aufwand, Deine Erwartungen und das Risiko und entscheide dann über die Gestaltung Deines Angebots.

Viele Grüße

Hans

[Bearbeitet am 2012-02-28 17:27 GMT]


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Mengenrabatte machen bei Produktionsmaschinen Sinn Feb 28, 2012

...aber nicht bei geistiger Arbeit.

Einer Druckmaschine ist es egal, ob du die Auflage auf 25.000 oder 100.000 einstellst, die Sachen sind am gleichen Tag fertig. Arbeitet jedoch ein Übersetzer bereits seit Wochen am ewig gleichen Thema, stellen sich Ermüdungserscheinungen ein und das Thema hängt dem Mensch schlichtweg zum Hals heraus. Dann ausgerechnet die letzten Seiten zum halben Preis abarbeiten zu müssen, ist schlichtweg Unfug. Wenn die Arbeit leichter von der Hand geht - umso besser. Statt: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen" bevorzuge ich eher: "Work smart, not hard".


DSC wrote:

Hallo,

Mengenrabatte gibt man, wenn man durch die Größe / Umfang des Auftrags preiswerter / schneller produzieren kann (bspw. weil man weniger Einarbeitungsaufwand hat).


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Agnes Lenkey  Identity Verified
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Ausgangstext sehen (ev. in mehreren Etappen) und dann entscheiden Feb 28, 2012

Hallo Johanna,

Alle haben dir so gute Ideen und Meinungen mitgeteilt, ich glaube wir "Freelance-Anfänger" können uns richtig bedanken! Ich weis nicht ob andere dies tun, scheinbar tun sie es, aber ich würde nie eine Übersetzung annehmen ohne es vorher gesehen zu haben. Falls der ganze Text noch nicht vorliegt würde ich folgende Aspekte bedenken:

1. Lieferzeit - MUSS ausreichend sein um eventuelle feste und gute direkte Kunden zwischendurch kurz bedienen zu können.
2. Preis - Würde 10% Ermässigung von meinem Standardpreis anbieten falls mich die Übersetzung interessiert.
3. Falls Punkt 1 und Punkt 2 für beide Seiten annehmbar sind, würde ich dem Kunden erklären, dass ich bei diesem Projekt für XY €/Wort arbeite aber schriftliche und endgültige Auftragsbestätigung nur nach der Einsicht des zu übersetzenden Textes anbieten kann. Wenn der Text noch nicht vollständig vorliegt, würde ich mich verpflichten zeitlich für das Projekt zur Verfügung zu stehen (zwecks der Homogenität). Jedoch muss der Kunde gleichzeitig verstehen, dass wir Etappe für Etappe fortfahren müssen, da ich ohne Vorlage des Ausgangstextes keinen Auftrag bestätigen kann.

Also: Ich würde auf eine "1:1 Berechnung" bestehen und bei diesem Auftrag z.B. statt 0,10 für 0,09 arbeiten. Alles muss schriftlich vereinbart werden und ohne dem Originaltext würde ich mich nicht verpflichten, auf keinem Fall. Es ist zu riskant. Aber wie DSC sagt, jeder Fall ist anders: "...überlege Deine Möglichkeiten, prüfe den Aufwand, Deine Erwartungen und das Risiko und entscheide dann über die Gestaltung Deines Angebots."

Herzliche Grüsse,

Agnes


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RWSTranslation
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Ja, und ... Feb 28, 2012

Nicole Schnell wrote:

...aber nicht bei geistiger Arbeit.

Einer Druckmaschine ist es egal, ob du die Auflage auf 25.000 oder 100.000 einstellst, die Sachen sind am gleichen Tag fertig. Arbeitet jedoch ein Übersetzer bereits seit Wochen am ewig gleichen Thema, stellen sich Ermüdungserscheinungen ein und das Thema hängt dem Mensch schlichtweg zum Hals heraus. Dann ausgerechnet die letzten Seiten zum halben Preis abarbeiten zu müssen, ist schlichtweg Unfug. Wenn die Arbeit leichter von der Hand geht - umso besser. Statt: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen" bevorzuge ich eher: "Work smart, not hard".


DSC wrote:

Hallo,

Mengenrabatte gibt man, wenn man durch die Größe / Umfang des Auftrags preiswerter / schneller produzieren kann (bspw. weil man weniger Einarbeitungsaufwand hat).


Hallo,

keiner ist gezwungen ein Angebot abzugeben oder einen Auftrag zu bestimmten Konditionen anzunehmen. Letztlich ist es das Wesen der Freiberuflichkeit, also der Selbständigkeit, dass man selbst sein Angebot definiert.

