Schluss machen, oder gibt's da noch was ....?
Thread poster: Nils Kohlmann

Nils Kohlmann  Identity Verified
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Jun 20, 2012

Liebe Kollegen,

auch auf die Gefahr hin, hier ein "Outing" zu riskieren (muss ich eingehen), möchte ich doch mal anfragen, ob es hier oder anderswo auch eine Plattform für scheiternde oder gescheiterte Übersetzer gibt?
So in der Art eines Aussprechforums, in dem ungeschminkt alle Widrigkeiten zur Sprache kommen, mit denen dieser Berufsstand so konfrontiert ist, die ansonsten mit einem unausgesprochenen Tabu belegt zu sein scheinen? Denn ich hör' hier nie: Ich bin gescheitert. Verschenke meine Wörterbücher. Mache Schluss.
Ich denke hier nicht an Lösungsvorschläge im Stil von Plattitüden wie "Nische finden" oder "Nicht in der Dumpingfalle hängen bleiben". Das ist so klar wie der Toilettengang am Morgen. Eine Lösung kann ja nur für den jeweiligen Einzelfall gefunden werden. Also Therapie für Übersetzer? Gibt es dafür schon geschulte Psychologen? Bitte melden!
Erfolg und Misserfolg lassen sich an der Messlatte individueller Kompetenz und Eignung messen, durch der/die Einzelne mit einer vorgegebenen Situation umzugehen weiß. Umso besser wäre es, wenn ein Übersetzer auch ein Selbstbild aufgezeigt bekommen könnte, das ihm vielleicht besser aufzeigen könnte, ob er überhaupt eine Chance hat und in die Freiberuflichkeit starten sollte.
So ein Forum würde ich mir wünschen. Natürlich anonym, oder zumindest so geschützt, dass nicht Hinz und Kunz mitlesen können. Hier reiß' ich mir die Maske halt mal vom Gesicht.

Wenn ich etwas vermisse, so ist es die "gesunde Mitte" zwischen einer schwülen, nie fundierten Jubel-Hurra-Stimmung "Uns gehört die Welt" und der Dumpingkrake, die eine gefühlte Mehrheit der Leute für Preise übersetzen lässt, die jeden Studentenjob als lukrativen High End-Job erscheinen lassen. Und die (die Preise, meine ich) dann wieder in unschöner Regelmäßigkeit hier und anderswo in Masse serviert werden.

Ich bin seit 11 Jahren Übersetzer. War beim BdÜ. 3 Jahre angestellt im Ausland, 7 Jahre Freiberufler in Deutschland. Habe unterschiedlichste Foren, Tagungen und Veranstaltungen besucht. Trotzdem: ????? Ich habe keine Antwort gefunden.

Beste Grüße



[Bearbeitet am 2012-06-20 10:56 GMT]

[Bearbeitet am 2012-06-20 12:01 GMT]


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Eric Hahn
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Antwort Jun 20, 2012

Nils Kohlmann wrote:

Liebe Kollegen,

auch auf die Gefahr hin, hier ein "Outing" zu riskieren (muss ich eingehen), möchte ich doch mal anfragen, ob es hier oder anderswo auch eine Plattform für scheiternde oder gescheiterte Übersetzer gibt?


Wenn Du eine Plattform für Looser meinst: Hier bist Du an der richtigen Adresse!



So in der Art eines Aussprechforums, in dem ungeschminkt alle Widrigkeiten zur Sprache kommen, mit denen dieser Berufsstand so konfrontiert ist, die ansonsten mit einem unausgesprochenen Tabu belegt zu sein scheinen?



Das ist leider etwas schwierig geworden, seitdem die Zensur hier Einzug gehalten hat und so manche interessante Diskussion per Maulkorbverordnung abgetrieben wurde, weshalb viele kompetente Ansprechpartner abgewandert sind.


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Bernd Müller
Germany
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Das Leben ist hart, aber ungerecht! Jun 20, 2012

Damit muss man leben- läßt sich nicht ändern, s. Versuche von Christrus her , und auch sicherlich vor ihm schon, etc.pp.!

1. Dein Profil sieht mir aber gar nicht nach "Scheitern" aus! Woher hast Du diese Einschätzung, wie fundiert ist sie denn? Oder bist Du nur in einer momentanen Krise??

