Selbstständigkeit neben Festanstellung?
Thread poster: VeronikaM
Jun 5, 2012

Hallo,
ich arbeite zurzeit als freiberufliche Übersetzerin während meines Studiums und mir stellt sich momentan die Frage, ob ich mir Trados zulegen soll oder nicht, da es ja doch (insbesondere für eine Studentin) relativ teuer ist, auch wenn ich den Studentenrabatt bekäme...
Nun aber zu meiner eigentlichen Frage: Ich werde in ein paar Monaten mein Studium abschließen und bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich danach wirklich selbstständig sein will. Ich denke, ich werde zunächst einmal versuchen, eine Festanstellung zu finden.
Wenn dies nicht klappen sollte, würde ich weiter als freiberufliche Übersetzerin arbeiten bzw. würde ich auch neben einer normalen Stelle gerne weiterhin freiberuflich arbeiten. Dabei habe ich mir allerdings die Frage gestellt, ob das möglich ist? Also abgesehen von zeitlichen Problemen, erlauben Arbeitgeber das oder sind die eher dagegen? Natürlich hängt es vom Arbeitgeben aber, aber es würde mich dennoch interessieren, wie die Grundhaltung dazu ist.
Denn davon würde wahrscheinlich meine Entscheidung für oder gegen Trados abhängen, dennn ich will es mir ja jetzt nicht für ein paar Monaten kaufen, wenn ich danach nicht mehr von zu Hause aus übersetze und es gar nicht mehr brauche...

Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe


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Steffen Walter  Identity Verified
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Art der Festanstellung Jun 5, 2012

Hallo Veronika,

das hängt zunächst einmal von der Art und vom Zeitumfang der Festanstellung ab. Bei einer Anstellung in Vollzeit ist es extrem unwahrscheinlich, dass sich Arbeitgeber auf eine parallele freiberufliche Tätigkeit einlassen, da ja die "volle Arbeitskraft" ohne Beeinträchtigung dem Arbeitgeber zu widmen ist. Bei einer Anstellung in Teilzeit (50 % oder weniger) sieht das aber sicher schon anders aus.

Viele Grüße

Steffen


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Gudrun Wolfrath  Identity Verified
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Hallo Veronika, Jun 5, 2012

meist ist im Arbeitsvertrag (bei Festanstellung, Vollzeitstelle) festgelegt, dass du nebenher nur in geringem Umfang Arbeiten übernehmen darfst.

Und bei 40 Stunden (oder etwas weniger) pro Woche nebst Fahrtzeiten dürftest du ohnehin nicht mehr viel Zeit aufbringen.

Bei einem Halbtagsjob sieht es natürlich anders aus.

Vielleicht klärst du das mit deinem künftigen Arbeitgeber, damit es keine unguten Überraschungen gibt?

Gudrun


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Edward edbradburn
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Die Erlaubnis bekommt man schon, denke ich... Jun 5, 2012

VeronikaM wrote:

Also abgesehen von zeitlichen Problemen, erlauben Arbeitgeber das oder sind die eher dagegen? Natürlich hängt es vom Arbeitgeben aber, aber es würde mich dennoch interessieren, wie die Grundhaltung dazu ist.


Hallo Veronika,

ich kann nur meine persönliche Erfahrung hier einbringen, aber ich schätze man hat eher zeitliche Probleme als Probleme mit dem Arbeitgeber.

Ich habe es angesprochen und einen ganzen Tag (= 8 Stunden) in der Woche dafür bekommen. Benötigt habe ich mehr, und das = Abend- und Wochenendarbeit.

Aber es hat sich mehrfach gelohnt, weil m.E. es keine bessere Vorbereitung auf eine Vollzeit-Beschäftigung gibt als die Arbeit als Teilzeitjob auszuüben.

Soweit ich auch weiß – nützlich für die Gesprächsvorbereitung mit dem Arbeitgeber – hat man auch ein Recht, eine Teilzeitbeschäftigung, also Nebenjob, auszuüben.

Vielleicht ist dieser Link dazu hilfreich?

http://www.nebenjob.de/ratgeber_nebenjobs/ratgeber2.html

Interessenkonflikte, usw., dürfen natürlich nicht vorkommen. Und – nach Gesetz zumindest – eine Gesamtarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche auch nicht. Deshalb bei einer vollen Stelle mit geregelten Überstunden (üblich = +10%) wären nur 4 Stunden übrig, zumindest "auf Papier".

Viele Grüße,


Ed

[Edited at 2012-06-05 12:55 GMT]


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Rolf Keller
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Freiberufler haben als solche keine Jobs Jun 5, 2012

[quote]Edward Bradburn wrote:

"http://www.nebenjob.de/ratgeber_nebenjobs/ratgeber2.html"


Dort geht es um Nebentätigkeiten von Arbeitnehmern. In der gestellten Frage geht es aber um eine Tätigkeit als Freiberufler (die man übrigens im Deutschen eigentlich nicht "Job" nennt, das ist mindestens ein halber False Friend).

