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"Unsitte" CV bzw. Lebenslauf
Thread poster: Aniello Scognamiglio

Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Jul 26, 2004

An alle Kolleginnen und Kollegen,

immer wieder lese ich auf diversen Übersetzerportalen (natürlich auch Proz) "Bitte schicken Sie uns Ihren CV, Ihren Lebenslauf, Ihre Honorarvorstellungen usw.".

Allein schon die Aufforderung empfinde ich als Geringschätzung der Berufsgruppe, der ich angehöre. Es mag ja sein oder auch nicht, dass Berufsanfänger CVs verschicken. Was tun aber berufserfahrene Profis, die über 5, 10 oder mehr Jahre Erfahrung verfügen? Verschickt Ihr CVs? Es interessiert mich brennend zu erfahren, was Ihr über solche Aufforderungen denkt bzw. wie Ihr damit umgeht? Was verlässt Euer Unternehmen? Ich verschicke jedenfalls keine CVs, eher Geschäftsprofile oder Prospekte oder einen Link zu meiner Website. Haben Übersetzer schon einmal darüber nachgedacht, wie sie "rüberkommen", wenn sie immer wieder CVs verschicken? Warum geben Anwälte, Ärzte oder Architekten keinen CV ab?

Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ein Umdenken in diesem Punkt (leider nicht der einzige) zur Steigerung des Ansehens der Übersetzerzunft führen würde.

Mit vielen neugierigen Grüßen,
Aniello

http://www.italengger.com

[Edited at 2004-07-26 13:07]


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RWSTranslation
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CV <--> Unternehmensprofil Jul 26, 2004

Hallo,

wahrscheinlich wäre die Übersedung eines Unternehmensprofils durchaus "professioneller". Aber welche freiberufliche Übersetzer hat dies dennn ?
Statt eines CV, wären Referenzkunden, Umsatzentwicklung, Referenzschreiben, Leistngsspekum, technische Ausstattung, .. sicherlich viel hilfreicher.

Letzlich ist es egal, ob ein Lebenslauf oder eine professionelle Unternehmensdarstellung geschickt wird. Die Frage ist nur. Kann der Anbieter die Qualität der zu erbringenden Leistung glaubhaft machen. Viele Anbieter scheitern jedoch schon damit ein konkretes Projekt zu kalkulieren. Da sollte man vielleicht zuerst ansetzen.

Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten brauchen sowas im Übrigen nicht, weil sie nicht über Leistung abrechnen.

Viele Grüße

Hans


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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CV? Fand ich auch überraschend Jul 26, 2004

Hallo Aniello,

dieser Punkt hat mich auch überrascht, nachdem ich über ProZ mehr Berührungspunkte mit Agenturen habe. Vor ProZ habe ich Agenturen ab und zu mal als Marktbegleiter getroffen, dabei aber nie eine kennengelernt, mit der ich hätte arbeiten wollen. Anfragen zu meinem Lebenslauf beantworte ich in aller Regel damit, dass ich mein Übersetzungsbüro als Unternehmen sehe und daher keine Lebenslauf habe, ich aber gerne konkrete persönliche Fragen beantworten.

Damit stimme ich dir auch zu, dass die Frage Lebenslauf oder Firmenprofil primär vom Selbstverständnis abhängt.

Umgekehrt ist es aber auch eher die Regel als die Ausnahme, dass man im Laufe der Geschäftsbeziehung auch ein persönliches Verhältnis zu seinen Ansprechpartnern bei den Kunden entwickelt. Im diesem Kontext fallen dann auch regelmäßig Fragen wie "Wie sind Sie denn eigentlich zum Übersetzen gekommen" oder "Warum wissen Sie denn so viel über die grün gestreifte Schachtelhalmlilie". Manchmal hat das was von "So dumm sind Sie doch garnicht, Sie hätten doch auch was Anständiges werden können..." an sich. Ich denke schon, dass für unsere Profession noch ein gehöriger Aufklärungsbedarf besteht. Andererseits können ein paar schwarze Schafe mehr Flurschaden anrichten als der BDÜ in seinen Bemühungen für mehr Ansehen erreichen kann. Zitat meines Lieblings-Nichtkunden: "Wie, Sie benutzen Wörterbücher? Dann kann ich's ja auch direkt selber machen."