Andererseits gilt das gleiche auch für die Kunden.

Grenzen der Selbständigkeit finden sich dann, wenn man Hunger hat, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, mit dem Einnahmen unzufrieden ist, ....
Es ist nicht korrekt einem Berufsanfänger vorzugaukeln, dass man als Übersetzer immer nur aus den vielen super bezahlten Aufträgen sich die herauspicken muss, die einem gerade zusagen. Wäre dies so, würden wohl hier über ProZ gar keine Aufträge vermittelt werden. Offenbar scheint die Welt nicht so rosig zu sein.

Viele Grüße
Hans


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Marinus Vesseur  Identity Verified
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Arbeit für 6 Wochen... Feb 28, 2012

...da kann man sich das schon mal überlegen. Wie schon gesagt, spielt der Inhalt eine wichtige Rolle dabei, ob der Aufwand im angemessenen Rahmen zur Bezahlung steht.

Viele Faktoren spielen hier mit.
- Ist der Kunde seriös? Gute Bewertungen, usw.?
- Gibt es zwischendurch Geld oder müsstest du ab Auftragsannahme womöglich 3 Monate warten?
- Der Ton macht die Musik. Allzu überhebliche Kundschaft kann einem die Freude an diesem Beruf arg vermiesen.
- Abhängigkeit von einigen wenigen Agenturen wäre zu vermeiden.
- Wird mit einem CAT-Programm gearbeitet? Gibt es deshalb Abzüge? Sind die vorhandene TMs einigermaßen OK?

Schön zu sehen, dass die Kollegen gut mitdenken. So langsam kommt wieder Leben ins Forum.


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Rabatte sind eine Unsitte Feb 28, 2012

DSC wrote:
Es ist nicht korrekt einem Berufsanfänger vorzugaukeln, dass man als Übersetzer immer nur aus den vielen super bezahlten Aufträgen sich die herauspicken muss, die einem gerade zusagen. Wäre dies so, würden wohl hier über ProZ gar keine Aufträge vermittelt werden. Offenbar scheint die Welt nicht so rosig zu sein.


Im Einzelhandel dienen Rabatte der Kundenbindung und sind, auch wenn es dem Verbraucher nicht bewusst ist, mit einer Gegenleistung (Datenerfassung, Mehrkauf usw.) verbunden. Eine Win-Win-Situation. Für Übersetzer sind Rabatte jedoch nichts anderes als Preiskürzungen auf Kosten des Übersetzers und ohne Gegenleistung des Kunden (beispielsweise ein garantiertes Auftragsvolumen pro Jahr/garantierte Folgeaufträge im Rahmen des ursprünglichen Projekts).
Es ist daher ebenfalls nicht korrekt, einem Berufsanfänger vorzugaukeln, dass Rabatte standardmäßig dazugehören und "dass das jeder so macht/machen muss".

LG,
Nicole


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Unternehmereigenschaft Feb 29, 2012

Nicole Schnell wrote:

DSC wrote:
Es ist nicht korrekt einem Berufsanfänger vorzugaukeln, dass man als Übersetzer immer nur aus den vielen super bezahlten Aufträgen sich die herauspicken muss, die einem gerade zusagen. Wäre dies so, würden wohl hier über ProZ gar keine Aufträge vermittelt werden. Offenbar scheint die Welt nicht so rosig zu sein.


Im Einzelhandel dienen Rabatte der Kundenbindung und sind, auch wenn es dem Verbraucher nicht bewusst ist, mit einer Gegenleistung (Datenerfassung, Mehrkauf usw.) verbunden. Eine Win-Win-Situation. Für Übersetzer sind Rabatte jedoch nichts anderes als Preiskürzungen auf Kosten des Übersetzers und ohne Gegenleistung des Kunden (beispielsweise ein garantiertes Auftragsvolumen pro Jahr/garantierte Folgeaufträge im Rahmen des ursprünglichen Projekts).
Es ist daher ebenfalls nicht korrekt, einem Berufsanfänger vorzugaukeln, dass Rabatte standardmäßig dazugehören und "dass das jeder so macht/machen muss".

LG,
Nicole


Hallo,

wenn Du genau gelesen hast, dann steht zumindest in meinem Post nicht drin, dass Rabatte standardmäßig dazu gehören. Man kann (jeder darf das) Rabatte anbieten. Sinnvoll ist es ggf. wenn man durch das Volumen oder die Art des Auftrags leichter als bei anderen Aufträgen zum Ergebnis kommt. Ob dies so ist, muss jeder selbst entscheiden.

