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Quereinstieg als dreisprachiger Physiker
Thread poster: TheEastWind
TheEastWind
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Apr 8, 2013

Hallo miteinander,

ich bin durch einen Bekannten auf dieses Forum gestoßen, der selber Deutsch-Amerikaner ist und als freier Übersetzer sein Geld verdient.

Ich selbst habe Physik studiert und bin momentan als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Doktorand beschäftigt. Das Gebiet interessiert mich zwar einigermaßen, jedoch kommen mir langsam aber deutlich Zweifel, ob mir das - und die anschliessende Beschäftigung als Angestellter in der Industrie - wirklich taugt.

Nachdem ich zweisprachig (de/fr) aufgewachsen bin und Englisch ebenfalls sehr früh begonnen, intensiv durch lesen/Filme/Englische Bekannte gepflegt habe, durch Verschlingen größerer Mengen Literatur in allen Sprachen - bisher als Hobby - sehr gute Sprachkenntnisse besitze (in Amerika wurde ich für einen Einheimischen gehalten) und mir Sprachen auch _Spaß_ machen, habe ich Überlegungen im Bereich Übersetzer angestellt. Es würde sich ja technischer Übersetzer anbieten (nachdem ich auch viele technische Fächer gehört und eine sehr technische Stelle habe). Nebenbei, und ebenfalls als Hobby, habe ich angefangen, Spanisch zu lernen. Allgemein habe ich eine recht präzise Arbeitsweise.

Französisch als Zielsprache traue ich mir aufgrund fehlender Übung im Moment nicht zu, würde es aber üben und durch die Muttersprachlichkeit hoffentlich recht schnell wieder hinbekommen.

An der Tätigkeit als Übersetzer reizt mich ehrlich auch das Thema "eigener Chef sein". Mir gefällt der Vorstellung, meine Zeit beliebig einteilen zu können, von überall arbeiten zu können und erstmal nur mir selbst Rechenschaft schuldig zu sein. Klar ist man auch dem Kunden gegenüber verpflichtet.

Meine Fragen sind: Wie stehen die Chancen als Quereinsteiger, wie gehe ich vor, um entsprechende Qualifikationen und Erfahrungen zu sammeln, wie sind die Verdienstmöglichkeiten, was sind die unbedingt zu bedenkenden Vor- und Nachteile als freier Übersetzer?

Danke schonmal vorab für Hinweise und Antworten!

Gruß,
TheEastWind


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Regina Seelos  Identity Verified
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Local time: 20:33
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BDÜ Apr 8, 2013

Hallo anonymer Eastwind,

ich hatte mal einen Physikbaukasten, fand ich auch ganz interessant, vielleicht können wir ja tauschen?

Ansonsten gibt es gibt es zu Ausbildung, Voraussetzungen einiges an Informationen unter www.bdue.de.

Mit "ich kann ganz gut "Englisch, Französisch, etc." ist es halt nicht getan...

Viele Grüße
Regina Seelos


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Local time: 11:33
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Hallo EastWind Apr 8, 2013

Hier ist ein Link zu einer früheren Forumsdiskussion zum gleichen Thema, die für Sie sicherlich interessant sein könnte:

http://www.proz.com/forum/getting_established/228964-considering_a_career_change-page3.html

Sprachkenntnisse allein sind als Grundlage für das Übersetzerdasein nicht ausreichend. Von einer Vielzahl an Sprachen ist ebenfalls abzuraten, es sei denn, Sie sind von Kindesbeinen an mehrsprachig aufgewachsen. Die KudoZ-Foren wimmeln von Übersetzerfragen, die gestellt wurden, weil der Übersetzer kulturelle Feinheiten der Ausgangssprache nicht erkennt, weil er nie für einen längeren Zeitraum im betreffenden Land gewohnt hat. Die Hochverdiener unter den Übersetzern haben in Ausbildung und Erfahrung investiert.

Viele herzliche Grüße,

Nicole


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Rolf Keller
Germany
Local time: 20:33
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Immerhin fragst du wenigstens vorher :-) Apr 8, 2013

TheEastWind wrote:

Ich selbst habe Physik studiert und bin momentan als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Doktorand beschäftigt.