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danilingua  Identity Verified
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hold your horses Jul 26, 2004

Hallo,

ich finde das jetzt nicht soooo dramatisch, und denke, wir können das auch einmal von der anderen Seite beleuchten.

Wir kennen uns ja. Der Kunde kennt uns nicht. Irgendwie muss er eine Entscheidung treffen, und so kann ich es völlig nachvollziehen, wenn er dazu die Möglichkeiten, die er vermeintlich hat, ausschöpft. Ich versuche immer, auch die andere Seite zu sehen. Nicht alle von uns waren gleich Übersetzer. Ich habe z.B den Abschluss, bin danach aber quer durch die Industrien in Europa und den USA, bevor ich dann hier Ernst gemacht habe...Wer möchte, bekommt meinen Lebenslauf. Der hört natürlich nach dem klassischen MOdell im Jahr 1997 auf - man könnte sagen, eine groooße Lücke von 7 Jahren, gefüllt mit Aufträgen verschiedenster Kunden - diese bieten ich dem potentiellen Auftraggeber dann als Referenz an.

Mit der Zeit bekommt man ja ein Gefühl, mit wem man es zu tun hat und kann entscheiden, schicke ich den Lebenslauf oder nicht - und - was soll es schaden?

CIao, muss noch weiter arbeiten mit meinen "fully packaged managers"

Klaus: Ich musste sooooo lachen. TOller Kunde, hatte ich auch mal ICh frage dann immer, ach, bitte erklären Sie mir doch ganz kurz in medizinischen Fachbegriffen, wie das mit dem Blinddarm funktioniert? Funktioniert jedes Mal
Later...

D


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Stefan Keller  Identity Verified
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Warum nicht? Jul 26, 2004

Ich habe kein Problem damit, einen Lebenslauf zu verschicken. Der ist natürlich nicht lückenlos und beinhaltet nur die übersetzungsrelevanten Abschlüsse/Berufserfahrungen.

Ich finde da nichts Verwerfliches dran. Schließlich kann sich theoretisch jeder als "Übersetzer" bezeichnen. Wenn ich Sachen outsourcen müsste (war bisher noch nicht nötig), würde ich auch wissen wollen, mit wem ich es zu tun habe...

Grüße
Stefan


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xxxMarc P  Identity Verified
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"Unsitte" CV bzw. Lebenslauf Jul 26, 2004

Stefan Keller wrote:

Schließlich kann sich theoretisch jeder als "Übersetzer" bezeichnen.


Auch das ein Grund, einem angesehenen Berufsverband beizutreten. Ein selbständiger Profi sollte nicht wie ein Bewerber auf ein Angestelltenverhältnis auftreten müssen.

Marc


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Stefan Keller  Identity Verified
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Verstehe den Zusammenhang nicht wirklich Jul 26, 2004

MarcPrior wrote:

Auch das ein Grund, einem angesehenen Berufsverband beizutreten. Ein selbständiger Profi sollte nicht wie ein Bewerber auf ein Angestelltenverhältnis auftreten müssen.

Marc


Was sagt eine BDÜ-Mitgliedschaft schon aus??? Sorry, aber ich kann auch ohne Verband ein professioneller und kompetenter Übersetzer sein (und fahre damit seit 7 Jahren gut).

Was hilft mir ein beeidigter Übersetzer, der BDÜ-Mitglied ist und einen Doktortitel hat, wenn er noch nie ein Computerspiel gesehen hat und ich jemanden brauche, der ein Spiel übersetzt? Wer bricht sich denn einen ab, wenn er auf einer A4-Seite zusammenfasst, in welchen Bereichen er Erfahrungen gesammelt hat? Ich nicht...

