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Schleuderpreise für Direktkunden
Thread poster: Andrea Wurth

Andrea Wurth
Germany
Local time: 15:21
Member (2008)
French to German
Nov 14, 2012

Hallo an alle,

ich muss gerade meinem Ärger Luft machen: Ich hatte mich auf eine Ausschreibung eines renomierten Unternehmens beworben und war gestern dann um Abgabe eines konkreten Angebots mit Lieferfrist gebeten worden. Es handelte sich wohlgemerkt um einen Direktkunden. Die Kommunikation war sehr gut, der Ton freundlich und professionnel. Heute habe ich nun nachgefragt, da das Projekt letztendlich relativ kurzfristig übersetzt werden sollte. Der Kunde hat mir nun freundlich abgesagt, da er sich für ein anderes Angebot entschieden hätte. Auf meine kurze Nachfrage ob diese Entscheidung aufgrund des Betrags oder der Lieferzeit geschah teilte man mir den angebotenen Preis mit: EUR 0,045 pro Quellwort!!! Für einen Direktkunden!!! Es zieht mir fast den Boden unter den Füßen weg! Welche Chancen haben hier denn bitte noch Übersetzer, die einen angemessenen Preis abgeben???
Ich bin gleichzeitig geschockt und gefrustet!!


 

Haluk Erkan  Identity Verified
Turkey
Local time: 16:21
Member (2011)
German to Turkish
+ ...
Dauerbrenner: Dampingpreise Nov 14, 2012

Andrea Wurth wrote: EUR 0,045 pro Quellwort!!! Für einen Direktkunden!!! Es zieht mir fast den Boden unter den Füßen weg! Welche Chancen haben hier denn bitte noch Übersetzer, die einen angemessenen Preis abgeben???

Bei diesem Preis haben wir KEINE Chancen uns durchzusetzen. Menschen sind dafür berühmt, den Ast abzusaegen, auf dem sie gerade sitzen. Da ist nichts zu machen... Es gibt zahlreiche andere Kunden, die den angemessenen Preis zahlen, weil sie wissen, was sie davon haben.

Lassen sie sich nicht von solchen Dampingpreisen entmutigen. Auf die Dauer werden die Guten gewinnen.

AMEN!


 

Schtroumpf
Local time: 15:21
German to French
+ ...
Grausam Nov 14, 2012

Vielleicht muss man doch dazu übergehen, einen geschützten Berufsstand einzurichten, der Übersetzer nur zulässt, wenn sie eine fachliche Eignung, eine Anmeldung bei den Versicherungskassen und eine Adresse in Europa nachweisen können.

Es kann mir keiner erzählen, dass ein Übersetzer bei dem Preis auch nur einen Pfennig für Krankheit, Mutterschutz oder Invalidität zurücklegen kann, geschweige denn für seine Rente. Haftpflichtversichert sind die wahrscheinlich auch noch nicht einmal. Erst machen diese Leute also den Markt kaputt und hinterher lassen sie sich von der Allgemeinheit versorgen, sobald sie nicht mehr können.

Ansonsten... was kostet es, dem Kunden genauso freundlich und professionell eine Nachbearbeitung anzubieten, falls Mängel festgestellt werden? Schwer, sich den Groll nicht anmerken zu lassen... geb's ja zu...


 

Andy Lemminger  Identity Verified
Canada
Local time: 07:21
Member (2002)
English to German
3 Cents Nov 14, 2012

Da sei mal froh, dass es so viel war.

Ein anderes Unternehmen, Tochter eines börsennotierten Large Cap in den USA, hat hier bereits zweimal eine Anzeige geschaltet, mit der Bitte, sich direkt auf der Website zu bewerben (um ihnen die Arbeit zu erleichtern).

Dort angelangt musste man sich durch mehrere Seiten klicken und sah dann, dass sie 3 Cents pro Wort zahlen und das nicht verhandelbar isticon_smile.gif

Ich glaube nicht, dass das Jobs sind, an denen echte Übersetzer interessiert sein sollten.


