Quereinstieg zum Übersetzer mit Staatsexamen für Lehramt Spanisch
Thread poster: Michael Minne
Aug 26, 2012

Hallo an alle Forumsteilnehmer und Leser,
ich will mich als Übersetzer selbständig machen und spanische Texte ins Deutsche übersetzen. Dabei frage ich mich jedoch, wie ich am besten starten soll.

Meine Ausgangslage:
Ich habe Spanisch und Geschichte auf gymnasiales Lehramt studiert und mein erstes Staatsexamen mit sehr gut bestanden. Daraufhin unterrichtete ich während meinem Referendariat sogar kurze Zeit eigenständig Spanisch an einem Gymnasium, habe dann aber das Referendariat abgebrochen und beschlossen meine Spanischkenntnisse anders zu nutzen und zu übersetzen.

Meine Fragen:
- Sollte ich nur Erfahrungen mit Aufträgen aus Übersetzerportalen sammeln oder andere Wege suchen? Momentan wohne ich in der Stadt in der ich mein Referendariat begonnen hatte, doch ich will bald nach Berlin ziehen. Wäre es sinnvoll zu versuchen dort von größeren Übersetzungsbüros Aufträge zu bekommen?
- Wie sieht es mit einer Zusatzqualifikation aus? Hilft die 2 oder 3-jährige Übersetzerausbildung als bessere Qualifikation, obwohl ich schon ein über fünf Jahre dauerndes Studium abgeschlossen habe (1 Jahr in Spanien), in dem ebenfalls, Landeskunde, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und sogar Übersetzungskurse enthalten waren? Ist es möglich einfach zu arbeiten und später mal eine Prüfung abzulegen? Diese Frage stellt sich für mich auch, weil man für ein Studium als Übersetzer immer eine zweite Fremdsprache haben sollte und das wäre bei mir nur Englisch. Geld verdienen wollte ich jedoch nur mit meinen sehr guten Spanischkenntnissen.
- Ist es realistisch, dass ich bald gezielt historische und pädagogische Texte übersetzen kann, für die ich besonders qualifiziert wäre?

Für jede Antwort und jeden Tipp bin ich sehr dankbar.

Michael Minne


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Anna Sarah Krämer Fazendeiro
Germany
Local time: 07:58
Member (2011)
English to German
+ ...
Nur ganz kurz... Aug 27, 2012

...ich habe den Quereinstieg mit erheblich schlechteren Qualifikationen geschafft - ich bin mir sicher, dass der Umstieg auf die Übersetzertätigkeit für jemanden mit abgeschlossenem Fremdsprachenstudium kein Problem darstellen sollte. (Und weniger stressig als Lehramt ist es auf jeden Fall - Erfahrungswert von Lehrerstochter und -Gattin)

Die Kontakte zu den Übersetzungsbüros würde ich allerdings nicht erst nach dem Umzug nach Berlin suchen. Bei vielen Agenturen (auch hier auf Proz.com gelistet - da gibt es, glaube ich, eine eigene Kategorie mit Agenturen, die Bewerbungen willkommen heißen) kann man sich online bewerben. Vielleicht kommen dabei schon erste Aufträge zustande.

Viel Erfolg!


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Bernd Müller
Germany
Local time: 07:58
German to Romanian
+ ...
Nicht auf Ü- Büros beschränken! Aug 28, 2012

Nicht auf Ü- Büros beschränken, bei der Auftragssuche!

Ansonsten bin ich der gleichen Meinung wie Fr. Fazendeiro, hatte auch qualifikationsmäßig weitaus schlechtere Voraussetzungen- ein Ing.-, kein Sprachstudium- aber den Vorteil der Zweisprachigkeit.


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Kathi Stock  Identity Verified
United States
Local time: 00:58
Member (2002)
English to German
+ ...
Übersetzerprüfung ablegen Aug 28, 2012

Als Quereinsteigerin aus dem Lehrerberuf kann ich dir nur empfehlen, die Prüfung als staatlich geprüfter Übersetzer abzulegen, wenn du wirklich langfristig in dieser Branche tätig sein willst. Es spricht dir ja keiner ab, dass du deine Quellsprache (Spanisch) beherrschst, die Frage ist eben, ob du auch übersetzen kannst...und mit dieser Prüfung wird das bestätigt.

Viel Glück!


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Michael Minne
TOPIC STARTER
Meine ersten Schritte... Aug 28, 2012

Danke für alle bisherigen Antworten! Seit heute bin ich Übersetzer - wenigstens habe ich meine Selbständigkeit jetzt beim Finanzamt angemeldet. Ich denke der nächste Schritt wäre ein kurzer eigener Auftrag, den ich vielleich in einem Übersetzerportal finde(?). Außerdem werde ich wohl eine Onlinebewerbung formulieren und Agenturen kontaktieren.

Interessant war auch der Hinweis mit der Prüfung. Ich habe deshalb noch einmal im Internet gesucht und herausgefunden, dass ich die Prüfung sogar in Berlin machen kann.
( http://www.berlin.de/sen/bwf/service/pruefungsamt_fuer_uebersetzer/ )
Wie es aussieht, würde ich mit meiner Qualifikation ohne weiteres Studium zur Prüfung zugelassen, aber die wird nur einmal im Jahr angeboten und für dieses Jahr müsste man sich schon bis zum 31.8.12 bewerben. Ich denke jedoch, dass es eh besser ist, wenn ich jetzt etwas Erfahrung sammele und die Prüfung für nächstes Jahr einplane.