Viele Grüße
Stefan


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Klaus Herrmann  Identity Verified
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Mammi, darf ich noch ein Bonbon? Jul 26, 2004

Stefan Keller wrote:
Wer bricht sich denn einen ab, wenn er auf einer A4-Seite zusammenfasst, in welchen Bereichen er Erfahrungen gesammelt hat?

Das ist einer der Aspekte, den ich mit Selbstverständnis meine. Inzwischen ist es wohl allgemein anerkannt, dass für eine langfristig gute geschäftliche Beziehung Augenhöhe unverzichtbar ist. Ich frage meine Kunden auch nicht, ob und wenn ja wo sie ihren Doktor gemacht haben. Ich fordere auch keine Referenzen von 3 Lieferanten, die er pünktlich bezahlt hat.

Man kann aber auch rein inhaltlich gegen CVs argumentieren, auch wenn das Thema m.E. schon auf der 'Metaebene' erledigt ist. Ich will zwar nicht (naiverweise) so weit gehen und behaupten, dass es allgemein üblich ist, sich nur auf Ausschreibungen in seinem Fachbereich zu bewerben bzw. nur Kunden zu akquirieren, in deren Geschäftsbereich man firm ist (oder -noch besser- sich spezialisiert) hat. Die meisten guten Übersetzer, die ich hier kennengelernt habe, verfahren allerdings nach diesem Prinzip. (Damit meine ich nicht die "artfremden" Texte, die wir alle früher oder später einmal untergejubelt bekommen, das ist ein anderes Thema). Die Anderen, die sich außerhalb dieses Leitgedankens bewegen, kann man dummerweise nicht an einem Lebenslauf erkennen.

MarcPrior wrote:
Auch das ein Grund, einem angesehenen Berufsverband beizutreten.

Die Mitgliedschaft in Verbänden ist so eine Sache. Ich würde mir einen Verband wünschen, der aktiv Kompetenzen prüfen würde, anstatt auf Papiere zu schielen. Übrigens auch ein Bereich, den ProZ besetzen könnte. Dass ich mir eine Mitgliedschaft für 100 Euro leisten kann, sagt nicht viel über meine Fähigkeiten aus. Wenn ein kompetentes Gremium meine Arbeit bewertet, das hätte schon eher Aussagewert, gerade auch für Anbieter, die eher qualitäts- als preisorientiert denken.


[Edited at 2004-07-26 20:04]


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langnet  Identity Verified
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Spieglein, Spieglein an der Wand... Jul 26, 2004

Stefan Keller wrote:

Was sagt eine BDÜ-Mitgliedschaft schon aus??? Sorry, aber ich kann auch ohne Verband ein professioneller und kompetenter Übersetzer sein (und fahre damit seit 7 Jahren gut).

Was hilft mir ein beeidigter Übersetzer, der BDÜ-Mitglied ist und einen Doktortitel hat, wenn er noch nie ein Computerspiel gesehen hat und ich jemanden brauche, der ein Spiel übersetzt?

Stefan


Das sehe ich genauso. Habe in diesen Gefilden in meiner Sprachkombination schon so einige Fragen von "ausgebildeten" Übersetzern (ich setze hier die Anführungszeichen zur Unterscheidung zu den "Quereinsteigern", nicht um abzuwerten), die m.M. nach zum Grundwissen gehören. Was macht also - eigentlich - die "Qualität" eines Übersetzers aus? M.M. nach nur die praktische Erfahrung, in dem Sinne, daß man - auch und vor allem - da daneben steht, wo konkret der Schraubenschlüssel geschwungen wird und die Gefahr besteht, den Anzug oder das Kostüm mit Schmieröl zu versauen))) (.
Scherz beiseite: das, was man in der Werkstatt lernt, wenn man an den Maschinen steht, kann m.M. nach keine noch so gute theoretische Ausbildung ersetzen. Das gilt ja bereits für Ingenieure - die gefragtesten sind eigentlich diejenigen, sich sich "früher Mal" selbst die Hände schmutzig gemacht haben (FH vor TU, auch, wenn man das nicht wahrhaben will).