Die Promotion würde ich in jedem Fall noch durchziehen – was man hat, das hat man.

Zweifel, ob mir das - und die anschliessende Beschäftigung als Angestellter in der Industrie - wirklich taugt.


Wie viel weißt du aus praktischer Erfahrung vom Angestelltendasein in der Industrie? Praktikantenerfahrung o. Ä. zählt da wenig, allein schon deswegen, weil das Selbstverständnis ein ganz anderes ist.

in Amerika wurde ich für einen Einheimischen gehalten


Im mündlichen Alltagsgespräch vermutlich? Hättest du auch einen Einheimischen "vortäuschen" können, wenn es um das Schreiben eines Artikels irgendeiner Art gegangen wäre? Ein Fachübersetzer ist ein Autor, der etwas ihm Mitgeteiltes in perfekter Schriftsprache neu formuliert. Dabei kann "neu formulieren" je nach den Umständen etwas anderes bedeuten, in der Regel aber weder ein Kleben am Wort noch ein Verwenden von Alltagssprache.

[quote]Wie stehen die Chancen als Quereinsteiger

Gut. Vorausgesetzt, du bist gut UND kannst genügend Kunden gewinnen, die Wert auf "gut" legen.

Wenn du sprachlich gut bist und logisch denken kannst, bist du dank deiner zusätzlichen nicht-sprachlichen Kenntnisse besser als der durchschnittliche studierte Übersetzer, der gerade das Zeugnis in der Tasche hat und durchaus nicht automatisch in der Lage ist, in der nebenbei verfügbaren Zeit sehr viel mehr zu lernen. Das wissen auch viele Kunden – und viele andere Kunden wissen es nicht.

wie gehe ich vor, um entsprechende Qualifikationen und Erfahrungen zu sammeln


Arbeiten, arbeiten, arbeiten.

was sind die unbedingt zu bedenkenden Vor- und Nachteile als freier Übersetzer?


Soziale Absicherung bis ins hohe Alter kann problematisch sein. Rückweg in die Tretmühle kann schwierig sein. Rückkehr an die Uni wahrscheinlich nicht mehr lange möglich.


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Eigener Chef - ebenso wie Anwälte, Ärzte, Architekten usw. Apr 8, 2013

TheEastWind wrote:
An der Tätigkeit als Übersetzer reizt mich ehrlich auch das Thema "eigener Chef sein". Mir gefällt der Vorstellung, meine Zeit beliebig einteilen zu können, von überall arbeiten zu können und erstmal nur mir selbst Rechenschaft schuldig zu sein. Klar ist man auch dem Kunden gegenüber verpflichtet.


Selbstständig sein heißt in erster Linie unglaublich viele Wochenstunden investieren zu müssen. Bis Sie etabliert genug sind, um sich einen Buchhalter, einen hochqualifizierten Steuerberater, einen Computerdoktor oder auch nur eine Telefondame leisten zu können, machen Sie eben alle Arbeit selbst. Mehrere Berufe auf einmal - und Sie sind Ihre eigene Sekretärin. Soviel zum Thema "Freiheit" und "eigene Zeiteineinteilung". Das heißt nichts anderes, als dass Sie freie Abende/freie Wochenenden für eine ganze Weile vergessen können.

Auch "nur sich selbst Rechenschaft schuldig sein" ist eine erschreckend irrige Meinung. Im Gegenteil - Sie sind für alles, was Sie verbraten, mit Ihrem Namen haftbar und müssen bei Fehlern mit Einkommensverlust rechnen. Ärzte haben dafür eine Versicherung. Für Übersetzer gibt es sowas leider nicht.

Der Übersetzerberuf ist ein akademischer Beruf, ist weder Hobby noch Notlösung, erfordert unglaubliche Disziplin und einen unglaublichen Selbstantrieb zur kontinuierlichen Weiterbildung, oder Sie kommen nie auf einen grünen Zweig.

Wenn Sie diese Voraussetzungen mitbringen, dazu noch über schriftstellerisches Talent und unstillbaren Wissensdurst verfügen, dann wird der Übersetzerberuf zum Traumberuf.