2. Was ist genau gemeint mit:

- Schluss machen?
Und: womit genau??
- gescheitert?

3. Auch andere haben mal im Ausland, mal in der BRD gearbeitet, und sich keine goldene Nase dabei verdient, nicht "das große Glück" gefunden! Ich z.B. mal als Dipl.- Ing., mal als Studienrat, dann ein paar Jahre handwerklich- TV-Geräte etc. repariert, seit 13 Jahren Übersetzer- und dies finde ich besser als Angestelltsein. Insbesondere jetzt, wo ich seit einigen Monaten Rentner bin, und die Globalisierung mir nicht mehr soo viel anhaben kann!

Also gibt es auch Umsatteln.

Ansonsten- es gibt Yoga, ChiGong, die Couch des Psychíaters... jeder muss "seine Mitte", seinen Weg finden!

Und mir ist keine Ü- Gruppe bekannt, die sich auf Mieses / Weinen/ Beschweren etc. spezialisiert hat. Aber- Du kannst ja eine Yahoo- Gruppe hierzu aufmachen, dauert nur 10 - 15 Min.; ob Du allerdings Leute findest, die mitmachen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Dann gibt es noch die Anonymen: Alkoholiker, EmotionAnonymous, und sicherlich einige mehr.

War es das, was Du Dir als Antw. vorgestellt hast?? Und hilft es irgendwie- meinst Du, dass da so leicht jmd. weiterhelfen kann, von uns Kollegen?? Das ist eher etwas für eine Schulter, an der man sich hin und wieder mal ausweinen kann/ mag/ muss- mein Eindruck zumindest!

Und danach geht das Leben weiter. ggf. in etwas anderen Bahnen- aber der Mensch ist nun mal unvollkommen, und das Paradies auf Erden gibt es nicht- damit müssen wir alle leben- und DAS BESTE daraus zu machen versuchen! Ohne jegliche Garantie, dass es gelingt. Und was man plant ... - Du weißt doch: der Mensch denkt, Gott lenkt!

4. Praxistipp- eben erhaltene Mail:

http://www.lingoking.com/f/dolmetscher/als-dolmetscherin-bewerben/

Wege gibt es also mehr als genug, Alternativen- und man sollte solange versuchen , bis man einen für die eigene Person gangbaren Weg findet!Und sich BEI JEDEM NEUEN WEG in Geduld über- denn es ist eine neue Herausforderung, ubnd gut Ding braucht Zeit, immer!

[Bearbeitet am 2012-06-21 04:28 GMT]


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Sebastian Witte  Identity Verified
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Lieber Nils Jun 20, 2012

Nils Kohlmann wrote:

Liebe Kollegen,

auch auf die Gefahr hin, hier ein "Outing" zu riskieren (muss ich eingehen), möchte ich doch mal anfragen, ob es hier oder anderswo auch eine Plattform für scheiternde oder gescheiterte Übersetzer gibt?
So in der Art eines Aussprechforums, in dem ungeschminkt alle Widrigkeiten zur Sprache kommen, mit denen dieser Berufsstand so konfrontiert ist, die ansonsten mit einem unausgesprochenen Tabu belegt zu sein scheinen? Denn ich hör' hier nie: Ich bin gescheitert. Verschenke meine Wörterbücher. Mache Schluss.
Ich denke hier nicht an Lösungsvorschläge im Stil von Plattitüden wie "Nische finden" oder "Nicht in der Dumpingfalle hängen bleiben". Das ist so klar wie der Toilettengang am Morgen. Eine Lösung kann ja nur für den jeweiligen Einzelfall gefunden werden. Also Therapie für Übersetzer? Gibt es dafür schon geschulte Psychologen? Bitte melden!
Erfolg und Misserfolg lassen sich an der Messlatte individueller Kompetenz und Eignung messen, durch der/die Einzelne mit einer vorgegebenen Situation umzugehen weiß. Umso besser wäre es, wenn ein Übersetzer auch ein Selbstbild aufgezeigt bekommen könnte, das ihm vielleicht besser aufzeigen könnte, ob er überhaupt eine Chance hat und in die Freiberuflichkeit starten sollte.
So ein Forum würde ich mir wünschen. Natürlich anonym, oder zumindest so geschützt, dass nicht Hinz und Kunz mitlesen können. Hier reiß' ich mir die Maske halt mal vom Gesicht.