Vor einiger Zeit mußte ich mal die Übersetzung einer Übersetzerin korrigieren, die sowohl Mitglied im italienischen Übersetzerverband war/ist als auch zu den "alteingesessenen" am Platze gehört/e (das Ganze ging über eine befreundete Kollegin, daher weiß ich das). Es ging um Automobile, Motorsteuerung, nichts besonders. Abgesehen von den "sprachlichen Mängeln" (die sind natürlich subjektiv, und da bin ich als mit Goethe & co. geplagte Literaturwissenschaftlerin vielleicht überempflindlich) waren da echte "technische Klopfer" drin, bei denen mir dann jedes entschuldigende Verständnis abging. Wer nicht weiß, das die "mappatura" das "Kennfelddiagramm" ist (und das ggf. nicht mal recherchiert), hat eigentlich irgendwo was verpaßt...

Es was diese Erfahrung, aufgrund der ich seither persönlich relativ wenig auf irgendwelche Verbandszugehörigkeiten gebe (ich "outsource" zuweilen, obwohl selten, auch). Für mich sind konkrekte technische Erfahrungen wichtig, wenn möglich "an vorderster Front" erworben. Bei mir ist das persönlich immer so gewesen, habe Jahre in "Schmierölumgebung" zugebracht und bin auf Baustellen rumgekrabbelt. Dazu habe ich versucht, mir die theoretischen Grundlagen "zweisprachig" anzulesen (vor allem wegen WB-Mangels in meiner Sprachkombination, da war und ist nichts anders möglich!). Und gerade aufgrund dieses WB-Mangels habe ich feststellen - müssen -, wie wichtig die Kenntnis der Materie - und der firmen-/betriebsspezifischen Terminologie - ist. Wenn man die Materie kennt, kommt man mit etwas - und oftmals auch viel - Phantasie in der Regel immer zum Ziel.
Das ist aber bei meiner Sprachkombination nicht von einer Mitgliedschaft im Übersetzerverband abhängig, noch von einer Ausbildung als Fachübersetzer, sondern nur von praktischer Erfahrung und der Bereitschaft, "sich weiterzubilden".

[Edited at 2004-07-27 07:12]


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Stefan Keller  Identity Verified
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Wir werden wohl nicht auf einen Nenner kommen... Jul 26, 2004

Klaus Herrmann wrote:

Das ist einer der Aspekte, den ich mit Selbstverständnis meine. Inzwischen ist es wohl allgemein anerkannt, dass für eine langfristig gute geschäftliche Beziehung Augenhöhe unverzichtbar ist. Ich frage meine Kunden auch nicht, ob und wenn ja wo sie ihren Doktor gemacht haben. Ich fordere auch keine Referenzen von 3 Lieferanten, die er pünktlich bezahlt hat.


Ein durch einen potenziellen Kunden geforderter CV mindert doch in keinster Weise mein Selbstverständnis! Im Gegenteil!
Und "Augenhöhe" hin oder her... Wir sind Dienstleister für Kunden und keine gleichberechtigten Partner. So sehe ich das jedenfalls. Auch dies tut aber meinem Selbstverständnis keinen Abbruch. Ich werde mich weder zum Sklaven machen noch mir alles gefallen lassen. Aber vielleicht sollten wir Übersetzer uns manchmal nicht gar so wichtig nehmen...

Schönen Abend noch
Stefan


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Zuckerl und Saures Jul 26, 2004

Ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit die bisherigen Beiträge. Da es sehr unterschiedliche Punkte und Aspekte sind, zu denen ich mich äußern möchte und muss, nehme ich mir das mangels Zeit für morgen vor. Für alle weiteren Beiträge wünsche ich mir, dass meine Ausgangsfrage(n) im Auge behalten wird (werden).

Danke bis hierhin.

Aniello


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RWSTranslation
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Herangehensweise Jul 26, 2004

Hallo,

ich glaube, dass die Heransgehensweise an die Diskussion nicht günstig ist.