"Und – nach Gesetz zumindest – eine Gesamtarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche auch nicht. Deshalb bei einer vollen Stelle mit geregelten Überstunden (üblich = +10%) wären nur 4 Stunden übrig, zumindest "auf Papier"


Diese Grenze gilt ausschließlich für eine Arbeitnehmertätigkeit, nicht für eine Freiberuflertätigkeit. Bei Arbeitnehmern, die mehr als eine Arbeitgeber haben, zielt das Gesetz ohnehin ins Leere, denn kein Arbeitgeber kann wissen, wie viel man beim anderen Arbeitgeber arbeitet.


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Richard Schneider  Identity Verified
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Anstellung für Berufseinsteiger besser als freiberufliche Tätigkeit Jun 5, 2012

Du solltest mit aller Macht versuchen, eine Festanstellung zu ergattern. Auch dann, wenn dir das Einstiegsgehalt niedrig vorkommt.

Zurzeit werden so viele Angestelltenstellen für Übersetzer angeboten wie schon seit mindestens 10 Jahren nicht mehr. Außerdem solltest du dich jetzt schon bewerben und nicht erst dann, wenn du deinen Abschluss in der Tasche hast.

Zur Freiberuflerin wirst du früher oder später sowieso; spätestens dann, wenn das erste Kind kommt.

Der direkte Sprung von der Uni in die Selbstständigkeit ist nicht empfehlenswert. Gut die Hälfte derer, die es versuchen, überleben die ersten zwei Jahre finanziell nicht und sind dann gezwungen, sich irgendeinen fachfremden Angestelltenjob zu suchen. Eine ziemlich frustrierende Erfahrung.

Andererseits: Wenn du jetzt schon regelmäßig Übersetzungsaufträge erhältst, könnte es ein fließender Übergang werden.

Einen Überblick über die zurzeit offenen Angestelltenstellen für Übersetzer kannst du dir mit den hier aufgelisteten Jobsuchmaschinen und Jobbörsen verschaffen:

www.uepo.de/karriere/jobs


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RobinB  Identity Verified
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Local time: 17:17
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I.d.R. nicht Jun 5, 2012

In der Regel wäre eine nebenberufliche Tätigkeit als selbständige Übersetzerin neben einer Festanstellung als Übersetzerin ausgeschlossen. Ansonsten gelten die bereits angesprochenen Regelungen.

Die Anmerkungen und Ratschläge von Richard Schneider kann ich übrigens bedingungslos unterstützen.


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RobinB  Identity Verified
Germany
Local time: 17:17
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48 Stunden gelten nur für Arbeitnehmer Jun 5, 2012

Edward Bradburn wrote: Und – nach Gesetz zumindest – eine Gesamtarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche auch nicht.


Diese theoretische Obergrenze gilt nur für Arbeitnehmer, nicht für (auch nebenberuflich tätige) Freiberufler - d. h., die Stunden einer freiberuflichen Nebentätigkeit werden nicht mitgezählt.


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VeronikaM
TOPIC STARTER
Selbstständigkeit eher als "Notfallplan" Jun 5, 2012

Das es zeitlich nicht einfach ist, ist mir natürlich klar. Ich wollte aber eher wissen, ob es überhaupt theoretisch möglich ist, oder ob Arbeitgeber eher dagegen sind, weil man somit ja auch gleichzeitig Konkurrent wäre.
Und gibt es diesbezüglich einen Unterschied, ob man in einem Übersetzungsbüro oder der Übersetzungsabteilung einer Firma arbeitet, für die ja nicht direkt das Problem der Konkurrenz besteht, da diese ja keine Kunden haben, die Übersetzungen in Auftrag geben.

Momentan habe ich ja noch keine Stelle und weiß daher nicht, wo ich einmal arbeiten werde.
Und regelmäßige Aufträge ist vielleicht auch übertrieben, aber ich arbeite für einige Agenturen und die Aufträge würden zum einen mehr werden, wenn ich mehr Zeit haben werde und zum anderen wenn ich Trados hätte, deshalb hatte sich mir ja die Frage gestellt, ob sich die Anschaffung lohnt...

Allerdings habe ich trotzdem Angst vor dem direkten Einstieg in die Selbstständigkeit, deshlab bin ich auch auf der Suche nach einer Festanstellung. Allerdings ist dies auch wenn es mehr Angstelltenstellen gibt, dennoch nicht einfach. Ich habe z.B. kein Englisch studiert, ich kann es zwar, aber nicht perfekt und ich denke, dass das gerade bei der Suche nach einer Festanstellung zum Problem werden könnte, da viele nur Übersetzer für Englisch suchen...
Die Selbstständigkeit ist eher mein "Notfallplan" bzw. momentan um mir neben dem Studium etwas Geld zu verdienen.
Im Idealfall würde ich gerne eine Festanstellung haben und mir nebenbei langsam die Selbstständigkeit aufbauen, um dann irgendwann davon leben zu können.
Das ist aber erstens zeitlich nicht einfach und zweitens stellt sich eben die Frage, ob Arbeitgeber da evtl. etwas dagegen haben könnten.