Wenn ich etwas vermisse, so ist es die "gesunde Mitte" zwischen einer schwülen, nie fundierten Jubel-Hurra-Stimmung "Uns gehört die Welt" und der Dumpingkrake, die eine gefühlte Mehrheit der Leute für Preise übersetzen lässt, die jeden Studentenjob als lukrativen High End-Job erscheinen lassen. Und die (die Preise, meine ich) dann wieder in unschöner Regelmäßigkeit hier und anderswo in Masse serviert werden.

Ich bin seit 11 Jahren Übersetzer. War beim BdÜ. 3 Jahre angestellt im Ausland, 7 Jahre Freiberufler in Deutschland. Habe unterschiedlichste Foren, Tagungen und Veranstaltungen besucht. Trotzdem: ????? Ich habe keine Antwort gefunden.

Beste Grüße



[Bearbeitet am 2012-06-20 10:56 GMT]

[Bearbeitet am 2012-06-20 12:01 GMT]


Lieber Nils,

ich stimme Dir zu (tut mir übrigens ehrlich leid, dass es bei Dir als qualitätsorientiertem Übersetzer mit gerichtlicher Vereidigung nicht läuft, insbesondere da Dein Beitrag eindeutig zeigt, dass Du ein Denker bist und offen+ehrlich-Sein m.E. immer gut ist):

ein allgemeingültiges Patentrezept für Wege aus der Krise in einer de facto wirklich alles andere als unproblematischen Branche gibt es nicht.

Folgende Punkte haben mir allerdings geholfen:

- Zusammentun (evtl. sogar mit Gründung) mit einer Kollegin oder einem Kollegen, der/die dort stark ist, wo man selbst seine Schwächen hat, sodass man von ihr/ihm täglich was lernen kann. Bei mir war das insbesondere die saubere Dokumentformatierung (das ist vielen Kunden wichtig), die Buchhaltung und in geringerem Maße auch die Tippgeschwindigkeit als Flaschenhals meiner Arbeitsgeschwindigkeit und somit der Fähigkeit, die oft zeitkritischen Ü-Aufträge übernehmen zu können und darüberhinaus bei der Bearbeitung dann genug pro Stunde zu erlösen.
- generell sich den Spass nicht nehmen lassen am Sich-immer-weiter entwicklen, jeden Tag, Du brauchst eine "Get up and try again"-Mentalität in dieser Branche, "nächstes Mal mache ich es besser", und eine des "Dann stehe ich morgen eben früher auf und bin bis morgen abend dann rundherum auf dem Posten, Freunde ...".
- Niemals schlecht über Kollegen reden und kein allzu kompetitives Verhalten an den Tag legen, selbst dann nicht wenn knietief im Dispo. Das ist nämlich ein Bumerang und kommt zu Dir zurück, denn es stört Kunden sehr.
- Von Konstantin Kisin, Alex Eames (translatortips) & Co. lernen im Bezug auf den Umgang mit Kunden (wichtig!!!), insbesondere auch mit schwierigen, und dann, wenn mal etwas schief läuft, Fehler eingestehen und dafür Verständnis zeigen, dass der Kunde nicht begeistert ist, denn er hat nun den Schlamassel (zB. ggü seinem Vorgesetzten)
- ständige Fortbildung in Deinen Fachgebieten und dies auch publik machen zB. in den einschlägigen Business-Netzwerken
- Sichtbarkeit gewinnen durch Forenbeiträge mit Kopfeinsatz, denn Agenturen lesen gelegentlich hier mit, und etwa 3-5% des Umsatzes können richtig gute Leute (ein sorgfältig gepflegtes, aussagekräftiges Profil vorausgesetzt) durch Empfehlungen und auch direkte Anfragen von Kollegen machen, und insbesondere auch in Deiner Stadt und Region
- Rechtschreibfehler vermeiden, die Sprachen z.B. schreibt man groß im Englischen
- CAT-Tool-Fertigkeiten weiterentwickeln
- Dolmetscher werden, z.B. durch Fortbildung. Die Dolmetschbranche ist nämlich nicht sooo tough wie die Übersetzungs-'Industrie' (-> -Branche).
- nach meiner Erfahrung am wenigsten erfolgversprechend, aber doch nicht ganz außer Acht zu lassen: aktives Marketing durch gezielte Einzelansprache von potentiellen Direktkunden (Agenturen eher nicht, da gibt es andere Wege bei denen einen positiven Eindruck zu hinterlassen und die Responsequoten von Massen-Mailings an Agenturen sind mit ca. 3-6% zwar vergleichsweise hoch (kein Druckfehler! Das ist viel im Vergleich zu dem, was man mit aktivem Direktkundenmarketing erreichen kann), aber die Anzahl der Aufträge, die man von denjenigen nach langwierigen Datenbankregistrierungen und evtl. sogar unbezahlten Probeübersetzungen dann erhält ist wirklich nicht der Rede wert.