Die Frage ist doch eigentlich: Warum wird denn überhaupt ein Lebenslauf von einem Übersetzer verlangt.

Meiner Ansicht nach gibt es hier vor allem 2 Gründe:

1. Es scheint allgemein üblich zu sein (Wie die vielen unaufgefordert eingeschickten Lebensläufe nahelegen.

2. Der Auftraggeber ist unsicher, ob ein Übersetzer die gewünschte Leistung erbringen kann.

Letzlich ist nur Punkt 2 interessant, denn was andere machen kann man nur schwer beeinflussen. Als Anbieter stellt sich dann die Frage, welche Möglichkeiten habe ich denn überhaupt, einen Auftraggeber von der Qualität meiner Leistung zu überzeugen.

Der Lebenslauf ist eine Möglichkeit, zumindest vorzugeben,
- dass man mit Übersetzern sein Geld verdient (Professionalität),
- dass man sein Handwerk gelernt hat (Grundqualifikation),
- dass es andere Auftraggeber gibt (Herdentrieb).

Wenn es denn andere ggf. sogar geeignete Möglichkeiten gibt, steht es doch jedem frei diese auch zu nutzen.

Ich persönlich interessiere mich bei diesen Lebensläufen vorwiegend dafür, für welche anderen Übersetzungsbüros ein Übersetzer gearbeitet hat. Wenn ich in der Liste Büros finde, für die offenbar mit nennenswertem Umfang gearbeitet wurde und die ich kenne ist das ein Pluspunkt für den Übersetzer.

Dann finde ich es durchaus interessant, ob der Lebenslauf eine vernünftige Form hat. Hier meine ich u.a. auch ob das Dokument vernünftig gesetzt wurde. Wenn ja, hoffe ich, dass auch die Dokumente die wir beauftragen in einer zumindest einigermassen vernünftigen Form zurückkommen.

Oft ist es intgeressant, wenn ein Übersetzer weitere (für uns vorwiegend technische) Berufserfahrung hat. Wenn ja hoffe ich, dass er zumindest weiss was eine Schraube ist.

Letztlich dient der Lebenslauf für uns eigentlich nur dazu eine erste Grobauswahl zu treffen.

Die gleichen Informationen könnte ich natürlich auch aus anderen Darstellungen erhalten, die stehen den Übersetzern jedoch offenbar nicht zur Verfügung. Wenn ich sehe, dass ein Übersetzer eine eigene Homepage angibt, schaue ich mir die natürlich an. Wenn dann jedoch keine irgendwie relevanten Informationen dort zu finden sind oder ich eigentlich nur eine nette Beschreibung der privaten Hobbies (z.B. die Besonderheiten der Perserkatzen) finde, bin ich danach auch nicht wirklich schlauer.

Bei neuen Übersetzern fragen wir oft nach konkreten Angeboten für ein Projekt. Aus der Qualität des Angebots lassen sich n.m.E. durchaus Rückschlüsse auf die Professionalität und damit auch auf die Übersetzungsqualität schliessen. Erfahrungsgemäß haben wir mit Anbietern, die in der Lage sind ein ordentliches Angebot abzugeben (und dabei auch die notwendigen Fragen stellen, bevor sie ihr Angebot abgeben), viel weniger Probleme als mit den netten Menschen, die ihre Angebote nur auf die Nennung eines Wortpreises in einer von einem Freemailer stammenden E-Mail beschränken.

Natürlich ist das alles mein subjektiver Eindruck, aber ich glaube nicht, dass alle Auftraggeber (oder nur eine nennenswerte Anzahl) ihre Aufträge aus rein objektiven Gesichtspunkten heraus vergeben.

Viele Grüße

Hans


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xxxMarc P  Identity Verified
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auf einen Nenner kommen Jul 26, 2004

Mir geht es nicht darum, dass ein potenzieller Kunde weiß, was ich so alles gemacht habe. Es geht um die Modalitäten der Geschäftsanbahnung.