 

Agnes Lenkey  Identity Verified
German to Spanish
+ ...
Geduld und Ausdauer... Nov 14, 2012

Hallo Andrea,

das glaube ich dir, dass du frustriert und verärgert bist… Ich arbeite auch für Direktkunden, jedoch hier in Spanien, für 0,09 €/Wort. Hier gelten allerdings niedrigere Preise als in Deutschland (ich gehe allerdings davon aus...). Ich glaube es ist leider nicht viel an der Sache zu ändern – die einzige Chance ist: Der Direktkunde vergibt die Arbeit an den billigen Anbieter und erhält eine schwache Übersetzung. Falls er die Zielsprache überhaupt nicht beherrscht, dann wird er es vielleicht kurzfristig gar nicht merken. Aber mit der Zeit schon, denke ich. Und vielleicht nächstes Mal probiert er es andersrum und vergibt die Arbeit jemandem, der einen „logischen“ Preis anbietet. Wie gesagt, man kann nur auf eine zeitliche Verbesserung und Änderung warten und inzwischen andere Kunden suchen, die deine Arbeitsart schätzen. Vielleicht ist es auch nicht wahr und man hat dir diesen Preis mitgeteilt, um zu sehen, was du dazu sagst...wer weiß! Es ist auch nicht wichtig. Gehe einfach einen Schritt weiter und vergiss es. Gegen irrealen, unlogischen und in der Praxis nicht umsetzbaren oder haltbaren Preisen anderer Dienstleister kann man nur mit Geduld und Ausdauer kämpfen. Vergiss es einfach. Aber wir verstehen dich alle, es ist wahrhaftig frustrierend (für uns alle).


 

Andrea Wurth
Germany
Local time: 15:21
Member (2008)
French to German
TOPIC STARTER
... Nov 14, 2012

Vielen Dank an euch für eure Reaktionen.

Es war tatsächlich der erste Frust und mal wieder die Erkenntis, dass Direktkunden oft nicht wissen, was gute Übersetzungen wert sind...

Natürlich mache ich weiter, werde diesen Kunden abhaken und vor allem an meinen Preisen dennoch festhalten.

Euch allen einen schönen Abend.

Andrea


 

Christel Zipfel  Identity Verified
Member (2004)
Italian to German
+ ...
Man muß auch bedenken Nov 14, 2012

daß offensichtlich zahlreiche Übersetzer preislich keinen Unterschied zwischen Agenturen und Direktkunden machen.

Das ist nicht nur kurzsichtig und geschäftsschädigend und sowohl Agenturen als den Kollegen gegenüber unfair, sondern beweist auch, daß sie nur ihr eigenes Gärtlein pflegen und über ihren Gartenzaun nie hinausschauen. Es interessiert sie ja auch gar nicht, wie es draußen ausschaut, Hauptsache, sie haben wieder mal einen Auftrag an Land gezogen.
In diesem Fall kommt noch gravierend hinzu, daß es sich eindeutig um Dumpingpreise handelt.

Das sind oft auch die gleichen Übersetzer, die für Eil- und Wochenendaufträge keinen Zuschlag verlangen, und wohin das führt, liegt vor aller Augen.

Solchen Leuten haben wir, hauptsächlich in den letzten zehn Jahren, einen Preisverfall ohnegleichen zu verdanken.
Wenn zu lächerlichen Honoraren niemand arbeiten würde, verschwänden diese ganz von selbst. Das ist ja nun beileibe keine originelle Erkenntnis, bloß hat sie sich leider noch nicht überall rumgesprochen. Ein einzelner Übersetzer oder auch viele Gleichgesinnte können gegen diese Situation gar nichts ausrichten. Außer standhaft zu bleiben, wohl wissend, daß sie meist auf verlorenem Posten stehen. Das Heer der Preisbrecher, die nicht wissen, was sie da tun, ist ja ungleich viel größer. Aber wenn es den Standhaften gelingt, den Kunden durch die Qualität ihrer Arbeit zu überzeugen, dann haben sie gewonnen. Bloß ist das ja auch schwierig, wenn man gleich gar nicht die Chance bekommt, sich zu bewähren, weil der Kunde nur auf den Preis schaut.