Viel Glück, und ich würde sagen, setz Dir ruhig eine Frist, wenn Du es 1,5 - max. 2 Jahre nach diesem Thread nicht geschafft hast als Sprachmittler, mach lieber was Anderes.

Gruß

Sebastian

[Edited at 2012-06-20 12:55 GMT]


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Rolf Keller
Germany
Local time: 06:51
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Aufträge von Agenturen Jun 20, 2012

Sebastian Witte wrote:

die Responsequoten von Massen-Mailings an Agenturen sind mit ca. 3-6% zwar vergleichsweise hoch


Das stimmt so ungefähr.

aber die Anzahl der Aufträge, die man von denjenigen nach langwierigen Datenbankregistrierungen und evtl. sogar unbezahlten Probeübersetzungen dann erhält ist wirklich nicht der Rede wert.


Na ja, dafür gibt es verschiedene denkbare Erklärungen. Zu wenig Agenturen angesprochen, zu hohen Preis gefordert, ungünstige Sprach-/Fachkombination, zu wenig Erfahrung und - last but not least - nicht zufriedenstellende Probeübersetzungen.

Zum letztgenannten Punkt: Google mal nach
"Amateur Photography: the World as it isn't and our Fred"
Du wirst 999 Probeübersetzungen dieses Textes finden, alle von Proz-Nutzern. Wie vielen von diesen Übersetzern würdest du (k)einen Auftrag geben?


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Agnes Lenkey  Identity Verified
German to Spanish
+ ...
Du bist jener, der mehr darüber weis...7 Jahre ist eine lange Zeit Jun 20, 2012

Lieber Nils,

Meine Meinung kann dir vielleicht nicht viel geben, da ich nur seit 7 Monaten Freiberuflerin bin, und du seit 7 Jahren... Deshalb meine ich, du wärest diejenige Person, die mir Ratschläge geben könnte.. Jedoch möchte ich dir einige meiner Gedanken zukommen lassen, auch mit meiner kurzen Erfahrung. Lebenserfahrung habe ich ja viel mehr als 7 Monate, schwere Zeiten habe ich auch schon durchgemacht, was mir alles sehr viel hilft.

Du hast recht, der Mittelweg ist der einzig wahre Weg in dieser Arbeit, auf keinen Fall ist es eine „Jubel-Hurra-Stimmung“, wie du sagst, aber es ist auch sehr herausfordernd und interessant. Wenn man dazu das Übersetzen liebt, ist es ein Kampf wert.
Du sagst es gibt keine Foren für scheiternde Übersetzer. Vielleicht ist es so, und Tabus gibt es auf jeden Fall, manchmal frage ich mich, warum? Ich ahne die Antwort, aber es ist Schade. Einige Einträge auf einem anderen ProZ-Forum haben mir so gefallen, dass ich sie dir hier angebe, ich weis nicht, ob du damals mitgelesen hast: http://www.proz.com/forum/business_issues/217064-thats_it_i_quit_ya.html
Aber einmal hat auch eine Kollegin aud Deutschland eine dir ähnliche Frage gestellt, leider erinnere ich mich nicht mehr genau, wer es war. Ich bin ja noch so neu hier.