LG,
Nicole


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Nicole Schnell  Identity Verified
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Da ist bei aller Liebe Vorsicht geboten... Apr 8, 2013

TheEastWind wrote:
in Amerika wurde ich für einen Einheimischen gehalten


Genau hier kommt das sprachliche Feingefühl zum Zuge, das für einen professionellen Übersetzer ausschlaggebend ist. Als Besucher in den USA ist alles übermäßige Lob mit Vorsicht zu genießen. Umgekehrt verstehen die traditionell höflichen Amerikaner die sanfte Ironie und den versteckten Sarkasmus der Deutschen nicht. Wie auch immer, wenn Ihnen jemand in Amiland ein besonders überschwängliches Kompliment bezüglich Ihres After Shave-Dufts, Ihrer Kleidung oder Ihres Akzents macht, dann das heißt einfach: "It sucks but we will suffer through it anyway."



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xxxxxLecraxx
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Viele Meinungen Apr 8, 2013

Hi,

ich bin selber noch am Anfang meiner Karriere und kann dir da kaum weiterhelfen, aber ein paar Anmerkungen würde ich gerne trotzdem machen:

Zu solchen Fragen bekommt man in der Regel sehr unterschiedliche Antworten, die sich zum Teil diametral gegenüberstehen:

-Man braucht ein Übersetzerstudium/man braucht keins, es ist Zeitverschwendung und bringt rein gar nichts für den Beruf
-Man braucht unbedingt eine Fachausbildung, um Fachübersetzungen zu machen/man braucht keine, das kann man sich problemlos so beibringen
-Man muss Jahre im Land leben, um die sprachlichen und kulturellen Feinheiten zu verstehen, sonst kann man unmöglich übersetzen/Man muss nicht unbedingt im Land leben bzw. gelebt haben, um übersetzen zu können
-Die besten Aufträge finden man im Land der Ausgangssprache/die besten Aufträge findet man im Land der Zielsprache
-Es ist gut, wenn man im Land der Ausgangssprache lebt/Man muss unbedingt im Land der Zielsprache leben, um sprachlich auf dem Laufenden zu bleiben


Das Problem bei Seiten wie dieser - egal, wie wirklich hilfreich und gut ich viele Beiträge hier finde! - ist, dass hier Selbständige mit ihrem Namen angemeldet sind, die diese Seite auch dazu benutzen, um Kunden anzuwerben. Daher ist es nur nachvollziehbar, dass viele den eigenen Werdegang als den einzig wahren anpreisen (und damit meine ich ausdrücklich niemandem hier im Thread). Ich wäre da immer auch ein wenig kritisch. Aber das wird man sowieso, da man von Übersetzern wirklich sehr unterschiedliche Ansichten darüber zu hören bekommt, was man als solcher am besten wie zu machen hat.

Mein Fazit bisher: Es kommt drauf an!


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TheEastWind
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TOPIC STARTER
Danke schonmal... Apr 9, 2013

Danke schonmal für die Antworten und die interessanten Einblicke soweit!

[quote]Rolf Keller wrote:

in Amerika wurde ich für einen Einheimischen gehalten


Im mündlichen Alltagsgespräch vermutlich? Hättest du auch einen Einheimischen "vortäuschen" können, wenn es um das Schreiben eines Artikels irgendeiner Art gegangen wäre? Ein Fachübersetzer ist ein Autor, der etwas ihm Mitgeteiltes in perfekter Schriftsprache neu formuliert. Dabei kann "neu formulieren" je nach den Umständen etwas anderes bedeuten, in der Regel aber weder ein Kleben am Wort noch ein Verwenden von Alltagssprache.

Wie viele Einheimischen sind selbst in der Lage, einen Artikel zu verfassen? Ebenfalls nicht alle. Sowohl schriftlich als auch mündlich sind Amerikaner immer wieder erstaunt, dass ich keiner bin. Das soll keine Angabe sein, nur verdeutlichen, dass ich hier keineswegs mit "ich hab' mal ein Englisches Buch ohne Wörterbuch daneben gelesen" argumentiere. Aber ich verstehe Ihren Hinweis durchaus.