Michael Minne


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Christian Schneider  Identity Verified
Germany
Local time: 07:58
Member (2008)
English to German
+ ...
Mach's einfach Aug 28, 2012

Ich hab's auch ohne Übersetzerausbildung geschafft (Ingenieurstudium).
Verlass dich nicht auf ein Papier, dass dir sagt, das Du es kannst. Das sagen dir letztendlich deine Kunden besser, nämlich indem sie wiederkommen oder eben nicht.
Warum willst du noch 2-3 Jahre warten? Die Zeit kannst du gewinnbringender nutzen.

Und zur Frage: "Sollte ich nur Erfahrungen mit Aufträgen aus Übersetzerportalen sammeln oder andere Wege suchen?" würde ich sagen ... fang doch erst mal irgendwo an.

Das mit dem Wunschgebiet wird allerdings eher so schnell nix. Was nicht heisst, dass es lanfritig unerreichbar wäre.


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xxxxxLecraxx
Germany
Local time: 07:58
French to German
+ ...
Nicht so einfach Oct 28, 2012

Hallo,

zunächst einmal sorry, dass ich noch so spät auf ein Thema antworte, dass schon vor zwei Monaten erstellt wurde. War in letzter Zeit wenig auf Proz unterwegs.

Allerdings möchte ich noch etwas zum Thema Sprachstudium (das kein Ü-Studium war) und Quereinstieg als Übersetzer beitragen. Ich bin/war in einer ganz ähnlichen Situation und möchte an dieser Stelle betonen, dass ein rein philologisches Studium (Romanistik, Anglistik, ob nun LA oder nicht) keineswegs automatisch zum Übersetzen qualifiziert. Auch die Übersetzungskurse im philologischen Studium sind anders als in einem Ü-Studiengang, das kann man schlecht vergleichen. Damit möchte ich nicht sagen, dass ein reiner Philologe kein guter Übersetzer sein kann, im Gegenteil, aber es sind weitere Kenntnisse nötig, die im Philologiestudium nicht vermittelt werden. Ein weiteres Problem sehe ich in der Außenwirkung. Es gibt durchaus Agenturen, die explizit nur mit ausgebildeten Übersetzern (Hochschulabschluss in Ü-Studiengang od. staatl. geprüfter Übersetzer) kollaborieren. Ohne eine solche Ausbildung mag man zwar ein guter Übersetzer sein, aber es wird schwierig, in der Branche überhaupt richtig Fuß zu fassen. Wie soll man sonst glaubhaft vermitteln, dass man eben kein Laie ist? Und ich rede hier vom Einsteiger.

Christian Schneider wrote:
Ich hab's auch ohne Übersetzerausbildung geschafft (Ingenieurstudium).
Verlass dich nicht auf ein Papier, dass dir sagt, das Du es kannst. Das sagen dir letztendlich deine Kunden besser, nämlich indem sie wiederkommen oder eben nicht.
Warum willst du noch 2-3 Jahre warten? Die Zeit kannst du gewinnbringender nutzen.


Hm, das sehe ich anders. Im schlimmsten Fall wartet er dann nämlich zwei oder drei Jahre vergeblich auf (ordentliche) Aufträge, weil die nötige Qualifikation fehlt. Selbstverständlich zählt am Ende die Arbeit selber und nicht das Abschlusszeugnis. Das ist doch völlig klar. Aber es geht am Anfang (d.h. in den ersten paar Jahren) eben auch darum, erst einmal an (normal bezahlte) Aufträge zu kommen. Und das ist ohne entsprechende Qualifikation sehr schwierig. Das ist selbst für Diplomübersetzer/einschlägige Master-Absolventen schwierig, teilweise auch noch nach Jahren (wobei die Gründe hierfür sehr vielfältig sind).

Deine Situation kann man auch nicht mit der des TE vergleichen, denn du bist Ingenieur und hast daher schon ein profundes Fachwissen für deine Fachgebiete, in denen du übersetzt. Ein Romanist hat dies in aller Regel nicht. Es ist also etwas anderes, wenn ein Ingenieur mit langer Berufserfahrung und exzellenten Sprachkenntnissen Übersetzer wird, als wenn ein Romanist, der gerade von der Uni kommt, ins Ü-Geschäft einsteigen möchte. Und für diesen Einstieg benötigt man eben gewisse Kenntnisse in bestimmten Fachgebieten und Fachsprachen, interessant sind hierbei eigentlich nur (grob) Technik, Wirtschaft und Recht. Linguistik, Geschichte und Pädagogik sind nicht gefragt. Natürlich gibt es auch hierfür Fachübersetzer, sicherlich auch welche, die davon (gut?) leben können, aber das kann man eigentlich vergessen, um das mal etwas hart zu formulieren.




Ich würde hier neben der staatlichen Ü-Prüfung auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, einen Master in Übersetzen/Translatologie/Translationswissenschaft/Fachübersetzen (...) zu machen. Der dauert zwei Jahre. Ich weiß nicht, wie weit deine Vorkenntnisse für die staatliche Prüfung bereits ausreichen, aber die hat es durchaus in sich, ich würde die Anforderungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und für die Vorbereitung ebenfalls mit mindestens einem Jahr, vielleicht eher noch mit zwei Jahren rechnen. Es spricht selbstverständlich nichts dagegen, in der Zwischenzeit bereits mit Übersetzungen anzufangen und Aufträge anzunehmen.

Eine gute Idee scheint mir auch zu sein, zunächst eine feste Stelle als Übersetzer zu finden. Nicht immer werden dabei ausschließlich ausgebildete Übersetzer eingestellt, und das wäre doch ideal, um Erfahrungen zu sammeln. Die erworbenen Kenntnisse wären auch für eine spätere Ü-Prüfung hilfreich. Nur gibt es leider nicht allzu viele Stellen...


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