Wie gesagt, deine Meinung wäre sehr interessant für mich, ich würde gerne wissen, was dir am schwersten vorgekommen ist in all diesen Jahren. Ich finde Sebastians Ratschläge alle gut, z. Z. ist jedoch mein Rezept anders orientiert. Ich versuche NUR auf dem lokalen Markt Arbeit zu suchen, und jeden Monat habe ich ein wenig mehr Arbeit. Dies ist ein gutes Zeichen, und obwohl ich das Endresultat noch nicht kenne, hoffe ich in 1-2 Jahren auf volle Beschäftigung von lokalen Kunden. Ich bin sehr mit Sebastian einverstanden, Dolmetschen ist eine gute Alternative/Ergänzung/Abwechslung. Ja, man ist kein Experte und manchmal ist es schwer bei Betriebstreffen zu dolmetschen, aber ich tue es mit viel Erfolg, und es ist so gut sich ein wenig vom Schreibtisch zu bewegen und neue, manchmal nette, manchmal interessante Geschäftsleute und verschiedene Arten von Kunden kennenzulernen. Dies hängt jedoch sehr von dem Ort und den Sprachen ab. Ich übersetze Spanisch-Englisch-Deutsch, und hier in Mallorca sind diese gefragte Sprachen. Es hängt natürlich sehr von den Firmen in deiner Umgebung ab. Ich glaube es gibt mehrere Wege, sich als Freiberufler durchzukämpfen und ausschließlich aus dem Übersetzen zu leben, aber es hängt von mehreren Faktoren ab. Und IMMER, jeder Weg hat Vor- und Nachteile, deshalb ist die von Sebastian beschriebene Einstellung so wichtig: "Get up and try again"-Mentalität (...), "nächstes Mal mache ich es besser”.

Leider kannst du mir mehr sagen, als ich dir. Gerne würde ich dir bessere Ratschläge geben, aber ich habe sie nicht. Und bin auch nicht gänzlich befreit von der Möglichkeit des Scheiterns, obwohl ich ehrlich hoffe, dass ich es schaffen werde. Wie Sebastian sagt, die Idee einer Frist ist gar nicht schlecht. Ich habe mir auch eine gelegt. Aber man muss verschiedene Wege ausprobieren, bevor man aufgibt, glaube ich.

Freundliche Grüße,

Agnes


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Sebastian Witte  Identity Verified
Germany
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Member (2004)
German to English
+ ...
Noch etwas zu "die eigene Sichtbarkeit erhöhen" Jun 21, 2012

Du könntest in zB. XING-Foren aufzeigen, dass Du die sprachmittlerischen Aufgaben sehr reflektiert angehst. Dass Du genau über alles nachdenkst, bevor Du es tust und strategisch vorgehst, ohne den wichtigen zwischenmenschlichen Faktor dabei verkümmern zu lassen. Kunden bzw. potentielle Kunden haben selbst vllt keinen so einfachen Alltag und haben somit ein Recht auf etwas Charmeversprühung.

Du könntest in Beiträgen Sachverstand in Deinen Fachgebieten dokumentieren.

Du könntest Deine potentiellen Kunden bei ihren Stammtischen und auf Messen treffen und dort obiges mündlich tun und darüberhinaus persönliche Bande knüpfen, denn Menschen interessieren sich am Ende des Tages doch für Eins: Menschen. Informier Dich mal über den Elevator Pitch, die berufliche prägnante Selbstvorstellung "zwischen 6 Etagen", d.h. in 1 Minute, und was Du dann sagst bleibt wenn richtig angestellt im Kopf.

Eine eigene Webseite ist immer gut, solange sie Kompetenz und Sprachgefühl vermittelt, aussagekräftig ist und sauber designt wurde. Es muss nicht unbedingt mit technischen Spielereien sein, sogar einfaches HTML würde genügen, solange die Seite fachmännisch erstellt wurde und neben den Vorgenannten auch Eines dokumentiert: Persönlichkeit und dass die Frage im Kopf des Kunden "Was zeichnet ihn aus?" in sagen wir mal den ersten 60 Zeilen beantwortet wird, denn Kunden haben keine Zeit, sie möchten schnell herausfinden, ob Du der Richtige für sie bist, oder ob es nicht passt.