Bisher interpretiere ich die Antworten so: es kann sich lohnen, wenn es erstmal soweit ist, bis dahin ist es ein steiniger Weg. Wie bei den meisten Sachen also. Die Frage nach der besten Herangehensweise hat ebensoviele Antworten wie Menschen, die sich beantworten. Ich selbst war immer ein "learning by doing"-Mensch. Die Frage war, ob es irgendeine "muss"-Qualifikation gibt, die man unbedingt haben sollte, z.B. "Staatlich geprüfter Übersetzer".


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Rolf Keller
Germany
Local time: 20:33
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Die richtige Frage liefert oft die halbe Antwort (nicht nur in KuDoZ) Apr 9, 2013

Marcel G. wrote:

Zu solchen Fragen bekommt man in der Regel sehr unterschiedliche Antworten, die sich zum Teil diametral gegenüberstehen


Man muss halt genauer hinsehen, dann sind viele Widersprüche keine mehr.

Beispiel:
"Man braucht ein Übersetzerstudium/man braucht keins" – in voller Allgemeinheit ist natürlich beides falsch.

Der Fehler liegt schon in der Fragestellung ("braucht man ...?") . Damit wird impliziert, dass es keine Unterschiede bei den Arbeitsaufgaben und bei den Übersetzern gibt bzw. dass jeder Übersetzer alle denkbaren Arbeitsaufgaben erledigen können muss. Wenn man das als Fakten voraussetzt, gerät man schon in bedenkliche Nähe zu einem Circulus vitiosus.

Wohl unbestrittener Fakt ist, dass manche Personen manche Übersetzungsaufgaben ohne Studium perfekt erledigen können, dass andererseits aber manche studierten Personen manche Aufgaben nicht nur nicht perfekt, sondern nur ziemlich schlecht oder gar nicht erledigen können. Und nein, ich meine damit keineswegs nur seltene Ausnahmen.

Man muss also so fragen, dass alle vier Antwortmöglichkeiten offen bleiben: Ist ein Studium eine notwendige Bedingung, ist es eine hinreichende Bedingung oder keins davon oder sogar beides?


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xxxxxLecraxx
Germany
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Widersprüche gibt es doch... Apr 9, 2013

Rolf Keller wrote:

Marcel G. wrote:

Zu solchen Fragen bekommt man in der Regel sehr unterschiedliche Antworten, die sich zum Teil diametral gegenüberstehen


Man muss halt genauer hinsehen, dann sind viele Widersprüche keine mehr.

Beispiel:
"Man braucht ein Übersetzerstudium/man braucht keins" – in voller Allgemeinheit ist natürlich beides falsch.

Der Fehler liegt schon in der Fragestellung ("braucht man ...?") . Damit wird impliziert, dass es keine Unterschiede bei den Arbeitsaufgaben und bei den Übersetzern gibt bzw. dass jeder Übersetzer alle denkbaren Arbeitsaufgaben erledigen können muss.


Das ist schon klar, Rolf, drum hieß mein Fazit ja auch "es kommt drauf an"

Man kann aber nicht bestreiten, dass das Ganze für Anfänger sehr undurchsichtig ist. Es gibt wirklich Übersetzer, die sagen, ihr Abschluss sei komplette Zeitverschwendung gewesen und sie hätten danach (!) ja viel mehr gelernt (was ja eigentlich auch normal ist, aber die Grundlagen müssen eben erworben werden). Andere sagen, ihre professionelle Übersetzerausbildung sei genau das Richtige gewesen. Bei den ersteren frage ich mich aber zum Beispiel schon mal, ob sie bei der Kundenakquise denn auch wirklich regelmäßig verschweigen, dass sie einen Übersetzerabschluss haben.. Und falls nein, ob sie die gleiche Außenwirkung ohne die Angabe ihres Übersetzerabschlusses hätten und genau so viele (Erst-)Aufträge bekommen würden. Über so etwas muss man halt nachdenken, bevor man zu schnell Leuten glaubt, die (oft auch unüberlegt) etwas im Internet von sich geben (damit meine ich niemanden hier im Thread).