[Bearbeitet am 2012-11-14 19:37 GMT]


 

Richard_III  Identity Verified
Local time: 14:21
German to English
+ ...
Kann ich nachvollziehen Nov 14, 2012

"Immerhin" rechnet der Kunde noch pro Volumen ab. Ich habe immer öfter mit solchen zu tun, die mir 1) einen Stundensatz abverlangen und 2) dann vorschreiben, wie lange ich zu brauchen habe - was also nichts anderes als einen Cap am Zeilen/Wortpreis darstellt (undzwar üblicherweise einen lächerlich niedrigen; auch so in der 0.045-Gegend).

 

Annett Hieber  Identity Verified
Germany
Local time: 15:21
English to German
Ohnmacht Nov 15, 2012

Was mich bei Beiträgen zu Dumpingpreisen immer wieder überkommt ist das Gefühl der Ohnmacht, dass man nichts gegen diejenigen unternehmen kann, die immer wieder Aufträge zu solchen Preisen annehmen und damit den gesamten Berufsstand schädigen!

Annett


 

Michael Wetzel  Identity Verified
Germany
Local time: 15:21
German to English
Macht Nov 15, 2012

Das kann man auch anders sehen: Zum Glück bestehen sie auf völlig absurde Preise, sodass man: (1) keine Zeit mit Überlegen/ Verhandeln verschwenden muss und (2) davon ausgehen kann, dass sie von ihren Billigübersetzern eine deutliche Lektion erteilt werden (soweit sie überhaupt lernfähig sind).

Ansonsten: Es gibt sehr viele sehr gute Kunden da draußen - viel mehr als genug, glaube ich, um alle fähige, verlässliche Übersetzer mit klarem Profil mit mehr als genug Arbeit zu besorgen. Man muss nur bereit sein, diesen Kunden hinterherzujagen!

Ich bin auch nicht so sicher, dass Billigübersetzer richtige Übersetzer in ein negatives Licht stellen - sie machen es einem meistens ja ganz schön leicht, gut auszusehen.

Schöne Grüße
Michael


 

Miriam Neidhardt  Identity Verified
Germany
Local time: 15:21
English to German
+ ...
Auch Billigübersetzer wollen leben. Nov 15, 2012

Es muss auch Billigübersetzer geben und es muss auch Kunden von Billigübersetzern geben. Auch Aldi und der Naturkostladen können trotz erheblicher Preisunterschiede friedlich nebeneinander existieren - sie haben nunmal eine völlig unterschiedliche Kundschaft und kein Aldikunde würde nebenan zum Naturkostladen gehen, wenn er sich den nicht leisten kann und/oder mit der Qualität von Aldi zufrieden ist. Das schadet dem Naturkostladen überhaupt nicht und er käme niemals auf die Idee, zum Discounter zu werden! Dennoch muss es den Aldi geben, weil sich nicht jeder den Naturkostladen leisten kann - und wenn es jeder könnte, wäre der Naturkostladen ja nichts Besonderes mehricon_smile.gif

Leben und leben lassen. Wer von uns noch nie billig eingekauft hat, werfe den ersten Stein.

Gruß Miriam

www.ueberleben-als-uebersetzer.de


 

Schtroumpf
Local time: 15:21
German to French
+ ...
Hallo Miriam Nov 15, 2012

Deine Argumentation klingt auf den ersten Blick vernünftig, und ich weiß, dass du dich mit der Frage nicht gerade erst seit gestern beschäftigst! Dennoch gibt es einen Gesamttrend zu bedenken, der uns schadet: weg vom fachlich guten Produkt, hin zur Wegwerfübersetzung.

Was wir anbieten, entspricht doch dem gewebten, sauber gesäumten Stofftaschentuch, das du 1000 mal waschen kannst - trotzdem sieht es aus wie neu. Oder, um im Übersetzerfach zu bleiben, der Kaffeemaschineicon_wink.gif aus den 70er Jahren, die noch nicht systematisch auf minimale Lebensdauer hin konzipiert wurde, sondern auf Dauerhaftigkeit.