Gruß

Sebastian


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Nils Kohlmann  Identity Verified
Germany
Local time: 06:51
Italian to German
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TOPIC STARTER
Danke auch Jun 21, 2012

Hallo allerseits,

erst mal möchte ich mich für die Antworten bedanken.

Sebastian, Deine Tipps sind sehr wertvoll, bis auf die Idee mit der Umschulung zum Dolmetscher habe ich auch fast alle davon im Lauf der Jahre versucht umzusetzen, kann aber keine wirklichen und dauerhaften Erfolge ausmachen. Im Punkt zur "eigenen Sichtbarkeit erhöhen" gebe ich Dir aber absolut Recht, hier könnte ich in der Tat noch mehr tun, denn in den fast elf Jahren, die ich nun als Übersetzer tätig bin, davon 7 in der Freiberuflichkeit, kam doch einiges an Wissen und Erfahrung zusammen, das ich bisher im Sog der allgemeinen, von mir so empfundenen Tendenz, Umstände eher zu kaschieren, als ihnen einen Namen zu geben, nicht so angebracht habe, wie ich das vielleicht hätte tun können.

Vielen Dank auch für die Blumen in Bezug auf mein Profil, ich selbst kann mich leider schlecht einschätzen und weiß in Bezug auf meine eigene Person oft nicht, was nun professionell oder nicht professionell daher kommt (beim Ansehen anderer Profile scheint mir das allerdings dafür oftmals umso besser zu gelingen).

Klar doch kann ein Internetforum, zumal ein berufsorientiertes, keine Couch beim Psychologen ersetzen und eignet sich auch denkbar schlecht als Ausweinecke für wie auch immer am Rande ihres Scheiterns stehende oder sich glaubende Existenzen. Mir ging es eher darum, diesen Umstand einmal beim Namen zu nennen und hoffte auf diesbezügliche, wie auch immer erscheinende, jedoch diskussionswürdige, zum Nachdenken taugliche Antworten, wie ihr sie auch gegeben habt.

Mit meiner Situation muss ich natürlich selbst klar kommen. Seit ich Übersetzer bin, rannte ich immer wieder Wände ein, hatte kurze Erfolge, stand vor neuen Wänden, rannte die ein, verschnaufte, rannte gegen die nächste Wand, weiter, undimmersoweiter. Was ich aber wirklich noch nie kennengelernt habe, ist das Gefühl eines irgendwie langfristigeren, tragfähigeren Erfolgs, der das Erkennen und Annehmen von Herausforderungen auf einer anderen Ebene ermöglichen würde. Dem Losrennen mehr Schwung verleihen könnte. Und dem Eindruck etwas entgegensetzen würde, am gleichen Punkt wie vor Jahren zu stehen, jetzt aber (berufsmäßig) gealtert und unter mühsamerer Aufbringung der Kraft zum erneuten Losrennen (wohin?).
Vieles erscheint mir als Stückwerk. Liegt das an mir, meinen mangelnden Fähigkeiten als Unternehmer? Wahrscheinlich, mir wurde aber auch schon das Gegenteil attestiert. Vielleicht auch nur auch. Oder? Hm. An den Umständen? Wohl auch. Meiner Sprachkombination (Italienisch ist äußert krisengefährdet und einem namenlosen Dumping ausgesetzt)? Möglicherweise.

Hier hast Du Recht, Bernd, es gibt sicherlich ungezählte Abzweigungen, Umwege, Alternativlösungen. Meine eigene Ausfahrt muss ich jedoch noch finden.

Merci jedenfalls.

Beste Grüße
Nils

[Bearbeitet am 2012-06-21 15:57 GMT]


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Eric Hahn
Local time: 06:51
French to German
+ ...
Kopf hoch! Jun 21, 2012

Hallo Nils,

ich denke, jeder von uns hat mal solche Phasen durchgemacht, was in diesen Krisenzeiten auch nicht weiter verwunderlich ist...

Ich weiß zwar nicht, aus welchem Grund Du aus dem BDÜ ausgetreten bist, doch vielleicht kannst Du dich mit den Zielsetzungen des neu gegründeten Berufsverbands "Deutscher Verband der freien Übersetzer und Dolmetscher e.V." (http://www.dvud.de), wo nichts schöngeredet wird, besser identifizieren.