Dass nicht jeder studierte Übersetzer gute Übersetzungen liefert, ist ganz normal, das ist wie in jedem anderen Beruf auch. Aber es geht ja auch erst mal um das Öffnen von Türen, und ich denke, da kann so ein Abschluss eine gewisse Hilfe darstellen, denn wie soll man sonst beweisen, dass man zumindest ansatzweise Erfahrung in dieser Richtung hat? Es ist ja auch nicht so, dass man in diesen Studiengängen gar nichts lernt.


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Constanze Deus-Konrad
Germany
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Der Markt Apr 9, 2013

Um es kurz zu machen: Der Markt wird schon entscheiden! Wenn Sie vom Übersetzen in absehbarer Zeit leben können, haben Sie wohl nicht alles falsch gemacht und sind auch nicht völlig talentfrei in dieser Beziehung. Wenn Sie es nach mehreren Jahren immer noch nicht können, sollten Sie Ihre Entscheidung ernsthaft überdenken...

Es kommt natürlich auch darauf an, ob Sie in solchen Bereichen übersetzen wollen, in denen eine Vereidigung (und somit ein Diplomstudium oder eine staatliche Prüfung) zwingend vorausgesetzt wird, z.B. im Gerichtswesen, oder ob dies nicht der Fall ist. Auf jeden Fall wäre es als Quereinsteiger ratsam, sich auf das Fachgebiet zu spezialisieren, das Sie studiert haben, eben Physik. Damit haben Sie vom fachlichen Verständnis her gegenüber reinen Übersetzern einen unschätzbaren Vorteil, den Sie Ihren Kunden dementsprechend verkaufen können/müssen. Und Patentübersetzer z.B. verdienen auch überdurchschnittlich gut.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 20:33
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QUEReinsteiger Apr 9, 2013

Marcel G. wrote:

die Grundlagen müssen eben erworben werden


Aber nicht zwingend in einem Übersetzerstudium, und das ist doch hier der Knackpunkt: Wir reden ja von den Möglichkeiten für Quereinsteiger.

Quereinsteiger fangen per definitionem nicht bei null an, insbesondere nicht, soweit es die praxisrelevanten Fähigkeiten betrifft. Manche fangen schon bei ihrer Muttersprache auf einem Niveau an, das manche studierten Übersetzer aus verschiedenen Gründen (an denen sie z. T. schuldlos sind, deren Nennung aber als politisch nicht korrekt gilt) nur mühsam erreichen.

denn wie soll man sonst beweisen, dass man zumindest ansatzweise Erfahrung in dieser Richtung hat?


Ich kenne viele Auftraggeber, die gebrannte Kinder sind und sich deswegen überhaupt nicht mehr um Zeugnisse kümmern. Die kann man z. B. mit einer Übersetzungsprobe überzeugen (oder abschrecken, ähemm). Außerdem: Die Auftraggeber interessiert nicht Erfahrung, sondern Ergebnisse.

Und was die Fachgebiete angeht: Wenn z. B. ich mit meinem Ingenieursdiplom winke, dann gehen die meisten Auftraggeber davon aus, dass ich vom linken Hinterrad für PKWs bis zur Kaffeemaschine alles kenne oder nötigenfalls gut genug recherchieren kann. Bei einem Nur-Übersetzer wird das wesentlich enger gesehen.


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xxxxxLecraxx
Germany
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Quereinsteier machen auch staatl. Ü-Prüfungen o.ä. Apr 10, 2013

Rolf Keller wrote:
Quereinsteiger fangen per definitionem nicht bei null an, insbesondere nicht, soweit es die praxisrelevanten Fähigkeiten betrifft.


Es gibt viele Arten von Quereinsteigern (wäre ein ehemaliger Englischlehrer z.B. nicht auch einer? Nicht jeder ist Ingenieur, die ja anscheinend per se schon die besten Übersetzer zu sein scheinen... ), und die machen zum Teil auch noch eine Übersetzerausbildung bzw. eine Prüfung für Quereinsteiger (staatliche Prüfung, IHK).


Manche fangen schon bei ihrer Muttersprache auf einem Niveau an, das manche studierten Übersetzer aus verschiedenen Gründen (an denen sie z. T. schuldlos sind, deren Nennung aber als politisch nicht korrekt gilt) nur mühsam erreichen.