Das Rabatte grundsätzlich einfach nur eine Reduzierung des Einkommens wären, stimmt nur dann, wenn der Übersetzer diese zuvor geschilderte wirtschaftliche Überlegung eben nicht macht. Ein Rabatt, den ich einfach nur anbiete ohne selbst einen Vorteil durch den Auftrag zu haben, würde tatsächlich dazu führen. Dies wäre allerdings auch dahingehend bedenklich, dass der Anbieter möglicherweise nicht ausreichend für sein unternehmerisches handeln qualifiziert ist (hier ist ausdrücklich nicht seine Qualifikation als Übersetzer gemeint). Das würde dann möglicherweise auch an anderen Stellen problematisch sein, bspw. in Fragen der allgemeinen Kalkulation, Buchhaltung oder von Steuern.

Ein freiberuflicher Übersetzer ist ein Unternehmer, der neben seiner Qualifikation als Übersetzer auch eine Qualifikation zur Führung seines (möglicherweise kleinen) Unternehmens benötigt. Hat er die nicht, wäre er gut beraten, sich diese möglichst zu verschaffen oder ggf. einzukaufen.

Viele Grüße

Hans


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Johanna González  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Da hat man schon etwas mehr Orientierung... Mar 1, 2012

Ja, da sind ja doch noch so einige Antworten gekommen. Nochmals vielen Dank für eure Tipps. Da gibt es halt schon so einige Aspekte, woran man nicht gleich denkt, wenn man keine jahrelange Erfahrung hat.

Letztendlich habe ich entschieden, doch erst einmal die Finger von dem Projekt zu lassen - bei so einem umfangreichen Projekt (und entsprechend großer Verantwortung) möchte ich schon etwas sicherer im Sattel sitzen, auch wenn das Thema eines ist, mit dem ich mich gut auskenne. Hinzu kommt, dass die Übersetzung erst für Juni angesetzt wird (der Kunde hatte tatsächlich noch keinen fertigen Text), also genau zu dem Zeitpunkt, wo ich meine Zwischenprüfungen habe. Da will ich mich lieber nicht verzetteln.

Während der Vorlesungszeit tun es vorerst auch die kleineren Projekte.

Endre Both wrote:

Habt ihr das Thema Zahlungsmodalitäten schon angeschnitten? Bei solchen Projekten ist das oft ein Stolperstein, wenn man sich als FreiberuflerIn nicht gänzlich dem Auftraggeber ausliefern will.

Endre


Über die Zahlungsmodalitäten hatten wir tatsächlich noch nicht gesprochen. Ich hätte eine kleine Vorauszahlung von 25% vorgeschlagen und die Rechnung auf 30 Tage ausgestellt.
Einen Fixpreis anbieten wäre auch mir zu riskant gewesen, eher erst einmal ein Schätzpreis (etwas höher angesetzt), der dann nach Erhalt des Ausgangstextes angepasst wird.

Agnes Lenkey wrote:

Falls Punkt 1 und Punkt 2 für beide Seiten annehmbar sind, würde ich dem Kunden erklären, dass ich bei diesem Projekt für XY €/Wort arbeite aber schriftliche und endgültige Auftragsbestätigung nur nach der Einsicht des zu übersetzenden Textes anbieten kann. Wenn der Text noch nicht vollständig vorliegt, würde ich mich verpflichten zeitlich für das Projekt zur Verfügung zu stehen (zwecks der Homogenität). Jedoch muss der Kunde gleichzeitig verstehen, dass wir Etappe für Etappe fortfahren müssen, da ich ohne Vorlage des Ausgangstextes keinen Auftrag bestätigen kann.

Also: Ich würde auf eine "1:1 Berechnung" bestehen und bei diesem Auftrag z.B. statt 0,10 für 0,09 arbeiten. Alles muss schriftlich vereinbart werden und ohne dem Originaltext würde ich mich nicht verpflichten, auf keinem Fall. Es ist zu riskant. Aber wie DSC sagt, jeder Fall ist anders: "...überlege Deine Möglichkeiten, prüfe den Aufwand, Deine Erwartungen und das Risiko und entscheide dann über die Gestaltung Deines Angebots


Vielen dank, das werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen.

Was also Rabatte angeht, lieber mit Vorsicht genießen und alles erst einmal genau durchrechnen, ob es überhaupt Sinn machen würde.

Ist das aber andererseits nicht auch eine Benennungssache? Man bietet ja Übersetzungen, die einfacher sind, günstiger an als komplexere Texte. In einer gegebenen Zeit kann man mehr produzieren, ist dies nicht bereits eine Art Mengenrabatt?

(Ich glaube hier kommen wir zwar vom eigentlichen Thema ab, aber naja.)

[Edited at 2012-03-01 13:14 GMT]


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