Gruß, Eric

[Edited at 2012-06-21 13:52 GMT]


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Bernd Müller
Germany
Local time: 06:51
German to Romanian
+ ...
noch ein paar Tipps: Jun 21, 2012

Hallo, Nils,

da du möglicherweise wg. der Sprachpaare auch Probleme haben könntest, noch ein paar Tipps:

- „mehrere Jahre Ausland“ - bedeutet das nicht, dass du inzwischen auch umgekehrt übersetzen könntest, in eine der Fremdsprachen, also Deutsch > Fremdsprache? Du bietest dies nicht an.

- die EU ist der größte Auftraggeber für Übersetzungen in der Welt. Hast Du es dort mal versucht? Dürfte außerdem ein sicherer Auftraggeber sein, unabhängig von den Krisen der EU- solange diese nicht etwa gar auseinanderfällt. Und natürlich auch Korrekturlesen usw. bei der EU- die übersetzten Dokumente scheinen dort ja mehrere Phasen/ Hände zu durchlaufen, bis sie fertig sind!

- Hier , in Süddeutschland, sind viele Italiener- die auch heiraten etc.pp. Ich bekomme es nur am Rande mit, aber das ergibt eine ganze Reihe von Aufträgen für Übersetzungen und Dolmetschen beim Standesamt- schon wiederholt hatte ich RO/ IT Eheschließungen zu betreuen, zusammen mit IT- Kollegen- in der Großstadt München. Die Nähe eines Konsulats ist (kann) außerdem ebenfalls immer geschäftsfördernd!

- Dann ist die Mafia in Deutschland ja auch recht stark vertreten- könnte für den Übersetzer, in bestimmten Städten, auch Aufträge bringen, für Strafprozesse- Staatsanwaltschaft- Gesprächsüberwachung in der JVA- Dolmetschen beim Prozess- etc. Wobei dies alles sicherlich stark abhängig ist von der Ortschaft, in der man wohnt/ tätig ist. Für meine Sprache, RO , gibt es da in München viel zu tun; ich mache nur in begrenztem Maße mit, aber mehrere Kollegen leben fast nur davon!

- Viele Übersetzer bieten neben der eigenen Leistung noch das Vermitteln für andere Sprachen an- steigert den Umsatz ebenfalls!
usw.

Natürlich gibt es überall auch Konkurrenz! Aber , soweit ich das für mein Sprachenpaar DE/ RO sagen kann- und für andere dürfte es ähnlich sein: die Wörterbücher, Glossare im Internet etc.pp. bleiben hinter der Entwicklung der Sprache zurück. Da sind wir Übersetzer denselben- Wörterbüchern, Glossaren etc.- immer noch um einige Schritte voraus, in unserem Kernbereich, zwangsweise, da wir ja s. oft mit den neuesten Terminologien konfrontiert werden. Und damit sind wir, nach z.B. 5 oder 10 Jahren, für Neuanfänger in dem Beruf unerreichbar geworden- die hinken immer hinterher- vor allem wenn wir auch die neueste Technik- Computer, CAT- Tools, Internet etc. - mit all‘ ihren Finessen- beherrschen!

Daher sieht es mit 50+, wenn bei anderen ggf. eine Arbeitslosigkeit Ende der Fahnenstange im Berufsleben bedeutet, für Übersetzer und Dolmetscher ganz anders aus- ich habe im Großraum München Kollegen; die mit 70 und mehr noch arbeiten, Aufträge haben- und bin auf dem besten Weg, bald dazuzugehören!

Reich werden kann man in diesem Beruf wohl nicht- höchstens als Konferenzdolmetscher- aber dort oben ist die Luft sicherlich erst recht dünn- aber damit leben doch recht wohl, meine ich!

Also- nicht Schlappohr spielen, nicht unterkriegen lassen!

[Bearbeitet am 2012-06-21 13:51 GMT]


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Richard Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 06:51
Member (2007)
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Wer wird Millionär? Jun 21, 2012

> Reich werden kann man in diesem Beruf wohl nicht

Doch, aber es gibt nur einen einzigen Weg dorthin: Man muss ein Übersetzungsbüro mit möglichst großem Umsatz aufbauen und dieses dann an ein noch größeres Büro verkaufen. Der Kaufpreis errechnet sich nach meinem Kenntnisstand immer nach der Formel "Jahresumsatz plus X".