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Edward edbradburn
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Stimmt, nicht aus selbständiger Arbeit Jun 5, 2012

RobinB wrote:

Edward Bradburn wrote: Und – nach Gesetz zumindest – eine Gesamtarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche auch nicht.


Diese theoretische Obergrenze gilt nur für Arbeitnehmer, nicht für (auch nebenberuflich tätige) Freiberufler - d. h., die Stunden einer freiberuflichen Nebentätigkeit werden nicht mitgezählt.


Und auch der Punkt von Rolf...

Stimmt, ich hätte meine eigene Quelle besser achten sollen:

"Übrigens: Eine tägliche bzw. wöchentliche Höchstarbeitszeit müssen Sie nicht beachten, wenn Sie Ihre Nebentätigkeit auf selbstständiger Basis ausüben."

I stand corrected.

Ihr Punkt, dass


eine nebenberufliche Tätigkeit als selbständige Übersetzerin neben einer Festanstellung als Übersetzerin ausgeschlossen [wäre]


ist auch wohl der wichtigste hier im Thread.


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Rolf Keller
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Local time: 17:17
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Interessen der Arbeitgeber Jun 6, 2012

VeronikaM wrote:

Und gibt es diesbezüglich einen Unterschied, ob man in einem Übersetzungsbüro oder der Übersetzungsabteilung einer Firma arbeitet, für die ja nicht direkt das Problem der Konkurrenz besteht, da diese ja keine Kunden haben, die Übersetzungen in Auftrag geben.


Bei den Branchenriesen unter den Übersetzungsagenturen stellt sich die Konkurrenzfrage eigentlich nicht: Denen kannst du als kleines Würstchen gar nicht wirklich Konkurrenz machen. Vielleicht erlauben die das aber prinzipiell nicht, ich weiß es nicht. "Heimlich" Konkurrenz zu machen, davon rate ich auf jeden Fall ab - das kann böse ins Auge gehen (Verletzung der Treuepflicht, ...).

Was andere Arbeitgeber anbelangt: Die können über eine fachlich passende und zeitlich zumutbare Nebentätigkeit froh sein, denn dort lernst du zusätzlich etwas, was letztendlich ihnen und auch dir selbst nützt.

Nebenbei: Außer in Übersetzungsabteilungen von Firmen arbeiten Übersetzer auch in höheren Behörden, bei der EU und sogar bei manchen Verlagen.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 17:17
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Markt für Berufsanfänger? Jun 6, 2012

Richard Schneider wrote:

Zurzeit werden so viele Angestelltenstellen für Übersetzer angeboten wie schon seit mindestens 10 Jahren nicht mehr.


Naja, wenn es früher landesweit nur 5 Angebote gab und heute 10, was nützt das dem einzelnen Bewerber?

Interessant wäre, auf wie viele Angebote für Absolventen wie viele entsprechende Bewerber kommen. Hast du da eine Zahl? (Hängt sicher auch stark von den Sprachen ab.)


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VeronikaM
TOPIC STARTER
Ohne Berufserfahrung ist es sehr schwierig Jun 7, 2012

Ich finde zwar relativ viele Stellenangebote, jedoch wird eigentlich immer Berufserfahrung verlangt... Ich frage mich manchmal wie die Firmen sich das vorstellen, die fliegt einem ja auch nicht zu...
Aber genau deshalb habe ich nun bereits während des Studiums mit der Selbstständigkeit begonnen, so kann ich wenigstens Berufserfahrung angeben. Wenn auch nur ein Jahr, weil man sich sowas ja eher erst gegen Ende des Studiums zutraut.
Das würde allerdings wiederum dafür sprechen, sich erst einmal selbstständig zu machen um Berufserfahrung zu sammeln und dann eine Festanstellung zu suchen.
Aber ob das wirklich eine gute Lösung ist, weiß ich auch nicht
Und noch eine andere Frage, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat:
Ich studiere zwei romanische Sprachen, jedoch kein Englisch (ich spreche natürlich Englisch, aber habe es nicht studiert und wollte es auch eigentlich nicht übersetzen), ich habe den Eindruck, dass man mit so einer Sprachkombination fast keine Chance hat fest eingstellt zu werden.
Oder was haltet ihr davon?
Ich habe auch überlegt ein Aufbaustudium mit Englisch als dritter Fremdsprache zu machen, aber letztendlich werd ich dann sehr wahrscheinlich irgendwo arbeiten und fast nur noch Englisch übersetzen und das würde ich nicht wollen. Ich habe mir meine Sprachen ja nicht umsonst ausgesucht, ich mag diese Sprachen einfach und möchte damit arbeiten und mich nicht der Masse mit ihrem Englisch-Trend anpassen... Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich eine gute Voraussetzung für mein Berufsleben ist...


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