Bei Wegwerftaschentüchern ist es noch nicht ganz so schlimm - es steht auf dem Paket, was drin ist, und wer will, bekommt sie noch aus Stoff. Bei den Kaffeemaschinen wird es schon bedenklicher: Man bekommt ja nirgends mehr ein Ding, das länger als 5 Jahre hält (in einem Übersetzungsbüro jedenfalls), und gemessen an der effektiven Nutzungsdauer sind Kaffeemaschinen heute einfach wesentlich teurer als vor 40 Jahren. Nur der Name ist geblieben, die Qualität nicht.

Die große Masse der Schrottübersetzungen ist wirklich ein Problem. Genau wie die Einstellung vieler Kunden, dass Dolmetscher höchstens 280 € pro Tag verlangen sollten und sonst zu teuer sind. Der Markt gewöhnt sich an den Mist, bis Mist zur Standarderwartung und Messlatte avanciert, und irgendwann bedeutet das Wort "Übersetzung" dann definitiv "Mist". Schau mal die Übersetzungswitze an, die überall grassieren. Ich finde es ätzend, dauernd Kunden erklären zu müssen, warum wir Schrottpreise und -qualität ablehnen.

Aber irgendwo hast du natürlich trotzdem wieder rechticon_wink.gif


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 15:21
English to German
"billig = schlecht und "teuer = gut". Wirklich? Nov 15, 2012

Schtroumpf wrote:

warum wir Schrottpreise und -qualität ablehnen
.

In 99 von 100 Beiträgen zum Thema "(zu) niedrige Preise" wird direkt oder indirekt "billig = schlecht und "teuer = gut" postuliert. Das stimmt doch beides überhaupt nicht, auch nicht ansatzweise. Auch "ausgebildeter Übersetzer = gut" stimmt doch vorn und hinten nicht.

Ob es den Kunden etwas nützen oder das Image der Übersetzer in der Öffentlicheit verbessern würde, wenn alle Billig-Übersetzer aus dem Markt verschwänden, aber alle unfähigen teuren blieben?


 

RWSTranslation
Germany
Local time: 15:21
Member (2007)
German to English
+ ...
Wertschöpfung und Qualität Nov 15, 2012

Hallo,

das Problem sind nicht die Dumping-Angebote, sondern die fehlende Wertigkeit der Übersetzung für den Kunden. Wenn es egal ist, wie gut eine Übersetzung ist, dann ist die billige Übersetzung immer besser als die teurere.

Wenn in Unternehmen die angefertigten Übersetzungen keinen Beitrag zur Wertschöpfung leisten, sind sie ausschließlich ein Kostenfaktor.

Wenn für Privatkunden Übersetzungen nur brauchen, um irgendwie einen weiteren Stempel zu erhalten, dann ist die perfekte Übersetzung, diejenige, die genau diesen Stempel möglich macht.

Im Umkehrschluss: Wenn man mehr Geld für seine Leistung haben will, muss der Kunde davon überzeugt sein, dass die Leistung mehr wert ist. Dies muss man transparent darlegen können und seine Leistung gegenüber anderen Anbietern vergleichbar machen. (Genau wie auch jeder weiß, dass bei Aldi ein anderes Sortiment angeboten wird, wie im Naturkostladen). Das bezieht sich sowohl auf die Angebotsphase wie auch auf die Qualitätsbewertung im Nachhinein. Schön wäre es, wenn es gelänge den vorhandenen Wertschöpfungsanteil der Übersetzungen auch ins Bewußtsein des Managements und damit ins Bewußtsein der Einkäufer zu bringen.

Was uns als Branche aber fehlt ist Transparenz unserer Leistung, teilweise Professionalität in der Leistungsdarstellung und -erbringung und vor allen eine aus Kundensicht einfache Bewertbarkeit der Leistung.

Viele Grüße

Hans


 

Daina Jauntirans  Identity Verified
Local time: 08:21
German to English
+ ...
Sometimes they see the light... Nov 15, 2012

Ich habe schon einige solche Fälle gesehen, wo die Kunden letztendlich mit der Billigarbeit nicht zufrieden sind und dann doppelt zahlen müssen, um die Übersetzung zu korrigieren oder den Text neu übersetzen zu lassen. Also Kontaktdetails nicht löschenicon_wink.gif Vielleicht brauchen die Dich doch - zu Deinem Preis.

 
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