Du lässt echt kein gutes Haar an den studierten Übersetzern, stimmt's? Wenn man dich so liest, könnte man meinen, es gäbe keine schlechteren Übersetzer als die gelernten (das hatten wir schon mal irgendwo). Es gibt sicherlich auch Quereinsteiger, die Übersetzungsaufgaben, wie du so schön sagtest, "nicht nur nicht perfekt, sondern nur ziemlich schlecht oder gar nicht" erledigen können (die meisten der wirklich miesen Übersetzer sind wohl keine, die das gelernt haben), und studierte Übersetzer, die von Anfang an hervorragende Fähigkeiten mitbringen. Einige Übersetzer sind auch durchaus in der Lage zu recherchieren (und wissen vor allem, wann es nötig ist!). So etwas lernt man im Studium nämlich auch.

Aber es ist wie in jedem anderen Studiengang auch: Nicht alle sind hinterher gut, und es kommt auch immer darauf an, was man aus so einem Studium macht und wie man seine Zeit nutzt. Wirklich tiefgehende Sprachkenntnisse muss man sich über Jahre hinweg im Selbststudium aneignen.



Ich kenne viele Auftraggeber, die gebrannte Kinder sind und sich deswegen überhaupt nicht mehr um Zeugnisse kümmern. Die kann man z. B. mit einer Übersetzungsprobe überzeugen (oder abschrecken, ähemm). Außerdem: Die Auftraggeber interessiert nicht Erfahrung, sondern Ergebnisse.


Das klingt alles schön und gut und logisch, aber es geht ja erst mal darum, dass man überhaupt an erste Aufträge kommt. Da zählt Erfahrung und Ausbildung sehr wohl und da wird ausgesiebt. Wie soll man sonst klar machen, dass man etwas in der Richtung drauf hat? Antworten auf "Bewerbungen" muss man auch erst einmal bekommen, und Probeübersetzungen muss man erst einmal machen dürfen. Und nein, das widerspricht nicht der Tatsache, dass es letztlich auf Ergebnisse ankommt. Aber dass es darauf ankommt, ist so selbstverständlich, dass es nicht erwähnt werden muss.


Und was die Fachgebiete angeht: Wenn z. B. ich mit meinem Ingenieursdiplom winke, dann gehen die meisten Auftraggeber davon aus, dass ich vom linken Hinterrad für PKWs bis zur Kaffeemaschine alles kenne oder nötigenfalls gut genug recherchieren kann. Bei einem Nur-Übersetzer wird das wesentlich enger gesehen.


Der Ingenieursdiplominhaber muss aber nicht zwangsläufig die hervorragenden Sprachkenntnisse haben, die ein studierter Übersetzer hat, und noch weniger muss er in der Lage sein, gute Texte in seiner Muttersprache zu verfassen. (Wir reden ja jetzt nicht über dich persönlich, sondern über Anfänger, die als Quereinsteiger Übersetzer werden wollen.) Zudem würde ich zu bedenken geben, dass die Top-Arbeitgeber für Übersetzer (Auswärtiges Amt, Bundessprachenamt...) in der Regel nur studierte Übersetzer einstellen (außer für exotische Sprachen). Wohl kaum, weil die immer so furchtbar schlecht sind.


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Tomás Cano Binder, BA, CT  Identity Verified
Spain
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Member (2005)
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Erstens den Doktorgrad abschliessen Apr 10, 2013

TheEastWind wrote:
Ich selbst habe Physik studiert und bin momentan als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Doktorand beschäftigt.

Meiner Meinung nach, solltest Du unbedingt den Doktorgrad vollenden. Sonst hättest Du deine Studien [so zu sagen] für kaum ein langfristigen Zweck getan. Als Doktor hast Du auch viel grössere Chancen, eine erfolgreiche Karriere als Übersetzer auszuüben.

Wie mein Vater oft sagt: als erstes das Erste, als zweites das Zweite, usw.

Viel Glück!


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Constanze Deus-Konrad
Germany
Local time: 20:33
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auf jeden Fall Apr 10, 2013

Finde ich auch, da es einem leicht als Versagen ausgelegt werden kann, wenn man etwas nicht zu Ende bringt (wenn man es denn schon einmal angefangen hat).

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