Wer also in 20 bis 30 Jahren einen Laden aufbaut, der mehr als eine Million Euro Umsatz im Jahr macht, ist nach dem Verkauf Millionär. Ich kenne mehrere konkrete Beispiele dafür.

Aber zurück zum Thema:

Warum es in dem hier diskutierten Fall wirtschaftlich nicht optimal läuft, weiß ich nicht. Aus der Ferne betrachtet macht der Kollege alles richtig (vernünftiges Studium, Website vorhanden, ist in den Online-Foren der Branche präsent).

Oft liegt es daran, dass nicht über Jahre hinweg fortlaufend Akquisition betrieben wird. Die meisten Übersetzer kümmern sich erst dann darum, neue Kunden anzusprechen, wenn die alten weggebrochen sind. Das ist zu spät, weil Akquisitionsbemühungen Monate brauchen, um Früchte zu tragen.

Dass Kunden sich aus den verschiedensten Gründen verkrümeln, ist ganz normal. Deshalb muss man stets dafür sorgen, dass die Zahl der Neukunden die Zahl der verlorenen Kunden übersteigt.


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Bernd Müller
Germany
Local time: 06:51
German to Romanian
+ ...
Akquise; weitere Tätigkeitsfelder & mögliche Auftraggeber Jun 23, 2012

1. Ja- Akquise gehört zum Selbständigen, ist ein Dauerposten- sonst steht man irgendwann allein da, ohne Kunden- und ohne Geld!

2. Noch etwas, Nils- da Du ja auch einige tech. Fachbereiche aufgelistet hast:

Neben der EU- Kommission etc., mit all' ihren Gesetzen, Regelungen, Jahresberichten, den EU- Gerichtsurteilen etc.pp. gibt es ja auch noch z.B. das EU- Patentamt , bei uns, in München- da fällt auch DAUERND einiges an Übersetzungen an. Details müssten aus dem Internet zu klären sein; vor ein paar Jahren haben sich da die Regelungen grundlegend geändert, im Rahmen von Einsparungsmaßnahmen, was die Sprachvielfalt der Übersetzungen anbelangt- es wird heute in weit weniger Sprache übersetzt als früher. Ist aber auch wieder ein möglicher Tätigkeits- Bereich- und wenn's nicht geht mit Klotzen, nicht vergessen: auch Kleinvieh macht Mist, und es leppert sich auch so zusammen- und für manche Leute, z.B. für mich, ist es attraktiver, in einer etwas größeren Palette von Bereichen zu arbeiten. als ganz eng spezialisiert! - Ist aber auch etwas weniger rentabel, ggf., da eine s. hohe Spezialisierung auch eine weitaus höhere Übersetzungsgeschwindigkeit mit sich bringt, höhere Qualität etc.!

3. Ähnlich lassen sich bei der EU mit Sicherheit noch weitere Gremien finden, für die man übersetzen kann!

4. Dann gibt's noch den Bundessprachendienst in Hurth- Militärbereich- der vergibt auch Aufträge nach draußen, manchmal.

usw.- die Palette der möglichen Auftaggeber, öffentlich oder privat, ist riesig!

5. Na ja- und Wörterbücher für duverse Fachbereiche für's Italienische - und für's Französische, wo ich dauernd auf der Suche nach neuen WöBü bin- scheinen auch nicht so ganz breit gesät , und in großem Maße NICHT GANZ AKTUELL zu sein (Medizin, Recht- z.B.) - ein WöBu herausbringen, ist wieder eine ganz andere Variante, als Übersetzer - terminologisch- aktiv zu werden. S.a. die Stichworte "Terminometro", "Panlatin" etc. im Internet- immer wieder erscheinen dort spezielle WöBü- warum nicht auch mal von Dir eines, in Deinem Kernbereich?







Richard Schneider wrote:

Dass Kunden sich aus den verschiedensten Gründen verkrümeln, ist ganz normal. Deshalb muss man stets dafür sorgen, dass die Zahl der Neukunden die Zahl der verlorenen Kunden übersteigt.


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