Als Antwort auf die ursprünglich erwähnte Frage des Kunden nach dem Lebenslauf verweise ich immer auf meine Webseite. Dort steht auch das Wesentliche. Übrigens: für alle Anfrager gleich, also nicht für den jeweiligen potenziellen Auftrag "frisiert" (wenn schon etwas veraltet, Ihr wisst schon, Zeitmangel eben). Wie sollte man übrigens anhand des Lebenslaufs erkennen, ob der Kollege wie behauptet tatsächlich sieben Jahre nur Computerspiele Übersetzt hat, und wenn schon, dass seine Arbeit etwas getaugt hat?

Das Sammeln von Lebensläufen betrachte ich aber hauptsächlich als ineffizient. Wenn ich einen Fachmann bzw. -frau suche, setze ich vor allem auf Empfehlungen. Die kommen widerum am besten von anderen, die auch vom Fach sind. Und solche findet man naturgemäß in einem Fachverband. Mir ist übrigens neu, dass fachliche Vertrautheit mit der Materie und Verbandsmitgliedschaft sich gegenseitig ausschließen.

Hat man einen bestimmten Kollegen ins Auge gefasst, möchte man sich näher erkundigen, klar. Doch wozu dann der Lebenslauf? Man nimmt doch direkt Kontakt auf, am besten per Telefon, oder? Oder schickt Ihr etwa (virtuelles) Papier hin und her, wenn Ihr einen Elektriker, Anwalt oder Web-Designer sucht? Ich greife direkt zum Hörer. In den letzten Jahren war es eher so, dass ich im darauf folgenden Gespräch versucht habe, neue Kunden zu überzeugen, ich wäre eben *nicht* der geeignetste Partner.

Marc


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tectranslate ITS GmbH
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Mehr Info Jul 27, 2004

Alles in allem schließe ich mich Hans an - wir Outsourcer wollen einfach mehr über den Kandidaten erfahren, bevor wir uns eine Kundenbeziehung mit einer schlechten Übersetzung eines selbstverstandenen "Profi-Sprachdienstleisters" versauen. Natürlich kann man in seinem CV auch das Blaue vom Himmel runtererzählen, sogar irgendwelche Diplome erfinden, aber das geht dann meines Ermessens direkt in die kriminelle Ecke und ich gehe davon aus, dass es so _tiefschwarze_ Schafe gottseidank selten gibt.
Also: Bitte nicht beleidigt sein - wir kennen Euch einfach noch nicht und es tummeln sich einfach zu viele Pfeifen da draußen, die sich als Superspezialprofis sehen (und verkaufen!). Leider.


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Aniello Scognamiglio  Identity Verified
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Hallo Hans Jul 27, 2004

wahrscheinlich wäre die Übersedung eines Unternehmensprofils durchaus "professioneller". Aber welche freiberufliche Übersetzer hat dies dennn ?

>>> Das ist ein wichtiger Punkt. Noch interessanter ist aber die Frage: ***Warum*** haben nicht mehr Übersetzer ein Profil (statt eines CV)? Warum treten nicht mehr Übersetzer als freie Unternehmer auf (Stichwort Marketing und Selbstdarstellung)? Signalisiert das Verschicken eines CV nicht schon so etwas wie Überordnung/Unterordnung?


Letzlich ist es egal, ob ein Lebenslauf oder eine professionelle Unternehmensdarstellung geschickt wird.

>>> Nach meiner bescheidenen Meinung ist das eben nicht egal, sonst hätte ich dieses Forum nicht aufgesucht (siehe auch meine Ausführung oben).


Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten brauchen sowas im Übrigen nicht, weil sie nicht über Leistung abrechnen.

>>> ich weiß das Emotikon sehr wohl zu interpretieren, aber dennoch: über was rechnen Sie dann ab? Davon einmal abgesehen, es geht nicht ums Abrechnen. Ok, dann noch einmal: Warum verschicken Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten keinen CV?

Aniello


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